Johann Friedrich Stark – Bitte um Geduld

Herr, mein Gott! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt; dieß ist mein Trost, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du es mir aufgelegt, so hilf mirs tragen. Und weil die Geduld auch gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir dieselben nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkst, wenn du mir hilfst und beistehst, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ichs kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die strauchelnden Kniee, sage meinem verzagten Herzen: dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und Helfer. Ja, wenn du hilfst, so ist mir geholfen; darum hilf mir, o mein Heil! Stelle doch meiner Seele vor, es sey dein heiliger Wille, daß ich also leiden, und mein Kreuz tragen soll; darauf ich mich denn mit Freuden entschließe, und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem kreuz und in der Betrübniß liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit dauern werde, ja daß dieser Zeit Leiden nicht werth sey der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seyest, daß dieses Kreuz nicht sey ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade. Stelle meiner Seele vor das Exempel der Geduld meines lieben Heilandes Jesu Christi, der alles geduldig auf sich nahm. Gieb, daß ich ihm in solcher Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gieb, daß ich mit dulde und leide, damit ich auch mit zur Herrlichkeit erhaben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, und das Gebet verhindern, sondern gieb mir neue Kraft und neuen Muth, wann ich einen Sturm ausstehen muß, oder ausgestanden habe. Ja stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen, und dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, meine Hülf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller Noth, wer mag dir widerstreben? Amen.

Johann Friedrich Stark – Dank für Gesundheit

O du gnädiger und barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schutz und Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen lässest. Nun mein Gott! ich erkenne, daß dieses ist eine der guten Gaben, welche von dir, o Vater des Lichts! von oben herab kommen. Herr, Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren lässest? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind. Höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind, als ich, und viel andächtiger beten, als ich, mir aber giebst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan hast, und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gieb mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lob und Ehren, zu Nutz meines Nächsten und Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lob- und Dank-Lieder anstimmen könne. O mein Gott! gieb mir auch Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund sey im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung, und getrost im Tode. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott! du frommer Gott! du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib, ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib, Amen.

Johann Friedrich Stark – Bitte um Liebe zu Gott

O du liebreicher, gnädiger Gott! du bist allein liebenswürdig, dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher und zu dm heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern daß ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade nicht allezeit Platz gebe, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändre doch mein Herz, reiß aus demselben alle Welt- und Sünden-Liebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleisches-Lust, Augen-Lust und hoffärtiges Leben, dazu ich leider von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben, und alle Eitelkeit fliehen möge. Denn, will ich ein rechtes Kind Gottes seyn, so muß die Sündenwelt und eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über Alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein Gott! zu dir, und bitte dich, ach! gieb mir deinen heiligen Geist, der diese christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge, in dessen Kraft will ich dich meinen Gott von Herzen und beständig lieben, meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber seyn, als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu sündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Willen und Leben einrichten, dich will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde diese Liebe in meinem Herzen, je mehr und mehr, daß sie bis an mein seliges Ende dauern möge. Gieb mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Ach! laß mich in Liebe mit dir vereinigt seyn in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott! ja dich um deinetwillen; nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott soll meine Liebe stillen; und sollt kein Höll und Himmel seyn, was mich zur Liebe triebe, so wärst du mir genug allein, warum ich dich nur liebe, Amen.

Johann Friedrich Stark – Bitte um Nächstenliebe

Ach du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebst, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen, wie du uns liebst. Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben als mich selbst, ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen giebest, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre. Ich sollte meinen Feind, der mich hasset, schmähet, verfolget, drücket, herzlich lieben, ihm Gutes wünschen, ja ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du allwissender Gott! siehest und weißest, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist, wie leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, daß ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott! wie das Bitten für meine Feinde so träge und gering ist. Ach, mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, wie ich billig seyn sollte, welche man daran erkennen wird, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach ändre doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß mich meinem Nächsten gerne und mit Freuden das gönne, was du ihm giebst, und nicht deßwegen betrübt drein sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohlthat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gieb mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, nichts Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute anwünsche. Herr mein Gott! du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und Beistand wird es mir möglich werden. Laß mich an andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann, ohn Eigennutz und Heuchelschein, und wie du mirs erwiesen, aus reiner Lieb allein, Amen.

Johann Friedrich Stark – Bitte um Demut

Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron alle Auserwählten in Demuth ihr Antlitz bedecken; ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmuth geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oft vergesse, daß ich Staub und Asche bin. Ach mein Gott! gieb mir doch ein demüthig Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deiner gewaltigen hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten, und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen, aber daß du auf die demüthige Seele dein Licht, Trost, Gnade und Güte hast reichlich fließen lassen, wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken, gieb, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringt. Drücke in mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedrigt hat. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben, und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Niemand Ehre begehre, sondern alle Ehr, allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Frieden und Einigkeit mit Jedermann leben. Lasse mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu seyn, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünd, davor bewahre mich in Gnaden. Und so dir ja gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, so gieb mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind die Demuth haben und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott wird allein gepreist, danken dem auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr: Gott wird dort zu Ehren setzen, die sich selbst gering hie schätzen, Amen.

Johann Friedrich Stark – Bitte um Sanftmut

O du liebreicher Gott! der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe in mein Herz ausgießen durch den heiligen Geist. Ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oft gar widerspenstig und unbändig ist. Es sollen in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit seyn; aber ach! ich finde leider statt dieser christlichen und nothwendigen Tugend: Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mit Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott! aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sey der Kinder Gottes und der wahren Christen Art: ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gieb mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Exempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohete, daß er sich an ihnen künftig rächen wollte, da er litt, stellte aber vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gieb mir auch einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalte, und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lasse. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge seyn wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut, zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gieb Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, ihm alles Gute wünsche, ja ihm gern helfe, und wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, Gebärden und Werken spüren lasse, sondern wie gegen Jedermann, so auch gegen meine Feinde in dem Herzen sey mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Gebärden holdselig, und mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert, und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gieb, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missethaten verzeihen sollst, daß ich nicht täglich wider mich selbst beten möge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider diese Tugend aufsteigende Lust, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleins durch deine Gnade in die Häuser des Friedens versetzt werde. O Seele! schaue Jesum an, hier kannst du recht erkennen, was wahre Demuth heißen kann, und was wir Sanftmuth nennen, er stellet sich zum Uster dar: wie Jesus nun gesinnet war, so sey du auch gesinnet. Das Böse sucht er alsobald mit Gutem zu vergelten, man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten; er giebt es seinem Vater hin, so sanft ist deines Jesu Sinn, so sey du auch gesinnet, Amen.

Johann Friedrich Stark – Bitte um den Heiligen Geist

Großer Gott! heiliger Vater! siehe ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du hast gnädiglich verheißen allen, die dich darum anrufen, darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sey mein Führer, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viele Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich solle mit ihnen sündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und Welt-Sünden wollen gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben führet. Ach! gieb mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sey ein Kind Gottes. O werther heiliger Geist! ach heilige mich, du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, aber du siehest auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Abscheu habe. Ach es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt, und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung. Du sollst seyn meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seel und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel, und wohne darinnen. Du heiliges Feuer brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste und Begierden. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit, den Trost nehmen will: ich sey kein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben; gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sey. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater! gieb mir auch die Gabe, die du Alle bitten heißt, daß ich sie empfind und habe, gieb mir deinen heil’gen Geist, denn ich habe groß Verlangen, diese Gabe zu empfangen, ach! erhöre meine Bitt, theile deinen Geist mir mit.

Johann Friedrich Stark – Beichte

Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnt habe mit bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr! das betrübet mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Waide, und zum Glied an deinem Leib, darum ich deine Stimme allein hören sollte. Ja ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach, was soll ich sagen? Ich habe mehr der Welt und meines Fleisches als deine Stimme gehört, und habe vielfältig gethan, was dir zuwider ist. O der Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden ist mehr als Sand am Meer. Ach! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich, rechne mir nicht zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan, um Jesu willen sey mir armen Sünder gnädig. Ich will ein neues und frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger Gott! nicht mehr muthwillig und vorsätzlich sündigen. O Jesu! voller Gnad, auf dein Gebot und Rath, kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnaden-Tröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke, Amen.

Johann Friedrich Stark – Abendmahlsgebet

Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünden dich in den Tod hast gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seelen speise in dem heiligen Abendmahl eingesetzt hast. O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleib ich in dir und du in mir, du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann mich meine Sünden nicht schrecken, und Satan nicht verdammen; dann in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünden. Hie empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hie empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungs-Blut, dadurch meine und aller Menschen sünden sind getilgt worden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, so ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegebn, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament, giebst du mir das Pfand deines Lebens und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Jesu, wahres Brod des Lebens, hilf, daß ich ja nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden, komm zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Gnadenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie hie auf Erden, mög ein Gast im Himmel werden, Amen.

Johann Friedrich Stark – Gebet für die Kinder

Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit! du hast unter andern Gnaden-Gaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und danke, welche ich aber ansehe als theure Pfänder, die du mir anvertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkauft, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiligt, und welche du zu deinen Kindern angenommen hast, darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge: Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht, wo man sein missen wird, so soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Vater aller Gnaden! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor, ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten, aber ach Herr, Herr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt, siehe, solches thue ich auch in meinem Gebet; ach! segne meine Kinder, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen. Gieb ihnen ein gläubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie wie das Kind Jesus zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und unverletzt Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder seyn in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schwer Gericht auf sich ziehen. Behüte sie vor Verführungen und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- und eingehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind, gieb ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobiae, führe sie durch deinen heiligen Engel aus der Gefahr, wie den Loth, und laß sie der Engel Schutz und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir auch ein Kinder-Kreuz zuzuschicken, so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, daß ich bedenke, daß ohne dich nichts geschehe. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf diesem Dornenweg in festem Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen den Segen, versorge sie, pflege ihrer, gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sey ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheiten, und ihr Rathgeber. Pflanze in ihnen die wahre Frömmigkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen erleben möge. Laß mich am jüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preis sagen: siehe, hie bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren keines verloren. Ach Gott! segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu an ihnen auch nicht minder, als du hast an mir gethan; segne ihren Schritt und Tritt, theil den Segen ihnen mit, laß es ihnen wohl ergehen, und in deiner Gnade stehen, Amen.