Habermann, Johannes – Morgengebet am Sonntag

Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gebenedeiet sei deine göttliche Kraft und Allmacht, gelobet sei deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, gepreiset sei deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser gefährlichen Nacht mit deiner Hand bedecket und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind und allen seinen heimlichen Listen und Tücken bewahret und ganz väterlich beschirmet. Darum lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich bei der Gemeine preisen, dein Lob soll allewege in meinem Munde sein, meine Seele soll allezeit dich, meinen Herrn, rühmen, und was in mir ist, deinen heiligen Namen preisen, und will nimmermehr vergessen alles was du mir Gutes gethan hast. So laß nun dir gefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfalt meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von ganzem Gemüth, du wollest mich heut diesen Tag auch behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seele, und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgib mich ringsum mit deinem Schild, und führe mich auf den Steig deiner Gebote, daß ich unsträflich wandle in deinem Dienst, wie die Kinder des Tages, zu deinem Wohlgefallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt, dazu steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht von ihnen überwältiget, etwa gröblich wider dich handle und dich mit meinen Sünden erzürne. Regiere du mich mit deinem heiligen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein was dir gefällig, und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereichet. Siehe, mein Gott, ich übergebe und opfere dir mich heute ganz und gar zu eigen in deinen Willen mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, du heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Seele und Gemüth, daß ich nichts, denn dich, wisse und verstehe. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, frühe will ich dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Johannes Habermann – Morgensegen am Mittwoch.

Allmächtiger, barmherziger Gott, nachdem alle deine Creaturen dich ohne Unterlaß loben und Preisen sollen, welches auch thun die Vögelein unter dem Himmel, die frühe gegen den Tag mit ihren Zungen und Stimmen aufs lieblichste dich, ewiger Gott, als ihren Herrn und Schöpfer rühmen: so danke ich dir jetzt auch von Herzen, daß du mich die vergangene Nacht und alle vorige Zeit meines Lebens unter deinem Schutz und Schirm bis auf diese gegenwärtige Stunde erhalten hast und mich aus dem Schlaf und Finsternis dieser Nacht erwecket, fröhlich und gesund hast lassen aufstehen. Ich bitte dich, durch die heilbringende Auferstehung Jesu Christi von den Todten, du wollest mich ferner auch behüten vor allem Unglück und Uebel, samt allen, die mit mir durch Blutsfreundschaft oder sonst verwandt sind. O Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe, und weide sie, und erhöhe sie ewiglich. Du wollest mich auch in dieser Frühstunde mit deiner Barmherzigkeit erfüllen, daß ich heut mit Freuden diesen ganzen Tag in deinen Geboten ohne alle Todsünde zubringe. Erzeige mir deine Gnade, wie eine Thauwolke des Morgens und wie ein fruchtbarer Thau, der früh Morgens sich ausbreitet und das Land befruchtet: also wollest du deine Güte über mich ausstrecken; mein träges Gemüth erfrischen, daß ich wacker und fröhlich deinen Willen thue. Regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich dir mit reinem Herzen möge dienen in rechtschaffner Gerechtigkeit und Heiligkeit, die dir gefällig ist. Behüte mich, daß ich heute nicht wider dich sündige und etwa mein Gewissen beflecke mit fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Bewahre auch meine Zunge vor Bösem, und meine Lippen, daß ich nicht falsch rede oder trüge; schandbare Worte und Narrentheiding, die dem Christen nicht geziemen, laß ferne von mir sein. Hilf, daß ich mit meinen Lippen niemand ärgere noch afterrede, urtheile oder verdamme, auch niemand lästere oder schmähe. O daß ich könnte ein Schloß an meinen Mund legen, und ein fest Siegel auf mein Maul drücken, daß ich dadurch nicht zu Fall käme, und meine Zunge mich nicht verderbete! Gib Gnade, daß ich mich selbst in meinem Gebrechen erkenne, und strafe, damit ich nicht in dein gestreng Urtheil und Gericht falle. Solches verleihe mir, ewiger Gott, durch Christum, deinen lieben Sohn. Amen.

Johannes Habermann – Abendsegen am Dienstag.

