Um die Gnade, recht zu beten.

Um die Gnade, recht zu beten.

Ps. 50, 15. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.

Ach lieber Herr, du großer, ewiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich erkenne und bekenne demüthiglich, daß ich nicht würdig bin, meine Augen, Hände und Mund gegen dich aufzuheben, und mit meinem armen Gebete vor deiner hohen Majestät zu erscheinen, sintemal ich nichts denn Erd und Asche und dazu von Natur ein Kind des Zorns und großer Sünder, also unreiner Lippen und unreinen Herzens bin. Ich weiß aber auch aus deinem heiligen Worte, daß du bist gut, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue, dazu nahe allen, die dich mit Ernst anrufen. Denn wiewohl du dich so hoch gesetzt hast, daß der Himmel dein Stuhl und die Erde deine Fußbank ist, so siehest du doch an den Elenden und der zerbrochnen Geistes ist und wendest dich zum Gebete der Verlassenen. Du hast uns auch mit besonderem Ernste befohlen, daß wir dich in der Noth anrufen und unsre Herzen vor dir ausschütten, ja daß wir ohne Unterlaß beten sollen, mit angefügter trostreicher Zusage, daß du das Gebet deiner Gläubigen gewiß anhören und sie ihrer Bitte gnädiglich gewähren wollest. Ueber das hast du uns im Vaterunser Wort und Weise gelehrt, wie wir mit dir reden sollen. Auf solch deinen Befehl und Verheißungswort, wie auch auf die von dir selbst uns vorgeschriebene Anweisung zu beten, komme ich nun ganz getrost und mit aller Zuversicht zu dir und bitte dich herzlich, weil ich ja aus und von mir selbst nicht weiß, was und wie ich beten soll, dazu der böse Geist, die arge Welt und mein eigen Fleisch mir immerdar allerlei Hinderniß legen, so daß ich zum Gebete oftmals sehr kalt und nachläßig bin, du wollest deiner Zusage nach (Sachar. 12, 10.) den Geist der Gnaden und des Gebetes über mich ausgießen, der mich nicht allein zu unabläßigem, ernstlichem Gebete erwecke und antreibe, sondern auch dasselbe in meinem Herzen anzünde und formire, ihm Wort und Ausdruck gebe, und mich auf’s Beste vor dir vertrete mit unaussprechlichem Seufzen.

O Herr, mein Hort und mein Erlöser, laß dir wohlgefallen das willige Opfer meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir. Laß mein Gebet vor dir taugen wie ein Rauchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer. Höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie; sei mir gnädig und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.

Merk auf mich und erhöre mich, denn ich rufe täglich zu dir. Erfreue die Seele deines Knechts (deiner Magd), denn nach dir, Herr, verlanget mich. Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Mein Herz hält dir vor dein Wort: „Ihr sollt mein Antlitz suchen. Thue deinen Mund weit auf, ich will ihn füllen. Ps. 81, 11. Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgethan.“ Math. 7,7. Auf solch dein Wort thue ich auch meinen Mund weit und getrost auf und bitte dich herzlich: O Herr, gieb mir, was mir zu meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt nöthig und nützlich ist. Auf solch dein Wort suche ich: o Herr, laß mich dein Vaterherz finden. Auf dein Wort klopfe ich an: thue mir, o Herr, auf die Thür deiner Gnaden hier in dieser Welt und öffne mir endlich die Thür deines ewigen Himmelreiches, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen, in dessen Namen ich mit allen gläubigen Christen bete, wie er mich selbst gelehrt hat: Vater unser u. s. w.

Hilf Gott, daß mir’s gelinge,

Du edler Schöpfer mein,

Und mein Gebet erklinge

Jetzt in den Ohren dein,

Ja, daß es in dein Herz eindring

Und, wie du mir versprochen,

Alles von dir erzwing.

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