Charles Haddon Spurgeon – Vor einer Predigt über Joh. 13, 1-5, am 12. Oktober 1879.

Jehovah, unser Gott! du liebst dein Volk, du hast alle Heiligen in die Hand Jesu gelegt und hast Jesum gegeben, dass er ihnen ein Führer, ein Gebieter und ein Bräutigam sei; und wir wissen, du hörst uns gern für deine Kirche beten, denn du hast ihn lieb und du bist bereit, ihm zu geben von den Gütern und Gaben des Bundes, die du für Christum Jesum aufbehalten hast. Deshalb beginnen wir unser Gebet heute Morgen damit, dass wir dich bitten, den Weinstock und den Weinberg, den deine Rechte gepflanzt hat, anzublicken und zu besuchen. Schaue auf Zion, die „Stadt unsers Stifts“, schaue auf die, welche du erwählt hast, ehe denn die Welt gegründet ward, die Christus mit Blut erlöst hat, deren Herzen er gewonnen hat und festhält, die sein sind, obgleich sie in der Welt sind.

Heiliger Vater, bewahre die Deinen, wir bitten dich, um Jesu willen: obwohl sie in der Welt sind, lass sie nicht von der Welt sein; sondern gib, dass ein deutlicher Unterschied zwischen ihnen und der übrigen Menschheit sei. Eben wie ihr Herr heilig, unschuldig, unbefleckt und von den Sündern abgesondert“ war, so sei es mit denen, die an Christum glauben. Mögen sie ihm folgen; und mögen sie nicht die Stimme der Fremden kennen, sondern von den übrigen ausgehen und ihm folgen außer dem Lager.

Wir bitten dich heute Morgen um die Bewahrung deiner Kirche in der Welt und besonders um ihre Reinheit. O Vater, behüte uns, wir flehen dich, mit aller deiner Hut, auf dass der Böse uns nicht anrühre. Wir werden versucht werden, aber gib nicht zu, dass er uns überwinde. In tausenderlei Weise wird er Schlingen für unsre Füße legen, aber Herr, befreie uns wie einen Vogel von dem Strick des Vogelstellers. Möge die Schlinge zerrissen werden, auf dass wir entfliehen.

Lass die Kirche zu keiner Zeit verunehrt werden, sondern lass ihre Kleider immer weiß sein. Lass nicht solche in sie hineinkommen, die nicht von ihr sind, die sie schänden. O Christus, wie du über Judas seufztest, so dürfen deine Kinder zu dir rufen wegen derjenigen, die abgewichen sind in krumme Pfade hinein, damit die Sache Christi nicht verunehrt werde auf Erden. O Gott, bedecke, wir bitten dich, mit deinen Fittichen alle, die Christo angehören und behüte deine Kirche, bis er kommt, der, wie er die Seinen liebte, die in der Welt waren, sie bis ans Ende liebt.

Jeder von uns möchte dich heut Morgen bitten‘, dass seine Füße gewaschen werden; wir vertrauen darauf, dass du uns ein für alle Mal in dem Born, der die Sünde wegnimmt, gebadet hast. Du hast uns auch in dem Wasser der Wiedergeburt gewaschen und unser Gemüt erneuert durch Jesum Christum. Aber Herr, die tägliche Reinigung! Siehst du einen Fehler in uns! – Herr, wir wissen, dass du es tust- wasche uns, auf dass wir rein seien. Mangelt uns eine Tugend? O, gib sie, damit wir vollkommen seien zur Ehre dessen, der uns neu gemacht hat in Christo Jesu. Oder wird etwas, das an sich gut ist, bis zum Übermaß getrieben? Mäßige es, damit eine Tugend nicht die andere töte, und wir vollständig das Bild Christi seien. O Herr und Meister, du, der du einst die Füße der Jünger wuschest, sei immer noch sehr geduldig mit uns, sehr herablassend gegen unsre ärgerlichen Fehler und fahre mit uns fort, wir bitten dich, bis dein großes Werk vollendet ist und wir Brüder des Erstgeborenen sind und ihm gleich.

Gnädiger Herr, wir wünschen unser Ich in jeder Hinsicht zu überwinden; wir begehren, für die Ehre Gottes und das Wohl unserer Mitmenschen zu leben. Wir möchten, es wäre von uns wahr, wie von unserm Herrn: Andern hat er geholfen und kann ihm selber nicht helfen.“ Willst du uns besonders helfen, den Leib mit all seinen Neigungen und Lüsten zu überwinden; möge das Fleisch darnieder gehalten werden; lass keine Begierde der gröberen Art die Herrschaft über uns gewinnen, damit wir nicht entehrt und unrein werden. Und lass nicht einmal der feinsten Kraft der Natur gestattet sein, so zu wirken, dass sie der Herrschaft des Geistes Gottes in uns Eintrag tut.

