Wie groß ist deine Güte, mein Gott, und wer kann sie fassen? Wer kann deine Wohltaten zählen? Wohin ich blicke, da begegnet mir deine wohltätige Hand. Mit jedem Morgen wird deine Güte neu und mit jedem Abend muss ich Dir neuen Dank bringen für die Vermehrung der Geschenke deiner Güte. Du sorgst wie ein Vater für mich und alle Tage meines Lebens geben Zeugnis von deiner Liebe.
Ich danke Dir, mein Vater, für so viele frohe Stunden, für so viele fröhliche Tage, die ich durch deine Gnade verlebte. Ich danke Dir für jeden Sonnenblick, der mich erheiterte; für jeden Trunk, der mich labte; für jede Speise, die mich erquickte; für jeden Genuss der Freude, den Du mir gegönnt hast. Alles ist deine Gabe, was Du mir verliehst oder durch Menschen erzeigtest, die mir wohl wollten.
O wie groß ist die Langmut, mit welcher Du meine öftere Undankbarkeit ertragen hast und den Missbrauch, den ich von deinen Gaben machte! Wie groß ist die Geduld, womit Du mich von meinen Verirrungen zurückgeführt und mich von den Gefahren errettet hast, in welche ich selbst mich gebracht hatte! Was wäre ich ohne deine Erbarmung!
Auch was Du mich leiden ließest, geschah nach deinem väterlichen Rat. Du demütigtest mich, um mich meine Torheit erkennen zu lassen. Du entzogst mir einen Teil deiner Gaben, damit ich sie schätzen lernte und mäßiger und zufriedener wurde. Wenn Du gibst und wenn Du nimmst; wenn Du wohltust und wenn Du züchtigst, bist Du die unveränderliche Liebe.
Du hast nicht alle meine Wunsche erhört, mein Vater; und wie sehr muss ich Dir danken, dass Du meine unverständigen Anschläge und Erwartungen vereitelt hast. Wie oft hatte ich seufzen müssen, wenn alles nach meinem Willen gegangen wäre. O lass mich alles mit Ergebung annehmen, was aus deiner Hand kommt und deiner Führung allewege gläubig vertrauen.
Vergib meinem Leichtsinne, dass ich von deinen Wohltaten, die mich wie das Licht der Sonne umgeben, so oft ungerührt bleibe und Deiner beim Genuss deiner Gaben vergesse. Vergib meiner Unzufriedenheit, die mich oft zu unkindlichen Klagen reizt, wo ich Dir danken sollte. Dir kann ich nichts vergelten, allgenugsamer Gott! Aber was ich an meinen Brüdern, deinen Kindern, tue, das nimmst Du an, als wäre es Dir geschehen. O so gib mir ein liebendes Herz; mache mich geduldig und versöhnlich; freundlich und barmherzig. Bewahre mich vor Übermut, vor Geiz und Neid, und lass mich stets erkennen, wie ich alles bloß aus deiner Gnade bin und habe. O diese Gnade ziehe mich zu Dir und vereinige mich immer inniger mit Dir, dass ich nicht aufhöre Dir zu danken und mich deiner heiligen Liebe zu erfreuen. Amen.