Vergebung

Vergebung

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.“ Ps. 51, 3. Ohne Zweifel ist es dem Walten des heiligen Geistes zu verdanken, wenn mit diesen von ihm eingegebenen Worten der zur Buße und zum Glauben erweckte Sünder begehrt, daß ihn Gott gnädig sein, und daß nach seiner großen Barmherzigkeit der alle Sünde tilgen möge, den er im gläubigem Vertrauen für den allmächtigen Gott und für den allbarmherzigen Herrn hält. Fürwahr, es ein Werk des heiligen Geistes, wenn ein Sünder an einen Uebel hatten Mißfallen findet, und sich Mühe gibt, so zu handeln, wie es seinem Schöpfer gefällt. Aber auch das vermag er nicht aus eigener Kraft, sondern nur, wenn er durch die Gnade desselbigen heiligen Geistes erleuchtet wird; erfüllt dieser mit seiner Gnade ein Herz, so reinigt er es alsbald von allen Flecken der Sünde. Ja, der Herr ist gnädig und freundlich gegen ein Geschöpf, das er nach seinen Bilde und Gleichniß erschaffen; und weil er es so hoch und sehr geehrt hat, läßt er einzig und allein im Falle großen Sündenverderbens seinen Untergang zu. Ist doch der Schöpfer der Welt der vollkommen Gütige und Milde, und von großem Erbarmen gegen Alle, die ihn anrufen, gegen Alle, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, er errettet sie um seiner großen Barmherzigkeit willen, und hilft ihnen aus zur ewigen Herrlichkeit. Denn er erbarmet sich aller seiner Werke, und haftet nichts, was er gemacht hat; darum übersiehet er die Sünden der Menschen, die da Buße thun, und verschont ihrer, weil er voller Gnade ist. Der Herr ist barmherzig gegen Sünder, die ihre Missethat lassen, durch wahrhaftige Reue und rechtschaffene Früchte aufrichtiger Buße sich reinigen von ihren bösen Werken, und in rückhaltsloser Sündenerkenntniß und rückhaltslosem Sündenbekenntniß sich selbst zum Opfer dar, bringen. Die wahre Buße und das wahre Bekenntniß besteht aber darin, daß man das begangene Böse schmerzlich beklagt, und, was man beklagt, sich nicht länger zu Schulden kommen läßt. Wie sich nun ein Vater über Kinder erbarmet, und viel mehr noch, als Einer, der nach dem Fleisch der Vater seiner Kinder ist, so erbarmet sich der gnädige und barmherzige Herr über die, so ihn fürchten. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir sind; er weiß noch recht gut, woraus er uns unsern Erdenleib gemacht hat. Er gedenket daran, daß wir Staub und Asche, dennoch aber nach einem Bilde geschaffen sind. Wenn wir nun ins Auge fassen und der Wahrheit gemäß bekennen, daß die Barmherzigkeit unseres Schöpfers gegen sein Geschöpf so groß sei, so können wir an der Erlassung unserer Schuld nicht verzweifeln. Denn wenn wir von ganzem Herzen Buße thun, und unsere Missethat mit reichen Thränenflüssen verdammen, so werden wir ohne allen Zweifel seine Alles vergebende Gnade erlangen. Aber vielleicht meinet eine gesunkene Seele, die schon im Rachen der ewigen Verdammniß steckt, in Anbetracht der Riesengröße ihrer Sünden, an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln und bei sich selber sprechen zu müssen: Was ließe sich wohl noch für ein Weg ausfinden, auf dem ich Heil erlangen könnte, oder woher sollte ich das Trostwort nehmen, das mir auch nur leise die Vergebung meiner Uebeln hatten verhieße? Seit ich zu sündigen vermochte, habe ich nie abgelassen von Sünden und bösen Werken. Ohne Aufhören habe ich Sünde auf Sünde gehäuft, und wenn ich sie etwa nicht ins Werk zu setzen vermochte, so habe ich doch unablässig den bösen Willen, die böse Lust dazu gehabt. Bin ich nun in so großes Uebel und Unrecht verwickelt, von so großen Sünden und Missethaten umringt, was Anderes könnte ich noch hoffen, als das ewige Verderben und die ewige Verdammnis zum ewigen Verderben? Und selbst wenn ich einmal durch Gottes Erbarmen es bis zum Bekennen meiner Sünden gebracht, und in rechtschaffener Buße Besserung von Sünden zugesagt habe, alsbald, oder doch kurze Zeit darauf habe ich dieselbigen Sünden und noch schlimmere von neuem begangen, und bin wie ein Hund umgekehrt zu meinem Gespei; was ich durch das Bekenntniß gleichsam aus Mund und Herz ausgespieen, das habe ich in schmutzigerem Zustande, denn zuvor wieder hineingenommen. Selbst geschworen habe ich öfter, daß ich für immer von Sünden ablassen, nie mehr den verkehrten Weg betreten, und die Steige der Gerechtigkeit beharrlich gehen wolle. Aber weder die Furcht vor Meineid, noch die Furcht vor Gott, der von seiner Höhe herunter. Alles sieht, konnte mich vom Sündigen abhalten. Fürwahr, mein Gott, du liebreicher Freund des Menschengeschlechts, wenn du herabsiehen von deinem Heiligthume, und herunterblickest aus deiner erhabenen Himmelsbehausung, so hast du einen armen Menschen vor dir, der dir den Rücken zukehrt, dich und deine Gebote verachtet, und wegen seiner großen Sünden an dir und deiner großen Barmherzigkeit verzweifelt, ja einen überaus elenden Sünder hast du vor dir. Und dennoch sieht und schaut da dich nach ihm um, weil er von dir geschaffen, und so lange er in dieser Welt lebt, durch dein Wohlthun erhalten worden ist. So ende, du guter Gott, in seine Seele die rechte Furcht vor dir, und nimm hinweg aus seinem Herzen das knechtische Zittern. Schaue in Gnaden an und erleuchte ein verdüstertes Herz, daß es sehen und erkennen möge, wie groß, o Herr, und wie lieblich sei die Fülle deiner Freundlichkeit, die du verborgen hat denen, die an dir zweifeln, aber an denen offenbart, die auf dich hoffen. Es müsse, du grundgütiger Gott, es müsse die tobende Fluth ihn nicht versenken, die Tiefe ihn nicht verschlingen, die Hölle gegen ihn das Maul nicht aufsperren, damit meine ich den Abgrund seiner Sünden und das Verzweifeln an deinem Erbarmen. Daß du, o Gott, du mildfreundlicher Schöpfer der Menschen, allmächtig bist, und Alles machen kannst, was du willst, das glauben wir, Sagt doch von dir der Prophet: „Alles, was er will, das thut er, in Himmel, auf Erden, im Meer, und in allen Tiefen.“ Ps. 135, 6. Wir wissen aber, daß du nicht willst das Verderben der Sünder, sondern daß sie von Sünden ablassen, und leben. Bist du nun allmächtig, wie du denn das wirklich bist, denn du kannst machen, was du willst, und willst du nicht, daß der Sünder verderbe, sondern daß er sich vom Bösen wende und lebe, so dürfen wir an der Größe deines Erbarmens nicht zweifeln, sondern in der gewissen Hoffnung auf Vergebung müssen wir fest auf Barmherzigkeit rechnen. Es ist ja ganz wahr, daß unsere Sünden viel und groß sind, aber wir sind auch gewiß, daß deine Barmherzigkeit viel und groß ist.

Allmächtiger und barmherziger Gott, wir wissen, daß du der aller vollkommenste Geist bist, unveränderlich und ewig, lebendig in deinem eigenen Leben, welches du selbst bist, und in deiner eigenen Ewigkeit, und daß wir, deine Geschöpfe, aus Güte und Erbarmen von dir geschaffen sind. Wenn wir aber sündigen, d. h. wenn wir nicht thun, was du gebietet, so sterben wir um unserer Sünde willen, obschon deine Barmherzigkeit es zu läßt, daß auch in uns den bereits Erstorbenen noch eine Art von Leben bleibt. Wenn wir dir aber wiederum gehorsam werden, unter dem Beistand deiner Gnade uns von bösen Werken enthalten, und mit dir, dem lebendig machenden Geiste und Schöpfer, eins werden in guten Werken, so werden wir aufs neue lebendig, werden auch nach dem Tode mit dir in der ewigen Herrlichkeit leben, das Alles nur, wenn wir unser Lebelang ohne Aufhören gute Früchte bringen in Geduld. Nachdem Elisa der Prophet längst gestorben und begraben war, ist ein Todter, der mit jenes Gebeinen in Berührung kam, wiederum lebendig auf erstanden; durch die Berührung mit dem Leibe des hochverdienten Propheten ward ihm aufs neue das Leben geschenkt. Wenn also durch Berührung mit einem todten Propheten ein Todter wieder auferstanden ist, wie viel mehr werden wir von neuem lebendig werden, wenn wir mit dir, unserem Schöpfer, mit dir, dem lebendigen, unsterblichen Geiste eins werden in guten Werken. Darum erbarme dich unser, du Schöpfer unser Aller, erbarme dich unser nach deiner Güte, und tilge unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; erwecke uns während des jetzigen Lebens vom Tode zum Leben, d. h. vom Tode der Sünde zum Leben der Gerechtigkeit, und am jüngsten Tage erwecke uns, die wir durch deine Barmherzigkeit gerecht geworden sind, zur ewigen Herrlichkeit. Du selber wirft sie uns aus Gnaden geben, du selber, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen.

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