von der Recke, Elisa – Gebet um Ausdauer im Guten.

Heiliger, unwandelbarer Gott, bei Dir ist kein Wechsel des Lichtes und der Finsternis, Deine Gesetze sind ewig und unveränderlich, wie Du selbst bist, und Deine Gebote können nicht überwältigt werden von den Mächten der Hölle. Die wundervollen Kräfte der Natur sind unabweichbar der Ordnung unterworfen, die auf ewige Zeiten Deine Weisheit ihnen anwies. Das unerschütterliche Gewölbe des Himmels, welches die Nacht durchfunkelt, ist die strahlende Veste, in der Deine Herrlichkeit thront. Keine jener Welten weicht je aus der Bahn, die Dein Gesetz ihr vorschrieb. So wandellos, wie Deine Macht und Weisheit, ist auch Deine Liebe! Deiner unendlichen Herrschaft Majestät gleicht auch Deine Vaterhuld, welche für alle Deine, mit Gefühl begabten, Geschöpfe ein großes Freudenmahl bereitet hat. Mit welchen Worten soll ich Dich anbeten, mit welcher Feier Dich preisen? Ein heiliges Erstaunen erfüllt meine Seele, dies o Herr! sei mein demutsvolles Gebet, dies sei die geweihte Feier, die aus meinem Herzen zu Dir emporsteigt; und das innigste Bestreben, unserm Heilande, diesem unsern göttlichen Vorbilde immer ähnlicher zu werden, sei das Opfer, welches ich vor Deinem Thron, o Du Heiligster, Dir darzubringen wage! Deine Hand, Allweiser, hat alle ihre Werke fest gegründet; nur der Mensch, den Du mit klarem Selbstbewusstsein, mit der Freiheit begabt hast, ist wandelbar und wankend in seinem Wollen und Tun: unentschlüssig in jenem, und leicht ermüdet in diesem. O wie demütigt dies mein zagendes Herz! Deine Gnade, erbarmender Vater der Liebe, lass mit mir sein! Der Geist Deiner Kraft stärke und beseele meinen Mut, dass ich unerschüttert im Guten beharren und nie ermüden möge, Gerechtigkeit, und anspruchsloses Wohlwollen zu üben, gegen Jedermann. So wie Deine Barmherzigkeit über alle Menschen, auch selbst über die Bösen sich erstreckt, so soll auch meine Menschenliebe allgemein und ohne Ausschließung sein. Ein von Dir erleuchteter Weiser spricht: „Der Gerechte erbarmet sich auch seines Tieres!“ Um wieviel näher stehen meinem Herzen meine Mitmenschen! Selbst in dem Übelwollenden, der mir wehe tat, darf ich das Wesen meines Geschlechts nicht verkennen.

Dein Wort, o Herr, sei meine Stütze, wenn meine heiligsten Vorsätze wanken, es stärke und kräftige meinen Mut, zu beharren in allem was recht ist; besonders wenn die Stunde der Anfechtung naht, stehe mir dann bei der Trost Deiner Verheißung, auf dass ich nie unfreundlich und ungeduldig verzage.

Ein Blick in die mich umgebende Natur, die oft scheinbar widerstrebende Mittel und Kräfte für ihre große Haushaltung anwendet, erwecke mein gläubiges Vertrauen zu Dir, Du ewige Weisheit, damit ich inne werden möge, dass alle Dinge, selbst feindliche Berührungen, denen die Gott lieben, zum Besten dienen müssen. In diesem Leben müssen dem beschränkten Blicke Verworrenheiten begegnen, damit das Herz ihre Ausgleichung jenseits erwarte. Nur Anfänge bieten sich hienieden dar, deren Entwickelung jenes Leben auf sich nimmt. Da wird dann mein Glaube zum Schauen; da werde ich die rauen Felsenwege segnen, die zu den Auen des Friedens mich führten. Nur möge meine Seele sich standhaft bewahren, keine Verschuldung auf sich zu laden; und wo meine Schwachheit fehlte, da sei mein Bestreben bereit, zu verbessern, zu vergüten, was von mir nicht recht getan war. Mit diesem Vorsatz trete ich nach dieser stillen Stunde der Andacht, in das handelnde Leben. Unterstütze Du, Gott der Barmherzigkeit, mit Deiner Kraft meinen Willen, festzuhalten an dem Gesetz, welches Du in das Gewissen mir schriebst. Mein ganzes Leben sei ein betendes Anschauen Deiner unendlichen Gnade und Güte, so wie Dein heiliges Walten eine fortgesetzte Wohltat ist, für alle Deine Geschöpfe.

