Bitte um Vergebung

Ich armer sündiger Mensch bekenne und klage dir, meinem lieben Gott, daß ich in Sünden empfangen und geboren, also daß in mir von Natur nichts Gutes, sondern eitel Sünde wohnt, und daß dieselbe angeborne Sünde mich leider oft zu Falle bringt in wirklichen Sünden mit Gedanken, Worten und Werken.

Ich erkenne und bekenne auch, daß ich den bösen Lüsten meines Fleisches nicht mit allem Fleiß widerstrebe, sondern leider oft die Sünd in mir herrschen lasse und dadurch den heiligen Geist betrübe; ja, wenn ich gleich einen guten Vorsatz habe, so hanget mir doch das Böse an, daß ich zum Guten unwillig, kalt, träge und verdrossen bin, zum Bösen aber leider allzu willig. Der Geist ist schwach, die Liebe ist kalt.

Ich erkenne auch und weiß, daß derselben meiner Sünden Sold ist Gottes Zorn und der ewige Tod. Deshalb gereuen mich meine Sünden und sind mir leid. Aber dennoch muß ich dir klagen, daß ich dieselben, wenn ich sie gleich erkannt, mir nicht lasse so leid sein, wie du es, lieber Gott, von mir haben willst. Weil aber Jesus Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, und du, mein frommer treuer Gott, sprichst: So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; so kehre und wende ich mich in wahrer Buße durch den rechten Glauben zu meinem lieben Mittler und Erlöser Jesu Christo und in ihm zu dir, und bitte dich, mein himmlischer Vater, de wollest mir aus Gnaden um desselben deines Sohnes willen alle meine Sünde vergeben, und wollest durch deinen heiligen Geist wahre Buße, rechten Glauben und beständige Besserung des Lebens in mir anzünden, stärken, mehren und erhalten. Amen.

