Habermann, Johannes – Morgengebet am Sonntag

Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gebenedeiet sei deine göttliche Kraft und Allmacht, gelobet sei deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, gepreiset sei deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser gefährlichen Nacht mit deiner Hand bedecket und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind und allen seinen heimlichen Listen und Tücken bewahret und ganz väterlich beschirmet. Darum lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich bei der Gemeine preisen, dein Lob soll allewege in meinem Munde sein, meine Seele soll allezeit dich, meinen Herrn, rühmen, und was in mir ist, deinen heiligen Namen preisen, und will nimmermehr vergessen alles was du mir Gutes gethan hast. So laß nun dir gefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfalt meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von ganzem Gemüth, du wollest mich heut diesen Tag auch behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seele, und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgib mich ringsum mit deinem Schild, und führe mich auf den Steig deiner Gebote, daß ich unsträflich wandle in deinem Dienst, wie die Kinder des Tages, zu deinem Wohlgefallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt, dazu steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht von ihnen überwältiget, etwa gröblich wider dich handle und dich mit meinen Sünden erzürne. Regiere du mich mit deinem heiligen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein was dir gefällig, und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereichet. Siehe, mein Gott, ich übergebe und opfere dir mich heute ganz und gar zu eigen in deinen Willen mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, du heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Seele und Gemüth, daß ich nichts, denn dich, wisse und verstehe. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, frühe will ich dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Johannes Habermann – Abendsegen am Sonntage.

Ewiger Gott, barmherziger Vater, ich hebe meine Hände auf zu dir wie ein Abendopfer, und sage dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß du mich diesen Tag und die ganze Zeit meines Lebens vor allem Uebel und Unfall durch den Schutz deiner lieben Engel wider den bösen Feind gnädiglich beschirmet hast. Ich bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht ferner mit deinen heiligen Engeln umgeben, daß sie sich rings um mich lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, auf daß ich des bösen Feindes Fallstrick und arger List möge entfliehen. Laß mich, dein armes Geschöpf, deiner Güte und Barmherzigkeit befohlen sein, schütze mich mit deinem ausgestreckten Arm, denn von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir wache ich allezeit zu dir. Ich harre deiner Güte, und meine Seele hoffet auf dich lebendigen Gott; denn du bist meine. Zuflucht und treuer Heiland. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein; wir leben oder sterben, so bist du je unser Gott, der uns geschaffen hat. Darum schreie ich zu dir, laß deine Gnade nicht ferne von mir sein, beschirme mich mit deinem Schild. Erhalte mich, daß ich ruhig liege und sanft einschlafe und gesund wieder erwache. Decke mich in deiner Hütte zur bösen Zeit, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, und erhöhe mich auf einen Felsen, so werde ich mir nicht grauen lassen. Und ob ich schon wandre im finstern Thal, werde ich kein Unglück fürchten, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. So verleihe mir nun deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber allezeit zu dir wache, und daß ich dich stets in meinem Herzen habe, und du nimmermehr aus meinem Gemüth kommest, auf daß mich die Nacht der Sünden nicht überfalle. Bes wahre mich vor bösen, schändlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnützen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Mein Gott und Herr, in deinen gnädigen Schutz befehle ich dir meinen Leib und Seele (meine lieben Geschwister) und alle, die mir mit Blutsfreundschaft oder sonst verwandt sind. Laß dirs gefallen, Herr, daß du uns errettest und wende deine Barmherzigkeit nicht von uns; laß deine Güte und Treue alleweg uns behüten; darum bedecke uns in dieser Nacht mit deiner Güte, umfahe uns mit deiner Gnade auf allen Seiten, trage uns mit deiner Barmherzigkeit, daß wir an Seel und Leib behütet werden. Amen

Aus Cubach – Abendgebet am Sonntage.

