Johann Arnd – Danksagung für die heilige Taufe.

Ach Herr Jesu Christe, der du bist der Anfang, Mittel und Ende unserer Seligkeit, und das heilige Sakrament der heiligen Taufe gestiftet hast, und dasselbe bezeugt in dem Werk der Erlösung, da aus deiner eröffneten Seite Blut und Wasser geflossen, daher St. Johannes sagt: Drei sind auf Erden, die da zeugen, der Geist, das Wasser und das Blut, und die drei sind beisammen; hast auch dies Sakrament durch deine eigene Taufe im Jordan, als durch dein Exempel selbst, bestätigt und geheiligt. Ich danke dir herzlich, dass du mich durch dies Sakrament deiner heiligen christlichen Kirche einverleibt hast, und mich dadurch in die Gemeinschaft aller deiner himmlischen und ewigen Güter gesetzt, so du durch dein bitteres Leiden und Sterben erworben hast. Hast mich dadurch von dem gräulichen Gift und Aussatz der Erbsünde gereinigt und abgewaschen, alle meine Sünde, Schuld und Missetat aus Gnaden vergeben, und hast mich gereinigt durch das Wasserbad im Wort, und alle meine Übertretung getilgt, dass nicht Eine ist überblieben, die mich könnte verdammen, dass nun nichts mehr Verdammliches ist an denen, die in Christo Jesu sind. Hast mich auch, weil die Sünde vergeben, erlöset vom ewigen Tod, und von der Angst, Furcht und Schrecken des zeitlichen Todes, auch von der Gewalt des Teufels befreit, weil du mich dir einverleibt hast, zu einem Glied deines geistlichen Leibes gemacht, mich in dein Gnadenreich versetzt, mich mit dir vermählt, und in Ewigkeit mit dir verlobt. Und weil ich durch die Taufe dich angezogen, so bin ich mit deinem ganzen heiligen Gehorsam, Verdienst, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Unschuld, als mit dem Kleid des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet. Hast mich durchs Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist neu geboren, aus einem Sünder einen Gerechten gemacht, indem ich in deinen Tod getauft, und der Frucht deines Todes teilhaftig worden, und deinem Gehorsam und Verdienst einverleibt, und demnach aus einem Kind des Zorns ein Kind der Gnade worden. Hast mich aus einem armen, elenden, verlorenen Menschenkind zu Gottes Kind gemacht, mir den Heiligen Geist der Kindschaft gegeben, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Hast mich dadurch in deinen ewigen Gnadenbund aufgenommen, und dich mit mir verbunden durch deine Verheißung, mein Vater zu sein in Ewigkeit. Hast mir auch geschenkt das Kindesrecht, nämlich das ewige himmlische Erbe und Seligkeit. Summa, du hast mir in der heiligen Taufe das höchste Gut geschenkt, deinen lieben Sohn mit allen seinen Wohltaten. Christus ist mein, mit allem, was er ist und hat. Was kann mir tun die Sünde? Ist doch Christus meine Gerechtigkeit. Was kann mir tun der Tod? Ist doch Christus mein Leben. Was kann mir der Teufel tun? Christus ist meine Stärke und Sieg. Was kann mir die Welt tun? Christus hat sie überwunden. Ja mein Herr Christus hat mich schon selig gemacht, und mir alle Seligkeit geschenkt in der heiligen Taufe. Darum warte ich in Geduld der künftigen Herrlichkeit. Was kann mir Armut, Elend, Kreuz, Verfolgung und Verachtung schaden? Bin ich doch schon selig. Die Güter der Gnade habe ich alle in und mit Christo empfangen, und warte auf die Güter der Herrlichkeit. Weil ich aber, o mein Herr Jesu Christe, durch die Taufe mit dir gestorben und begraben bin, so hilf mir, weil ich noch im Fleisch lebe, dass ich nicht nach dem Fleisch lebe, sondern dass meine Taufe täglich in mir fruchtbar sei, und wirke die Tötung des Fleisches, dass ich täglich mit dir sterbe durch herzliche Reue und Leid. Denn wer täglich in ihm selbst stirbt, der hat allezeit einen neuen Anfang seines Lebens in dir. Und weil ich dir, mein Herr und Gott, einverleibt bin, als ein Pfropfreislein dem Baum des Lebens, so lass mich in dir, als ein Reben am lebendigen Weinstock, Frucht bringen, nicht Früchte des alten Menschen, sondern des neuen Menschen, der neuen Kreatur, Früchte des Geistes, und dass ich täglich bedenke, dass ich zu einem neuen Leben getauft bin, ja, dass ich dich habe angezogen, als ein Geschenk der ewigen Gerechtigkeit und Seligkeit, und als ein neues Leben, dadurch du in mir, und ich in dir leben und bleiben möge ewiglich; ja dass ich nimmermehr vergesse des Bundes, den du mit mir gemacht hast, denselben nicht breche, denselben nicht verleugne, weder im Herzen noch Mund, noch mit einem gottlosen Leben, sondern mich dessen jederzeit freue und tröste, und darauf wider alle Anfechtung mich sicherlich verlasse, und in diesem Bunde, welcher ewig fest und gewiss ist, auch ewig bleiben und selig werden möge. Amen.

Johann Arnd – Um die Liebe des göttlichen Worts.

O Herr Jesu Christe, du ewiges Wort des Vaters, der du uns dein heiliges Evangelium aus dem Schoß und Herzen deines himmlischen Vaters hervor gebracht und offenbart hast! ich klage und bekenne dir von Herzen, dass ich dein Wort oft gering geachtet, ungern gehört, unfleißig gelernt, nicht von Herzensgrund betrachtet, nicht rechtschaffen Lust und Liebe dazu gehabt, sondern vielmehr die weltliche Eitelkeit demselben vorgezogen; da doch dein Wort ein teures wertes Wort ist, der edelste Schatz, die höchste Weisheit, welche auch die Engel gelüstet einzuschauen. Ach vergib mir solche meine Unachtsamkeit und Verachtung deines seligmachenden Worts. Wende von mir ab die schwere Strafe, die du dräuest1androhst: Weil du mein Wort verworfen hast, will ich dich wieder verwerfen. Zünde aber in mir an ein heiliges Verlangen, einen hitzigen Hunger nach dem Brot des Lebens, als nach der edlen Seelenspeise, einen heiligen feurigen Durst nach dem Brunnen und Wasser des Lebens. Denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Lass diesen edlen himmlischen Samen auf dem guten Acker meines Herzens hundertfältige Früchte bringen, an Weisheit, an Erleuchtung, an Trost. Ach befeuchte das dürre Erdreich meines Herzens mit dem göttlichen Tau und Regen deines Heiligen Geistes, dass dein Wort in meinem Herzen verbleibe und nicht leer wieder zu dir komme; sondern mein Herz grünend und blühend mache in deiner Liebe, in deiner Furcht, in deinem Erkenntnis, in allen christlichen Tugenden, und alles ausrichte, dazu du es gesandt hast; dass es, als dein göttlicher unverweslicher Same, mich zum neugeborenen Kind Gottes mache; dass du, o Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, durch dein Wort zu mir kommst und Wohnung bei mir machst. Ach gib, dass ich aus deinem Wort dich und mich recht erkenne, mein Elend und deine Barmherzigkeit, meine Sünde und deine Gnade, meine Armut und deinen Reichtum, meine Schwachheit und deine Stärke, meine Torheit und deine Weisheit, meine Finsternis und dein Licht. Ach erleuchte die Finsternis meines Herzens mit dem Glanz deines göttlichen Lichts. Erleuchte du meine Leuchte, Herr, mein Gott, mache meine Finsternis Licht. Ach schreibe dein Wort durch den Finger deines Heiligen Geistes in die Tafel meines Herzens, auch dein Erkenntnis, deine Liebe, deine Furcht, dass ichs nimmermehr vergesse, noch aus meinem Herzen verliere. Ach Herr Jesu, mein Präzeptor2Präzeptor bezeichnete im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit einen Lehrer, insbesondere einen Hauslehrer. Auch Klostervorsteher bestimmter Ordensgemeinschaften wurden als Präzeptoren bezeichnet., mein Doktor, mein Prophet, lass mich das beste Teil erwählen und mit Maria zu deinen Füßen sitzen, dein Wort lernen, den höchsten Schatz in den Schrein meines Herzens fassen, sammeln und einschließen, dass ichs ewiglich bewahre, und Frucht bringe in Geduld. Ach wohl den Menschen, die in deinem Haus wohnen, die loben dich immerdar: Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Höfen, der hat reichen Trost von deinem heiligen Tempel. Gib, dass ich deine teure Verheißung möge bedenken: Wer mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Meine Schafe hören meine Stimme. Forscht in der Schrift: denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin, und diese ists, die von mir zeugt. Wir haben ein festes prophetisches Wort, das da scheint als ein Licht in Finsternis. Mein Wort soll nicht leer wieder zu mir kommen. Es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen, die daran glauben. Wohl dem, der Lust hat am Gesetz des Herrn, und davon redet Tag und Nacht! Gib mir, Herr, dass ich mich deines Worts freue als über allerlei Reichtum. Eröffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. Gib mir Lust zu deinen Zeugnissen, und lass sie meine Ratsleute sein. Zeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, dass ich sie bewahre bis ans Ende. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz. Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, sondern erquicke mich auf deinen Wegen, und nimm ja nicht von mir das Wort der Wahrheit. Das ist mein Trost in meinem Elend, denn dein Wort erquicket mich. Lass das meinen Schatz sein, dass ich deinen Befehl halte. Lass das mein Erbe sein, dass ich deinen Weg halte. Lehre mich heilsame Sitten und Erkenntnis. Lass das Gesetz deines Mundes mir lieber sein, denn viel tausend Stück Goldes und Silbers. Wenn dein Gesetz nicht wäre mein Trost gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Ich habe alles Dinges ein Ende gesehen, aber dein Gebot währt ewiglich. Lass dein Wort meinem Mund süßer sein denn Honig und Honigseim. Lass deine Zeugnisse mein einiges Erbe sein, denn sie sind meines Herzens Trost. Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zu Schanden werden über meiner Hoffnung. Lass sich meine Augen sehnen nach deinem Heil und nach dem Wort deiner Gerechtigkeit. Handle mit deinem Knechte nach deiner Gnade und lehre mich deine Rechte. Ich bin dein Knecht, unterweise mich, dass ich erkenne deine Zeugnis. Lass mir dein Wort offenbar werden, dass es mich erfreue und klug mache. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie du pflegst zu tun denen, die deinen Namen lieben. Die Gerechtigkeit deiner Zeugnis ist ewig; unterweise mich, so lebe ich. Dein Heil ist ferne von den Gottlosen, denn sie achten deiner Rechte nicht. Großen Frieden haben die, so dein Gesetz lieben, und werden nicht straucheln. Herr, dein Gesetz ist ohne Wandel, und erquickt die Seele. O Herr, dein Zeugnis ist gewiss, und macht die Albernen weise. Herr, deine Befehle sind richtig, und erfreuen das Herz. Herr, deine Gebote sind lauter, und erleuchten die Augen. Herr, deine Furcht ist rein, und bleibt ewiglich. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht; sie sind köstlicher denn Gold und viel feines Goldes; sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wird dein Knecht durch sie erfreuet, und wer sie hält, der hat großen Lohn.

Johann Arnd – Buße

Laß mich nicht die Hülsen und den Schein eines gottseligen Lebens erwählen, sondern hilf mir, daß ich durch tägliche Buße den alten Menschen kreuzige, am inwendigen Menschen aber erneuert werde zu deinem Bilde, daß Christus in mir wohne durch den Glauben und ich durch die Liebe in ihm eingewurzelt und gegründet sei. Laß all mein Tun aus dem Glauben gehen und in der Liebe geschehen zu deiner Ehre und meines nächsten Heil durch Jesum Christum, unsern Herrn! Amen.

Johann Arnd. – Danksagung für die Verleihung des göttlichen Wortes.

Ach du getreuer, gnädiger und barmherziger Gott! ich danke dir für die große Gnade, Liebe und Treue, die du uns armen elenden Menschen erzeiget hast durch die Offenbarung deines heiligen göttlichen Worts, und die Einsetzung deiner hochwürdigen Sacramente. Der Geist des Herrn hat durch die Propheten geredet, und seine Rede ist durch ihren Mund geschehen. Dadurch hast du dich uns zu erkennen gegeben, in welchem deinem Erkenntnis stehet das ewige Leben. Dadurch hast du uns berufen zur Gemeinschaft deiner heiligen Kirche. Dein heiliges Evangelium ist auch eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Dadurch erweckest du in uns den Glauben, gibst uns den heiligen Geist, lässest uns Vergebung der Sünden versündigen. Dadurch empfangen wir wahrhaftigen, lebendigen Trost in allem Kreuz, in Todesnoth. Dadurch stillest du unser unruhiges Gewissen. Dadurch erfreuest du unser trauriges Herz. Dadurch speisest du unsre Seelen, als mit dem rechten Himmelsbrot. Dadurch machest du uns zu neuen Creaturen. Dadurch kommst du zu uns und machst Wohnung bei uns. Dadurch linderst du unsre Todesnoth, daß wir den Tod nicht schmecken ewiglich. Dadurch erleuchtest du unsre Seele. Dadurch regierest du und leitest uns in unserm Beruf und in dem Lauf unsers ganzen Lebens, als mit einer Leuchte auf unsern Wegen, und als mit einem Licht auf unsern Fußsteigen, daß unsre Tritte nicht gleiten. Ach Herr, wenn dein Wort nicht wäre mein Trost gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elende, denn es ist unsers Herzens Freude und Trost. Durch Gottes Wort werden wir geheiliget und an Leib und Seele gesegnet. Darum, o Herr, wer dein Wort verwirft, der hat dich selbst verworfen und allen seinen zeitlichen und ewigen Segen, und kann mit nichten den Segen haben, sondern den ewigen Fluch. So verhält auch der Himmel seinen Thau und das Erdreich sein Gewächs. So wird der Himmel Eisen und die Erde Erz, und ist alle Mühe und Arbeit verloren. O Herr, ich danke dir für diesen edlen und theuren Schatz, denn das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel und erquicket die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiß, und machet die Albernen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, und erfreuen das Herz. Die Gebote des Herrn sind lauter, und erleuchten die Augen. Die Furcht des Herrn ist rein, und bleibet ewiglich. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht. Sie sind köstlicher denn Gold und viel feines Goldes. Sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wird dein Knecht dadurch erfreuet, und wer sie hält, hat großen lohn. Dein Wort, du Allerhöchster, ist ein Brunnen der Weisheit, und das ewige Gebot ist ihre Quelle. Wer dasselbe ehret, der thut den rechten Gottesdienst; und wer es lieb hat, den hat Gott wieder lieb. Gottes Wort spricht: Ich bin wie die Cedern auf dem Libanon, und wie die Cypressen auf dem Gebirge Hermon. Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum am Wasser, wie ein Rosenstock zu Jericho, wie ein schöner Oelbaum. Ich gebe einen lieblichen Geruch von mir, wie Zimmet, Myrrhen und Weihrauch. Kommet her, alle, die ihr mein begehret, und sättiget euch von meinen Früchten. Meine Predigt ist süßer denn Honig, und meine Gabe süßer denn Honigseim. Wer von mir isset, den hungert immer nach mir, und wer von mir trinket, den dürstet immer nach mir. Das ist das Buch des Bundes, mit dem höchsten Gott gemacht, nämlich das Gesetz Mose. Daraus ist geflossen die Weisheit wie der Euphrat, wenn er groß ist, wie der Jordan in der Ernte, wie der Nil im Herbst. Es ist nie gewesen, der es ausgelernet hat, und wird nimmermehr werden, der es ausgründen mag. Denn sein Sinn ist reicher, denn kein Meer, und sein Wort ist tiefer, denn kein Abgrund. Es fließen von ihm viel Bächlein in die Gärten; da werden die Bächlein zu großen Strömen, und die Ströme zu großen Wassern. Denn seine Lehre leuchtet so weit als der lichte Tag, und scheinet frühe. Auch schüttet sie Lehre und Weissagung aus, die ewig bleibet. Für diesen hohen, theuren Schatz danke ich dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, hochgelobet in Ewigkeit. Amen.

Johann Arnd – Danksagung für die holdselige Menschwerdung und Geburt unsers Herrn Jesu Christi.

Ach du holdseliger, freundlicher, leutseliger Gottessohn, Jesu Christe, du getreuer Liebhaber des menschlichen Geschlechts! dir sei ewig Lob, Ehre und Dank für deine gebenedeiete Menschwerdung und Geburt, und für deine große Liebe und Freundlichkeit, daß du unser Fleisch und Blut an dich genommen, unser Bruder worden bist, und uns alle so hoch geehret, daß wir durch dich sind Gottes Kinder und Gottes Geschlecht worden. Du großer König, Herr aller Herren, du höchster, mächtigster, gewaltigster, reichster Herr! wie hast du dir vermählet die niedrige, schwache, elende, armselige, menschliche Natur! wie hast du dieselbe so hoch erhöhet, daß du sie in Einigkeit deiner Person in den Thron und Rath der heiligen göttlichen Dreieinigkeit gebracht und gesetzet hast, also, daß du, wahrer Gott und Mensch, die andere Person bist in der heiligen Dreieinigkeit! Du hast menschlichen Leib und Seele an dich genommen, auf daß du uns an Leib und Seele hülfest und selig machtest. Die menschliche Natur war ganz verderbet durch die Sünde; siehe, wie ist sie in dir so hoch gereiniget und geheiliget! sie war verflucht; siehe, wie ist sie in dir so hoch gesegnet, du gebenedeiete Frucht des jungfräulichen Leibes, du Gesegneter des Herrn, in welchem alle Völker auf Erden gesegnet werden! Menschliche Natur war von Gott abgerissen; siehe, wie ist sie in dir so hoch mit Gott vereiniget! Menschliche Natur war vom Satan geschändet; siehe, wie ist sie in dir so hoch geehret! Sie war unter dem Zorn Gottes; siehe, wie ist sie in dir so hoch geliebet! Ach wie kann nun Gott mit uns zürnen, wie kann er unser Feind sein, wie kann er uns verderben, so wir doch sein Fleisch und Blut sind? Niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehasset. Wenn Gott ein Menschenfeind wäre, so wäre Gottes Sohn nicht Mensch worden. Gleichwie nun das Band der Vereinigung göttlicher und menschlicher Natur unauflöslich ist in alle Ewigkeit: also hat Gott mit uns durch die Menschwerdung seines lieben Sohns eine ewige Verbündnis gemacht, eine ewige Freundschaft, ewige Liebe gestiftet, eine ewige Verwandtschaft, ewige Vereinigung, ewige Versöhnung, ewige Kindschaft, ewige Brüderschaft, ewigen Frieden zwischen Gott und Menschen. Darum bist du, ewiger Gottessohn, unser Mittler worden, und hast beiderlei Naturen, göttliche und menschliche, auf daß du zwischen Gott und uns handeln könntest, Gott versöhnen, unsre Noth erkennen, und uns trösten könntest. Ach du bist doch eitel Liebe, eitel Gnade, eitel Trost. Du bist das rechte Licht, das uns erleuchtet; der rechte Weg, der uns zum Vater führet; die ewige Wahrheit, die uns lehret; das ewige Leben, das uns lebendig macht; die ewige Liebe, dadurch Gottes Liebe zu uns kommt mit allen Gnadenschätzen; die ewige Gerechtigkeit in deinem Verdienst, dadurch wir selig werden; unser ewiger Hoherpriester, der uns segnet, der für uns bittet, der sich selbst für uns geopfert zum Versöhnopfer, zum Schuldopfer, zum Friedeopfer; die vollkommene Zahlung und Genugthuung für unsre Sünde; ein gleichgeltendes, ja überflüssiges Lösegeld für unsre Missethat. Auf daß wir leben möchten, ist er das Leben selbst worden. Auf daß wir erleuchtet würden, ist das Licht selbst Mensch worden. Auf daß wir Trost hätten in unserm Elende, ist der Brunnen alles Trostes vom Himmel in dies Jammerthal geflossen. Auf daß wir Gottes Kinder würden, ist Gottes Sohn Mensch worden. Auf daß wir selig würden, ist das Heil selbst Mensch worden. Ach wie lieblich bist du mit deiner Gegenwart und Gemeinschaft, wie schön in deiner Gestalt, wie holdselig in Gebärden, wie freundlich in deiner Rede, du Schönster unter den Menschenkindern! Ach mein Freund, komm zu mir in mein Herz; mein Bruder, verschmähe mich nicht; mein Liebhaber, weiche nicht von mir; mein Bräutigam, umfahe mich mit einem freundlichen Kuß; mein Herzlieb, vereinige dich mit mir; meine Liebe, schließ mich in dein Herz und behalte mich ewig darin. Meine Liebe ist Mensch worden, meine Liebe ist gekreuziget und für mich gestorben, auf daß sein Leben und Tod mich seiner Liebe versichre, mich mit ihm vereinige, daß ich in seiner Liebe lebe und sterbe, Ruhe, Frieden, Trost, Sicherheit und ewige Seligkeit haben möge. Amen.

Johann Arnd

O Jesu, pflanze uns als Zweige in dich, den Baum des Lebens, und lasse uns mit dir wie die Reben mit ihrem Weinstock verbunden sein. Denn so erlangen wir allerlei göttliche Kraft, was wir brauchen zum göttlichen Leben und Wandel, und werden erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch dich geschehen in uns zum Lobe und Preise deines göttlichen Namens. Amen.

Gebet der Unterthanen für ihre Obrigkeit.

Ach Gott, du Herr aller Herren und König aller Könige, du Herrscher über den ganzen Erdkreis, der du alle Obrigkeit hast eingesetzt und gesagt durch deinen werthen Apostel: Es ist keine Obrigkeit, sie ist von Gott geordnet; und wer der Obrigkeit widerstrebet, der widerstrebet Gottes Ordnung: gieb mir, lieber Vater, und lehre mich, daß ich die Obrigkeit für deine Ordnung erkenne, dieselbe fürchte, liebe und ehre; und verleihe Gnade, daß ich und alle Unterthanen durch sie mit Gerechtigkeit regieret werde und von ihnen Schutz habe, daß ich unter ihnen ein stilles, geruhiges Leben fuhren möge in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Und weil du, lieber Vater, der Könige Herzen in deiner Hand hast und leitest dieselben, wie die Wasserbäche, so regiere auch unsre liebe Obrigkeit mit deinem heiligen Geist, daß sie vor allen Dingen Gottes Wort lieb haben, ihre Thore weit machen und die Thüren in der Welt hoch, daß bei ihnen und in ihren Landen der König der Ehren einziehe, der Herr Zebaoth, stark und mächtig im Streit; daß sie Pfleger und Säugammen seien deiner heiligen christlichen Kirche; daß sie deinen lieben Sohn küssen, daß er nicht zürne; daß sie dem Herrn dienen mit Furcht und sich freuen mit Zittern. Gieb ihnen deine himmlische Weisheit, die um deinen Thron ist. Denn durch dieselbe regieren die Könige, und die Rathsherren setzen das Recht. Gieb, daß sie hören das Geschrei der Armen, und der Wittwen und Waisen Recht nicht beugen. Laß sie fürstliche Gedanken haben und darüber halten. Gieb ihnen die Glückseligkeit Davids, die Weisheit Salomonis und die Sieghaftigkeit Josuas. Gieb ihnen die Liebe der Gerechtigkeit, beständigen Muth und Tapferkeit wider alle Ungerechtigkeit, glücklichen Fortgang ihrer Anschläge, getreue, verständige, kluge Räthe, gesundes und langes Leben. Behüte sie vor Heuchlern und Fuchsschwänzen, vor Kriegen und Blutvergießen. Schütze sie durch deine heiligen Engel. Segne das ganze Land und schaffe unsern Grenzen Friede, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Gebet der Obrigkeit für ihre Unterthanen.

O du gewaltiger Herrscher des Erdbodens, Herr aller Herren, König aller Könige! Ich danke dir von Herzen, daß du mich zur Obrigkeit über dieses Land und Unterthanen gesetzet hast. Du bist der Allerhöchste, und hast Gewalt über der Menschen Königreiche, und giebst sie wem du willst; erhöhest auch die Niedrigen zu denselben. Deine Gewalt ist ewig und dein Reich währet für und für, gegen welche alle, so auf Erden wohnen, nichts zu rechnen sind. Du machest es, wie du willst, beide mit den Kräften im Himmel und mit denen, so auf Erden wohnen; und niemand kann deiner Hand wehren, noch zu dir sagen: Was machest du? Denn all dein Thun ist Wahrheit und deine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kannst du wohl demüthigen. Du setzest auch einem jeden Lande seine Grenze; Sommer und Winter machest du. Darum stieb mir, du gewaltiger Herrscher des ganzen Erdbodens, daß ich mich allzeit vor dir demüthige und gedenke, daß ich auch unter Gott bin. Gieb mir einen festen starken Glauben und Zuversicht auf deine Allmacht und Barmherzigkeit. Gieb mir herzliche Liebe zu deinem reinen Wort. Erhalte mich und meine anbefohlnen Unterthanen bei der seligmachenden Wahrheit des heiligen Evangelii. Laß meiner Lande Fundament sein die zwo starken Säulen: die wahre Gottesfurcht und Gerechtigkeit, und daß dein heiliger Gottesdienst eine Zierde, Schmuck und höchstes, edelstes Kleinod sei meiner Lande, darüber du mich gesetzet hast. Gieb mir den edlen lieben Landfrieden. Sei mein mächtiger Schutz und eine feurige Mauer um mich und meine Unterthanen her. Und wenn das Land zittert und alle, die darin wohnen, so halte du seine Säulen fest. Gieb meinen Unterthanen ein gehorsam Herz und mir deine himmlische Weisheit, daß ich dieselben vernünftig und weislich regiere, die Unschuldigen errette, die Frommen schütze, die Bösen strafe und Rache übe über alles Böse, daß ich eine Furcht sei der Bösen und ein Lob und Preis der Frommen. Gieb, daß ich erkenne, daß ich, o Gott, deiner Gerechtigkeit Statthalter und Amtmann sei, und daß du bei mir seiest im Gerichte, und daß ich .das Gericht nicht Menschen halte, sondern dir, und demnach keine Person im Gerichte ansehe. Gieb mir Gnade, daß ich Recht schaffe ohne Ansehen der Person den Armen und Waisen, und helfe den Elenden und Durstigen, daß ich errette den Geringen und Armen und erlöse ihn aus der Gottlosen Gewalt, daß die Grundfesten des Landes nicht fallen. Laß mich hören, daß der Herr redet, daß er Friede zusaget seinem Volke und seinen Heiligen, daß sie nicht auf eine Thorheit gerathen. Laß‘ mir deine Hülfe nahe sein, denn ich fürchte dich, daß in meinem Lande Ehre wohne, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; daß Treue auf Erden wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue, daß uns der Herr Gutes thue, daß unser Land sein Gewächs gebe, daß Gerechtigkeit vor dir bleibe und im Schwange gehe. Ach getreuer Gott, behüte mich vor Sünden, auf daß ich nicht deinen gerechten Zorn verursache und über meine Unterthanen die Strafe bringe, wie der König David sagt: Ich habe gesündiget, was haben diese Schafe gethan? Segne aber mein Land und kröne es mit deinem Gut, denn deine Fußstapfen triefen vom Fett. Gieb mir, daß ich also regiere, daß mein Land nicht wider mich seufze, sondern daß dasselbe deines Lobes und Preises voll werden möge. Gelobet sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden! Amen. Amen.

Für die Lehrer der Kirche.

Ach Herr Jesu Christe, du ewiger Hoherpriester und Haupt deiner Kirche! Du bist aufgefahren in die Höhe, und hast etliche unter deinen Dienern gesetzt zu Aposteln, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß durch sie dein geistlicher Leib erbauet werde, bis wir alle hinan kommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis;. Ich klage und bekenne dir, daß ich diese große Wohlthat und Gaben bisher nicht recht erkannt habe, die, welche du gesandt hast, nicht gehalten für deine Diener und für Haushalter über deine Geheimnisse, habe sie auch ihres Amtes halben nicht desto lieber gehabt, und nicht bedacht, was du sagest: Wer euch höret, der höret mich; wer euch verachtet, der verachtet mich. Vergieb mir diese Sünde, und rechne mir dieselbe nicht zu. Wende die Strafe von mir, die du dräuest denen, die deine Diener Höhnen. Ich sage dir aber herzlich Dank für deine getreuen Boten, die dein Heil verkündigen, Gutes predigen, Friede verkündigen; und bitte dich, du wollest an allen getreuen Dienern der Kirche und Lehrern deines Wortes deine Verheißung erfüllen, da du sprichst: Ich lege mein Wort in deinen Mund, und bedecke dich unter dem Schatten meiner Hände, auf daß ich den Himmel pflanze und die Erde gründe. Pflanze deinen geistlichen Himmel, lieber Gott, mit gläubigen leuchtenden Sternen, und ziere die Erde mit Pflanzen der Gerechtigkeit zu deinem Lob und Preis. Schmücke die Lehrer der Kirche mit vielem Segen, daß sie einen Sieg nach dem andern erhalten wider Sünde, Tod, Teufel, Hölle und Welt, daß man sehe, der rechte Gott sei zu Zion. Gieb auch, daß wir unsern Lehrern gehorchen und ihnen folgen, als die da wachen für unsre Seele, und dafür Rechnung geben müssen, daß sie ihr Amt mit Freuden thun, und nicht mit Seufzen: denn das ist uns nicht gut. Gieb ihnen auch, daß sie ihr Amt williglich thun, und die Heerde weiden, nicht gezwungen, sondern williglich, nicht um schändlichen Gewinnes willen, sondern von Herzensgrund, daß beide, sie und wir mit ihnen, die unvergängliche Krone der Ehre empfahen, wenn du als der Erzhirte erscheinen wirst. Gieb, lieber Gott, deinem Donner Kraft, und dein Wort mit großen Schaaren Evangelisten, daß sie ihre Stimmen erheben wie die Posaunen, und nicht schonen, sondern uns unsre Uebertretung verkündigen, und daß sie mächtig sind, zu strafen und kräftig zu trösten. Hilf, daß sie die verlornen Schäflein suchen, die Verwundeten heilen, die Schwachen verbinden und die Fetten warten. Hilf, daß sie mit feurigen Zungen reden, daß es durchs Herz gehe, daß unsre Herzen zu dir bekehret und von der Welt abgewandt werden, und von der Augenlust, Fleischeslust und von dem hoffärtigen Leben; daß durch ihre Bußpredigten in uns heilsame Traurigkeit erwecket werde, die eine Reue wirke zur Seligkeit, die niemand gereuet. Thue unsre Herzen auf, wie der Lydia, daß wir hören und verstehen, was sie uns in deinem Namen predigen. Sei durchs Wort kräftig. Gieb uns den heiligen Geist, der uns lehre und in alle Wahrheit leite. Lehre du inwendig und erleuchte unsern Verstand. Tröste du inwendig im Herzen. Denn so du inwendig nicht lehrest, so ist alle auswendige Lehre unfruchtbar. Darum, wenn Paulus pflanzet und Apollo begießt, so gieb du das Gedeihen dazu. Wehre und steure dem bösen Feinde, daß er nicht Unkraut unter den Weizen säe. Wecke uns auf, daß wir nicht schlafen und sicher seien. Heiliger Vater, heilige uns in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Dein Wort ist die rechte Lehre, und Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich. Laß uns das Himmelsbrot deines Wortes aufsammeln in das Gefäß unsrer Seele, daß wir ewig satt und selig werden. Amen.

Gebet frommer Kinder für ihre Eltern.

Ach gnädiger, barmherziger Gott, lieber Vater, der du bist der rechte Vater über alles, das Kinder heißet im Himmel und auf Erden! Ich danke dir herzlich, daß du mir meine lieben Eltern, Vater und Mutter gegeben und bis daher in guter Gesundheit und Wohlstand erhalten hast. Dir sei Lob, Ehre und Dank für diese deine große Wohlthat. Und bitte dich, du wollest mir meinen Ungehorsam, damit ich mich gegen meine lieben Eltern oft versündiget habe, aus Gnaden vergeben, und die Strafe von mir abwenden, die du im vierten Gebot dräuest. Gieb mir aber ein gehorsames und dankbares Herz gegen sie, daß ich sie ehre, fürchte, liebe, mit meinem Gehorsam und deiner göttlichen Furcht erfreue, daß ich sie für Gottes Ordnung erkenne, und ihre väterlichen wohlmeinenden Strafen geduldig annehme. Lehre mich auch bedenken, wie sauer ich meiner Mutter worden bin, und mit was großer Mühe und Arbeit sie mich erzogen. Laß mich dieselbe wieder ehren mit Gehorsam, Liebe, Demuth, Furcht in Worten und Werken, auf daß ich den Segen und nicht den Fluch ererbe, sondern ein langes Leben. Laß das Exempel des Gehorsams meines Herrn Jesu Christi immer vor meinen Augen stehen, welcher seinem Vater gehorsam gewesen bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Gieb mir den Gehorsam Isaaks, die Furcht Jacobs, die Zucht Josephs, die Gottesfurcht des jungen Tobiä; und gieb meinen lieben Eltern den Glauben Abrahams, den Segen Isaaks, den Schutz Jacobs, die Glückseligkeit Josephs und die Barmherzigkeit des alten Tobiä. Laß sie in einem feinen geruhigen Leben, in Friede und Einigkeit alt werden. Lindre ihnen ihr Kreuz und hilfs ihnen tragen. Erhöre ihr Gebet und segne ihre Nahrung. Behüte sie vor allem Uebel Leibes und der Seele. Und wenn ihre Zeit vorhanden ist, so laß sie sanft und stille einschlafen, und nimm sie zu dir ins ewige Vaterland, durch Jesum Christum. Amen.