Vergebung

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.“ Ps. 51, 3. Ohne Zweifel ist es dem Walten des heiligen Geistes zu verdanken, wenn mit diesen von ihm eingegebenen Worten der zur Buße und zum Glauben erweckte Sünder begehrt, daß ihn Gott gnädig sein, und daß nach seiner großen Barmherzigkeit der alle Sünde tilgen möge, den er im gläubigem Vertrauen für den allmächtigen Gott und für den allbarmherzigen Herrn hält. Fürwahr, es ein Werk des heiligen Geistes, wenn ein Sünder an einen Uebel hatten Mißfallen findet, und sich Mühe gibt, so zu handeln, wie es seinem Schöpfer gefällt. Aber auch das vermag er nicht aus eigener Kraft, sondern nur, wenn er durch die Gnade desselbigen heiligen Geistes erleuchtet wird; erfüllt dieser mit seiner Gnade ein Herz, so reinigt er es alsbald von allen Flecken der Sünde. Ja, der Herr ist gnädig und freundlich gegen ein Geschöpf, das er nach seinen Bilde und Gleichniß erschaffen; und weil er es so hoch und sehr geehrt hat, läßt er einzig und allein im Falle großen Sündenverderbens seinen Untergang zu. Ist doch der Schöpfer der Welt der vollkommen Gütige und Milde, und von großem Erbarmen gegen Alle, die ihn anrufen, gegen Alle, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, er errettet sie um seiner großen Barmherzigkeit willen, und hilft ihnen aus zur ewigen Herrlichkeit. Denn er erbarmet sich aller seiner Werke, und haftet nichts, was er gemacht hat; darum übersiehet er die Sünden der Menschen, die da Buße thun, und verschont ihrer, weil er voller Gnade ist. Der Herr ist barmherzig gegen Sünder, die ihre Missethat lassen, durch wahrhaftige Reue und rechtschaffene Früchte aufrichtiger Buße sich reinigen von ihren bösen Werken, und in rückhaltsloser Sündenerkenntniß und rückhaltslosem Sündenbekenntniß sich selbst zum Opfer dar, bringen. Die wahre Buße und das wahre Bekenntniß besteht aber darin, daß man das begangene Böse schmerzlich beklagt, und, was man beklagt, sich nicht länger zu Schulden kommen läßt. Wie sich nun ein Vater über Kinder erbarmet, und viel mehr noch, als Einer, der nach dem Fleisch der Vater seiner Kinder ist, so erbarmet sich der gnädige und barmherzige Herr über die, so ihn fürchten. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir sind; er weiß noch recht gut, woraus er uns unsern Erdenleib gemacht hat. Er gedenket daran, daß wir Staub und Asche, dennoch aber nach einem Bilde geschaffen sind. Wenn wir nun ins Auge fassen und der Wahrheit gemäß bekennen, daß die Barmherzigkeit unseres Schöpfers gegen sein Geschöpf so groß sei, so können wir an der Erlassung unserer Schuld nicht verzweifeln. Denn wenn wir von ganzem Herzen Buße thun, und unsere Missethat mit reichen Thränenflüssen verdammen, so werden wir ohne allen Zweifel seine Alles vergebende Gnade erlangen. Aber vielleicht meinet eine gesunkene Seele, die schon im Rachen der ewigen Verdammniß steckt, in Anbetracht der Riesengröße ihrer Sünden, an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln und bei sich selber sprechen zu müssen: Was ließe sich wohl noch für ein Weg ausfinden, auf dem ich Heil erlangen könnte, oder woher sollte ich das Trostwort nehmen, das mir auch nur leise die Vergebung meiner Uebeln hatten verhieße? Seit ich zu sündigen