Um die Gabe des Gebetes.

Um die Gabe des Gebetes.

Barmherziger, gnädiger, liebreicher Vater im Himmel! Du hast mir befohlen, zu beten. Dein lieber Sohn hat mich gelehret und mit einem theuren Eid die Erhörung zugesaget. Dein heiliger Geist erinnert mich oft in meinem Herzen des Gebetes. Und ich weiß, daß alle guten und vollkommenen Gaben von oben herab kommen müssen, von dem Vater des Lichts; und weiß auch, daß kein wahres, beständiges, gedeihliches Gut, es sei himmlisch oder irdisch, zeitlich oder ewig, ohne Gebet kann erlangt werden; weiß auch, daß es deine Ehre betrifft und meine höchste Nothdurft erfordert; weiß auch, was für ein freundlich Gespräch das Gebet ist mit dir, und wie du antwortest durch Trost und heilige Gedanken, und daß keine Hülfe und wahrer Trost ohne Gebet könne erlangt werden; habe dessen so viel Exempel der Heiligen und meines Herrn Jesu Christi. Dennoch bin ich so faul und träge zum Gebet, verlasse mich mehr auf meine Arbeit und Weisheit, denn auf deine Hülfe und Gnade. Ach vergieb mir solche Sicherheit und Thorheit und Verachtung deiner göttlichen Verheißung. Wende von mir die schwere Strafe, die du drohest den Verächtern deiner Gnade, daß du sie wollest wieder verachten, und daß die, so einem andern nacheilen, groß Herzeleid haben sollen; und gieb mir den Geist der Gnade und des Gebetes. Laß mich deine tröstliche Verheißung bedenken: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll seelig werden. Ehe sie rufen will ich hören, und wenn sie noch reden, will ich antworten. Der Herr ist nahe bei denen, die ihn anrufen. Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben. Wer ist unter euch, der seinem Kinde einen Stein gäbe, wenn es um Brot bittet?“ Entzünde mein Herz mit inniger und brünstiger Andacht und mit dem Licht deiner Gnade. Laß mein Gebet vor dir wohlriechen wie das Opfer Noah. Erscheine mir, wie du dem Abraham erschienest in Gestalt dreier Männer, und gehe nicht vor deinem Knecht vorüber. Segne mich in meinem Gebet wie den Isaak. Zeige mir die Himmelsleiter wie dem Jacob. Laß mich meine Hände aufheben zu dir wie Moses. Laß mein Gebet vor dir klingen wie die Cymbeln am Kleide Aarons und wie die Harfe Davids. Zünde in mir an den heiligen Durst nach dir, wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser. Rühre und reinige meine unreinen Lippen mit dem himmlischen Feuer, wie dem Jesaias. Laß mich vor dir weinen wie den Jeremias und sprechen: ach, daß meine Augen Thränenquellen waren, und ich Wasser genug hätte in meinen Augen! Laß mich deine Herrlichkeit im Geist und Glauben sehen wie Ezechiel. Erhöre mich wie Daniel. Oeffne mir die Augen wie dem Diener Elisä. Laß mich mit Petro und Maria bitterlich weinen. Erleuchte mein Herz wie den Schächer am Kreuz. Laß mich die Kniee meines Herzens vor dir beugen wie Manasse. Thue mir mein Herz auf wie der Lydia, daß ich aller zeitlichen Dinge in meinem Gebet vergesse. Ach, Herr, aller Herzen Kündiger, der du Herzen und Nieren prüfest! Du weißst, wie unbeständig menschliche Herzen und Gemüther sind, viel beweglicher denn Wasser, so vom Winde bewegt wird. Ach, befestige meine Andacht, daß ich nicht durch so mancherlei Gedanken hin und her bewegt werde. Ach, du kannst das Schifflein meines Herzens still halten, befestigen und viel besser regieren, denn ich selbst. Stehe auf, Herr, bedräue den Sturmwind und das unruhige Meer meines Herzens, daß es stille sei, in dir ruhe, dich ohne Hinderniß anschaue, mit dir vereinigt bleibe. Führe mich in die geistliche Wüste, da ich nichts sehe noch höre von der Welt, denn dich allein, daß du mit mir allein reden mögest, daß ich dich freundlich küssen möge und es Niemand sehe und mich höhne. Erneuere mein Herz, Sinn und Gemüth. Zünde in mir an dein Licht, daß es in mir leuchte; daß mein Herz brenne, und entzündet werde in deiner Liebe und Andacht. Nimm das steinerne Herz hinweg, daß ich empfinde deines Geistes Flamme, Liebe, Trost und freundliche Antwort. Ach, nimm weg durch deine Gnade alles, was meine Andacht hindert, es sei die Welt oder meines Fleisches Wille, als Zorn, Rachgier, Ungeduld, Unglauben, Hoffart, Unversöhnlichkeit, Unbußfertigkeit. Laß deinen heiligen Geist in meinem Herzen seufzen, schreien, rufen, beten, loben, danken, zeugen, und meinem Geiste Zeugniß geben der Kindschaft Gottes. Laß ihn mein kaltes Herz mit seinem himmlischen Feuer anzünden, erwärmen und mich vertreten bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Laß deinen heiligen Geist in mir wohnen, mich zum Tempel und Heiligthum Gottes machen, und mich erfüllen mit göttlicher Liebe, Licht, Andacht, himmlischen Gedanken, Leben, Trost, Stärke, Freude und Friede. Laß deinen heiligen Geist den Tempel meines Herzens mit dem himmlischen Weihrauch der göttlichen Andacht lieblich und wohlriechend machen. Laß uns durch deinen heiligen Geist, o Vater, mit deinem lieben Sohne, Jesu Christo, vereiniget werden, daß wir in ihm, durch ihn, mit ihm beten, als mit unsrem Haupte. Laß uns auch durch den heiligen Geist mit allen gläubigen Herzen und der ganzen heiligen Kirche vereiniget werden, daß wir mit der ganzen Kirche, für die ganze Kirche und in der Kirche, als in deinem Heiligthum, beten, und im Namen Jesu Christi erhöret werden. Amen.

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