O Herr Jesu Christe, du Sonne der Gerechtigkeit, ich danke dir, daß du mich an diesem vergangenen heutigen heiligen Sonntage nicht allein mit Leibes Gesundheit so gnädiglich beseliget und vor allem Unglück behütet und bewahret, sondern auch mit den Strahlen deines Worts und den heiligen Predigten erleuchtet und meinen Verstand von dem Nebel der dunkeln Finsternis gereiniget hast. Nun, mein Herr Jesu, obgleich die leibliche Sonne untergegangen und die dichte Finsternis darauf gefolget: ach, so bleibe du doch bei mir und gehe nicht unter mit deinem Gnadenlicht, sondern wie die Sonne den Tag über mir geleuchtet und den Weg gezeiget, also leuchte du durch deine Liebe diese Nacht und allezeit meiner Seele und gib, daß, ob ich gleich schlafe, doch mit dem Herzen wache. Behüte mich heute Nacht, damit ich das morgende Tageslicht mit Freuden anschauen und nach diesem Sabbath den großen und ewig währenden Sabbath mit allen Auserwählten in alle Ewigkeit feiern möge. Amen, mein Herr Jesu, Amen.

Brandenburgisches Betbuch – Abendsegen am Sonntage.

Der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre heute Nacht und allezeit meinen Leib und Seele in Christo Jesu unserm Herrn. Amen.

O Herr Gott, Schöpfer Himmels und der Erden! ich sage dir ewig Lob und Dank durch Jesum Christum, meinen einigen Seligmacher, daß du mich so gnädiglich und väterlich diesen vergangenen Tag behütet hast vor allem Schaden und Unfall des Leibes und der Seelen; dein heiliger Geist sei mit mir, der stärke, bewahre und erhalte mich in einem festen Glauben an Jesum Christum und in wahrer Liebe gegen meinen Nächsten. Laß dir heute Nacht meinen Leib und Leben und alles, was du mir aus Gnaden verliehen hast, in deinen väterlichen Schutz befohlen sein, verzeihe mir alle meine Sünde, und dieses allein um Christi willen. Behüte auch meine Verwandten und alle, so mir Treue, Liebe und Freundschaft erzeiget haben, diese künftige Nacht. Laß des Teufels List und Gewalt, der Welt Falschheit und Betrug, des Fleisches Lust und Unreinigkeit, und alle Gefahr und Schaden des Leibes und der Seelen nach deiner gnädigen Zusage ferne von mir, und den Schutz deiner lieben Engel nahe bei mir sein, laut deiner Verheißung: Alles was ihr bittet im Gebet, glaubet nur, so werdet ihrs empfahen. Ich glaube, Herr, ungezweifelt, daß du mich als dein liebes Kind gnädiglich erhören und heute Nacht und alle Zeit meines Lebens gnädiglich behüten wirst. Mir geschehe, Herr, nach deiner tröstlichen Verheißung. O lieber Herr Jesu Christe, bleib bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag dieser Welt hat sich fast geneiget. O lieber Herr Christe, wecke mich auf vom Schlaf der Sünden, damit ich bereit sei, wenn du zum Gericht kommest, dich mit Freuden zu empfahen und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch dein Verdienst, Schmerzen, Leiden und Tod, hochgelobet in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über mich und gebe mir seinen Frieden. Der Herr gebe uns allen seinen Frieden, Erkenntnis unsrer Sünden, Besserung unsers sündhaftigen Lebens, Beständigkeit im rechten starken Glauben an Jesum Christum, und nach diesem Leben ein ewiges Leben. Der Name des Herrn sei gebenedeiet von nun an bis in Ewigkeit.

Gott sei uns gnädig, gütig und barmherzig, und gebe uns seinen göttlichen Segen, er lasse uns sein Antlitz leuchten, daß wir auf Erden erkennen seine Wege. Es segne uns Gott, unser Gott, es segne uns Gott und gebe uns seinen Frieden, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Der Segen, Schutz und Heiligung des allmächtigen Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes komme über uns und behüte uns vor allem Uebel an Leib und Seel, und führe uns endlich ins ewige Leben. Amen.

Aus Cubach – Danksagung für das Wort Gottes am Sonntage um die Vesperzeit.