vermochte, habe ich nie abgelassen von Sünden und bösen Werken. Ohne Aufhören habe ich Sünde auf Sünde gehäuft, und wenn ich sie etwa nicht ins Werk zu setzen vermochte, so habe ich doch unablässig den bösen Willen, die böse Lust dazu gehabt. Bin ich nun in so großes Uebel und Unrecht verwickelt, von so großen Sünden und Missethaten umringt, was Anderes könnte ich noch hoffen, als das ewige Verderben und die ewige Verdammnis zum ewigen Verderben? Und selbst wenn ich einmal durch Gottes Erbarmen es bis zum Bekennen meiner Sünden gebracht, und in rechtschaffener Buße Besserung von Sünden zugesagt habe, alsbald, oder doch kurze Zeit darauf habe ich dieselbigen Sünden und noch schlimmere von neuem begangen, und bin wie ein Hund umgekehrt zu meinem Gespei; was ich durch das Bekenntniß gleichsam aus Mund und Herz ausgespieen, das habe ich in schmutzigerem Zustande, denn zuvor wieder hineingenommen. Selbst geschworen habe ich öfter, daß ich für immer von Sünden ablassen, nie mehr den verkehrten Weg betreten, und die Steige der Gerechtigkeit beharrlich gehen wolle. Aber weder die Furcht vor Meineid, noch die Furcht vor Gott, der von seiner Höhe herunter. Alles sieht, konnte mich vom Sündigen abhalten. Fürwahr, mein Gott, du liebreicher Freund des Menschengeschlechts, wenn du herabsiehen von deinem Heiligthume, und herunterblickest aus deiner erhabenen Himmelsbehausung, so hast du einen armen Menschen vor dir, der dir den Rücken zukehrt, dich und deine Gebote verachtet, und wegen seiner großen Sünden an dir und deiner großen Barmherzigkeit verzweifelt, ja einen überaus elenden Sünder hast du vor dir. Und dennoch sieht und schaut da dich nach ihm um, weil er von dir geschaffen, und so lange er in dieser Welt lebt, durch dein Wohlthun erhalten worden ist. So ende, du guter Gott, in seine Seele die rechte Furcht vor dir, und nimm hinweg aus seinem Herzen das knechtische Zittern. Schaue in Gnaden an und erleuchte ein verdüstertes Herz, daß es sehen und erkennen möge, wie groß, o Herr, und wie lieblich sei die Fülle deiner Freundlichkeit, die du verborgen hat denen, die an dir zweifeln, aber an denen offenbart, die auf dich hoffen. Es müsse, du grundgütiger Gott, es müsse die tobende Fluth ihn nicht versenken, die Tiefe ihn nicht verschlingen, die Hölle gegen ihn das Maul nicht aufsperren, damit meine ich den Abgrund seiner Sünden und das Verzweifeln an deinem Erbarmen. Daß du, o Gott, du mildfreundlicher Schöpfer der Menschen, allmächtig bist, und Alles machen kannst, was du willst, das glauben wir, Sagt doch von dir der Prophet: „Alles, was er will, das thut er, in Himmel, auf Erden, im Meer, und in allen Tiefen.“ Ps. 135, 6. Wir wissen aber, daß du nicht willst das Verderben der Sünder, sondern daß sie von Sünden ablassen, und leben. Bist du nun allmächtig, wie du denn das wirklich bist, denn du kannst machen, was du willst, und willst du nicht, daß der Sünder verderbe, sondern daß er sich vom Bösen wende und lebe, so dürfen wir an der Größe deines Erbarmens nicht zweifeln, sondern in der gewissen Hoffnung auf Vergebung müssen wir fest auf Barmherzigkeit rechnen. Es ist ja ganz wahr, daß unsere Sünden viel und groß sind, aber wir sind auch gewiß, daß deine Barmherzigkeit viel und groß ist.

