Aus Cubach – Abendgebet am Sonntage.

O Herr Jesu Christe, du Sonne der Gerechtigkeit, ich danke dir, daß du mich an diesem vergangenen heutigen heiligen Sonntage nicht allein mit Leibes Gesundheit so gnädiglich beseliget und vor allem Unglück behütet und bewahret, sondern auch mit den Strahlen deines Worts und den heiligen Predigten erleuchtet und meinen Verstand von dem Nebel der dunkeln Finsternis gereiniget hast. Nun, mein Herr Jesu, obgleich die leibliche Sonne untergegangen und die dichte Finsternis darauf gefolget: ach, so bleibe du doch bei mir und gehe nicht unter mit deinem Gnadenlicht, sondern wie die Sonne den Tag über mir geleuchtet und den Weg gezeiget, also leuchte du durch deine Liebe diese Nacht und allezeit meiner Seele und gib, daß, ob ich gleich schlafe, doch mit dem Herzen wache. Behüte mich heute Nacht, damit ich das morgende Tageslicht mit Freuden anschauen und nach diesem Sabbath den großen und ewig währenden Sabbath mit allen Auserwählten in alle Ewigkeit feiern möge. Amen, mein Herr Jesu, Amen.

Aus Cubach – Danksagung für das Wort Gottes am Sonntage um die Vesperzeit.

Wir loben und preisen dich, Herr Gott, Vater Himmels und der Erden, daß du uns an diesem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich versorget hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brot, sondern auch an unsrer Seele mit der himmlischen Speise deines heiligen Wortes; verleihe, o treuer Gott, daß es in unsern Herzen verbleibe und großen Nutzen schaffe zu deiner Ehr und unsrer Seligkeit. Wir bitten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein rein Wort und Kirchendienst nicht entziehen, wollest uns auch unsre Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten verunheiliget haben, nicht entgelten lassen, sondern dieselbigen uns nach deiner großen Güte und durch das bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi verzeihen. Wollest endlich heute und die ganze übrige Zeit unsers elenden Lebens in diesem Jammerthal uns dir in deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen befohlen sein lassen und deine heiligen Engel um uns her lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde.

Weil aber nunmehr der Abend dieser Welt herbei nahet und sich der Tag geneiget hat, so verleihe uns die Gnade deines Geistes, damit wir stets wachen und in lebendigem Glauben, in brünstiger Liebe, fester Hoffnung und heiligem Wandel erwarten der seligen Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, unsers Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, auf daß wir ihn alsdann würdig und mit Freuden empfahen, ins ewige Leben mit ihm eingehen, und den ewigen Feier- und Freudentag mit allen Auserwählten erreichen und ohne Ende halten mögen. Erbarme dich, o Herr! der ganzen Christenheit, und entlade deine arme verfolgte Gemeine aller Bedrängnis, Spottes und Tyrannei, tröste alle geängstete, betrübte Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler. Amen.

Aus Cubach – Morgengebet am Sonntage.

Lob, Ehr und Preis sei dir, du hochgebenedeiete Dreieinigkeit, daß ich wiederum aus meinem Bette aufstehen, das Tageslicht ansehen und dich, o du ewige, unzertrennliche Gottheit! anbeten kann; die nächtliche Finsternis weichet davon, aber der helle Tag nahet herbei. Wie froh bin ich, daß ich solchen erlebet habe.

Sonderlich aber freue ich mich, daß derjenige Tag angehet, an welchem ich von aller Handarbeit ruhen, deine schönen Gottesdienste besuchen, dein seligmachendes Wort anhören und dich in der Gemeine rühmen und preisen soll. Wie freue ich mich dessen, daß meine Füße werden stehen in dem Hause meines Gottes. Ach Gott! laß mich solchen Tag nicht allein heilig anfangen, sondern auch heilig fortsetzen und heilig vollenden; und wehre dem unheiligen Satan und allem seinem verfluchten Anhange, daß sie die Ehre deines Namens, den Lauf deines Wortes, und die schuldige völlige Heiligung dieses dir sonderlich zugeeigneten Tages nicht verhindern, noch deine willigen Diener verletzen, verlästern und verhöhnen dürfen. Mein Gott! das ist der Tag, an welchem du den ersten Grund der Welt geleget, das Licht hervorgebracht, und die Finsternis vertrieben hast. Ach laß mich in der Erkenntnis deiner großen Wohlthaten fest gegründet sein. Erleuchte mich mit dem Glanze deines heiligen Geistes, laß mich sein ein Kind des Lichtes, und treibe aus von mir alle Finsternisse des Unglaubens und der Unheiligkeit. Ist es auch dein gnädiger Wille, daß ich mit einer finstern Kreuznacht soll umgeben werden, so laß mir darin scheinen das Licht deines göttlichen Trostes, und laß mich mit unüberwindlicher Geduld des schönen Tages erwarten, an welchem ich zu dir in deinen hell leuchtenden himmlischen Palast eingehen werde. Amen, in Jesu Namen, Amen, Amen.