Wir loben und preisen dich, Herr Gott, Vater Himmels und der Erden, daß du uns an diesem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich versorget hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brot, sondern auch an unsrer Seele mit der himmlischen Speise deines heiligen Wortes; verleihe, o treuer Gott, daß es in unsern Herzen verbleibe und großen Nutzen schaffe zu deiner Ehr und unsrer Seligkeit. Wir bitten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein rein Wort und Kirchendienst nicht entziehen, wollest uns auch unsre Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten verunheiliget haben, nicht entgelten lassen, sondern dieselbigen uns nach deiner großen Güte und durch das bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi verzeihen. Wollest endlich heute und die ganze übrige Zeit unsers elenden Lebens in diesem Jammerthal uns dir in deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen befohlen sein lassen und deine heiligen Engel um uns her lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde.

Weil aber nunmehr der Abend dieser Welt herbei nahet und sich der Tag geneiget hat, so verleihe uns die Gnade deines Geistes, damit wir stets wachen und in lebendigem Glauben, in brünstiger Liebe, fester Hoffnung und heiligem Wandel erwarten der seligen Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, unsers Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, auf daß wir ihn alsdann würdig und mit Freuden empfahen, ins ewige Leben mit ihm eingehen, und den ewigen Feier- und Freudentag mit allen Auserwählten erreichen und ohne Ende halten mögen. Erbarme dich, o Herr! der ganzen Christenheit, und entlade deine arme verfolgte Gemeine aller Bedrängnis, Spottes und Tyrannei, tröste alle geängstete, betrübte Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler. Amen.

Bernhard Albrecht – Sonntägliches Mittagsgebet, um allerlei Wohlthaten, die einem Christen an Leib und Seele von nöthen sind.

O du barmherziger Gott und gütiger Vater! ich, deine erschaffene Creatur und liebes Kind, bitte dich als meinen herzlieben himmlischen Vater, du wollest meines Herzens Seufzen gnädig hören und erhören, und dieweil mein Eingang und Ausgang, Wollen und Vollbringen, Thun und Lassen, Leben und Sterben, und alles, was meinen Leib und Seele betrifft, nicht in meiner Macht und Gewalt, sondern allein in deinen Händen stehet, so wollest du nicht allein heute den ersten Tag dieser angehenden Woche, sondern die ganze Zeit meines Lebens alles dasselbige väterlich regieren, reichlich segnen, gnädig bewahren und alle Augenblicke meinen Leib und Seele zu deinem Gefallen führen und leiten. Das mit ich aber nicht allein zeitlich in dieser Welt, sondern auch dort in jener Welt ewiglich mit dir lebe, so erleuchte mein Herz, Sinn und Verstand durch dein heiliges Wort und Sacrament, daß ich dich, Vater, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkenne, liebe und ehre, und bei dem rechten allein seligmachenden Glauben an dich steif und fest, getreu und beständig bis in den Tod bleibe. Und demnach das heilige Evangelium von deinem lieben Sohn Jesu Christo sehr viel Feinde hat an allen Enden und Orten, welche es gern ausgerottet sähen, so erhalte und bewahre, du Mächtiger und Starker in Israel, deine Kirche und Gemeine, laß dein Wort allezeit gewaltig empor, und dagegen alle Abgötterei und Irrthum stark untergeben. Mache auch zu nichte alle Gewalt und List, Macht und Stärke, die wider dein Wort und desselbigen Bekenner gerichtet ist. Nach deinem heiligen Wort gib mir, o treuer Gott, auch gesunden Leib und das tägliche Brot, Glück und Heil zu meinem Beruf, daß ich denselben getreulich abwarte, dir meinem Gott und dem Nächsten darinnen zu dienen. Und dieweil uns, o lieber Vater, der Tod alle Stunden nachgehet, sintemal wir alle gesündiget haben, und darum auch alle dem Tode unterworfen sind, so gib mir Gnade, daß ich die Unbeständigkeit meines Lebens samt dem letzten Ende täglich erkenne, damit ich allezeit wohl dazu bereitet, und mit dem Schild des Glaubens, ausgerüstet, die feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen, und wenn das böse Stündlein kommt, Widerstand thun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möge. Ich bitte auch demüthiglich, mein allerliebster Vater im Himmel, du wollest mir armen Sünder gnädig sein und alle meine Sünde, wo ich wider dich gedacht, geredet und gethan habe, tilgen nach deiner großen Barmherzigkeit, um des großen Gehorsams, bittern Leidens, Sterbens und Auferstehens unsers Herrn Jesu Christi willen. Und dieweil du, mein Herr und Gott, den Gnadenschatz der Vergebung unsrer Sünden durch deine Diener und Mundboten uns anbieten und vortragen lässest, so bitte ich von Herzensgrund, du wollest mir bei der Predigt deines heiligen Wortes und rechtem Gebrauch der hochwürdigen Sacramente allezeit mein Herz öffnen und mich erleuchten, daß ich nicht allein ein Hörer, sondern auch ein Thäter des Worts sei, daß ich nicht allein deinen Willen wisse, sondern auch thue, damit ich an dem jüngsten Tage die fröhliche Stimme meines Heilandes Jesu Christi gegen mich anhöre: komm her, du Gesegneter meines Vaters, und ererbe das Reich, das dir von Anbeginn der Welt bereitet ist; dazu hilf mir, mein getreuer Gott und einiger lieber Vater, daß es (wie ich nicht zweifle) an mir wahr werde, um deines allerliebsten Sohnes willen, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, ein wahrer Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen.

Benjamin Schmolck – Morgengebet am Sonntag.

Gott Vater, mein Schöpfer! O wie heilig ist dieser Tag, an welchem du selbst geruhet hast! Ich komme von der Ruhe und gehe zur Ruhe. Geruhet habe ich diese Nacht in deinen Armen; dafür danke ich dir. Diesen Tag willst du in meinem Herzen ruhen, darüber freue ich mich. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen: laß es nun auch Licht werden in meinem Herzen, du Vater des Lichtes, daß ich in deinem Lichte sehe das Licht und darinnen wandle. Bewahre meinen Fuß, wenn ich heut zu deinem Hause gehe. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach deinen Vorhöfen: lege dein Wort in meinen Mund; erfülle mit deiner Stimme meine Ohren; erleuchte mit deiner Wahrheit meine Augen; rühre mit deinem Finger meine Lippen; erfülle mit deiner Süßigkeit mein Herz. Laß meine Gottesfurcht nicht Heuchelei sein und meinen Gottesdienst nicht Menschenwerk. Wenn ich mit dem Zöllner in deinem Vorhof stehe, so sei mein erster Seufzer: Gott sei mir Sünder gnädig!

Gott Sohn, mein Heiland! Dieser Tag ist dein: an dem bist du auferstanden; ach laß mich heut auferstehen vom Irrthum zur Wahrheit, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Trauern zur Freude. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ach rede heut in deinem Heiligthum, so bin ich froh. Ich lege mich an deine Brust: tränke mich mit der Milch des lautern Evangeliums. Komm durch dein Wort in mein Herz, daß ich reichen Trost von deinem Hause habe. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Baue dieses Land und wässere es, denn deine Brünnlein haben Wassers die Fülle; streue deinen Samen auf ein gutes Feld, daß er hundertfältige Früchte bringe. Laß dein Wort sein mein Licht auf dem Wege, meinen Weg zum Himmel, meinen Himmel im Herzen. So werde ich Luft an deinen Zeugnissen und selbst einen fröhlichen Sabbath haben.

Gott heiliger Geist, mein Tröster! Dieser Tag ist auch dein Tag, an welchem du bist ausgegossen worden: ergieße dich heut auch über mich. Zeige mir an diesem Sonntag die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Lehre du mich innerlich, wenn ich das Wort höre; laß mir’s durch die Ohren in’s Herz gehen; schreibe es durch; deinen Finger in meinen Sinn. Reinige mich in der Buße; befestige mich im Glauben, erbaue mich in der Liebe; bessere mich im Leben; tröste mich in der Anfechtung; bereite mich zu einem seligen Sterben. So werde ich nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Thäter sein. Du aber wirst geben das Wollen und Vollbringen, und das gute Kleinod mir bewahren bis auf den Tag meiner Erlösung.

Heilige Dreifaltigkeit! Heilige mich heut durch und durch. Sei du Alles in mir, so vermag ich Alles durch, dich. Mache dir einen Tempel in meinem Herzen, so wird meinem Hause heut Heil widerfahren. Komm nicht nur zu mir, sondern bleibe auch in mir. Die Gemeinde der Gläubigen sei an diesem Tage Ein Herz und Eine Seele. Niemand diene dir mit falschem Herzen. Behalte alle Frommen in heiliger Ruhe, bis wir noch eine Ruhe finden, welche dem Volke Gottes vorhanden ist; dort werden wir mit allen Auserwählten einen ewigen Sabbath halten. Amen.

Aus Cubach – Morgengebet am Sonntage.

Lob, Ehr und Preis sei dir, du hochgebenedeiete Dreieinigkeit, daß ich wiederum aus meinem Bette aufstehen, das Tageslicht ansehen und dich, o du ewige, unzertrennliche Gottheit! anbeten kann; die nächtliche Finsternis weichet davon, aber der helle Tag nahet herbei. Wie froh bin ich, daß ich solchen erlebet habe.

Sonderlich aber freue ich mich, daß derjenige Tag angehet, an welchem ich von aller Handarbeit ruhen, deine schönen Gottesdienste besuchen, dein seligmachendes Wort anhören und dich in der Gemeine rühmen und preisen soll. Wie freue ich mich dessen, daß meine Füße werden stehen in dem Hause meines Gottes. Ach Gott! laß mich solchen Tag nicht allein heilig anfangen, sondern auch heilig fortsetzen und heilig vollenden; und wehre dem unheiligen Satan und allem seinem verfluchten Anhange, daß sie die Ehre deines Namens, den Lauf deines Wortes, und die schuldige völlige Heiligung dieses dir sonderlich zugeeigneten Tages nicht verhindern, noch deine willigen Diener verletzen, verlästern und verhöhnen dürfen. Mein Gott! das ist der Tag, an welchem du den ersten Grund der Welt geleget, das Licht hervorgebracht, und die Finsternis vertrieben hast. Ach laß mich in der Erkenntnis deiner großen Wohlthaten fest gegründet sein. Erleuchte mich mit dem Glanze deines heiligen Geistes, laß mich sein ein Kind des Lichtes, und treibe aus von mir alle Finsternisse des Unglaubens und der Unheiligkeit. Ist es auch dein gnädiger Wille, daß ich mit einer finstern Kreuznacht soll umgeben werden, so laß mir darin scheinen das Licht deines göttlichen Trostes, und laß mich mit unüberwindlicher Geduld des schönen Tages erwarten, an welchem ich zu dir in deinen hell leuchtenden himmlischen Palast eingehen werde. Amen, in Jesu Namen, Amen, Amen.

Brandenburgisches Betbuch – Morgensegen am Sonntage.

Das walte Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist. Amen.

Die Seele Christi heilige mich, der Leichnam Christi erhalte mich, das Blut Christi tränke mich, das Wasser, das aus seiner Seite floß, wasche mich. O gütiger Jesu, erhöre mich, in der Stunde meines Todes begnade mich, und setze mich zu dir, auf daß ich samt deinen heiligen Engeln und Auserwählten dich loben möge ewiglich. Amen. O Herr Jesu, dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. Amen.

Herr Gott, himmlischer Vater, ich danke dir von Grund meines Herzens für alle deine Gnade und Wohlthat, die du an mich unwürdigen und undankbaren Menschen gewendet, daß du mich und die ganze Welt also geliebet hast, und uns deinen eingeborenen Sohn gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Betheuerst auch mit einem hohen Eid, daß du nicht Lust habest am Tode des Sünders, sondern daß er bekehret werde und lebe. Ich bitte demüthiglich, vergib mir alle meine Sünde und Missethat, so vollkommen, als es Christus mit seinem Leiden und Sterben verdienet und erworben hat. Sei mir ein gnädiger Gott, heut, immer, und ewiglich. Gib mir deinen heiligen Geist, den Geist der Weisheit, des Raths, Kraft, Trosts und Stärke, erfülle mein armes sündhaftes Herz mit deinem göttlichen Trost vom Himmel bis oben an, ja mit Trost vom Himmel erfülle es, vermehre in mir durch deinen heiligen Geist eine rechte Erkenntnis Gottes, behüte mich vor falscher Lehre, Irrthum und Verführung, leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich, und erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich mit allen Christgläubigen und deinen Auserwählten deinen göttlichen Namen liebe, lobe, rühme, preise und ehre, dir diene und danke mit meinem ganzen Leben. Sonderlich bitte ich auch um das große Geheimnis von unserm lieben Herrn Jesu Christo, das gib mir von Tage zu Tage mehr und mehr zu erkennen, schreibe dasselbige in mein Herz mit dem Finger deines heiligen Geistes, mit lebendigen Buchstaben. Hilf, lieber Vater, daß ich klüglich wandle, wie einem Kinde Gottes gebühret, daß ich mich hüte vor alle dem, dadurch dein werther Name verunehret, mein Gewissen beschweret, und andere Leute geärgert werden mögen. Vor solchem Leben und Wandel behüte mich, o du getreuer Gott! steure und wehre dem Satan, dem bösen Feinde, der umher gehet wie ein brüllender Löwe, mich zu verschlingen; reiche du mir aus der Höhe des Himmels deinen Stecken und Stab, daran ich mich halten und sicherlich wandeln möge. Thue mich an mit Kraft aus der Höhe, der schrecklichen List und Gewalt des bösen Feindes zu entgehen; sei du meine Wehr und Waffen, ihm zu widerstreben, und dagegen erhalte mich in aller Gottseligkeit, einen heiligen Wandel zu führen; deine Gnade sei mit mir heut und allezeit, zeitlich und ewiglich, durch Jesum Christum. Diese meine Bitte wollest du mir, ewiger Gott, wegen meiner Sünde nicht versagen, sondern durch deine große Barmherzigkeit mich gnädig erhören. O lieber Gott und Herr, verleibe mir eine selige Stunde zu leben und zu sterben, durch Jesum Christum unsern Herrn. Mein Gott, sei mir gnädig in meiner letzten Stunde und an deinem gestrengen Gerichte. O du Sohn Davids, erbarme dich mein, und vergib mir meine begangene Sünde. Gott gebe mir in seinem Namen hier zeitlichen und dort ewigen Frieden. Amen. Gott, sei uns gnädig und erbarme dich über alle elende und betrübte Herzen. Herr Gott, bekehre die Sünder, fördere die Gerechten, und sei uns allen gnädig. Amen. allmächtiger Vater! behüte mich vor allem Uebel, und gib mir deinen Segen. Herr, erleuchte mir meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Gütiger Gott! mehre in uns Glauben, Liebe und Hoffnung. Herr Jesu, sei meiner eingedenk, der du herrschest in deinem Reich, und verlaß mich nimmermehr. O Herr, erbarme dich mein, und segne mich, erleuchte dein Angesicht über mich und sei mir gnädig, erhalte mich durch; deine Kraft und Macht, gib mir Gnade, meine vielfältige Sünde zu erkennen, zu meiden und zu büßen, auch um deiner Liebe willen alles zu thun, zu lassen und zu leiden, ja wenn und wie du willst, auch in deiner Gnade christlich zu sterben. O Herr, stehe auf und laß deine Feinde zerstreuet, und die dich hassen, vor deinem Angesichte flüchtig werden. Die Gnade Gottes des Vaters, die Liebe Jesu Christi, und der Friede des heiligen Geistes sei allezeit mit uns allen. Gott, dem König aller Könige und Herrn aller Herren, dem unvergänglichen, und unsichtbaren, und allein weisen, sei Lob, Ehr und Preis, von nun an bis in Ewigkeit. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns in alle Ewigkeit. Der Herr behüte mich vor allem Uebel, der Herr behüte meinen Leib und Seele, der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Joachim Embden

Erwecke meine Andacht, lieber himmlischer Vater, diesen und alle Sonntage, die geistliche Feier nach deinem Willen zu halten. Verleihe mir Gnade, von den Werken der Sünde zu ruhen, mich dir ganz zu ergeben und meine Seele stille zu halten als ein stilles Wasser, damit die Strahlen deiner Gnade sich darin spiegeln, und mich im Glauben, Liebe und Gebet zu dir erwärmen mögen, und mir durch solches Stillsein und Hoffen geholfen werde stark zu sein und zu bleiben in aller Gottseligkeit. Amen.

Joachim Embden 1595-1650

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses