Martin Luther – Wenn man in die Kirche kommt

(Um Erleuchtung.) Allmächtiger Gott, der du bist ein Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne welches Gnade niemand nichts vermag, noch etwas vor dir gilt, laß deine Barmherzigkeit uns reichlich widerfahren, auf daß wir, durch; dein heilig Eingeben, denken was recht ist, und durch deine Wirkung dasselbige vollbringen, um Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Herrn willen. Amen.

Martin Luther – Ein anderes vor der Predigt.

Lieber Gott, gib Gnade, daß wir auch wie David, Paulus und andere Heilige unsern Schatz, der eben derselbige ist, den sie gehabt haben, so groß achten und über alle Güter auf Erden heben, und dir von Herzen dafür danken, daß du uns vor viel tausend andern damit beehret hast. Denn du hättest uns eben so wohl mögen in der Irre lassen laufen, als Türken, Tartaren, Juden und andere Abgöttische, die von dem Schatz nichts wissen; oder verstockt lassen bleiben wie die Papisten, die diesen unsern Schatz lästern und verdammen. Daß du uns aber in deine grüne Aue gesetzt und so reichlich mit guter Weide und frischem Wasser versorget hast, ist eitel Gnade; darum wir desto mehr zu danken haben. Amen.

Martin Luther – Vor der Predigt.

(Um andächtige Anhörung der Predigt.) Lieber Gott, du sprichst durch deinen lieben Sohn die selig, so dein Wort hören. Wie viel billiger wäre es, daß wir dich, o ewiger barmherziger Vater, ohne Unterlaß mit fröhlichem Herzen selig preiseten, dir dankten und dich lobten, daß du dich so freundlich, ja väterlich gegen uns arme Würmlein erzeigest, und mit uns von der größten und höchsten Sache, nämlich vom ewigen Leben und Seligkeit, redest. Gleichwohl unterlässest du es nicht, uns freundlich zu locken durch deinen Sohn, dein Wort zu hören, da er spricht: Selig sind, die Gottes Wort hören und behalten; als könntest du unsers Gehörs nicht entbehren, und wir, die wir Erd und Asche sind, nicht viel tausendmal mehr deines seligen Wortes bedürften. O wie unaussprechlich groß und wundersam ist deine Güte und Geduld! Wiederum Ach und Wehe über die Undankbarkeit und Staarblindheit derer, die dein Wort nicht allein nicht hören wollen, sondern es auch muthwillig verachten, verfolgen und lästern.

Martin Luther – Noch eine andere Beichte

O Gott, Vater in Ewigkeit, du wollest heute nicht ansehen den unzähligen Haufen meiner Sünden, welche mir stets vor meinen Augen stehen, und wollest mir die nicht zurechnen; sondern wollest mir sie durch deinen Mittler und unsern Versöhner, Christum, zudecken, und wollest heute dein Aufsehen haben in das Angesicht deines Gesalbten, deines Christi, durch den allein ich bei dir mag Gnade erlangen, ohne welchen auch niemand zu dir mag kommen, als in seinem Verdienst, in seiner Arbeit, die du mir durch das Evangelium hast lassen tröstlich anbieten und feil tragen (ob ich dir’s wolle glauben), es soll dein einziger Sohn mein Mittler, samt allem, das er hat, mein sein, er soll meine Gerechtigkeit, meine Heiligung und meine Erlösung sein. Durch denselben gnade mir, mein Gott, in Ewigkeit! Schaffe forthin mein Leben, Sterben und Auferstehung in Christo nach deinem göttlichen Willen. Amen.

Martin Luther – Eine andere Beichte

O Gott, Vater in Ewigkeit, du wollest heute nicht ansehen den unzähligen Haufen meiner Sünden, welche mir stets vor meinen Augen stehen, und wollest mir die nicht zurechnen; sondern wollest mir sie durch deinen Mittler und unsern Versöhner, Christum, zudecken, und wollest heute dein Aufsehen haben in das Angesicht deines Gesalbten, deines Christi, durch den allein ich bei dir mag Gnade erlangen, ohne welchen auch niemand zu dir mag kommen, als in seinem Verdienst, in seiner Arbeit, die du mir durch das Evangelium hast lassen tröstlich anbieten und feil tragen (ob ich dir’s wolle glauben), es soll dein einziger Sohn mein Mittler, samt allem, das er hat, mein sein, er soll meine Gerechtigkeit, meine Heiligung und meine Erlösung sein. Durch denselben Gnade, mein Gott, in Ewigkeit! Schaffe forthin mein Leben, Sterben und Auferstehung in Christo nach deinem göttlichen Willen. Amen.

