Johann Lassenius – Auf das Michaelisfest

Herr Jesu, du großer Engel des Bundes, hilf, daß ich mich zu dir bekehre von ganzem Herzen, Buße thue und deinem Evangelium glaube, daß sich die Engel im Himmel freuen. Deine Engel sind heilig und rein; hilf auch mir, daß ich sei heilig und unsträflich vor dir; daß ich mich reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, und fortfahre mit der Heiligung in deiner Furcht. Deine Engel sind geistlicher und himmlischer Natur; hilf, daß auch ich mich im Geistlichen und Himmlischen übe, und mit meinem Gemüthe im Himmel wohne. Sie sind demüthig; gib mir, daß ich auch von Herzen demüthig sei. Laß mich in meinem Beruf bleiben, und desjenigen, was mir befohlen, stets getreulich mich annehmen. Befiel deinen Engeln, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Verleihe mir den Geist der Gnaden und des Gebets, daß ich dich allezeit anrufe im Geist und in der Wahrheit, auch dein Lob immerdar in meinem Munde sei, und mit den Engeln allezeit sage: Ehre sei Gott in der Höhe! Heilig, heilig ist unser Gott, der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Laß mich ihnen auch dort gleich werden, und wenn meine Seele von diesem Leibe wird scheiden, so laß deine heiligen Engel mich tragen in Abrahams Schoß, daß ich dein Angesicht schaue in Gerechtigkeit. Beschütze auch in dieser Welt die ganze Christenheit durch diese deine heiligen Wächter; behüte durch sie meinen Eingang und Ausgang bis in Ewigkeit. Erhöre mich, Jesu, mein Herr und mein Gott, um dein selbst willen. Amen.

Rigisches Gebetsbuch – Rüstzeit

Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken deiner Gnade, daß du uns deinen Sohn gesandt hast und ihn gesetzet zum König der Gerechtigkeit, und zu unserm Heilande und Erlöser, der uns aus dem Reiche der Finsterniß errette und uns Gerechtigkeit, Heil und Seligkeit verleihe. Wir bitten dich aber auch: erleuchte uns in seiner Erkenntniß und stärke uns im rechten wahren christlichen Glauben ,daß wir ihn für unsern König und Seligmacher halten, annehmen und loben, und mit unsern Gaben und Kräften, mit allem was wir von dir Gutes haben und vermögen, ihm unterthan sein und dienen mögen, und er seine Wohnung unter uns und in uns habe, und wir allezeit in seinem Reiche und in seinem Gehorsam und Dienste bleiben. Neige der Fürsten und Gewaltigen Herz und Willen, daß sie dem König aller Könige und Herrn der Herrlichkeit aufthun ihre Pforten und Thore, laß ihn einziehen in ihre Lande, Städte und Kirchen, daß er seine Herberge bei ihnen habe, und mit seinem Wort und Geist regiere und herrsche. Steure dagegen und wehre allen denen, die Christo die Pforten zuschließen und ihm den Eingang wehren, oder ihn gar vertreiben und von sich stoßen; dagegen dem Antichrist, falschen Lehrern und Schwärmern Thore und Thüren weit aufthun. Mache ihr böses Vornehmen und ihre Anschläge zunichte. Beweise deine Macht und Barmherzigkeit an den armen Menschen, die noch in den Banden des Aberglaubens und in der Trostlosigkeit des Unglaubens, in Abgötterei und allerlei gottlosem Wesen und falsche Lehre gefangen sind, daß Christus auch zu ihnen komme, und sein Reich des Lichts, der Wahrheit und Gerechtigkeit bei ihnen aufrichte, und du ewiger Vater, samt demselben deinem ewigen Sohne und dem heiligen Geiste überall mit Lob und Preis und Anbetung deines heiligen Namens gerühmet und geehret werdest. Amen.

Rigisches Gebetbuch – Am Samstag

O gütiger barmherziger Gott, ich danke dir, daß du mich den letzten Tag dieser Woche erreichen lassen und in meinen Sünden mich nicht hast weggerafft. Denn ich muß mich schuldig geben, daß ich viel Gutes unterlassen, viel Böses begangen, dir und dem Nächsten nicht wie ich sollte gedienet habe. Ich sehe das Uebel und den Gräuel der Sünde neben der Strafe, kann mich aber selbst nicht davon erretten. Darüber bin ich betrübt und traurig, verzage ganz an mir und meinem Vermögen, und kann nichts, als daß ich mich dir ganz und gar ergebe und bitte, du wollst mich nach deiner Zusage aufnehmen, und erquicken mit deinem Geist und Trost.

 

Ich weiß es, Herr Jesu, du willst die Mühseligen aufnehmen, die Elenden erretten, und die Hülf- und Trostlosen mit deiner Gnade umfahen. Darum stärke meinen Glauben, auf daß ich solche Zusage ergreife, auf deinen Gnadenbund mit mir mich verlasse, dessen ewige Güter, die ewige Gerechtigkeit, Herrlichkeit, die ewige Erlösung und Seligkeit in mir empfinde, ihrer als meines Eigenthums gebrauche, aber auch derselben samt aller deiner Gaben nicht mißbrauche.

 

O Herr Gott, heiliger Geist, erwecke in mir ein herzliches Verlangen nach dem Sonntage, damit ich dein Wort und deine geistlichen Wohlthaten, womit du uns an dem selben wieder reichlich segnen wirst, als die wahre Ruhe und Freude unserer Seelen betrachte, und in Gebet und Andacht mich recht übe. Zeige mir die Wonne deines Hauses, meinen liebsten Herrn Jesum; laß mich seine liebliche Stimme hören, und bereite du mein Herz durch Demuth, Glauben und Liebe, ihn zu empfahen, zu umfangen und alle meine Lust und Verlangen an ihm zu haben, und also den bevorstehenden Feiertag in lauter göttlicher Freude, dir zu Ehren und mir zum Wachsthum in der Gottseligkeit nach deinen Willen anzufangen und zu vollenden.

Aus der Basler Liturgie von 1666.

„Laß auch das Feuer der Trennung der Evangelischen nicht weiter um sich fressen, sondern dämpfe es, wenn es Dein heiliger Wille ist, und leite evangelische Fürsten und Häupter dahin, daß sie auf eine Dir wohlgefällige Vereinigung, zur Beförderung Deiner göttlichen Wahrheit, bedacht seien“.

Zwingli, Huldrich – Gebet für die Einheit der evangelischen Schwesterkirchen

„Allmächtiger Gott, leite Du uns auf den richtigen Weg, und so wir irgend Etwas gegen die Wahrheit beginnen wollen, so sende Du Deinen Engel, daß er uns, wenn wir uns irgend vom Frevelmuthe der Unwissenheit oder Ruhmsucht irre leiten lassen wollten, an die Mauer drücke, damit uns der Fuß zerschmettert, d. h. der unlautere und unreine Fleischessinn gedämpft werde und wir nicht weiter den Namen unseres Gottes lästern“.

„Erfülle du, Schöpfer, Herr und Vater Aller, wir bitten sich darum, uns mit deinem milden Geiste, und vertreibe von beiden Seiten alle Nebel des Unverstandes und der Leidenschaften, wie Du vormals die wogenden Gewässer der Sündfluth durch deine gewaltigen Winde in die Tiefe getrieben und auf der allernährenden Erde die Fülle der Gewächse und Früchte wieder aufsprießen und reifen ließest! Mach Ende, Herr! dem Streite und Zanke und der blinden Wuth! Erhebe dich, Christus, du liebliche Sonne der Gerechtigkeit und bescheine uns mit deinen milden Strahlen. Ach, während wir streiten, versäumen wir nur zu oft, nach der Heiligung zu ringen, die du von uns allen forderst! Denn du weißt, o Herr, daß wir nie gebessert aus den Weltkämpfen hervorgehen, dieweil sie Fleischwerke sind, die jeden beflecken, der sich darin verflicht, während die Frommen sich stets zu ihrem Heile denselben entziehen. Bewahre uns darum, o Herr! vor solchem Streite, damit wir unsere Kräfte nicht darin mißbrauchen, sondern sie mit ganzem Ernste auf das Werk der Heiligung richten und anwenden. Amen“.

„Du heiliger und gerechter Gott, wie unergründlich sind deine Gerichte und wie unerforschlich deine Wege, insonderheit diejenigen, durch welche du dein Volk führst zu seiner Pflanzung und Leitung, zu seiner Beschützung und Beschirmung, zu seiner Erniederung und Erhöhung, wie zu seiner Rettung und gnädigen Erlösung. Wie du dein altes israelitisches Volk gefangen gehalten im leiblichen Aegypten und Babylon und es dann aber auch mit deinen starken Armen ausgeführt hast, also hast du auch gegen unsere Väter gethan. Du hast sie aus den Fesseln und von dem drückenden Joche der Menschensatzungen, in welche ihre Gewissen und Seelen verstrickt waren, erlöst und sie aus der Finsterniß herausgeführt, indem du das Licht des heiligen Evangeliums wiederum auf den Leuchter gestellt hast. Zu derselben Zeit ward ihr Mund voll Lachens und ihre Zunge voll Rühmens, und. frohlockend sangen sie: „Du, Herr, hast herrliche Dinge an uns gethan!“. Aber du, o gerechter Gott, hast auch zugelassen, daß unter deinem Volke eine traurige Trennung und Spaltung in der Lehre und in den Gemüthern entstanden ist, wodurch dein Volk nicht geringeren Schaden erlitten hat, als einst Israel, da das Reich in zwei Theile zerfiel. Ach, wie oft hat diese traurige Trennung verursacht, daß unsere Feinde sich über uns freuen konnten! Wir wollen nicht fragen: 0 heiliger Gott, warum hast du dieses gethan? sondern wir wollen die Hand auf unsern Mund legen und sagen: O Herr, du bist gerecht und alle deine Werke sind gerecht. Aber, o Herr, du wollest auch nach deiner Gnade diesen deinen Gerichten ein Ziel setzen. Wenn du aber durch solche Spaltungen dein Volk noch weiter zu züchtigen beschlossen hast, so geschehe dein Wille; ist es aber dein Wille, diese Risse und Wunden zu heilen, und sollte die Zeit dazu erschienen sein, so offenbare es, o Herr, in diesen Tagen, da die, so Zion gram sind, sich nicht verbergen, sondern offen zeigen, daß sie die hassen, welche Jesu Christo allein anhangen. Ach Herr, laß in diesen unseren Tagen nicht zu, daß die Kinder der Finsterniß klüger seien, als die Kinder des Lichtes! Baue die zerrissenen Mauern Jerusalems! Erwecke die gekrönten und gefürsteten Häupter, daß sie rathen und helfen zu dem langersehnten Frieden in der evangelischen Kirche! Leite die Herzen derer, welche deine Gefäße tragen, das ist, im Dienste deines Wortes arbeiten, daß sie friedfertige, liebreiche Gesinnungen hegen. Dämpfe alle übermäßige Hitze und verleihe aller Orten Gedanken des Friedens! Verbinde, o Fürst des Friedens, unser aller Herzen in deiner Liebe. Erwecke und besänftige du alle Herzen und lege selbst Hand an dieses große Werk der Vereinigung. Verleihe uns allen die Gnade, daß wir mit einem heiligen Wandel und gottseligen Leben befördern helfen, was zum Frieden dient. Der Gott der Geduld und des Trostes verleihe uns, daß wir einig gesinnet seien untereinander in Christo Jesu, auf daß wir einmüthig und mit einem Munde Gott, den Vater unseres Herrn Jesu Christ, loben mögen! Dein heilsamer Friede bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu und verleihe uns Gnade, daß wir als Brüder einträchtig beieinander wohnen und uns des gewissen Segens und Lebens ewiglich freuen mögen! Amen“.

Gebet für nothleidende Glaubensgenossen – Aus der Schaffhauser Liturgie.

Ausgabe von 1693.

Aus dem Hauptgebete vor der Predigt.

Wende ferner von uns ab alle Feindselige Gewalt und arglistige Praktiken unserer Widerwärtigen, behüte uns vor Verrätherei, aller Untreu, vor innerlichen Mißverständnissen. Stille auch, o gütiger Gott, noch während streitig und unruhig Wesen, darinn wir stehen, und leite es zu einem gesegnet, friedlich und guten End. Stärke und erlöse die um Deines Namens Bekenntniß willen Verfolgungen leiden, mit Namen die hochbedrängte evangelische Kirche in Frankreich, Piemont, Chur-Pfalz und an allen anderen Orten, die Du o Gott als der allwissende Herzenkündiger in ihrem Kampf wohl weißt und kennst. Ach Herr! schone Deines Volks und laß das Uebrig Deines Erbtheils nit zu Schanden werden. Mache zu nichten alle tyrannische Praktiken und Gewalt, so sich wider Deine Kirche auflehnen. Erscheine, o lieber Gott und Vater mit Trost und Hülfe besagten unsern nothleidenden Mitbrüdern. Rüste sie aus mit dem Geiste der Weisheit, der Tapferkeit und Freudigkeit, daß sie in solcher ihre Heimsuchung und Bewährung (Prüfung) an Dir, o Gott! treu erfunden werden und aus derselben sieghaft herauskommen mögen zu Lobe und Ehre Deines Namens. O Herr, der Du die Herzen der Könige und Regenten in Deiner Hand hast und leitest dieselben wie Wasserbäche, laß Deine Kirche Gnade finden vor ihren Augen, daß sie unter derselben Regierung ein stilles und ruhiges Leben führen möge in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.

„Erhalte und vermehre auch, o himmlischer Vater, Deine Kirche in England, Schott- und Irland sammt denen vereinigten Niederlanden, und wo Du sie durch Dein Wort und Geist gepflanzet hast.“

Aus dem Bettagsgebete.

Ausgabe von 1693.

Sieh auch, o treuer Gott, mit erbarmenden Augen an unsere lieben Mitbrüder und Glaubensgenossen, Deine arme trostlose Kirche in Frankreich und anderen Orten, über welche alle Wetter gehen. Siehe, o Gott, wie ihre Feinde toben und ihre Hasser den Kopf aufrichten. Sie machen listige Anschläge wider sie und rathschlagen wider Deine Verborgene. Wolher, sprechen sie, laßt uns sie ausrotten, daß sie kein Volk seyen, daß des Namens der Evangelischen und Reformirten nimmer mehr gedacht werde. Gott, warum verstoßest Du sie sogar und bist so grimm zornig über die Schafe Deiner Weide. Gedenke wieder an Deine Gemeinde, die Du Dir von Alters her erworben und Dir zum Erbtheil erlöset hast. Willst Du denn sie ewiglich verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen? Herr, wie lange willst Du so gar zürnen und Deinen Eifer wie Feuer brennen lassen?

„Gedenke nicht ihrer vorigen Missethaten, sondern erbarme Dich ihrer bald, denn sie sind fast dünn (wenige) geworden. Hilf Du ihnen, Gott unser Helfer um Deines Namens Ehre willen, errette sie und +vergib ihnen ihre Sünden. Warum lässest Du unsere Feinde sagen, wo ist nun ihr Gott? Laß vor Dich kommen das Seufzen der Bedrängten und erhalte mit Deinem starken Arme die Kinder des Todes!

Ach Herr! verlaß Deine armen Kinder nicht, damit sie Dich nicht auch verlassen. Stärke, kräftige, gründe dieselben in Deiner Wahrheit. Gib ihnen, o Gott, einen getrosten, tapferen Heldenmuth, daß sie alle Furcht der Welt, alles Liebkosen und Dräuen der Menschen verachten, alle zeitliche Ehre und Güter hintansetzen, alle Drangsalen, Marter und Pein, alle Armuth und Verachtung überwinden, alle Wollust und Ergötzlichkeit in den Wind schlagen, damit sie nur in Deiner Wahrheit bleiben und ihre Seelen von allen falschen Lehren unbefleckt bewahren. Herr! ohne Dich können sie nichts thun, darum verleihe Du ihnen Kraft stark zu werden durch Deinen Geist.“ u. s. w.

Gebet für nothleidende Glaubensgenossen – Aus dem Gebete nach der monatlichen Bettagspredigt.

Siehe nicht an den großen Haufen unserer Sünden, sondern sieh‘ an Deine Güte, durch die Du uns erschaffen. Siehe an das theure Verdienst des Leibens und Gehorsams unsers Herrn Jesu Christi. Siehe an die große Anzahl unserer Kinder und Säuglinge, die noch nicht wissen zu unterscheiden zwischen ihrer Rechten und Linken. Siehe an das Trotzen Deiner Feinde, und verhüte gnädiglich, daß sie nicht sagen: wo ist ihr Gott? wo ist ihr Evangelium? Erbarme Dich über das blöde Geschöpf Deiner Hände, der Du weißt, daß wir nur Staub und Erde sind: erhalte den Weinberg, den Du bei uns und anderen gepflanzet hast, und lasse denselbigen durch die wilden Schweine nicht verwüstet, noch Dein Erbtheil zu Schanden werden. Wir sollen freilich erkennen, daß Du mit Deiner Gnade an uns nicht angebunden seist; weil wir aber in Christo uns dero vertrösten, wollten wir gern Dein Volk sein und bleiben. Bitten Dich dero wegen, Du wollest uns samt allen unseren Glaubensgenossen, die zu großem Theil hin und wieder auf das Aeußerste verfolgt werden, nochmals in Deinen väterlichen Schutz und Schirm aufnehmen, und befehlen Dir hiemit alles Anliegen der ganzen Christenheit. …..

Regiere, als der Herr der Heerscharen, alle Kriege, sonderlich die wider Deine evangelische Kirchen angestellet werden: stehe Du Deinem Häuflein bey, und erhalte es mit Deinem starken Arm; weil Dir gleich giltet, durch wenig oder viel zu helfen: richte alle Verfolgungen zu einem guten Ende: und so es Dein Wille ist, so habe mit dem, so Deine Kirchen bis daher an so vielen Orten und Enden ausgestanden, ein gnädiges Vergnügen (Genüge): verzeihe unter den Verfolgern denen, so es unwissend thun; die übrigen aber, die nicht nur unsere, sondern auch Deine Feinde sind und bleiben, strafe nach Deinem heiligen Willen, daß ihr Mühe zurück auf ihren Kopf, und ihr Frevel auf ihre Schritte komme!“

Gebet für nothleidende Glaubensgenossen – Aus der Baseler Liturgie.

Steure als der gewaltige Herr der Heerschaaren der Tyrannei des Erbfeindes und anderen schweren blutigen Kriegen, sonderheit denen, die wider Deine evangelische Kirche geführt werden. Treibe gewaltig zurück die Anschläge und bösen Praktiken der Feinde Deines heiligen Evangelii, und habe ein gnädiges Vergnügen mit dem, so Dein armes Häuflein bisher in Deutschland, Frankreich, Piemont, England, Niederland, Ungarn und anderswo ausgestanden und erlitten hat. Sende Hülfe aus Deinem himmlischen Zion und entlade Deine Kirche alles Ueberdranges, Spottes und Tyrannei.

Stärke durch Deinen heiligen Geist die Verfolgten, die um Deines heiligen Namens willen gefangen und gebunden, in trauriges Elend verjagt, oder auch gar hingerichtet und getödtet werden. Verleihe ihnen den Geist der Tapferkeit und Beständigkeit, daß sie im Bekenntniß der Wahrheit verharren bis an das Ende.

Wir bitten Dich auch für unsere Feinde, die uns aus unwissendem, unzeitigem Eifer hassen, schmähen und verfolgen: daß Du aus denselben bekehren wollest die, welche Du bekehren willst, damit sie auch zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, sammt uns selig werden und Dir ewig Lob und Dank sagen. Die Uebrigen aber, die nicht nur unsere, sondern auch Deine Feinde sind und bleiben, strafe nach Deinem heiligen Willen und nach ihrem Verdienen, der Du Niemandem pflegst Unrecht zu thun.“

Christoffel, Raget – Gebet für nothleidende Glaubensgenossen – Aus der Zürcher Agenda von 1675.

Erhebet Eure Herzen zu Gott und sprechet mit Andacht:

„O Herr, allmächtiger Gott, himmlischer Vater! Du hast uns befohlen in Deinem heiligen Worte, daß wir beten sollen für alle Menschen, für Könige und Obrigkeiten, und selbst für unsere Feinde und Widersacher, die uns hassen, schmähen und verfolgen, und sich selbst überreden, wenn sie uns tödten, so thun sie Dir, o Gott, einen Dienst daran. Wie viel mehr wird es Dir gefallen, wenn wir für die beten, die Du mit uns gemacht hast, zu einem geistlichen Leibe, also, daß wir untereinander Glieder sind, voraus wenn diese unsere Mitglieder hin und wieder übel geplagt und hart bedrängt werden. Darum hast Du ausdrücklich befohlen, daß wir uns in solchem Falle annehmen sollen der Nothdurft der Heiligen (Röm. 12,13) und der Gebundenen gedenken, als wären wir Mitgebundene, und derer, die Trübsal leiden als die wir auch noch im Leibe leben (Ebr. 13,3).

„Demnach bitten wir Dich nun, o himmlischer Vater! für alle unsere hin und wieder nothleidenden Glaubensgenossen, insonderheit für die, so in dieser Zeit an gewissen Orten in schweren Kämpfen, großen Versuchungen und Drangsalen sich befinden. Sende ihnen Hülfe von Deinem Heiligthume und stärke sie aus Zion (Ps. 20,3). Ist es Dein heiliger Wille, so leite, lenke, bewege und vermöge kräftiglich die Herzen der Potentaten, Könige und Fürsten, zu Gnade und Versöhnung gegen ihre evangelische Unterthanen! Laß auch unsere Glaubensgenossen in ihren Herzen die Freude empfinden, daß sie leiden nicht als arme Sünder, sondern als Christen, nicht um ihrer Sünden, sondern um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu Christi willen (Offenb. Joh. 1,9), davon Dein Sohn selbst gesprochen: Seid fröhlich und getrost, es wird Euch wohl belohnet werden im Himmel (Matth. 5,12).

„Wird unseren Glaubensgenossen unterdrückt ihr Gottesdienst, gesperrt die Kirchen, verboten die Schulen, so sei Du, o Gott, heiliger Geist, selbst ihr inwendiger Lehrer und Tröster! Ist ihnen versagt, äußerlich das göttliche Wort verkündigen zu hören, so laß in ihrem Herzen erschallen Deine eigene gnadenreiche Stimme, daß ihr Herz dem Herrn singe, ob es gleich dem Munde verboten ist. – Beraubt man sie ihrer Güter, so gib, o Herr! daß sie den Raub derselben mit Freuden erdulden, als die da wissen, daß sie bei ihnen selbst eine bessere und bleibende Habe im Himmel haben (Ebr. 10,34).

„Verjagt man sie von Haus und Hof ins Elend, so tröste sie, O, Herr! mit dem Troste, daß wer bei sich habe den Herrn Christum, allenthalben daheim und nirgends in der Fremde und im Elende sei!

„Schmäht und schändet man sie, und entsetzt man sie aller Ehren, so verschaffe Du, o himmlischer Vater! daß sie die Schmach Christi für größern Reichthum achten, als die Schätze Egyptens, und viel lieber erwählen mit dem Volke Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünden zu haben (Ebr. 11,25,26).

Führet man sie an Orte und Enden, da sie ihres Glaubens Rechenschaft geben müssen, so verleihe ihnen, o Herr! Mund und Weisheit, welcher nicht widersprechen noch widerstehen mögen alle ihre Widerwärtige (Luc. 21,15); laß ihnen, o Du Mund der Wahrheit, Jesu, Deine Verheißung nicht fehlen, da Du versprochen: „Es wird Euch zu derselben Stunde gegeben werden, was ihr reden sollet (Matth. 10,19).

Wirft man sie in finstere Gefängnisse, so sei Du, Herr Jesu! wahres Licht der ganzen Welt! ihre Sonne und ihr Licht; führe sie aus, wie Petrum, nach Deinem Willen und beschere ihnen gute Leute, die ohne Aufhören für sie zu Gott beten, wie auch für Petrum solches geschehen.

„Führet man sie zu Marter und Tode, so versüße ihnen, o Du Gott alles Trostes! die Bitterkeit des Todes mit dem lebendigen Troste des heiligen Geistes! Laß sie in sich empfinden einen freudigen Geist, wie viele heilige Märtyrer vor ihnen. Laß sie hören die gnadenreiche Stimme: „Fürchte Dich nicht, denn ich, Dein Jesus, bin bei Dir und habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein!“ (Jesaia 21,3,1). Laß sie mitten im Todeskampfe offen sehen den Himmel, wie den heiligen Stephanus, und verwandle das Feuer, daß sie verzehren soll, wie den drei Gefährten des Daniels, in einen erquickenden Thau (Daniel 3,26),

„Endlich gib und verleihe, o Herr, daß Deine Liebe, so theuer erworbene Gemeinde durch diese gegenwärtigen schweren Versuchungen und Drangsalen nicht unterdrückt, noch gemindert, sondern vielmehr befestigt und vermehrt werde! Verleihe, daß das Blut unserer Glaubensgenossen Deiner Gemeinde zum Samen und zur Nahrung gereiche, damit der Baum der Kirche darob nur fruchtbarer werbe. Also lache Du, der Du im Himmel sitzest, Deiner Feinde und spotte ihrer (Ps. 2, 4). Die Unseren aber laß nicht versucht werden über Vermögen. Erhöre uns, o Du Vater aller Gnaden, um Deiner heiligen Ehre und um Deines Namens willens, durch Jesum Christum, welcher uns gelehrt hat also zu beten: „Unser Vater“ u. s. w.

Johann Quirsfeld – Auf Reisen

O Herr Jesu Christe, du allergütigster Herr und Heiland, der du um unsertwillen ein Gast und Fremdling geworden bist auf Erden: ich komme zu dir mit demüthigem Herzen, und bitte dich, du wollest dir mein ganzes Leben und Wandeln in dieser Welt lassen befohlen sein. Behüte mich auf dieser meiner Reise durch deiner lieben Engel Schutz auf allen meinen Wegen gnädiglich vor allem Uebel und Unfall, vor Unglück und Gefahr, an Seel und Leib, damit ich Alles glücklich ausrichten, und endlich auch frisch und wiederum gesund zu den lieben Meinigen gelangen möge. Dir, o Herr, allein befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Hab und Gut, auf meiner ganzen Reise. Richte du meinen Gang und Wandel, wie es mir gut und selig ist. Nimm dich auch unterdessen der lieben Meinigen zu Hause trefflich an, damit wir einander glücklich und gesund wieder mögen antreffen. Und wann ich endlich auch meine Lebenswallfahrt hier in dieser Weise vollendet habe, so nimm mich zu dir durch einen sanften und seligen Tod in deine Herrlichkeit, als mein himmlisches Vaterland, gnädig auf und an. Amen.