J. Michael Dilherr – Fürbitte für die Zurückbleibenden

Barmherziger Gott, treuer himmlischer Vater, du eilest mit mir zum Ende, und willst mich in dein ewiges Himmelreich abfordern, dahin ich dir herzlich gerne will folgen.

Weil ich aber die lieben Meinigen in großer Traurigkeit zurücklasse, so bitte ich dich um meines Vertreters Jesu Christi und um seines theuern Verdienstes willen, du wollest sie in ihrer Betrübniß reichlich trösten, dein Vaterherz nicht von ihnen wenden, deine milde Hand ihnen nicht entziehen, sondern sie es reichlich erfahren lassen, daß du deine Vaterhand nicht von ihnen abgezogen. Laß sie endlich zur bestimmten Zeit mir in das rechte Vaterland selig nachfolgen, da wir alle mit einander dich in Freuden ohne Aufhören loben und preisen wollen.

Nun, wie du mir sie gegeben und vertrauet, so gebe und vertraue ich dir sie wieder; du trautes Vaterherz wirst es besser machen, denn wirs meinen; ich werfe alle meine und ihre Sorge auf dich, du wirst sie wohl versorgen. Amen in Jesu Namen. Amen.

Musculus – Heiligung

O allmächtiger Gott, Heiliger Geist, ein Tröster aller Betrübten, dich bitt ich von Herzen, du wollest dich in mein Herz einlassen, deinen Tempel aus mir machen, mit deinen Gnade mich reichlich begnaden, mein Herz mit deinem Feuer entzünden, daß ich mich von allen zeitlichen und fleischlichen Lüsten möge abwenden, allein Lust und Liebe habe, deinen Willen zu thun und dir in Allem zu folgen, wie du mich leitest und regierest. Darum komm zu mir, du heiliger Tröster, erquicke meine Seele, stehe mir bei in allen meinen Nöthen, reinige mich von allen meinen Sünden, mache mich dir angenehm und erbarme dich mein, durch Jesum Christum, meinen Erlöser und Seligmacher, der mit dem Vater und dir lebet, herrschet und regieret in Ewigkeit. Amen.

Ein andres Trostgebet in Anfechtung bei seinem Beruf.

Lieber Gott, was ich jetzt thue, das will ich im Namen Jesu thun und in dem Gehorsam, darinnen ich von Gott gesetzet bin, und wills mit Freuden thun, ob mir etwas drüber widerfähret und der Teufel mir zusetzet, was schadet mirs? Dennoch bin ich in dem Stande, da Gottes Wort mich lehret und tröstet, was ich thue oder leide, das sei wohlgethan, und Gott wolle Wohlgefallen daran haben und mit Gnaden bei mir sein. Amen.

Trost und Liebe

Jesu Christe, du Wort des Vaters, der du in diese Welt gekommen bist die Sünder selig zu machen, ich bitte dich, du wollest um deiner gnadenreichen Barmherzigkeit willen mein Leben reinigen, meinen Wandel bessern, meine Sitten sänftigen, wollest von mir thun, was mir schadet und dir mißfällt, wollest mir geben, woran du Wohlgefallen hat und was mir frommt. Wer anders kann rein machen, was unreinem Samen entsprossen ist, denn du allein? Du, der allmächtige Gott, bist gut und fromm, du machst die Gottlosen gerecht und gibt Leben denen, die in Sünden todt sind, du wandelst um, die da sündig sind, daß sie es nicht mehr sind. Darum thue ab von mir, was dir mißfällt an mir; denn deine Augen sehen an mir viel Unvollkommenheit. Ach greife mit frommer Hand mitten in mich hinein, und nimm aus mir heraus. Alles, was in mir dein frommes Auge beleidigt. Du weißt, o Herr, was an mir gesund und was krank ist. Das Eine wollest du bewahren, das Andere aber gesunden lassen. „Heile du mich, Herr, je werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Du bist es, der da heilet, was krank ist, und behütet, was gesund ist; du bist es, der mit Einem Winke wieder bauet, was in Schutt und Trümmern liegt. Willst du also auf deinen Acker, auf mein Herz guten Samen säen, so mußt du zuvor mit deiner frommen Hand das stachlichte Unkraut meiner Sünden ausreißen.

Du allersüßester, gnädigster, liebreichster Heiland, der du mir theurer und begehrenswerther bist, lieblicher und schöner däucht, denn Alles, ich bitte dich, ergieße in meine Brust die Fülle deiner süßen Liebe, auf daß ich nach nichts Irdischem und Fleischlichem mehr dichten und trachten, sondern allein dich lieben, allein dich in meinem Herzen und Munde haben möge. Schreibe mit deinem Finger tief in meine Brust hinein das süße Gedächtniß deines Namens, der von Milch und Honig fließt, auf daß ich einer nimmer vergessen könne. Schreibe auf die Tafel meines Herzens deinen Willen und deine Gerechtigkeit, die mich gerecht macht, auf daß ich dich, o Herr, deß Lieblichkeit alles Denken übersteigt, auf daß ich deine Worte und Befehle immer und allethalben vor Augen habe. Entzünde meine Seele mit dem Feuer, das du auf Erden anzuzünden gekommen bist, und was wolltest du lieber, denn es brennete schon, auf daß ich dir täglich das mit Thränen gesalzene Opfer eines zerschlagenen Geistes und zerbrochenen Herzens darzu bringen vermöge. Du lieber gütiger Herr Jesu, gib mir, was ich begehre, wornach ich von ganzer Seele verlange, gib mir deine heilige und keusche Liebe. Sie ist es, die mich ausfüllen, beherrschen und ganz in Besitz nehmen soll. Gib mir auch das deutliche Zeichen deiner Liebe, den reichen Strom unablässig fließender Thränen. Sie gerade bezeugen mir, daß ich dich lieb habe; das gerade verräth und verkündet, wie sehr meine Seele dich liebt, wenn sie im überschwänglich süßen Gefühl deiner Liebe sich der Thränen nicht enthalten kann. Ich gedenke, o frommer Gott, jener frommen Frau, der Hanna, die zu deinem Hause kam sich einen Sohn zu erbitten. Die Schrift sagt von ihr, daß vor lauter Thränen und Beten ihr Antlitz einen vorigen Ausdruck gar nicht habe wieder gewinnen können. Wenn ich an solche Gebetskraft und Gebetsbeharrlichkeit denke, so schmerzt es mich sehr und betrübt es mich tief, daß ich Armer, wie ich klar erkenne, nur allzu weit hinter ihr zurückbleibe. Denn wenn also weinte, unablässig weinte eine Frau, die nach einem Sohne Verlangen trug, wie sehr erst müßte Betrübniß, anhaltende Betrübniß empfinden meine Seele, die zu Gott Verlangen und Liebe trägt, die zu Gott zu kommen sich sehnt? Wie müßte seufzen und weinen eine Seele, die Tag und Nacht ihren Gott sucht, die nichts Anderes lieben will, als Christum allein? Es wäre ein Wunder, wenn nicht schon längst ihre Thränen ihre Speise geworden wären Tag und Nacht. Darum wende dich zu mir und erbarme dich meiner, weil der Schmerz meines Herzens so groß ist. Gib mir deinen himmlischen Trost, und verwirf nicht die sündige Seele, für die du gestorben bist. Ach gib mir die Thränen, die aus tiefbewegter Seele kommen, auf daß du die Bande meiner Sünde zerschneiden, und mich auf ewig mit himmlischer Wonne erfüllen könnest. Ach, daß ich würdig würde doch wenigstens mit den frommen Frauen in deinem Reiche mein bescheiden Erbtheil dahinzunehmen, wenn mir nicht vergönnt ist, mit den großen und vollkommenen Männern zu erben, weil ich ihren Fußtapfen nicht nachzufolgen vermag.