Aus Cubach – Beim Anschauen der Morgenröthe.

Gnädiger Gott! brich mit deiner Gnade hervor, wie die schöne Morgenröthe, und laß auch mein Licht, Glück und Wohlfahrt hervorbrechen und meine Besserung schnell wachsen, um Jesu Christi willen. Amen. Jesu! du hellleuchtende Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf in meinem Herzen und vertreibe alle Sünden-Finsternisse daraus, damit das Lichtlein meines Glaubens durch ein heiliges Leben dir zu Ehren vor jedermann leuchten möge. Amen.

Aus Cubach – Taufe

O gütiger Gott, himmlischer Vater, da du dieses Kindlein aus lauter Gnade zu dem Bade deiner heiligen Taufe hast kommen lassen, und für dein Gnadenkind um Christi willen auf- und angenommen:: so bitte ich dich von ganzem Herzen, du wollest demselben fortan deinen heiligen Geist verleihen, daß es durch desselben Kraft und Stärke, unter der Blutfahne Jesu Christi, zu der es sich jetzt schreiben lassen, wider den Teufel und die Sünde ritterlich streite, daß es Christum Jesum mit dem Herzen glaube und mit dem Munde bekenne, auch sein Kreuz willig auf sich nehme und ihm auf dem Wege der Gerechtigkeit geduldig und beständig nachfolge, damit es einmal mit mir und allen rechtschaffenen Christen fröhlich vor deinem Richterstuhle erscheine, die ewige Seligkeit erlange und dich, o Gott, ewiglich preise. Amen.

Gebet eines Handwerkers.

Ewiger, barmherziger Gott, allweiser Vater, ich weiß, daß alle gute Gaben und alle Kraft und Wissenschaft zu arbeiten, allein von dir kommt, und daß ich auch ohne deinen Segen mit meiner Arbeit nichts ausrichten werde, wenn ich gleich früh aufstehe, mich spät niederlege, und mein Brot mit Sorgen essen würde. An deinem Segen ist alles gelegen, der machet reich ohne Mühe. Darum bitte ich dich, mein Gott, segne auch meine Arbeit; verleihe mir Gesundheit und ein genügsames Herz, daß ich vorlieb nehme mit meinem beschiedenen Theil, und wisse, daß das Wenige, das ein Gerechter hat, besser sei, denn das große Gut vieler Gottlosen, und daß es dir leicht sei, auch einen Armen, so du willst, reich zu machen. Erleuchte und regiere mein Herz, daß ich mich des Glaubens und der wahren Gottseligkeit befleißige, den Reichen ihr Gut nicht mißgönne, vor Aufwiegelung, Untreue und Diebstahl mich hüte, daß ich Andren treulich diene und arbeite, mich demüthig halte und befleißige reich zu werden an guten Werken. Behüte mich vor Geiz und Ungerechtigkeit, daß ich nicht unbilligen Lohn fordre, sondern recht handle, und deines Segens mich getröste. Lenke auch reichen und vornehmen Leuten ihre Herzen zu mir, und laß mich Gnade bei ihnen finden, daß sie sich meiner Armuth erbarmen und mir Gutes thun. Herr, gern will ich mich nähren mit meiner Hände Arbeit und in deiner Furcht wandeln. Segne du mich, mein Gott, wie du in deinem Wort verheißen hast, und gieb, daß ich nach der schweren Arbeit dieses kümmerlichen Lebens eingehen möge zu deiner himmlischen Ruhe, durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen.

Danksagung, wenn Gott Nahrung bescheret.

Herr, allmächtiger Gott, getreuer Vater, was soll ich dir geben für deinen Segen, den du aus deiner Liebe Schooß mir so reichlich und überflüssig hast bescheret? Ich bekenne, daß ich viel zu geringe bin deiner Barmherzigkeit und Treue, die du an mir, o lieber Heiland, erzeiget hast. Nimm an, o lieber Gott, ein Herz, das dich liebet, eine Seele, die dich ehret, ein Gemüth, das dir vertrauet, eine Zunge, die dir danket. Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem heiligen Namen, Sela. Nun erfahre ich in der Wahrheit, daß du denen viel Gutes bescherest, so dich fürchten, die Sünde meiden und Gutes thun, denn du, Herr, segnest die Gerechten, du krönest sie mit Gnaden, wie mit einem Schilde. Ach mein Herr, anfangen kann ich wohl dir zu danken, aber solches nicht der Gebühr nach, wie ich mich wohl schuldig und dich würdig erkenne, vollbringen. Halte mir mein Unvermögen in dieser Schwachheit zu gut, dort will ich dich ewig ehren, lieben und loben. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. Halleluja.

Kaiser Karls Gebet um glückliche Regierung.

O allmächtiger, ewiger und unaussprechlicher, unüberwindlicher, gütiger Gott, der du mit Sohn und heiligem Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit bist und alle Dinge im Anfange erschaffen hast, ich bitte dich, du wollest mich, deinen Diener, dem du das Scepter, Schwert und Krone gegeben hast, also regieren, daß ich dich auf dieser Erden recht erkenne, deinen Namen und Erkenntniß in meinem Reiche fortpflanze, deinen Sohn für meinen Heiland erkenne und anrufe und meinen Unterthanen vortragen und stellen lasse als den einigen Erlöser von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Ach gieb mir durch deines Geistes Wirkung, daß ich im rechten Glauben lebe und sterbe, deine Ehre und Dienst in meinen Ländern fortpflanze, Gericht und Gerechtigkeit handhabe, die Bösen strafe, die Frommen schütze, und also deinen Willen und der Unterthanen Nutz und Wohlfahrt befördre, durch Christum deinen Sohn. Amen.

Gebet eines Lehrers.

Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich danke dir von Herzen, daß du mich nach deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen in dieses Amt gesetzet hast, daß ich deine Lämmer weiden, und die mit deines lieben Sohnes theurem Blute erkauften Kinder zu allem Guten anführen soll. Ich bitte dich demüthiglich, regiere mein Herz mit deinem heiligen Geiste, auf daß ich früh und spät mit schuldigem Fleiß und Ernst all mein Thun und Lassen, Wissen, Wollen und Können also einrichte, damit alle meine Untergebene täglich mögen zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, und in wahrer Gottseligkeit, Frömmigkeit und Geschicklichkeit wachsen als die schönen an den Wasserbuchen deines Wortes gepflanzten Baume, zu deines Namens Lob und Preis und ihrer ewigen Seligkeit. O mein Gott und Vater, schenke allen diesen deinen Kindern deinen heiligen Geist, gieb ihnen ein gehorsames Herz, und bei beständiger Gesundheit Weisheit, Verstand und gut Gedächtniß, daß Gott und Menschen an ihnen ein herzliches Wohlgefallen haben, und sie fleißig studiren, löblich zunehmen, sich christlich und wohl verhalten, und mit der Zeit in nützlichen Verrichtungen und Zuständen wohl gebraucht werden mögen. Ach, laß ja keinen von ihnen verloren werden, laß mich an keinem einigen Unehre oder Schande, sondern an allen und jeden ferner Ehre und Freude, nach deinem väterlichen Willen und Wohlgefallen, zu deiner Ehre und ihrer ewigen Seligkeit erleben, damit ich sie dir am jüngsten Tage fröhlich vorstellen und sagen möge: hier bin ich und die Kinder, die du mir gegeben hast! Das verleihe mir Gott der Vater, durch Jesum Christum, in Kraft des heiligen Geistes. Amen.