Johann Habermann – In Krankheit

Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen: „Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erhören und du sollst mich preisen,“ deswegen schreie ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen sündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genese, um deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nützlicher ist zeitlich zu sterben, denn allhier in diesem Jammerthal und elenden Leben zu bleiben, so geschehe, Herr, dein göttlicher Wille, wie im Himmel also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Neumann – Gebet in der Krankheit

O mein himmlischer Vater, du hast mich lassen krank werden. Was aber soll meine Krankheit für ein Ende nehmen? Soll ich leben oder soll ich sterben? Und was willst du, daß ich thun soll? Meine Seele sollte wohl Lust haben abzuscheiden und bei Christo zu sein; aber mein Fleisch und Blut entsetzet sich vor dem Tode, und also liegt mir beides hart an.

Ich aber weiß nicht, was du über mich beschlossen hast; ich versstehe auch nicht was mir und den Meinen gut ist, und also weiß ich selber nicht, was ich von dir soll bitten.

Jedoch, Herr, ich will dir nichts vorschreiben und auch mir selber nichts auslesen. Soll ich diesmal sterben, so geschehe dein Wille; dir überlasse ich Alles und bin zufrieden mit Allem. Ja, Herr, ich befehle dir meinen Weg auch in das Grab, und hoffe auf dich, du wirsts wohl machen. Amen.

Moller – Gebet in der Krankheit

Herr Jesu Christe, du hast deinen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit, und mich zur Buße ermahnen lassen. Sieh, mein Herr, ich erkenne deinen gnädigen Willen, bin gehorsam und kehre mich zu dir. Mein Gott, ich sende dir wieder einen Boten; nämlich mein armes Gebet und Seufzen. O Herr, nimm mein Flehen an, und laß mein Seufzen vor dich kommen; gefällt es dir, mein Erlöser ists mir gut und selig, daß ich leben soll; nun so richte mich auf, und hilf, daß es ein neues, gesundes christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt dirs nicht, daß ich lebe, sondern daß dies mein Ende sein soll; nun, so sei es ein seliges. So komm, o Herr Jesu, und nimm meine Seele in deine Hände. Amen.

Martin Luther – In seiner plötzlichen und heftigen Krankheit. a. 1527.

Mein allerliebster Gott, wenn du es so willst haben, daß dieß die Stunde sey, die du mir versehen hast, so geschehe dein gnädiger Wille. – Vater unser rc. – Ach Herr, straf mich nicht in deinem Zorn rc. Ps. 6.

Herr, mein allerliebster Gott! ach wie gerne hätte ich mein Blut vergossen um deines Worts willen, das weißest du; aber ich bins vielleicht nicht werth. Dein Wille geschehe. Willst du es haben, so will ich gerne sterben; allein, daß dein heiliger Name gelobet und gepreiset werde, es sey durch mein Leben oder Tod. Wenns aber, lieber Gott, möglich wäre, möchte ich gerne länger leben, um deiner Gottseligen und Auserwählten willen. ist aber das Stündlein kommen, so mache, wie es dir gefället. Du bist ein Herr über Leben und Tod. Mein allerliebster Gott, du hast mich ja in die Sache geführt, du weißt es, daß es dein Wort und die Wahrheit ist. Hebe nicht empor, noch erfreue deine Feinde, auf daß sie nicht rühmen und sagen: wo ist nun ihr Gott? sondern verkläre deinen heiligen Namen, zuwider und Verdruß den Feinden deines seligen heilsamen Worts.

Mein allerliebster Herr Jesu Christe, du hast mir gnädiglich verliehen die Erkenntniß deines heiligen Namens. Du weißt, daß ich an dich, sammt Vater und heiligen Geist, einigen und wahren Gott, glaube, und mich tröste, daß du unser Mittler und Heiland bist, der du dein theures Blut für uns Sünder vergossen hast: stehe mir in dieser Stunde bey, und tröste mich mit deinem heiligen Geiste. Du weißt, Herr, daß ihrer viel, denen du es gegeben hast, ums Bekenntniß willen deines Evangelii ihr Blut vergossen haben. Ich hoffte, es würde noch dazu kommen, daß ich auch mein Blut um deines heiligen Namens willen hätte sollen vergießen; aber ich bins nicht werth; dein Wille geschehe.

Du weißt, Herr, daß mir der Satan auf mancherley Weise nachgestellt hat, daß er mich leiblich umbrächte, durch Tyrannen, Könige, Fürsten rc., und geistlich durch seine feurige Pfeile und schreckliche teuflische Anfechtungen. Aber du hast mich bisher wider all ihr Wüten und Toben wunderlicher Weise erhalten, erhalte mich ferner, du treuer Herr, ists dein Wille!

Mein allerliebster Gott, du bist ja ein Gott, der Sünder und Elenden, die ihre Angst, Noth und Jammer fühlen, und deiner Gnad, Trost und Hülfe herzlich begehren, wie du sprichst: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Herr, ich komme auf deine Zusage: ich bin in großer Angst und Noth, hilf mir um deiner Gnade und Treue willen. Amen.