Herr, gütiger Gott, heiliger Vater! des Tages schreie ich zu dir mit meiner Stimme; wenn mir angst ist, rufe ich zu dir, und des Abends gedenke ich an deine Güte und Treue, die du mir erzeiget hast. Und sonderlich preise ich dich jetzt, daß du mich aus lauter Gnade und Barmherzigkeit ohn alle mein Verdienst und Würdigkeit diesen vergangenen Tag vor unzähligem Schaden und Gefahr, die mich hätten können treffen, so ganz väterlich behütet hast, daß mich der Satan nicht mit einem bösen jähen Tod umgebracht hat. Dafür sage ich dir jetzt und allezeit Lob und Dank, und bitte dich, um des bittren Leidens Jesu Christi willen, du wollest mir verzeihen alle Mißhandlungen, so ich heute wider dich gethan habe, und mich die zukünftige Nacht gnädiglich bewahren vor meinem Widersacher, dem leidigen Teufel, vor Schrecken und Entsetzen des Nachts, daß mich kein Ungethüm noch Phantasie bethöre, noch beschädige. Behüte mich mit allem, was ich habe, vor Wassers- und Feuersnöthen, vor allem Uebel Leibes und der Seelen. Laß mich ruhig, ohne alle Sorge und Bekümmernis, einschlafen, auf daß ich auch in Finsternis das Licht deines göttlichen Glanzes über mich möge scheinen sehen mit den Augen meines Herzens, denn du bist ein helles und wahrhaftiges Licht, welches da erleuchtet alle Dunkelheit, die uns umfangen hat. Du, Herr Gott, bist bei mir, du bist mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz. Herr, mein Gott, zu dir breite ich des Nachts meine Hände aus. Komme zu mir wie ein Spätregen, der das Land befruchtet. Bleibe bei uns, Herr, denn der Tag hat sich geneiget, und ist niemand, der uns in dieser Finsternis schütze, denn du allein, unser Gott. Eile mir zu helfen und schütze mich in dieser Nacht, daß mein Geist in Sünden nicht einschlafe und meinem Leib kein Uebel widerfahre. Wecke mich zu rechter Zeit, und laß mich hören Freud und Wonne, denn ich habe Lust zu deinem Wort und Zeugnissen, die sind meines Herzens Trost. Sieh, daß vor meine Ohren nicht komme eine traurige Botschaft und wende die Angst meiner Seele, denn du kannst allein mein Leben fristen und mich mit allerlei Segen erfüllen, in Christo Jesu unserm Herrn. Amen.

Johannes Habermann – Morgensegen am Dienstag.

Gelobet sei Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, gelobet sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet sei sein herrlicher Name ewiglich! der den Tag und die Nacht durch seine göttliche Weisheit geschaffen und unterschieden hat, dazu verordnet, daß, so lange die Erde stehet, sie nicht sollen aufhören, auf daß der Mensch des Nachts möge seine Ruhe haben und am Tage wieder an seine Arbeit gehen. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Für solche deine Wohlthaten sollen wir dir danken, ehe die Sonne aufgehet, und vor dich treten, wenn das Licht hervorbricht. Darum preise ich dich jetzt auch, daß du mich in dieser Nacht hast sicher schlafen und ruhen lassen, auch wiederum fröhlich und gesund erwachen, dazu vor aller Gewalt und Bosheit des Feindes väterlich beschirmet. Ich bitte dich, du wollest meine Seele in deine Hand einschließen, meinen Leib nach deinem Wohlgefallen gesund erhalten und mich vor allem Uebel und Schaden behüten. Sei du mein gewaltiger Schutz, meine große Stärke, mein Schirm wider die Hitze, meine Hütte wider den heißen Mittag, meine Hut wider das Straucheln, meine Hülfe wider den Fall, auf daß mich kein Uebel treffe. O gütiger Gott! weil die Stunde auch da ist, aufzustehen vom Schlaf der Sünden und aller Ungerechtigkeit (sintemal unser Heil jetzt gar nahe ist, denn die Nacht ist vergangen und der Tag herbeikommen), so hilf, daß wir ablegen die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichts, auf daß wir ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: sondern daß, wir anziehen Jesum Christum in wahrem Glauben und christlichem Wandel; derhalben wecke mich alle Morgen, wecke mir das Ohr, daß ich mit gläubigem Herzen dein heiliges Wort höre, dasselbe in meinem Gedächtnis behalte, auch daß ich meine Ohren neige zu dem Schreien und Flehen der Armen und dieselben in ihrer Noth nicht verlasse. Und wenn ich wieder in meiner Angst zu dir rufe, so erhöre du auch die Stimme meines Flehens, und verachte nicht das Seufzen in meiner letzten Noth. Laß mein Gebet frühe vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien, erfülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein in die unser Lebenlang. Amen.