Martin Luther – Eine allgemeine Beichte, die Dr. Martin Luther täglich, wenn er hat wollen schlafen gehen, gesprochen.

Mein lieber Vater, ich bekenne allewege, du siehest es auch, daß ich je meinethalben, wie ich gehe oder stehe, inwendig und auswendig mit Haut und Haar, mit Leib und Seel in das ewige höllische Feuer hineingehöre. Daß auch in Summa, weißt du, mein Vater, meinethalben nichts Gutes in mir ist, nicht ein Haar auf dem Haupte droben, es gehört doch alles miteinander hinein in den Abgrund der Höllen zu dem leidigen Teufel. Was soll ich viel Worte davon machen. Aber, mein lieber Vater, ich bitte wiederum hiergegen allewege, ich sei meinethalben, was ich wolle, so bitte ich dich dennoch und will es von dir auch haben allewege, daß du dein Aufsehen und Aufmerken auf mich nicht wollest haben, und wollest deine Augen auf mich nicht kehren und wenden. O es ist sonst mit mir verloren und verdorben, und wenn hunderttausend Welten auf mir wären; sondern da bitte ich dich, daß du wollest dein Aufsehen und Aufmerken haben und wollest deine Augen kehren, wenden und richten in das Angesicht deines lieben Sohnes Jesu Christi, deines Gesalbten, meines Mittlers, Hohenpriesters und Fürsprechers, meines Heilandes, Erlösers und Seligmachers, und wollest mir um seinetwillen und nicht um meinetwillen (bitt ich dich, mein Vater) gnädig und barmherzig sein, und wollest mir um deines Sohnes Jesu Christi willen verleihen ein seliges Ende und eine fröhliche Auferstehung, hier helfen dem Leibe, und dort in jener Welt der armen Seele! Und um seines rosinfarbenen Blutes wegen, das er da mildiglich am Galgen des Kreuzes zu Verzeihung und Vergebung meiner Sünde vergossen hat – dein Sohn Jesus Christus bitte ich dich jetzund, mein Vater, daß du dasselbige Blut Jesu Christi, deines lieben Sohnes an mir armen Kreatur meiner mannigfaltigen Sünden halben, die da nicht auszureden noch auszusprechen sind, nach deiner Gerechtigkeit nicht wollest anders machen und umkehren, sondern wollest es, nach deiner grundlosen Barmherzigkeit den Nutz und die Frucht lassen an mir schaffen und ausrichten, dazu es denn in Ewigkeit von dir verordnet und von deinem lieben Sohne Jesu Christo an dem Galgen des Kreuzes auch vergossen ist, als nämlich, daß du es mir ja wollest gereichen und kommen lassen zur Verzeihung und Vergebung meiner Sünden, auf daß, welche Stunde, welchen Augenblick bei Tag oder bei Nacht du kommest und klopfest an und willst wiederum meinen Geist, welchen du mir erstlich hast eingeblasen, hinwegfordern, so bitte ich dich allewege, mein Vater, daß du dir denselben meinen Geist, das ist meine Seele, wollest lassen in deine Hände befohlen sein um deines Sohnes Jesu Christi Bluts, Leidens und Sterbens willen. Amen.

Martin Luther – Morgen-Segen.

Des Morgens, so du aus deinem Bette fährest, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuz, und sagen: Das walte Gott Vater, Sohn und heil’ger Geist. Amen. Darauf kniend oder stehend den Glauben und das Vater unser; willst du, so magst du dieses Gebetlein dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast: und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Uebel, daß dir al mein Thun und leben gefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und meine Seele, und alles in deine Hände, dein heil’ger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.

Und alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen, als die zehn Gebote oder was deine Andacht gibt.