Allmächtiger und barmherziger Gott, wir wissen, daß du der aller vollkommenste Geist bist, unveränderlich und ewig, lebendig in deinem eigenen Leben, welches du selbst bist, und in deiner eigenen Ewigkeit, und daß wir, deine Geschöpfe, aus Güte und Erbarmen von dir geschaffen sind. Wenn wir aber sündigen, d. h. wenn wir nicht thun, was du gebietet, so sterben wir um unserer Sünde willen, obschon deine Barmherzigkeit es zu läßt, daß auch in uns den bereits Erstorbenen noch eine Art von Leben bleibt. Wenn wir dir aber wiederum gehorsam werden, unter dem Beistand deiner Gnade uns von bösen Werken enthalten, und mit dir, dem lebendig machenden Geiste und Schöpfer, eins werden in guten Werken, so werden wir aufs neue lebendig, werden auch nach dem Tode mit dir in der ewigen Herrlichkeit leben, das Alles nur, wenn wir unser Lebelang ohne Aufhören gute Früchte bringen in Geduld. Nachdem Elisa der Prophet längst gestorben und begraben war, ist ein Todter, der mit jenes Gebeinen in Berührung kam, wiederum lebendig auf erstanden; durch die Berührung mit dem Leibe des hochverdienten Propheten ward ihm aufs neue das Leben geschenkt. Wenn also durch Berührung mit einem todten Propheten ein Todter wieder auferstanden ist, wie viel mehr werden wir von neuem lebendig werden, wenn wir mit dir, unserem Schöpfer, mit dir, dem lebendigen, unsterblichen Geiste eins werden in guten Werken. Darum erbarme dich unser, du Schöpfer unser Aller, erbarme dich unser nach deiner Güte, und tilge unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; erwecke uns während des jetzigen Lebens vom Tode zum Leben, d. h. vom Tode der Sünde zum Leben der Gerechtigkeit, und am jüngsten Tage erwecke uns, die wir durch deine Barmherzigkeit gerecht geworden sind, zur ewigen Herrlichkeit. Du selber wirft sie uns aus Gnaden geben, du selber, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen.

Anselm von Canterbury – 1

Heilige Dreieinigkeit, einiger allmächtiger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre, eile mir zu helfen, denn ich bin einsam und elend; ich bin ein armer verdammungswerther Sünder, verstoße mich nicht aus deiner Liebe. Siehe nicht an meine Missethat und Unreinigkeit und meine schändlichen Gedanken, die mich zu meinem Schmerze scheiden von dir und deinem heiligen Willen, sondern gieße aus über mich reichlich dein freundliches Erbarmen. Laß meine Feinde sich nicht freuen über meine Verdammniß in der Hölle, da Niemand deiner gedenket, sondern erbarme dich meiner, denn die Last meiner Sünden ist mir zu schwer geworden, ich bin befleckt und besudelt mit allerlei Unsauberkeit. Ach ich bitte dich, verleihe mir deine Gnade, denn meine Seele ist voll Jammers; behüte mich vor allem Uebel, vor früherem, gegenwärtigem und zukünftigem, vor einem bösen schnellen, und vor dem ewigen Tode, vor aller Pestilenz und Seuche, vor aller Versuchung und Gefahr, vor boshaftigem Sinne, vor verkehrtem Thun, vor aller Sünde. Tilge alle meine Uebertretungen und Missethaten, meine Begehungs- und Unterlassungssünden. Erweise mir gnädige Hülfe in aller Angst und Trübsal, Noth und Heimsuchung, in aller Gefahr und Schwachheit.

