Johann Arnd – Um die Gnade des Gebets

Gnädiger, liebreicher Vater, Du hast mir befohlen zu beten und dein lieber Sohn hat es mich gelehrt; dein Heiliger Geist erinnert mich oft in meinem Herzen des Gebetes. Ich weiß, dass alle vollkommene Gaben von Dir, dem Vater des Lichts, kommen müssen und dass kein wahres, beständiges Gut, keine Hilfe und kein wahrer Trost ohne Gebet erlangt werden könne. Dennoch bin ich so lässig und träge zum Gebet und rechne mehr auf meine Arbeit und Klugheit als auf deine Hilfe und Gnade. Ach, vergib mir solche Sicherheit und Torheit und Verachtung deiner hohen Verheißung. Wende von mir die Strafe, die Du den Verächtern deiner Gnade drohst und gib mir den Geist der Gnade und des Gebetes. Lass mich deine tröstliche Verheißung bedenken, dass selig werden soll, wer deinen Namen anruft; dass Du antworten willst, wenn wir zu Dir reden, dass Du nahe bist bei denen, die Dich anrufen.

Entzünde mein Herz mit inniger und brünstiger Andacht; dass mein Gebet Dir angenehm sei und gehe nicht vor mir vorüber. Erfreue mein Gemüt mit dem Licht deiner Gnade und reinige meine Lippen durch das himmlische Feuer deines Geistes. Segne mich in meinem Gebet und lass es Dir wohlgefallen, wenn ich meine Hände zu Dir aufhebe. Erwecke in mir einen heiligen Durst nach deiner Gnade und lass mich deine Herrlichkeit im Glauben sehen, wenn mein eignes Elend mich niederbeugt und meine Augen mit Tränen füllt.

Ach Herr, der Du die Herzen kennst und prüfst, Du weißt, wie unbeständig menschliche Gemüter sind, viel beweglicher als die Welle vor dem Winde. O befestige Du meine Seele und nimm von mir den zerstreuten Sinn, dass ich nicht durch mancherlei Gedanken hin und her bewegt werde. Regiere Du das Schifflein meines Herzens mit dem Hauche deines stillen Geistes und bedrohe den Sturm, dass es ruhig in mir werde, dass ich Dich ohne Hindernis anschaue und in himmlischer Stille mit Dir vereinigt bleibe. Führe mich in die Abgeschiedenheit, wo ich die Welt vergesse und Du Dich mir offenbarst. Erneuere Herz, Sinn und Gemüt, und nimm weg durch deine Gnade alles, was deine Liebe hindert, jegliche Reizung des sündlichen Wilens und stolzen Unglaubens. Lass meine Brust eine Wohnung deines Heiligen Geistes sein, dass ich Dich anrufe, Dich lobe und Dir danke und ein Zeugnis meiner Kindschaft empfange. Erfülle mich mit Liebe, Trost und Stärke; gib mir den Frieden, der von Dir kommt und die Andacht, die Dich überall sucht und findet und die Freude, die nicht von mir kann genommen werden. Lass mich mit Dir, mein Vater, und mit deinem Sohne, als meinem Herrn und Haupt, durch die Wirkung deines Geistes immer völliger vereinigt werden und mache mich zu einem lebendigen Gliede der Gemeine im Himmel und auf Erden, die deinen Willen tut und Dich mit gläubiger Zuversicht der Erhörung im Namen Jesu Christi anruft. Amen.