O, hilf uns, nicht so leicht erregt zu werden, nicht einmal durch Schmerz; mögen wir viel Geduld haben; und lass nicht den Hinblick auf den Tod uns irgendeine Furcht verursachen, sondern lass den Geist die Herrschaft über den Körper gewinnen. Wir wissen, nichts kann dem wahren Menschen schaden den inneren, neugeborenen kann kein Schlag treffen; er soll auch nicht sterben: er ist ganz unvergänglich, lebt und bleibt immerdar in dem Leben, das in Christo Jesu ist.

Q, dass wir unser Ich völlig besiegten! besonders mache uns unempfindlich gegen Lob, damit wir nicht zu empfindlich gegen Tadel werden. Lass uns den Beifall Gottes und den unsers eignen Gewissens für völlig genug halten; und mögen wir es zufrieden sein, gnädiger Gott, die Mäkeleien unvernünftiger Menschen zu hören; ja, und die Verdrehungen unserer Worte durch unsre eignen Brüder. Wenn die, welche wir liebhaben, uns nicht lieben, so lass uns sie darum nicht weniger liebhaben; und wenn sie uns irrigerweise falsch beurteilen, so lass uns nicht hart über sie urteilen; und Gott gebe, dass wir niemals einander falsch richten. Steht nicht unser Richter vor der Türe? O, lass uns wie kleine Kinder bleiben, die nichts wissen, aber hoffen, hernachmals zu wissen, und zufrieden sind, Dinge zu glauben, die sie nicht verstehen. Herr, lass uns demütig, abhängig, doch heiter und freudig bleiben. Mögen wir stille und ruhig sein, wie ein entwöhntes Kind, aber eifrig und tätig.

Heiland, mache uns dir gleich; wir wünschen nicht so sehr zu handeln, als zu sein. Wenn du machen willst, dass wir sind, wie wir sein sollen, so werden wir handeln, wie wir sollen. Wir haben uns oft Zwang aufzulegen, um so zu sein, wie wir sollten; aber o, dass wir dir gleich wären, Jesus, so dass wir nur unsrer Natur gemäß zu handeln brauchten, um vollkommen heilig zu handeln. Wir werden niemals ruhen, bis dies der Fall ist, bis du uns innerlich heilig gemacht hast; und dann müssen ganz von selbst Worte und Taten heilig sein.

Nun, hier sind wir, Herr, und wir gehören dir an. Wir erfassten das Wort, als wir es lasen „wie er hatte geliebt die Seinen.“, weil wir die Deinen sind, darum haben wir Hoffnung. Du willst uns deiner würdig machen. Weil du uns in Besitz genommen, hoffen wir auf Vollkommenheit. Du wäscht unsre Füße, weil wir dein sind. O, wie süß ist die Barmherzigkeit, die uns erst an ihr Herz nahm, und nun fortfährt, milde mit uns zu verfahren, damit wir, nun wir Christi Eigentum geworden, so viel von Christo in uns haben mögen, dass alle es sehen können: wir sind des Herrn.

Heute Morgen möchten wir nun alle deine Heiligen vor dich bringen und dich bitten, ihnen in ihren Prüfungen und Leiden zu helfen. Einige hier, die wir kennen, haben körperliche Schmerzen, andre haben kranke Angehörige; einige haben von Armut zu leiden und sind in großer Not. Herr, wir kennen nicht die Trübsale all der Deinen, aber du kennst sie; denn du bist das Haupt, und die Schmerzen all deiner Glieder haben in dir ihren Mittelpunkt. Hilf all den Deinen bis ans Ende.

Nun bitten wir, uns den Sabbatsegen zu gewähren, um den wir schon gefleht haben; und lass ihn auf alle Kirchen unseres geliebten Landes kommen. Möge der Herr wahre und unbefleckte Religion hier wiederum neubeleben und in all den andern Ländern, wo Christus gekannt und gepredigt wird; und lass den Tag kommen, wo die Heiden bekehrt werden, wo der Halbmond Muhameds abnimmt und sich in ewige Nacht verdunkelt, und wo sie, die auf den sieben Bergen sitzt und sich an die Stelle Gottes erhebt, herabgeworfen werden wird und wie ein Mühlstein ins Meer versinket. Lass das selige Evangelium des ewigen Gottes herrschen; lass die ganze Erde seiner Ehre voll werden. O, dass wir diesen Tag erleben möchten!

Der Herr segne unser Land; habe Erbarmen mit ihm in seinem gegenwärtigen traurigen Zustande. Gott segne Ihre Majestät, die Königin, mit jeder Gnade und jedem Segen. Verleihe, dass, in deiner unendlichen Weisheit, eine Änderung im Handel und Verkehr stattfinde, so dass keine Klage und keine Not mehr sei. O, lass die Menschen deine Hand sehen und verstehen, warum dieselbe auf sie gelegt ist, damit sie sich vom Unrechttun abwenden, Gerechtigkeit suchen und dem Frieden nachjagen. Der Herr höre uns, wenn wir im Verborgenen oft zu dir schreien für dieses, unser teures Land; der Herr erhebe wiederum sein Angesicht auf dasselbe um Jesu willen. Amen.