Heilige, untheilbare Dreieinigkeit, deren Güte kein Ende hat, erhöre mein Flehen. Wie du ohne alle mein Verdienst, einzig und allein aus freiwilliger Gnade an deinen Sakramenten mich Theil haben ließest, so laß mich auch bis zu jenem Stündlein, da ich von hinnen scheiden muß, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe beharren, schütze und schirme mich vor allem Uebel, verleihe. Alles, was mir heilsam ist, errette mich von der ewigen Pein, bringe mich hinan in die ewige Freude, und die todbringende Versuchung des Teufels, die um meiner Sünden willen über mich gar leicht Gewalt gewinnen könnte, laß, Allbarmherziger, nach deiner Güte von nun an von mir weichen. Dreieiniger, einiger Gott, nimm gnädig an die Bitte deines armen Knechtes. Schenke mir, o Herr, Eifer, daß ich dich suche, Weisheit, daß ich dich finde, ein Herz, das dich erkennt, Augen, die dich sehen, einen Wandel, der dir wohlgefällt, das Beharren bis ans Ende, ein seliges Abscheiden, den ewigen Lohn. Erhöre mein Gebet, wie du Jonas erhöret hat im Bauche des Fisches; errette mich, der du Susanna errettet hat von falscher Beschuldigung. Erhöre mich, wie du den Petrus erhöretest auf dem Meere, den Paulus im Kerker. Ach, Herr, hilf mir, errette mich für und für von allem Uebel, reiße mich aus dem Rachen des Satans, schirme mich vor dem ewigen Tode, erfülle mich mit der Fülle deiner Gnade; wappne meine Brust mit deiner Kraft, läutere meine Seele, heilige mein Leben, reinige meine Sitten, erleuchte mein Herz mit himmlischer Weisheit, dämpfe die Gluth der Fleischeslust, lösche aus den Zorn, bändige meine Zunge, daß sie nichts Eitles rede, laß aus meinem Munde gehen. Worte der Wahrheit und des Erbarmens, der Freundlichkeit und des Friedens. Richte mein sittliches Streben nach allen Seiten auf das Vollkommene hin; und daß ich durch wilde Leidenschaftlichkeit mich nicht verschulden möge, so stärke mich, Allgütiger, zu allem guten Werke. Vor dir, o Herr, breite ich aus alle Falten meines Herzens, dir bekenne ich alle meine Sünde, dir enthülle ich das tiefe Verderben meiner Seele, dir entdecke ich alle Unsauberkeit meines befleckten Wandels. Habe ich doch ärger gesündigt, als Sodom, schwerer gefehlt, als Gomorrha. Von wegen meiner Missethaten bin ich nicht nur zehntausend Pfund dir schuldig, es ist mein ganzes Leben vor dir eitel Schuld. Bin ich doch durch meine Lässigkeit vor allen Andern ein Verächter deines Gesetzes geworden, durch meinen Ungehorsam ein Uebertreter deiner Gebote in meinem ganzen Leben. Darum komme ich nun vor dein Antlitz mit meinem Bekenntniß, und flehe zu dir in allergrößter Herzensangst und unter Seufzern und Thränen der Buße, du wollest mich erhören zu dieser angenehmen Zeit, und in diesen Tagen des Heils mir helfen. Ordne all mein Thun und Laffen nach deinem Wohlgefallen, auf daß ich von Tage zu Tage wachsen und zunehmen möge an Tugend um Tugend. Meine demüthigen Bitten, die Seufzer meines Herzens schütte ich aus vor dir, o Herr. Weil ich denn mit offenem Bekenntniß vor dich trete, wollest du meiner schonen; laß mich in diesem sterblichen Leibe meine Sünden also beweinen, daß ich am Tage des Gerichtes dem Urtheil der Verdammniß entrinnen möge. Du ewiges Licht, thue ab von meinen Augen alle menschliche Blindheit, bewahre mich, daß ich dein sei und bleibe. Behüte mein Herz, daß es von allerlei Weltgut und weltlichem Verlangen sich nicht beschweren lasse. Eben so, wie du mich wieder in den Stand der Unschuld gesetzt, eben so verleihe mir, daß ich zunehme an allerlei Tugend. Gib, daß ich den alten Menschen mit seinen Werken ausziehe, und anziehe den neuen in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Unter dem hülfreichen Beistande deiner Gnaden laß mich für und für in deiner Liebe bleiben, den himmlischen Segen empfangen, und im gegenwärtigen und zukünftigen Leben unter deinem Schutz und Schirme fröhlich wohnen. Amen. Mein gnädiger Gott und Erbarmer, noch einmal wendet sich mein Gebet an deine unermeßliche Barmherzigkeit. Ich bitte dich, vergib mir alles Aergerniß, das meine freche Lüsternheit angerichtet hat, auf daß meine Seele von der Süßigkeit deiner Liebe erfüllt werde. Begnade mich mit voller Vergebung; alle Schuld, damit ich mich befleckt, wollest du nach deiner unsäglichen Güte austilgen und abwaschen. Laß dein freundliches Erbarmen nie fern von mir sein, sondern Alles, was ich gegen deinen Willen gefehlt habe, verführt durch List und Trug des Teufels und meine eigne Sündigkeit und Schwachheit, das wollest du in Gnaden mir nachsehen. Heile meine Wunden, erlasse mir alle meine Sünden, auf daß mich keine meiner Missethaten von dir trenne, daß ich vielmehr, von deiner Hülfe und deinem Beistande zu allen Zeiten und an allen Orten treu unter stützt, dir, o Herr, für immer anhangen und dereinst der ewigen Herrlichkeit theilhaftig werden möge, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und die in keines Menschen Herz gekommen, du aber hat sie bereitet denen, die dich lieben. Amen. Der du bist. Drei in Einigkeit, ein wahrer Gott von Ewigkeit, laß leuchten uns dein selig Licht, mehre in uns den Glauben, mehre die Hoffnung, mehre die Liebe, errette, erlöse, rechtfertige uns. Du selige Dreieinigkeit, erlaß alle Schuld, vergib alle Sünde, treibe fort alles Elend, rücke fern alle Noth, verscheuche alle Trübsal, räume weg alle Widerwärtigkeit, gib uns reichlich, was wir bitten, und erhöre uns gnädig, auf der wir, erlöset von allem Uebel, das uns betroffen, allezeit fröhlich seien über deinem Gericht. Komm hernieder, du gütiger Herr, tritt in unsere Mitte, laß dich in unseren Herzen fühlen und finden. Nimm freundlich das Bekenntniß unserer Lippen; laß uns grünen und blühen, laß uns, von deinen Gnadenströmen beflossen, dir in Fülle liebliche Früchte bringen zu deinem Wohlgefallen; laß uns vom Strahle deiner Liebe entzündet, vom Feuer wahrhaftiger Gegenliebe durchglüht werden. Und wie du deinen Knecht Moses mit wundersamem Lichtglanze erleuchtetest, so durchleuchte unsere Herzen und Sinne mit deinem Lichte, auf daß wir, gereinigt von aller Befleckung der Sünde, vereinet werden mit dir, der du das ewige Leben bist.