Johannes Habermann – Abendsegen am Montage.

O du starker, lebendiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi! ich danke dir, daß du mich heute durch deinen göttlichen Schutz vor allem Schaden und Gefahr gnädiglich behütet hast, daß ich nicht bin kommen in Feuersnoth, daß mich Wasserfluthen nicht ersäuft haben, daß ich nicht kommen bin in andre Gefahr Leibes und Lebens. Das alles habe ich allein deiner Barmherzigkeit zu danken, der du mich auf allen meinen Wegen und Stegen behütest. Ich bitte nun ferner, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, die ich wider dich gethan habe, und mich samt allen, die mir verwandt sind und zugehören, heute und die ganze Zeit unsers Lebens auch gnädiglich bewahren vor aller Angst und Beschwernis, vor des Teufels List und Geschwindigkeit, damit er uns Tag und Nacht gedenket zu bestricken. Behüte uns auch vor der schädlichen Pestilenz, die im Finstern schleichet, bewahre uns vor dem Strick des Feindes, errette uns, daß wir nicht kommen in das Netz des Jägers, der unsrer Seele nachsteht. Beschütze uns auch vor schweren Sichtungen und Schrecken des Satans, vor allem Uebel Leibes und der Seelen; denn du bist unsre feste Burg, unsre Wehr und Waffe; in dich stehet all unsre Hoffnung und Zuversicht. Darum du getreuer Gott, laß deine Augen über uns offen sein und bewahre uns in dieser Nacht vor aller Gewalt und Anfechtung des bösen Feindes, sei unser Wächter und Hüter, umgib uns mit deinem Schutz, auf daß der Teufel uns nicht könne beschädigen; denn bei dir allein steht unser Heil, zu dir allein Hebe ich meine Augen auf, daher mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen, wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau: also sehen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig, denn wir sind arm und elend. Erhebe über mich das Licht deines Antlitzes und erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe, der du lebst und regierest in Ewigkeit. Amen.

Johannes Habermann – Morgensegen am Montag.

O du unsterblicher, gütiger Gott, weil du deinem Volk in Gesetz geboten, dir alle Morgen ein Brandopfer zu thun, dich damit zu loben und dir zu danken für deinen gnädigen Schutz, so bringe ich dir jetzt auch das Lobopfer, das ist, die Frucht meiner Lippen, und preise deinen heiligen Namen, daß du mich durch deine große Gnade und Barmherzigkeit heut diese Nacht vor allem Uebel und Schaden an Leib und Seel behütet, und wider meinen Widersacher, den bösen Feind, ganz väterlich erhalten hast, denn wo du nicht mein Schild und Beistand gewesen wärest, so hätte mich unzählig Unglück verderbet, daß ich nicht gesund hätte mögen aufstehen. Darum danke ich dir ja billig für deine gnädige Beschützung. Weiter schreie ich zu dir aus Grund meines Herzens, und mein Gebet kommt frühe vor dich, frühe suche ich dich und bitte, du wollest mich mit allem, was mir zuständig ist, heut ferner behüten vor der List und Gewalt des Teufels, vor Sünden, Schanden und allem Uebel. Komme du mir zuvor in dieser Frühstunde mit deiner Gnade, sintemal ich ohne dich nichts vermag, und hilf, daß ich an diesem Tag alle meine Werke in deinem Namen christlich anfange und seliglich vollführe, zu Ehren deiner göttlichen Majestät und zu Nutz meines Nächsten. Bewahre meine Seele, Verstand, Vernunft, Sinn und Gedanken, all mein Thun und lassen, daß der leidige Teufel mir nicht könne schaden. Beschütze mich vor der Seuche, die im Mittag verderbet, behüte mich vor allen meinen Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, daß sie mich mit ihren Listen und Tücken, mit aller ihrer Gewalt und Bosheit, heimlich und öffentlich nicht können verletzen noch beschädigen. Herr Gott, Vater und Herr meines Lebens, behüte mich auch vor unzüchtigem Gesicht und wende von mir alle böse Lust. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit gerathen und behüte mich vor unverschämtem Herzen. Hilf, daß ich durch deine Gnade das Auge, so mich ärgern will, ausreiße und von mir werfe durch Ablegung böser und unreiner Begierden des Herzens. Nimm von mir hinweg alles, was dir mißfällt und mir schädlich ist; gib mir, was dir wohlgefällt und mir nützlich ist, auf das ich dir im wahren Glauben diene. Siehe mich an, du Heiland aller Welt, mit den Augen deiner Barmherzigkeit, und erleuchte mein Herz und Augen, daß ich wandle in dem Glanz deiner Gnade, so über mich aufgehet, auf daß ich dich, das ewige Licht, nimmermehr verliere. Amen.

