Gebet eines armen Taglöhners.

O du allweiser und gerechter Gott, dieweil ich erkenne, daß du mich in diesen Stand gesetzet, daß ich ein Taglöhner und Arbeiter sein, Andern mit meiner Arbeit dienen, und damit meine Nahrung suchen soll, so bin ich wohl damit zufrieden, und denke nicht nach einem höhern Dinge. Allein ich bitte dich demüthiglich, weil dir Glaube und Geduld wohlgefallen, du wollest die Geduld in mein Herz pflanzen, daß ich bei aller Mühe und Beschwerung, Kummer und Elend, meine Seele in Geduld fasse, und mich deines gnädigen Beistandes jederzeit getroste. Ach Herr, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß bei dir kein Ansehen der Person sei, sondern aus allerlei Völkern, wer dich fürchte und recht thue, dir angenehm sei, daß du auch auf die Armen ein gnädiges Aufsehen habest und ihr Schutz seiest in der Noth. Gieb mir auch Gesundheit, Kraft und Stärke, meine Nahrung ehrlich zu gewinnen und alle Beschwerden zu überwinden, bis ich einmal werde dahin kommen, da keine Mühe, Arbeit, Sorge und Angst, sondern ewige Ruhe und Sicherheit, und der Auserwählten Lohn groß sein wird; um des theuren Verdienstes Jesu Christi willen. Amen.

Bonifacius Stölzlin – Abendgebet

O du wunderbarer Gott! der du den Mond und die Sterne nach ihrem Lauf der Nacht zum Licht gegeben. Ich danke dir herzlich dafür, und bitte dich demüthig, du wollest mit deinem göttlichen Licht und Glanz mich allezeit erleuchten und einen hellen Schein deiner Erkenntniß in mein Herz geben, daß ich nicht wanke, sondern im Glauben, Lehre, Liebe, Hoffnung und Geduld bis an mein seliges Ende beständig aushalte und die Krone des ewigen Lebens erlange durch Jesum Christum. Amen.
*B. Stölzlin*

Gebetbuch,
enthaltend
die sämmtlichen Gebete und Seufzer
Dr. Martin Luther’S,
wie auch Gebete
von
Melanchthon, Bugenhaben, Matthesius, Habermann, Arnd
und anderen Gott-erleuchteten Männern.
Herausgegeben
vom
evangelischen Bücherverein
Berlin, 1849.
Im Magazin des Vereins, Klosterstraße No. 71

Bonifacius Stölzlin

O du großer Gott! der du die Sterne bereitest, zählest und kennest, laß auch mich dir in Gnaden befohlen sein, zeichne mich mit deiner Hand und gedenke allezeit meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um Jesu Christi willen. Amen.

Bonifacius Stölzlin – Lob Gottes

O du ewiger Vater des Lichts! wie groß ist deine Treue und unaussprechlich deine Güte, wie unerforschlich deine Barmherzigkeit, daß du deine Sonne lässest aufgehen über die Bösen und über die Guten; erleuchtest und erwärmest damit den Erdboden, machest fruchtbar und fröhlich alles, was da webet und lebet. Ach lieber Gott! laß mich dieses Sonnenlichtes allezeit mit fröhlichen Augen und gutem Gewissen anschauen, und hilf mir, daß ich dich bald in deinem unwandelbaren Lichte sehen und mich in dir ewiglich freuen möge. Amen.

Bonifacius Stölzlin

Gnädiger Gott! brich mit deiner Gnade hervor wie die schöne Morgenröthe, und laß auch mein Licht, Glück und Wohlfahrt hervorbrechen und meine Besserung schnell wachsen, um Jesu Christi willen. Amen, Amen.
*B. Stölzlin*

/Mag. Bonifacius Stölzlin, geb. zu Giengen in Schwaben den 7. Juni 1603, starb als Pfarrer zu Kuchheim im Ulm’schen den 22. April 1677/