Freuden gib zur Labe,
Gnaden gib zur Gabe,
allem Streit mach Ende,
falschen Frieden ende.
Mache licht die Herzen,
frei den Geist von Schmerzen,
brich der Sünden Bande,
tilge Schuld und Schande.

An dir, Herr, haben wir gesündigt, du aber habe Geduld mit uns und erlöse uns von aller Sünde, die täglich größere Gewalt über uns gewinnt. Unserer Missethat, o Herr, ist so viel, daß sie uns über das Haupt geht, unsere Uebertretungen sind bis zum Himmel hinangewachsen. Verschone uns, Herr, und neige dich erbarmend zu uns nieder. O Herr, wir sind zu Boden geworfen um unserer Sünden willen, aber wir werden zu Gnaden angenommen um unseres zerbrochenen Herzens und gedemüthigten Geistes willen. Handle, Herr, mit uns nach deiner freundlichen Milde, denn es werden nicht zu Schanden, die auf dich trauen. Es ist kein anderer Gott, denn du, Herr, allein; du bist der Herr über uns Alle, und trägt treulich Sorge für uns Alle. Sei gnädig deinem Volke, gib uns reichlich, was wir von dir bitten, auf daß wir uns von der Bosheit wenden und einen guten Wandel führen. Erhöre, Herr, das Flehen deiner Knechte, und erbarme dich deines Volkes, auf daß alle Heiden es sehen, und erkennen, daß du Gott bist in Ewigkeit. Herr, unser Gott, erbarme dich der Bürger deines Reiches, die du geheiligt hat. Erbarme dich, Herr, über das Volk, das nach deinem heiligen Namen genannt ist, auf daß alle, so auf Erden wohnen, erkennen, daß du, Gott, Schutz und Schirm bist um dein Volk her. Vergib, o Herr, deinem Volke seine Sünde um deiner großen Barmherzigkeit willen. Wie du unsern Vätern gnädig gewesen bist, so sei auch uns gnädig, auf daß deines Ruhmes immer mehr werde auf dem ganzen Erdboden. Erhöre, Herr, unser Gebet, und sei deinem Volke gnädig, verkehre unsere Trübsal in Freude, auf daß wir leben, und dir, Herr, Dank sagen. Wir flehen dich an, du allbarmherziger Herr, daß du abthun wollest von deiner Bürgerschaft in deinem heiligen Hause deinen Grimm und Zorn, darum, daß wir gesündigt haben. Neige, Herr, deine Ohren zu uns und höre; schaue vom Himmel, und siehe den Jammer deines Volkes. Erhöre uns, Herr; Herr, sei uns gnädig; wende dich zu uns, und verziehe nicht, weil wir nach deinem heiligen Namen genannt sind. Ach, Herr, wie sind unserer Sünden so viel; an dir allein haben wir gesündigt; habe Geduld mit deinem Israel; errette uns, Herr, in der Zeit der Angst. Wir haben gesündigt, Herr, und du bist zornig über uns, und Niemand mag deiner Hand entrinnen, aber wir bitten dich demüthiglich, laß dein Erbarmen über uns kommen. Du hast Ninive verschont, habe Mitleid auch mit uns. Gedenke an deine Barmherzigkeit, o Herr, du hast uns bis hierher getragen, erwecke uns nun zu rechtschaffener Buße. Sei gnädig, Herr, deinem ganzen Christenvolke. Hilf denen, die eine gute Stufe erreicht haben, daß sie für und für im Guten beharren. Erbarme dich der weniger Geförderten, daß sie immer besser werden. Denen, so Böses thun und irre gehen, stehe bei, daß sie sich bald bekehren. Sei gnädig, Herr, auch den Ungläubigen und Falschgläubigen, den Juden und Heiden, daß sie sich von ihren bösen Wegen wenden, und dich erkennen, den lebendigen, wahrhaftigen Gott, der du den Himmel gemacht hat, und die Erde, das Meer, und Alles, was darinnen ist.

Ach, Herr, gedenke an uns, die wir beschweret sind vom Leibe dieses Todes; in Liebe hast du lange uns geduldet, gib nun, daß deine Güte uns zur Buße leite. Erbarme dich unser, du Gott unser Aller, siehe uns in Gnaden an, laß uns leuchten das Licht deiner Erbarmungen. Wir sind arme Sünder, aber Werke deiner Hände, und du hast uns deinem Sohn zum Erbe gegeben. Schließe deine Ohren nicht zu vor unseren Bitten, sondern stille nach deiner milden Güte den Jammer deines Volkes, eingedenk deiner Verheißung, da du spricht: „Kehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren.“ Zach. 1, 3. Gedenke unser, o Herr, gedenke, unser im Besten, auf daß wir Erben werden in deinem Reiche, und im Anschauen deiner Herrlichkeit unsere Kniee beugen vor deiner trefflichen Güte, und wenn wir deine alles Denken übersteigende Schönheit erblicken, einmüthig rufen: Ehre sei dem Vater, der uns gemacht hat; Ehre sei dem Sohne, der uns erlöset hat; Ehre sei dem heiligen Geiste, der uns von neuem geboren hat, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Jacob Trockenbrodt