Johannes Habermann – Abendsegen am Sonntage.

Ewiger Gott, barmherziger Vater, ich hebe meine Hände auf zu dir wie ein Abendopfer, und sage dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß du mich diesen Tag und die ganze Zeit meines Lebens vor allem Uebel und Unfall durch den Schutz deiner lieben Engel wider den bösen Feind gnädiglich beschirmet hast. Ich bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht ferner mit deinen heiligen Engeln umgeben, daß sie sich rings um mich lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, auf daß ich des bösen Feindes Fallstrick und arger List möge entfliehen. Laß mich, dein armes Geschöpf, deiner Güte und Barmherzigkeit befohlen sein, schütze mich mit deinem ausgestreckten Arm, denn von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir wache ich allezeit zu dir. Ich harre deiner Güte, und meine Seele hoffet auf dich lebendigen Gott; denn du bist meine. Zuflucht und treuer Heiland. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein; wir leben oder sterben, so bist du je unser Gott, der uns geschaffen hat. Darum schreie ich zu dir, laß deine Gnade nicht ferne von mir sein, beschirme mich mit deinem Schild. Erhalte mich, daß ich ruhig liege und sanft einschlafe und gesund wieder erwache. Decke mich in deiner Hütte zur bösen Zeit, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, und erhöhe mich auf einen Felsen, so werde ich mir nicht grauen lassen. Und ob ich schon wandre im finstern Thal, werde ich kein Unglück fürchten, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. So verleihe mir nun deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber allezeit zu dir wache, und daß ich dich stets in meinem Herzen habe, und du nimmermehr aus meinem Gemüth kommest, auf daß mich die Nacht der Sünden nicht überfalle. Bes wahre mich vor bösen, schändlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnützen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Mein Gott und Herr, in deinen gnädigen Schutz befehle ich dir meinen Leib und Seele (meine lieben Geschwister) und alle, die mir mit Blutsfreundschaft oder sonst verwandt sind. Laß dirs gefallen, Herr, daß du uns errettest und wende deine Barmherzigkeit nicht von uns; laß deine Güte und Treue alleweg uns behüten; darum bedecke uns in dieser Nacht mit deiner Güte, umfahe uns mit deiner Gnade auf allen Seiten, trage uns mit deiner Barmherzigkeit, daß wir an Seel und Leib behütet werden. Amen

Johann Habermann – In Krankheit

Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen: „Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erhören und du sollst mich preisen,“ deswegen schreie ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen sündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genese, um deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nützlicher ist zeitlich zu sterben, denn allhier in diesem Jammerthal und elenden Leben zu bleiben, so geschehe, Herr, dein göttlicher Wille, wie im Himmel also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Johann Habermann – Morgensegen

Herr himmlischer Vater, ewiger Gott, gelobt sei deine göttliche Kraft und Allmacht, deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser Nacht mit deiner Hand bedecket, und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind bewahrt und ganz vöterlich beschirmet. Darum lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich in der Gemeine preisen. Dein Lob soll allewege in meinem Munde sein. Meine Seele soll allezeit dich meinen Herrn rühmen, und was in mir ist, deinen heiligen Namen preisen: nimmermehjr will ich vergessen, was du mir Gutes gethan hast. So laß nun dir gefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfalt meines Herzens bringe.

