Franz Fénelon

Herr, ich weiß nicht, um was ich dich bitten soll. Nur du weißt, was ich brauche. Du liebst mich besser, als ich mich selbst zu lieben weiß. Ich wage dich nicht zu bitten, weder um Kreuz noch um Tröstungen; ich bringe einfach mein Herz dir dar und öffne mein Herz für dich. Sieh an meine Nöte, die ich selbst nicht kenne; sieh her und tu an mir nach deiner fürsorglichen Güte. Schlage oder heile, beuge mich nieder oder richte mich auf; ich bete all deine Ratschlüsse an, ohne sie zu kennen. Ich schweige nur; ich bringe mich dir zum Opfer, ich gebe mich dir hin. Ich habe kein anderes Verlangen, als deinen Willen zu tun. Lehre mich beten. Bete du in mir. Amen.

Franciscus Fenelon – Kindschaft

O mein Gott! nur mit deinen Kindern ist deine Vertraulichkeit unbegrenzt. Den Andern giebst du große Wissenschaften und Tugenden. Allein das ist nicht der beste Theil, welchen du für deine liebsten Kinder aufbehalten hast. Diese ruhen mit Johannes an deiner Brust. Die Großen, die da immer fürchten, sich herunter zu lassen und klein zu werden, die lässest du in ihrer Großheit. Sie werden nie etwas von deiner freundlichen Liebe und Vertraulichkeit genießen. Man muß ein Kind seyn, und mit dir gleichsam auf deinen Knien spielen, um dieser Vertraulichkeit gewürdiget zu werden