O Almechtiger/ ewiger Gott/ Barmhertziger himelischer vatter/ der du vmb vnserer sünden willen billich zürnest/ vnd vns straffest/ Dann wir vilfältig wider dich gesündiget/ vnd dinen zorn über vns bewegt haben. Dorum wir auch vor dir kein entschuldigung haben mögen/ vnd doch durch bußfertigkeit vnd besserung des lebens besenfftiget vnd begütiget würdest/ Sich an das gebett dines bekümmerten volcks/ vnd die geißlen dines zorns/ so wir wol verdienet/ wellest du gnediglichen abwenden. Wir armen sünder bitten dich von hertzen/ du wellest jn gedenck sin diner grundlosen barmhertzigkeit/ Vnd nit thun vnd handlen noch der vyle vnserer sünden/ sonder nach diner manigfaltigen barmhertzikeit. Gib vns o Gott erkantnus/ waren rüwen/ vnd besserung vnserer sünden vnd sündlichen lebens/ Fürder glücklich vnd sterck dinem volck jre Oberen vnd diener/ das sy fridlich vnd wol mit gerechtikeit vnd billigkeit regieren vnnd din heiligs wort mit trüwen vnd standhaffte fürend/ schützen vnd schirmen/ behüt vnd bewar vns gnädiglichen vor allem falsch/ vntrüw/ vnd vor allem übel seel vnd libs. Entzüch vns nit o Gott dinen heiligen Geist vnd wort/ gib vns waren glauben vnd bstand/ do mit wir in allerley trutz/ wyderwertikeit vnd kranckheit/ dinen vätterlichen willen jnnerlichen vnd vßerlichen erkennen mit rechter gedult hertzlich annemend/ vnd dorinn frölich vnd bestendiglich biß ins end verharrend. Kumm diner Kilchen zu hilff/ entladt sy alles übertrangs/ spots vnd tyranny/ Sterck vnd tröst alle schwachen vnd betrübten hertzen/ vnd send vns dinen friden durch Jesum Christum vnseren Herren/ Amen.

Johann Habermann – Vergebung

O gütiger, gnädiger, barmherziger GOtt und Vater! ich sage dir von Grund meines Herzens Lopb und Dank, daß Du mich armen Sünder jetzt abermal, durch deinen Diener, alle meine Sünden vergeben, das ewige Leben wieder aufs neue zugesaget, und mich zu Gnaden angenommen hast. Ich bitte dich herzlich, gib mir deinen Heiligen Geist, und schaffe in mir ein reines Herz, damit ich vestiglich glaube, daß mir alle meine Sünden durch Christum vergeben seynd. Dessen zu einem gewissen Unterpfand will ich den wahren Leib und Blut deines lieben Sohnes JESU Christi, im Brod und Wein essen und trinken, zu meiner Seelen Seeligkeit. Verleihe mir auch, du getreuer GOtt! daß ich mich hinfort besser für Sünden hüte, derselben feinder werde, und mein Leben bessere. Darzu wollest Du mir gnädiglich verhelfen, um deines Namens Ehre willen, Amen.

Eckbert – Bitte um Erbarmung

Gott meines Lebens, wie schlecht benutzt, wie fruchtlos dahingeschwunden ist die Zeit, welche Du mir gabest, Deinen Willen zu thun! Wie lange Jahre, wie viele Tage und Stunden sind mir verloren gegangen, in denen ich ohne Gewinn vor Dir gelebt habe? Wie werde ich vor Deinem Gerichte bestehen? Wie werde ich meine Augen erheben können zu Deinem Antlitz bei jener großen Prüfung, wo Du mir ins Gedächtnis zurückrufest alle meine Sünden und Stunden? Gnädigster Vater, erbarme Dich und vergiß meine verlorne, ach leider so lange Zeit! Und nun entbrennet, alle meine Wünsche und lenket euch zum Herrn Jesu hin, laufet, denn ihr habt lange genug gezögert, eilet, wohin ihr gehet, suchet, den ihr suchet. Ihr suchet Jesum von Nazareth den Gekreuzigten. Er ist aufgefahren gen Himmel, er ist nicht hier. Er ist nicht, wo er sein edles Haupt nicht betten konnte. Er ist nicht, wo er wandelte von Noth und Verachtung umringt. Er ist nicht, wo er stand, um von Pilatus gerichtet zu werden. Er ist nicht, wo er angespieen und gegeißelt ward, wo er verwundet mitten unter Verbrechern hing. Er ist nicht, wo er vom Steine verschlossen und von der Wache verwahrt lag. Aber wo ist er denn? Hoch über die Himmel, über alle Herrlichkeit der Engel ist er mächtig emporgestiegen zur Rechten des Vaters. In ihm vereinigen sich nun die Ströme der Sehnsucht aller Heiligen, über ihn frohlockt und jauchzt, ihn verherrlicht das ganze Reich des Himmels. So schwinge dich auch du, meine Seele, wiederum empor, so viel du es vermagst und geselle dich zu den Tausenden von Heiligen, die sich im Herrn Jesu freuen. Dahin eile auf dem Fahrzeuge des Glaubens und der Hoffnung, dort weile in der Gluth der Liebe, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