Noch tritt mir vor die Seele die staunenswerthe Frömmigkeit jener andern Frau, die, obschon du im Grabe lagst, dennoch in herzlicher Liebe dich suchte. Die Jünger flohen, sie aber wich nicht vom Grabe. Betrübt und traurig blieb sie dort sitzen und weinte lange und viel. Und wenn sie dann nach reichlich vergossenen Thränen aufstand, durchforschte sie immer wieder aufs neue aufmerksamen Auges die Tiefe deines leeren Grabes, ob sie nicht doch irgendwo dich wahrzunehmen vermöchte, den sie mit glühendem Verlangen suchte. Ja als sie schon aber und abermal in das Grab eingetreten war und sich umgeschaut hatte, geschah ihrer überaus großen Liebe damit doch noch kein Genüge. Die Hauptsache bei jeglichem guten Werke bleibt die Beharrlichkeit. Und weil sie mehr Liebe hatte, als die Andern, und weil sie vor Liebe weinte, und weil sie unter Thränen suchte, und weil sie im Suchen ausharrte, ist sie auch von Allen zuerst gewürdigt worden dich zu finden, dich zu sehen, dich anzureden. Und nicht allein das, sie erhielt auch das Amt, die erste Botschaft von deiner glorreichen Auferstehung den Jüngern zu bringen, da du ihr den Auftrag und die freundliche Mahnung gabst: „Gehe hin, und verkündige es meinen Brüdern, daß sie gehen in Galiläa, daselbst werden sie mich sehen.“ Wenn nun also weinte, anhaltend weinte eine Frau, die den Lebendigen bei den Todten suchte, die dich mit der Hand des Glaubens erst berührte, wie sehr muß betrübt, unablässig betrübt sein eine Seele, die im Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, daß du ihr Erlöser schon längst im Himmel thronest und Alles regierest? Wie sehr muß seufzen und weinen eine Seele, die von ganzem Herzen dich liebt und von ganzem Gemüthe sehnlich darnach verlangt dich zu sehen?

O Herr, du einige Zuflucht und Zuversicht der Elenden, dem kein Beter ohne gewisse Hoffnung auf Erbarmen naht, verleihe mir um deine und deines heiligen Namens willen die Gnade, daß ich, so oft ich über dich denke und rede, schreibe, lese und predige, so oft ich deiner gedenke, dir nahe trete, dir Preis und Bitte und Opfer bringe, so oft auch reiche und süße Thränen weinend vor deinem Antlitz stehe; ja, laß mir meine Thränen zur Speise werden Tag und Nacht. Hast du doch, du König der Herrlichkeit und Lehrmeister aller Tugenden, durch dein Wort und Beispiel uns seufzen und weinen gelehrt, denn du spricht: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Du hast am Grabe deines Freundes geweint; du hast wie sehr geweint über die dem Untergange geweihte Stadt. Lieber Herr Jesu, so bitte ich dich denn um dieser deiner aller kostbarsten Thränen und um aller der Erbarmungen willen, mit denen du uns armen verlorenen Menschen so wundersam zu Hülfe kommen wolltest, gib mir die Gnadengabe der Thränen, nach der meine Seele so stark verlangt und begehrt. Kann ich sie doch nicht haben, ohne daß du sie mir gibst durch Wirken deines heiligen Geistes, der die harten Herzen der Sünder weich und weinen macht. Gib mir die Gnadengabe der Thränen, wie du sie unsern Vätern gegeben hat, deren Fußtapfen ich nachfolgen soll, auf daß ich um mich Leid tragen möge mein Lebelang, wie jene über sich Leid trugen Tag und Nacht. Gib mir von den Wassern über der Veste und von den Wassern unter der Veste, daß meine Thränen meine Speise seien Tag und Nacht. Und also laß mich dir, mein Gott, im Feuer der Buße ein Opfer werden von Fett und Mark; ich müsse mich dir auf dem Altare meines Herzens zu einem ganzen Opfer bringen, als ein fettes Brandopfer brennen dir zu einem süßen Geruch. Gib mir, du freundlicher Herr, das reiche, klare Brünnlein, in dem jenes unreine Opfer ohn Unterlaß gereinigt werden muß. Aber wenn ich auch kraft deiner Gnade mich dir ganz darzubringen vermag, so thue ich dennoch in meiner übergroßen Schwachheit täglich Sünde. Darum gib mir die Gnadengabe der Thränen, du gebenedeieter hochgeliebter Herr. Bereite deinem Knechte vor dir einen Tisch voll deiner großen süßen Liebe, voll des Gedächtnisses deiner Barmherzigkeit, und laß mich an ihm Sättigung finden so oft ich will. Verleihe mir nach deiner Treue und Güte, daß meinen Durst jener Kelch stille, der voll deiner Freude und Herrlichkeit ist, auf daß meine Seele nach dir verlange, und mein Geist in deiner Liebe brenne und nicht mehr gedenke an Eitelkeit und Elend. Ach du mein Gott, höre mich, du Licht meiner Augen, höre; höre, was ich bitte, und laß meine Bitte Erhörung finden. Du gnädiger Herr, der du so gern erhört, du wollest mir meine Bitte um meiner Sünden willen nicht versagen, sondern um deiner Güte willen in Gnaden gewähren, denn ich bin dein Knecht. O gib mir was ich bitte und weiß ich begehre, denn du bist mein Gott. Amen,

Gebet eines Hausvaters, daß ihm, Gott sein Kreuz wolle mit Geduld tragen helfen.

O ewiger Gottweiser und treuer Vater, du legest nur denjenigen, die du lieb hast/ dein heiliges Kreuz auf, damit du sie zu deinem Worte ziehest, und die Sünde in ihnen dämpfest, und sie deinem Sohne im Leiden ähnlich machest. Ich armer Hausvater stecke in Nöthen, Anfechtung, Schulden, habe krank Weib und Kinder, bin betrübt und elend; ich glaube, daß du mir solches alles zum Besten auflegest, und werdest zu gelegener Zeit mich daraus nach deinem Wohlgefallen und meiner Seelen Seligkeit erretten. Hilf, lieber Vater, daß ich dein Vaterherz erkenne und deine Ruthen mit Geduld annehme, und unter dem Kreuze durch deines Geistes Kraft dir aushalte, und getrost und unverzagt sei. Ist es dein Wille, so lindre meine Schmerzen auch und laß deine Hülfe scheinen, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, der sein Kreuz unserthalben in höchster Geduld getragen und unser Leiden und Angst damit geheiliget und überwunden, und alle, die auf ihn gehoffet und geharret haben, endlich zu rechter Zeit aus allen Nöthen herrlich errettet hat. Hilf, Herr, hilf deinen Kreuzträgern, hochgelobet auch in unserm Kreuz als ein gnädiger Vater und Zuchtmeister, hier und in Ewigkeit. Amen.

Trostgebet wider alle Sünde und Unwürdigkeit

Ich sei, wer ich wolle, so frage ich nichts danach; denn ob ich gleich ein Sünder bin, so weiß ich doch, daß darum mein Herr Christus nicht ein Sünder ist, sondern er bleibt gerecht und gnädig. Darum will ich getrost zu ihm rufen und schreien, und mich sonst an nichts kehren, denn ich habe jetzt nicht Weile zu disputiren, ob ich erwählet sei oder nicht; das aber fühle ich, daß ich Hülfe bedarf, komme derhalben und suche sie in aller Demuth. Lieber Gott, das Cananäische Weiblein war eine Heidin, konnte derhalben, ja sie mußte wohl schließen, sie wäre nicht erwählet. Tritt sie nun vor den Herrn Jesum, und läßt solchen Gedanken am Gebet sich nicht hindern, so thue ich auch also und spreche: Herr, ich komme jetzt, und muß dies und anders haben; wo will ich’s sonst nehmen oder suchen, denn bei dir im Himmel, durch deinen Sohn, meinen Erlöser, Christum Jesum. Amen.

Trostgebet gegen Anfechtung beim Beten.

Mein Gott und Herr, ich klage dir mit Seufzen, daß ich dich gern mit inbrünstiger Andacht anrufen und das Opfer eines eifrigen Gebetes bringen wollte, aber mein Herz ist zu schwer und zu kalt, es will sich nicht recht feurig von dem Irdischen zu dem Himmlischen erheben. Ich befinde mich ungeschickt und unwürdig zum Gebet, und muß oft mein Fleisch und Blut zur Andacht mit aller Macht zwingen, darüber ich mich betrübe und mir einbilde, du seist mir ungnädig worden, weil ich keine rechte Bewegung des heiligen Geistes in meinem Gemüthe, mit dir zu reden, empfinde. Lieber Vater, habe ich solches mit unbedächtigem Wandel und Nachlässigkeit verschuldet, habe ich dich nicht in deinem Wort, wenn du mich zur Buße gerufen, fleißig gehört, habe ich deines heiligen Geistes Trieb nicht gehorsam gefolget, habe ich etwa meine Gedanken zu sehr auf das Irdische gewendet, so vergieb mir’s um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Reiß von mir alle Hindernisse, die mich von seliger Andacht abhalten, und nimm mit meiner Schwachheit, die mir sehr leid ist, väterlich vorlieb, nimm alle geistliche Unlust aus meinem Herzen, und laß mich willig und bereit sein, dir mit andächtigem und von der Welt abgewandtem Gemüthe zu dienen. Ich sehne mich nach deiner himmlischen Gnade, nimm dich meiner Seelen an, und laß mich ein kindliches Gespräch mit dir, als meinem himmlischen Vater, erfreulich halten, daß der heilige Geist in mir füglich zu dir rufe: Abba lieber Vater. Hierüber will ich mich von Herzen freuen, und mich deß trösten, daß dir mein armes Gebet als ein williges Opfer angenehm und gefällig sei, und ich bei dir in ewigen Gnaden sein und bleiben werde. Amen.

Anselm von Canterbury – Trost

O Herr, ich erkenne, daß dein Verbergen meine Vollendung wirken soll. Du verdeckst mir deine Schätze, damit ich mit mehr Inbrunst danach trachte. Du verbirgst die Perle, damit ich sie mit größerem Verlangen suche. Du verziehest mir zu helfen, damit ich lerne zu dir zu schreien. Du scheinst dein Ohr zu verschließen, damit ich lerne ausharren.

Johann Lassenius – Trostgebet

Der Herr giebt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Ach Herr, mein Gott, gieb auch mir neue Kraft, Muth und Stärke durch deinen Heiligen Geist. Ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen; aber in meines Gottes Stärke vermag ich Alles. Herr, stärke mich diesmal, hilf fröhlich überwinden um deiner Barmherzigkeit willen. Amen.
*Lassenius*

Gebetbuch,
enthaltend
die sämmtlichen Gebete und Seufzer
Dr. Martin Luther’S,
wie auch Gebete
von
Melanchthon, Bugenhaben, Matthesius, Habermann, Arnd
und anderen Gott-erleuchteten Männern.
Herausgegeben
vom
evangelischen Bücherverein
Berlin, 1849.
Im Magazin des Vereins, Klosterstraße No. 71

Anselm von Canterbury – Trost

O Du Liebe der Gottheit, heilige Gemeinschaft des allmächtigen Vaters und Sohnes, allmächtiger heiliger Geist, der Du bist ein erbarmungsvoller Tröster der Trauernden, senke Dich in das Innerste meines Herzens kräftiglich, erhelle alle ungesehenen dunkeln Gründe mit dem Glanze Deines Lichtes und, was welk ist durch lange Dürre, befeuchte mit der Fülle Deines Thaues. Tränke mich mit dem Strome Deiner Lust, daß ich kein Verlangen mehr nach dem versüßten Gift weltlicher Freuden empfinde. Richte mich Herr und scheide meine Sache von dem unheiligen Volke; lehre mich thun nach Deinem Wohlgefallen, denn Du bist mein Gott. Ich glaube: bei wem Du einkehrst, den machst Du zu einer Wohnung des Vaters wie des Sohnes. So komm denn, komm, gnädigster Tröster der trauernden Seele, der Du im Glücke sie wahrest und in der Noth ihr Beistand bist, der Du von Missethaten reinigest und Wunden heilest. Komm, Du Lehrer der Demüthigen und Vertilger der Hoffartigen. Komm, Du erbarmungsvoller Vater der Weisen und der Wittwen milder Richter. Komm, Du Hoffnung der Armen und Du Labung der Matten. Komm, Du Stern auf dem Meere, Du Hafen im Schiffbruch. Komm, aller Lebendigen herrlicher Schmuck, aller Sterbenden einziges Heil. Komm, heiliger Geist, komm und erbarme Dich meiner, bereite mich Dir zu und laß Dich in Gnaden zu mir herab; so daß Deiner Große meine Niedrigkeit und Deiner Stärke meine Schwachheit nach dem Reichthum Deines Erbarmens gefallen möge durch Jesum Christum, meinen Heiland, welcher mit dem Vater in Deiner Einheit lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!