Martin Luther – Bey Anhörung des göttlichen Wortes

Martin Luther – Bey Anhörung des göttlichen Wortes

Lieber himmlischer Vater! Du hast uns dein theures, gnadenreiches, heiliges Evangelium gegeben, und mit unaussprechlich großen Gnaden überschüttet. Lieber Vater! hilf, daß wir dasselbige auch also behalten und dabei bleiben mögen, daß Jedermann möge dadurch geholfen werden.

Luc. 11, 28. Lieber Gott, du sprichst durch deinen lieben Sohn die selig, so dein Wort hören. Wie viel billiger wäre es, daß wir dich, o ewiger barmherziger Vater, ohne Unterlaß mit fröhlichem Herzen selig preiseten, dir dankten und lobeten, daß du dich so freundlich, so väterlich gegen uns arme Würmlein erzeigest, und mit uns von der größten und höchsten Sache, nämlich vom ewigen Leben und Seligkeit, redest. Gleichwohl unterlässest du es nicht, uns freundlich zu locken durch deinen Sohn, dein Wort zu hören, da er spricht: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Als konntest du unsers Gehörs nicht entbehren, und wir, die wir Erde und Asche sind, nicht viel tausendmal mehr deines seligen Worts bedürften! O wie unaussprechlich groß und wundersam ist deine Güte und Geduld! Wiederum Ach und Weh‘ über die Undankbarkeit und Blindheit derer, die dein Wort nicht allein nicht hören wollen, sondern es auch muthwillig verachten, verfolgen und lästern! –

Der ewige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi verleihe uns seine Gnade, daß wir die heilige Schrift wohl und fleißig studiren, und Christum drinnen suchen und finden, und durch ihn das ewige Leben haben. Das helfe uns Gott mit Gnaden. Amen.

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