Ich rufe zu dir von ganzem Gemüth: du wollest mich heut diesen Tag behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seelen, und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgieb mich rings mit deinem Schild, und führe mich auf den Steg deiner Gebote, daß ich unsträflich wandle in deinem Dienst, wie die Kinder des Tags, zu deinem Wohlgefallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt/ dazu steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht, von ihnen überwältigt, wider dich handle und idch mit meinen Sünden erzürne. Regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein was dir gefällig ist und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereicht.

Siehe, mein Gott, ich übergebe und opfere mich ganz und gar zu eigen in deinem Willen, mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und Äußerlich. MAche du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, du heiliger Vater, allmächstiger Gott, laß mich dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Seel und Gemüth, daß ich nichts denn dich wisse und verstehen. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören: frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, frühe will ich dich loben, und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum. Amen.

Fürbitte für die christliche Jugend.

Barmherziger Gott, ewiger Vater, der du die Kinder liebest und sie durch deinen Sohn zu dir heißest bringen, denn aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge willst du dir ein Lob zurichten und bereiten. Darum hast du auch geboten, daß man die Jugend in deiner Furcht und Erkenntniß soll auferziehen und sie nicht versäumen. Ich bitte dich um deines lieben Sohnes willen, der ein Kind und uns zu gut geboren und sein theures Blut am Stamme des Kreuzes für die Kinder, als auch Miterben der Gnade, sowohl als für die Alten vergossen hat, du wollest Gnade verleihen, daß alle Hausväter und Mütter, Schul- und Lehrmeister ihre Kinder, Gesinde und alle Jugend fleißig auferziehen in heilsamer Lehre und Erkenntniß deines Willens, in guten freien Künsten und Tugenden, zu Ehren deiner göttlichen Majestät und zu ihrer Seelen Seligkeit, in aller Zucht und Ehrbarkeit, auf daß sie von Kindheit auf dich ihren Gott, Schöpfer und Erlöser lernen von ganzem Herzen fürchten, lieben, über alle Dinge vertrauen und in deinen Geboten wandeln. Verhüte auch, daß die liebe Jugend nicht etwa durch falsche Lehre und unrechten Gottesdienst oder durch unchristlichen Wandel verführet werde. Behüte sie vor böser Gesellschaft und Trunkenheit, vor Unzucht und Müssiggang, und daß sie durch böse Exempel nicht geärgert werde. Gieb auch Gnade allen Kindern, daß sie sich züchtigen und ziehen lassen, ihren Eltern, Oberherren und Lehrmeistern gehorsam seien, in Einfältigkeit des Herzens annehmen Weisheit und Verstand, klug zu werden in der Furcht Gottes. Weil aber das menschliche Herz durch den Fall unsrer ersten Eltern verderbet und von Jugend auf nur zum Bösen geneigt ist, so nimm hinweg die Thorheit, welche den jungen Leuten im Herzen steckt, daß sie nicht der angebornen Seuche und dem Erbschaden etwas einräumen, in ihrem Muthwillen und eignen Sinnen aufwachsen, widerspenstig und halsstarrig werden. Darum, o du heiliger Gott, pflanze in die Herzen aller Jugend die Furcht deines göttlichen Namens, und der heilige Geist, welchen sie in ihrer Taufe empfangen haben, regiere und treibe sie zu allem Guten, daß sie dein Wort, dein Gesetz und Gebote lernen, dasselbe auf ihr Herz binden und an ihren Hals hängen, als ihren Schmuck, damit sie dir dienen in rechtschaffnem Glauben und christlichem Gehorsam, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen.