Aus Cubach – Taufe

O gütiger Gott, himmlischer Vater, da du dieses Kindlein aus lauter Gnade zu dem Bade deiner heiligen Taufe hast kommen lassen, und für dein Gnadenkind um Christi willen auf- und angenommen:: so bitte ich dich von ganzem Herzen, du wollest demselben fortan deinen heiligen Geist verleihen, daß es durch desselben Kraft und Stärke, unter der Blutfahne Jesu Christi, zu der es sich jetzt schreiben lassen, wider den Teufel und die Sünde ritterlich streite, daß es Christum Jesum mit dem Herzen glaube und mit dem Munde bekenne, auch sein Kreuz willig auf sich nehme und ihm auf dem Wege der Gerechtigkeit geduldig und beständig nachfolge, damit es einmal mit mir und allen rechtschaffenen Christen fröhlich vor deinem Richterstuhle erscheine, die ewige Seligkeit erlange und dich, o Gott, ewiglich preise. Amen.

Gebet eines Handwerkers.

Ewiger, barmherziger Gott, allweiser Vater, ich weiß, daß alle gute Gaben und alle Kraft und Wissenschaft zu arbeiten, allein von dir kommt, und daß ich auch ohne deinen Segen mit meiner Arbeit nichts ausrichten werde, wenn ich gleich früh aufstehe, mich spät niederlege, und mein Brot mit Sorgen essen würde. An deinem Segen ist alles gelegen, der machet reich ohne Mühe. Darum bitte ich dich, mein Gott, segne auch meine Arbeit; verleihe mir Gesundheit und ein genügsames Herz, daß ich vorlieb nehme mit meinem beschiedenen Theil, und wisse, daß das Wenige, das ein Gerechter hat, besser sei, denn das große Gut vieler Gottlosen, und daß es dir leicht sei, auch einen Armen, so du willst, reich zu machen. Erleuchte und regiere mein Herz, daß ich mich des Glaubens und der wahren Gottseligkeit befleißige, den Reichen ihr Gut nicht mißgönne, vor Aufwiegelung, Untreue und Diebstahl mich hüte, daß ich Andren treulich diene und arbeite, mich demüthig halte und befleißige reich zu werden an guten Werken. Behüte mich vor Geiz und Ungerechtigkeit, daß ich nicht unbilligen Lohn fordre, sondern recht handle, und deines Segens mich getröste. Lenke auch reichen und vornehmen Leuten ihre Herzen zu mir, und laß mich Gnade bei ihnen finden, daß sie sich meiner Armuth erbarmen und mir Gutes thun. Herr, gern will ich mich nähren mit meiner Hände Arbeit und in deiner Furcht wandeln. Segne du mich, mein Gott, wie du in deinem Wort verheißen hast, und gieb, daß ich nach der schweren Arbeit dieses kümmerlichen Lebens eingehen möge zu deiner himmlischen Ruhe, durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen.

Danksagung, wenn Gott Nahrung bescheret.

Herr, allmächtiger Gott, getreuer Vater, was soll ich dir geben für deinen Segen, den du aus deiner Liebe Schooß mir so reichlich und überflüssig hast bescheret? Ich bekenne, daß ich viel zu geringe bin deiner Barmherzigkeit und Treue, die du an mir, o lieber Heiland, erzeiget hast. Nimm an, o lieber Gott, ein Herz, das dich liebet, eine Seele, die dich ehret, ein Gemüth, das dir vertrauet, eine Zunge, die dir danket. Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem heiligen Namen, Sela. Nun erfahre ich in der Wahrheit, daß du denen viel Gutes bescherest, so dich fürchten, die Sünde meiden und Gutes thun, denn du, Herr, segnest die Gerechten, du krönest sie mit Gnaden, wie mit einem Schilde. Ach mein Herr, anfangen kann ich wohl dir zu danken, aber solches nicht der Gebühr nach, wie ich mich wohl schuldig und dich würdig erkenne, vollbringen. Halte mir mein Unvermögen in dieser Schwachheit zu gut, dort will ich dich ewig ehren, lieben und loben. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. Halleluja.

Kaiser Karls Gebet um glückliche Regierung.

O allmächtiger, ewiger und unaussprechlicher, unüberwindlicher, gütiger Gott, der du mit Sohn und heiligem Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit bist und alle Dinge im Anfange erschaffen hast, ich bitte dich, du wollest mich, deinen Diener, dem du das Scepter, Schwert und Krone gegeben hast, also regieren, daß ich dich auf dieser Erden recht erkenne, deinen Namen und Erkenntniß in meinem Reiche fortpflanze, deinen Sohn für meinen Heiland erkenne und anrufe und meinen Unterthanen vortragen und stellen lasse als den einigen Erlöser von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Ach gieb mir durch deines Geistes Wirkung, daß ich im rechten Glauben lebe und sterbe, deine Ehre und Dienst in meinen Ländern fortpflanze, Gericht und Gerechtigkeit handhabe, die Bösen strafe, die Frommen schütze, und also deinen Willen und der Unterthanen Nutz und Wohlfahrt befördre, durch Christum deinen Sohn. Amen.

Gebet eines Lehrers.

Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich danke dir von Herzen, daß du mich nach deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen in dieses Amt gesetzet hast, daß ich deine Lämmer weiden, und die mit deines lieben Sohnes theurem Blute erkauften Kinder zu allem Guten anführen soll. Ich bitte dich demüthiglich, regiere mein Herz mit deinem heiligen Geiste, auf daß ich früh und spät mit schuldigem Fleiß und Ernst all mein Thun und Lassen, Wissen, Wollen und Können also einrichte, damit alle meine Untergebene täglich mögen zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, und in wahrer Gottseligkeit, Frömmigkeit und Geschicklichkeit wachsen als die schönen an den Wasserbuchen deines Wortes gepflanzten Baume, zu deines Namens Lob und Preis und ihrer ewigen Seligkeit. O mein Gott und Vater, schenke allen diesen deinen Kindern deinen heiligen Geist, gieb ihnen ein gehorsames Herz, und bei beständiger Gesundheit Weisheit, Verstand und gut Gedächtniß, daß Gott und Menschen an ihnen ein herzliches Wohlgefallen haben, und sie fleißig studiren, löblich zunehmen, sich christlich und wohl verhalten, und mit der Zeit in nützlichen Verrichtungen und Zuständen wohl gebraucht werden mögen. Ach, laß ja keinen von ihnen verloren werden, laß mich an keinem einigen Unehre oder Schande, sondern an allen und jeden ferner Ehre und Freude, nach deinem väterlichen Willen und Wohlgefallen, zu deiner Ehre und ihrer ewigen Seligkeit erleben, damit ich sie dir am jüngsten Tage fröhlich vorstellen und sagen möge: hier bin ich und die Kinder, die du mir gegeben hast! Das verleihe mir Gott der Vater, durch Jesum Christum, in Kraft des heiligen Geistes. Amen.