Ambrosius von Mailand – Vergebung

Mein Gott und Vater, wenn du mich heimsuchest, strafest und väterlich züchtigest wegen meiner großen und vielfältigen Sünden, so bitte ich dich vertrauensvoll mit kindlichem Herzen, du wollest in deinem Vaterzorne an deine große Gnade gedenken, denn es ist ja wahr, daß du alle die Deinen, weil sie dir lieb sind, züchtigest, und mit der Vaterruthe alle strafest, die du zu Kindern annimmst. Ob gleich du aber im STrafen etwas zornig bist, so bleibest du dennoch mein Vater, und wendest dein Vaterherz nicht von mir ab. Ich bitte dich daher von ganzem Herzen, du wollest mir unter deiner von mir wohl verdienten Ruthe Geduld verleihen, daß ich mich nicht durch Murren und Ungeduld wider dich versündige, sondern deine Vaterruthe erkenne und dich auch unter der Ruthe lobe und preise. Amen!

unbekannt – Gnade

Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, der du bist von Herzen gütig, langmüthig und von vieler Güte, und läßt dich des Uebels reuen, wir bitten dich ganz demüthiglich, du wollest dein väterliches Angesicht nimmermehr von uns wenden in aller unserer Widerwärtigkeit, sondern deine gnädige und väterliche Hand bieten und reichen, und uns endlich von allerlei Jammer und Noth des Leibes und der Seelen ewiglich erlösen, durch Christum Jesum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen.

Andreas Musculus – Vergebung

Ach du frommer und gnädiger Herr Christe, du Sohn David, nimm dich meiner in großen Gnaden an und verstoß mich nicht von deinem Angesicht: du hast mich ja geschaffen da ich nichts war; ja, da ich zum Tode verurtheilt war, hast du dich meinethalben in den Tod gegeben, und hast mich mehr als dich selber geliebet, indem du dein Blut für mich vergossen und mich dadurch theuer erkauft hast. So behalte mich nun, du frommer Herr Christe, in deiner Gunst, Liebe und Gnade; laß diese deine Gnade größer sein als meine Sünde, und vollende so mit Gnaden, was du mit Gnaden angefangen hast. Amen.

Andreas Musculus

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses

Andreas Musculus – Vergebung

Ob ich gleich ein armer Sünder bin, und mich meine großen Missethaten quälen und zaghaft machen, bin ich doch zufrieden und fröhlich, wenn ich deine Wunden anschaue, die voller Gnade und Barmherzigkeit sind: in ihnen sehe ich, wie gar freundlich und lieblich du bist gegen alle dürftige und betrübte Herzen, welche du allesamt labest und erquickest, und lässest deine Gnade kein Ende nehmen. Wer viel begehrt, der findet viel, noch mehr als er bittet und hoffet. In der Hoffnung und Zuversicht komme ich, Herr Christe, zu dir und bitte um große Gnade, denn meine Sünden sind groß: heile mich, Herr Christe, und entstündige mich von meinen großen Missethaten durch dein heiliges Blut.

Laß deine Gnade größer sein als meine Uebertretung, nimm mich als ein armes verlornes Schaf in Gnaden an, bringe mich wieder zurecht und trage mich auf deinen Schultern, leite und führe mich im Verdienst deines Leidens und Sterbens zum ewigen Leben. Amen.

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses