Joachim Embden

Erwecke meine Andacht, lieber himmlischer Vater, diesen und alle Sonntage, die geistliche Feier nach deinem Willen zu halten. Verleihe mir Gnade, von den Werken der Sünde zu ruhen, mich dir ganz zu ergeben und meine Seele stille zu halten als ein stilles Wasser, damit die Strahlen deiner Gnade sich darin spiegeln, und mich im Glauben, Liebe und Gebet zu dir erwärmen mögen, und mir durch solches Stillsein und Hoffen geholfen werde stark zu sein und zu bleiben in aller Gottseligkeit. Amen.

Joachim Embden 1595-1650

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses

Friedrich Arndt – Abendgebet am Sonntag

Gott Vater, mein Wächter, Du Hüter Israel, ich nehme meine Zuflucht an diesem Abend zu Deinen offnen Augen. Du schläfst noch schlummerst nicht: ich aber muß beides thun, daß der müde Leib erquickt werde. Erleuchte demnach meine Augen, daß ich nicht im Tod entschlafe. ich habe heute die Wunder in Deinem Gesetze gesehen. Wie deutlich hast Du mich gelehret, wie väterlich ermahnt, wie treulich gewarnt, wie herzlich getröstet! Aber ich erschrecke, wenn ich dagegen auf mich sehe. Wie sparsam hab’ ich Dich gehört, wie lau Dich geliebt, wie ungern bin ich Dir gefolgt, wie muthwillig habe ich Deinen Zug verachtet! Ach, laß mich das Wort, das ich verachtet habe, nicht richten an jenem Tage! Laß nicht die Sonne über meiner Bosheit und meinem Zorne untergehen! Gnade für Recht bitte ich; Erbarmen für Züchtigung. Sei auch in der Finsterniß mein Licht, daß ich morgen zu einem neuen Licht und Wandel auferstehe.

Gottes Sohn, mein Hirt, mache mir jetzt in Deinem Blute eine schöne Abendröthe. Dein Schäflein legt sich in Deinen Schooß; Dein Küchlein wirft sich unter Deine Flügel; Dein Jünger schmieget sich an Deine Brust. Bewahre mich, wie Deinen Augapfel; setze mich wie ein Siegel auf Deinen Arm; halte mich wie einen Ring an Deinem Finger. Laß Deine Liebe meinen Traum und Dein Wort das Gespräch meines Herzens auf meinem Lager sein. Deine Linke lege sich unter mein Haupt, und Deine Rechte herze mich. Kleide mich aus von den heutigen Sünden, und kleide mich an mit dem Purpur Deines Verdienstes. In diesem Schlafkleide werde ich süß ruhen, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in meinem Herzen.

Gott heiliger Geist, mein Beistand, versiegle in mir, was ich diesen Tag gehört habe. Du hast mir Himmel und Hölle vorgestellt, Segen und Fluch angekündigt, Leben und Tod zur Wahl gegeben: laß mich also wählen, daß ich das Beste und Einige erwählen möge. Sei in mir ein Brunnen des lebendigen Wassers, das in’s ewige Leben quillt. Zertheile in mir die angeborne Finsterniß durch Dein himmlisches Licht, lösche dagegen die Liebe der Welt in meinem Herzen aus. Laß mich diese bevorstehende Nacht in Deiner Liebe einschlafen und in derselben auch wiederum fröhlich erwachen. Ermuntere meine Seele durch heilige Bewegungen, daß sie stets zu Dir erwache, obgleich der Leib schläft. Zeige mir auch im Bette meinen Sarg und in meinem Schlafe den Tod, daß mich der letzte Schlaf nicht übereilen, sondern wachend und betend finden möge. Tröste die Betrübten, beruhige die Unruhigen, bekehre die Boshaftigen.

Heilige Dreieinigkeit, meiner Väter Gott, erbarme Dich der Meinen und aller Menschen! Laß Deinen heiligen Sonntag überall Strahlen der Liebe und Gnade zurücklassen; Deine Sonne gehe Keinem unter, der Dich nur erkennet und liebet. Niemand ist gut, denn Du, einiger Gott. Laß uns von Dir nichts trennen, o Du unzertrennliches Wesen, bis wir zu dem ewigen Sabbath kommen und das dreimal Heilig unaufhörlich rufen werden. Amen.

Schleuß dich, o Herzenstempel, zu,
Denn Gott hat in dir seine Ruh;
Die Ueberschrift steht an der Thür:
Gott Vater, Sohn und Geist ist hier.
Herr Zebaoth, Dein Ruhm verdient,
Daß er in meinem Herzen grünt,
Da es ein Tag dem andern Tage,
Und eine Nacht der andern sage:
Drum nimm auch diesen Abend an,
Was Deinen Ruhm vermehren kann.

Georg Friedrich Blaul – Morgengebet am Sonntag

Mein Gott und Herr! das freundliche Licht deines heiligen Tages ist wieder aufgegangen über der Erde, und es jauchzen dir alle Wesen, die sich des Lichtes freuen, es preisen dich alle Menschen, die des Lichtes Freunde sind – und ich sollte nicht mit Danken vor dein Antlitz kommen? Ja, ich danke dir, dass du mich und die Meinen auch in dieser Nacht so väterlich behütet hast, und bitte dich, deinen Segen zu vollenden, und mein Herz auch mit deinem höheren Lichte zu erleuchten. Ich freue mich, dich anzubeten und dein Wort zu hören da, wo du deines Namens Gedächtniss gestiftet hast; denn ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet, da man höret die Stimme des Dankens und da man prediget alle deine Wunder. Gib, dass nichts mich abhalte, dich zu suchen in deinem Hause, und bewahre meinen Fuß, wenn ich dahin gehe. Gib, dass dein Wort nicht leer an mir vorübergehe, sondern in meinem Herzen Wurzel fasse, und in einem frommen, thätigen Leben reichlich Frucht bringe zu meiner Heiligung und Beseligung. Die erste Frucht aber sei die, dass ich den heutigen Tag in deinem Namen und dir zum Preise verlebe. Darum habe ich die Sorgen und Mühen der vergangenen Woche von mir geworfen, und die Lasten, die mich beschwerten, deiner Vatersorge heimgestellt, damit mein Blick, frei von den Fesseln des Irdischen, zu dir sich erhebe, und mein Ohr, nicht betäubt durch irdische Geschäfte, auf deinen Willen lausche. – Herr, stärke diesen Vorsatz in mir, und hilf mir ihn vollbringen. Entferne aus meinem Herzen jeden sündlichen Gedanken, jede eitle Lust, über der ich deiner vergessen könnte. Halte jede böse Gesellschaft fern von mir, und bewahre mich vor jeglicher Versuchung. Auch bei den Erholungen, deren mein Körper und mein Geist bedarf, lass dein Gesetz mir immerdar vor Augen sein. Meine Ruhe sei deinem Frieden ähnlich; mein Vergnügen sei, zu thun, was dir wohlgefällt, damit ich am Abende dieses Tages auf einen wohlvollbrachten Sabbath zurückblicken möge.

Aber nicht blos für mich bitte ich das, sondern für alle Menschen, insonderheit für alle Christen. Herr Jesus, lass den Hauch deines Friedens durch deine ganze Kirche wehen; segne das Wort deiner treuen Diener an allen Gemeinden, und schaffe, dass wir alle mehr und mehr heranwachsen zu tüchtigen Gliedern des heiligen Leibes, wovon du das Haupt bist. – Segne, ja segne, Herr, die Feier dieses Tages an mir und allen Menschen. Amen.

Magnus Friedrich Roos – Sonntag. Abendgebet.

Wir danken Dir, gütiger Vater in dem Himmel, daß Du vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern durch die Propheten, in den letzten Tagen aber sogar durch Deinen Sohn mit den Menschen geredet hast, welcher hernach Seinen Aposteln befohlen, das Evangelium aller Kreatur zu predigen, und sie dazu mit den Gaben des Heiligen Geistes reichlich ausgerüstet hat. Wir sagen Dir Dank, daß wir auch heute gewürdiget worden sind, etwas von diesem Deinem wahrhaftigen, klaren, kräftigen und seligmachenden Wort zu hören, zu lesen und zu betrachten. Vergib uns gnädiglich, daß wir es ehmals nicht geliebt, sondern nach unserem Eigendünkel und nach den sündlichen Gewohnheiten der Welt gewandelt, und den lügenhaften Eingebungen des Teufels Gehör gegeben haben. Vergib uns auch alle Unachtsamkeit, die wir uns heute haben zu Schulden kommen lassen, und alle eiteln Gedanken und Worte, in die wir ausgeschweift sind. Ach entziehe uns Dein theures Wort nicht, ob wir’s gleich mit unsern Sünden verdient hätten. Fahre fort, durch dasselbe mit uns zu reden, und durch dasselbe die nöthige Vorbereitung auf die Ewigkeit in uns zu wirken. Erstatte uns durch den Reichthum Deiner Gnade, und durch die Anwendung Deiner überschwenglichen Kraft, wodurch Du Alles schnell erneuern und schaffen kannst, die übel zugebrachten Jahre, und bringe das Versäumte bei uns noch herein, damit wir noch zu einem reichen Eingang in Dein himmlisches Reich tüchtig werden, und unser ganzes Loos in dem himmlischen Vaterland zu Deiner Ehre erreichen. Umschließe nun auch in dieser Nacht unsere Leiber und Seelen, und Alles, was wir haben, mit Deinem mächtigen Schutz, und lasse allen denen, die in schweren Leiden stehen, Trost und Hülfe widerfahren. Amen.

Gott, Du befiehlst uns das Gebet.
Wohl dem, der Deinen Sinn versteht;
Du red’st mit uns: wir hören Dich:
Erhöre uns auch gnädiglich.
Amen.