Wilhelm von Blois – Sehnsucht nach Jesus

Selig, ja über die Maaßen selig bin ich, o Herr, wenn ich empfinde, daß ich Dich habe; renn ich aber mit Sinn und Gedanken von Dir getrennt bin, dann kommen mir die Wohlthaten Deiner Liebe, die Du mir immerdar erzeigst!, wie Werke vor, die der Begräbnißfeier einer Leiche gelten. Thue mir auf, lieber Herr, die Thür Deiner Gnade, daß ich wieder zu Dir kommen und sehen möge. Es leuchten mir zwar in den Evangelien Deine Thaten und Worte; es schlagen an meine Ohren Dein und aller Deiner Frommen heilige Exempel. Aber beim Scheine der Sonne, wie unter dem Getöse des Meeres und dem Halle der Donner schlafe ich. Wie lange Herr, wie lange willst Du fern von mir bleiben? Wie lange willst Du Deine Himmel nicht zerreißen und herabsteigen? Manchmal ist es mir zwar, als schwebte ein Hauch Deines Geistes an mir vorüber und spräche: Komm zu mir, und laß dich erleuchten! Ich höre es, ich schrecke auf, ich mühe mich, die Sinne meiner Seele auszusenden, Dich zu suchen, ich trete heraus ans der dunkeln Kammer meines Herzens und blicke hin zu dem Aufgang aus der Höhe. Aber bald schließen sich die matten Augen wiederum, ich kann mich nicht halten und sinke zitternd zurück. O gieb Gnade, daß ich ihn finde, den Quell der Thränen, der in den Thälern zerschlagener Herzen so leicht fließt! Wie der Habicht seine Flügel gegen Mittag breitet, so breite ich meine Hände aus zu Dir; meine Seele dürstet nach Dir, wie ein dürres Land.

Huldrych Zwingli – Bitte um Vergebung

Gott, der Du uns durch den Größten derer, die vom Weibe geboren sind, hast kund thun lassen, daß Dein Sohn das Lamm sei, welches unsere Sünden hinwegnehme, gewähre, daß wir jetzt durch dieses Lamm beten und rufen: O Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Verzeihe, o Gütiger, all unsere Schuld! Dazu hat Dein Sohn am Stamme des Kreuzes gelitten, daß wir durch ihn einen ewigen Zugang haben zu Dir! Dazu hat er sich mit unsrer Schwachheit umkleidet, damit wir in ihm gekräftiget werden! Dazu hat er sich uns zur Speise dargegeben, damit wir durch ihn genährt zur vollkommenen Mannheit seines Alters heranwachsen! Ziehe unsere Herzen zu Dir durch Dein Gnadenlicht! und mache selbst uns würdig, im wahren Glauben zu diesem heiligen Nachtmahle Deines Sohnes hinzutreten, bei dem er selbst Gast und Speise ist. Amen.

Huldrych Zwingli – Abendmahlsgebet

Durch Deinen Mund, o Herr, belehrt, daß Himmel und Erde eher vergehen, als Dein Wort, glauben wir festiglich, daß auch nicht der kleinste Buchstabe desselben dahinfalle. Daher glauben wir zuversichtlich, daß Dein Sohn, sowie wir versichert sind, daß Er durch das Einmal am Kreuze für uns dargebrachte Opfer uns Dir ewig versöhnt, uns unter den Zeichen des Brodes und Weines, sich selbst zur Speise unserer Seelen dargegeben habe, damit das Gedächtniß dieser seiner Liebesthat niemals unter uns erlösche. Wenn aber dennoch unser Glaube irgend wanken sollte, so vermehre Du nach Deiner Güte unsern Glauben und verleihe, daß, sowie Dein Sohn durch die Schmach und Bitterkeit des Kreuzes uns zu Deiner Gnade zurückgeführt, und uns die ewigen Freuden erworben hat, auch wir, indem wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, nach seinem Vorbilde und von ihm geleitet und getragen, die Leiden und Anfechtungen dieser Welt überwinden. Zu dem Ende hat er sich ja uns zur Speise dargegeben, damit auch wir, sowie er selbst die Welt überwunden, durch ihn genährt und gestärkt die Welt zu überwinden vermögen. Vergebens rühmen wir uns sein Gedächtniß zu begehen, wenn unser Ruhm nur im Wort besteht. Verleihe Du denn, liebreichster Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch den Du alles belebest, erneuerst und regierest, daß wir durch die That ihn verkündigen und darstellen, damit in uns Dein Bild, das vormals in Adam verdunkelt worden, wieder zu seinem ersten Glanze erneuert werde. Daß solches in uns um so lebendiger und kräftiger geschehe, so verleihe, o Gott, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, daß Alle, welche jetzt der Speise seines Leibes und Blutes theilhaftig werden, auch von nun an ihm allein sich weihen und leben, und in ihm, der eins mit Dir ist, auch Eins werden.

Huldrych Zwingli – Gebet um geistliche Speise

Gott, der Du nicht allein den Menschen von Jugend auf ernährest, sondern auch alle lebenden Wesen, wir bitten Dich, daß Du unsere hungernden Seelen mit himmlischer Speise sättigen wollest,, dieweil Du es bist, der die Hungrigen mit Gütern füllet. Unsre Seele ist ein Geist, durch Deine Hand, nach Deinem Bilde geschaffen, und kann daher nur durch geistige Speise erquickt werden. Diese wird aber allein durch das Wort Deines Mundes dargereicht. Denn Dein Wort ist wahrhaftig, dieweil Du die Wahrheit selber bist, von dem nur Wahres, Heiliges, Zuverlässiges und Reines entstammen kann. Wir bitten Dich daher, o Herr, Du wollest uns niemals die Speise Deines Wortes mangeln lassen, sondern uns immerdar mit Deiner Güte erquicken! Denn Dein Wort ist das Brod, welches der Welt das Leben verleiht. Vergebens essen wir das Fleisch Deines Sohnes und trinken sein Blut, wenn wir nicht vorher durch den Glauben an Dein Wort fest versichert werden, daß dieser Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, für uns ans Kreuz geschlagen, die Sünden der ganzen Welt gesühnet habe. Denn er selbst hat gesagt, das Fleisch ist nichts nütze, der Geist ist es, der da lebendig macht. Daher flehen wir Dich an, daß Du uns niemals Dein Wort entziehen wollest, damit wir durch Deinen Geist lebendig gemacht werden; denn auf den Flügeln Deines Wortes wird uns Dein Geist zu Theil, dieweil dasselbe niemals leer zurück kehret. Durch dieses Dein Wort erlangen wir allein die Freiheit des Geistes, denn es ist allein wahrhaftig und Du hast uns durch Deinen Sohn versichert, daß, wenn die Wahrheit uns frei mache, wir alsdann wahrhaftig frei seien. Verleihe daher, daß uns niemals die Speise Deines Wortes, durch welches wir frei und des Heils versichert werden, fehlen möge. Wir bitten Dich darum durch Deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir lebet und herrschet in Einigkeit des hl. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Huldrych Zwingli – Gebet und Vaterunser

Zu Dir erheben wir unsere Herzen im Gebete! Liebreichster dreieiniger Gott und Vater, der Du im Anfange den Menschen erschaffen, daß er hier des Paradeis und einst dort Deiner sich freue. Von dieser Gnade sind wir durch eigene Schuld abgefallen, und so mit Recht des Todes schuldig geworden, ja, unser ganzes Geschlecht ist dermaßen verderbt, daß keine Hoffnung zum Leben übrig geblieben wäre, wenn nicht Du, der allein gut, nach Deiner Güte unser Elend zu erleichtern beschlossen. Darum hast Du den Samen verheißen, welcher der verführerischen Schlange den Kopf zertrete, damit wir elende Menschen nicht in ewiger Verzweiflung verschmachten müssen. Und als die Zeit erfüllet war, sandtest Du den verheißenen Samen, Deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, geboren von Maria, der unbefleckten, ewig reinen Jungfrau, damit er ein unbefleckter, heiliger Priester für uns werde, der auch nur das reinste und vollkommenste Opfer darbringen konnte, und dieweil er unter der ganzen Schaar der Menschen kein solches gefunden, hat er sich selbst für uns Elende tödten lassen, ja nicht genug, er gab sich auch selbst uns zur Speise und zum Tranke, damit es uns an nichts mangeln solle. – Dich, gütigster Vater, flehen wir an, verleihe, daß unsere Lippen immerdar das Lob Deiner Güte darbringen, wiewohl unser Dank und Preis doch niemals die Größe Deiner Wohlthat erreicht. Dich, der Du bleibest, wie Du bist, und das Gefäß Deiner Güte nicht verringerst, rufen wir an, daß Du uns würdig machest, Dein Lob mit Herz, Mund und That darzubringen, und nichts und niemals Etwas von Dir zu erbitten, was Deiner Güte widerstreitet. Solches wird uns am besten gelingen, wenn wir Dich mit den Worten preisen und anrufen, mit welchen Dein geliebter Sohn, unser Herr Jesus Christus vor Dir zu treten, gelehret hat. Unser Vater, der Du bist in den Himmeln, geheiliget werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Hieronymus von Prag – Vergebung

Herr ich wayß das du warer gott bist / ain schöpfer der welt / und menschlicher natur. Ich weyß das du bist die volkommen dryfaltigkeit / und unzertailige und unabgeschiden / unterschiden in dreyen person / vatter sun hailiger gaist. ich weiß das du das ewig wort bist / das do abgestigen ist von dem hymel in das erdtrich / in den leynb der junckfrawe Marie. Du bist gesprungen auff das holtz des creutz / zu vergiessen dein kostparliches blut / für uns arm sünnder. Ich bit dich demütigklich mein Herr. Ich bit dich Hertziglich mein säligmacher. Ich bit dich umb deines leidens willen / mein tröster / das so vil kostparlichs bluts für mich nit sey unnützlich vergossen / sunder in vergebung aller meiner sünd für die ich beger der vergebung. Von dem tag seyder ich hab empfangen das wasser des hayligen taufs / biß auf den punct / Und klag dir herr mein schuld. Und deßgleichen beger ich vergebung / in dem so ich hab beleydiget / und betrübt dein volck. Und ich bit demütigklich von allen menschen durch got / das sy gott für mich bittenn. Das er sey mein sterck / yetzundt / und biß in mein letstes end. Damit das der feind nit hab macht über mich: Amen:

Hallo Welt!

Und gleich noch ein Spin-Off der Glaubensstimme – der Titel verrät schon, um was  es geht: Um Gebete der Christenheit. Sicher, es mag genug Seiten über das Gebet geben – doch es wird leider nicht genug gebetet. Vielleicht findet der eine oder andere hier eine Anregung dazu.

Wer bislang hier war, wird feststellen, dass sich die Inhalt deutlich geändert haben – ich habe die Seite neu aufgesetzt, um mir die Bearbeitung einfacher zu machen. Die Gebete, die im Augenblick fehlen, kommen auch noch.

Gruß & Segen,

Andreas