O, Du Wesen aller Wesen! \\
Deine Güt‘ und Herrlichkeit \\
Füllt das weite Reich der Zeit; \\
Auch der Mensch ist auserlesen, \\
Von der niedern Erde schon \\
Aufzuschau’n zu Deinem Thron. \\

Johann Arnd – Danksagung für die heilige Taufe.

Ach Herr Jesu Christe, der du bist der Anfang, Mittel und Ende unserer Seligkeit, und das heilige Sakrament der heiligen Taufe gestiftet hast, und dasselbe bezeugt in dem Werk der Erlösung, da aus deiner eröffneten Seite Blut und Wasser geflossen, daher St. Johannes sagt: Drei sind auf Erden, die da zeugen, der Geist, das Wasser und das Blut, und die drei sind beisammen; hast auch dies Sakrament durch deine eigene Taufe im Jordan, als durch dein Exempel selbst, bestätigt und geheiligt. Ich danke dir herzlich, dass du mich durch dies Sakrament deiner heiligen christlichen Kirche einverleibt hast, und mich dadurch in die Gemeinschaft aller deiner himmlischen und ewigen Güter gesetzt, so du durch dein bitteres Leiden und Sterben erworben hast. Hast mich dadurch von dem gräulichen Gift und Aussatz der Erbsünde gereinigt und abgewaschen, alle meine Sünde, Schuld und Missetat aus Gnaden vergeben, und hast mich gereinigt durch das Wasserbad im Wort, und alle meine Übertretung getilgt, dass nicht Eine ist überblieben, die mich könnte verdammen, dass nun nichts mehr Verdammliches ist an denen, die in Christo Jesu sind. Hast mich auch, weil die Sünde vergeben, erlöset vom ewigen Tod, und von der Angst, Furcht und Schrecken des zeitlichen Todes, auch von der Gewalt des Teufels befreit, weil du mich dir einverleibt hast, zu einem Glied deines geistlichen Leibes gemacht, mich in dein Gnadenreich versetzt, mich mit dir vermählt, und in Ewigkeit mit dir verlobt. Und weil ich durch die Taufe dich angezogen, so bin ich mit deinem ganzen heiligen Gehorsam, Verdienst, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Unschuld, als mit dem Kleid des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet. Hast mich durchs Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist neu geboren, aus einem Sünder einen Gerechten gemacht, indem ich in deinen Tod getauft, und der Frucht deines Todes teilhaftig worden, und deinem Gehorsam und Verdienst einverleibt, und demnach aus einem Kind des Zorns ein Kind der Gnade worden. Hast mich aus einem armen, elenden, verlorenen Menschenkind zu Gottes Kind gemacht, mir den Heiligen Geist der Kindschaft gegeben, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Hast mich dadurch in deinen ewigen Gnadenbund aufgenommen, und dich mit mir verbunden durch deine Verheißung, mein Vater zu sein in Ewigkeit. Hast mir auch geschenkt das Kindesrecht, nämlich das ewige himmlische Erbe und Seligkeit. Summa, du hast mir in der heiligen Taufe das höchste Gut geschenkt, deinen lieben Sohn mit allen seinen Wohltaten. Christus ist mein, mit allem, was er ist und hat. Was kann mir tun die Sünde? Ist doch Christus meine Gerechtigkeit. Was kann mir tun der Tod? Ist doch Christus mein Leben. Was kann mir der Teufel tun? Christus ist meine Stärke und Sieg. Was kann mir die Welt tun? Christus hat sie überwunden. Ja mein Herr Christus hat mich schon selig gemacht, und mir alle Seligkeit geschenkt in der heiligen Taufe. Darum warte ich in Geduld der künftigen Herrlichkeit. Was kann mir Armut, Elend, Kreuz, Verfolgung und Verachtung schaden? Bin ich doch schon selig. Die Güter der Gnade habe ich alle in und mit Christo empfangen, und warte auf die Güter der Herrlichkeit. Weil ich aber, o mein Herr Jesu Christe, durch die Taufe mit dir gestorben und begraben bin, so hilf mir, weil ich noch im Fleisch lebe, dass ich nicht nach dem Fleisch lebe, sondern dass meine Taufe täglich in mir fruchtbar sei, und wirke die Tötung des Fleisches, dass ich täglich mit dir sterbe durch herzliche Reue und Leid. Denn wer täglich in ihm selbst stirbt, der hat allezeit einen neuen Anfang seines Lebens in dir. Und weil ich dir, mein Herr und Gott, einverleibt bin, als ein Pfropfreislein dem Baum des Lebens, so lass mich in dir, als ein Reben am lebendigen Weinstock, Frucht bringen, nicht Früchte des alten Menschen, sondern des neuen Menschen, der neuen Kreatur, Früchte des Geistes, und dass ich täglich bedenke, dass ich zu einem neuen Leben getauft bin, ja, dass ich dich habe angezogen, als ein Geschenk der ewigen Gerechtigkeit und Seligkeit, und als ein neues Leben, dadurch du in mir, und ich in dir leben und bleiben möge ewiglich; ja dass ich nimmermehr vergesse des Bundes, den du mit mir gemacht hast, denselben nicht breche, denselben nicht verleugne, weder im Herzen noch Mund, noch mit einem gottlosen Leben, sondern mich dessen jederzeit freue und tröste, und darauf wider alle Anfechtung mich sicherlich verlasse, und in diesem Bunde, welcher ewig fest und gewiss ist, auch ewig bleiben und selig werden möge. Amen.

Johannes Habermann – Danksagung für Christi Erkenntnis aus dem Wort.

Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, dass du dein heiliges Wort, das liebe Evangelium, in welchem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen liegen, uns Unmündigen und Verachteten geoffenbart hast, welches doch den Weisen und Klugen dieser Welt unbekannt ist, ja Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Um solche deine Wohltat will ich dich allezeit loben, der du mich von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, durch welche ich mit deiner Hilfe zum rechten Glauben gekommen bin, und dass du die Finsternis meines Herzens mit dem Glanz deines göttlichen Lichts erleuchtet, mich von aller falschen Lehre und Abgötterei errettet, auf dass ich sei ein Miterbe und Mitgenosse deiner Verheißung in Christo, durch das Evangelium, welches uns verkündigt den unausforschlichen Reichtum deiner Gnade, und erleuchtet jedermann, dass wir erkennen, welches da sei die Gemeinschaft des Geheimnisses, das von der Welt her verborgen gewesen ist. Du hast uns gesegnet mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, wie du uns denn erwählt hast durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, und hat uns wissen lassen das Geheimnis deines Willens, nach deinem Wohlgefallen, und dasselbe hervorgebracht durch ihn, dass es gepredigt würde jetzt, da die Zeit erfüllt ist, durch welchen wir hören das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium von unserer Seligkeit, durch welches wir auch haben Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an dich. Denn außer demselbigen ist sonst in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu, welcher ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, die Tür und Pforte zum Himmelreich, der mit dem vollkommenen Opfer seines unbefleckten Leibes uns eine ewige Erlösung, ohne alle unsere Werke und Verdienst, erworben hat, denselben hast du von den Toten auferweckt und gesetzt zu deiner Rechten im Himmel, über alle Fürstentum, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Ich bitte dich, du wollest uns bei solchem heilwärtigen Glauben und Erkenntnis fest erhalten, denn dich erkennen und deine Macht wissen ist eine Wurzel des Lebens. Amen.

Johann Arnd – Um die Liebe des göttlichen Worts.

O Herr Jesu Christe, du ewiges Wort des Vaters, der du uns dein heiliges Evangelium aus dem Schoß und Herzen deines himmlischen Vaters hervor gebracht und offenbart hast! ich klage und bekenne dir von Herzen, dass ich dein Wort oft gering geachtet, ungern gehört, unfleißig gelernt, nicht von Herzensgrund betrachtet, nicht rechtschaffen Lust und Liebe dazu gehabt, sondern vielmehr die weltliche Eitelkeit demselben vorgezogen; da doch dein Wort ein teures wertes Wort ist, der edelste Schatz, die höchste Weisheit, welche auch die Engel gelüstet einzuschauen. Ach vergib mir solche meine Unachtsamkeit und Verachtung deines seligmachenden Worts. Wende von mir ab die schwere Strafe, die du dräuest1androhst: Weil du mein Wort verworfen hast, will ich dich wieder verwerfen. Zünde aber in mir an ein heiliges Verlangen, einen hitzigen Hunger nach dem Brot des Lebens, als nach der edlen Seelenspeise, einen heiligen feurigen Durst nach dem Brunnen und Wasser des Lebens. Denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Lass diesen edlen himmlischen Samen auf dem guten Acker meines Herzens hundertfältige Früchte bringen, an Weisheit, an Erleuchtung, an Trost. Ach befeuchte das dürre Erdreich meines Herzens mit dem göttlichen Tau und Regen deines Heiligen Geistes, dass dein Wort in meinem Herzen verbleibe und nicht leer wieder zu dir komme; sondern mein Herz grünend und blühend mache in deiner Liebe, in deiner Furcht, in deinem Erkenntnis, in allen christlichen Tugenden, und alles ausrichte, dazu du es gesandt hast; dass es, als dein göttlicher unverweslicher Same, mich zum neugeborenen Kind Gottes mache; dass du, o Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, durch dein Wort zu mir kommst und Wohnung bei mir machst. Ach gib, dass ich aus deinem Wort dich und mich recht erkenne, mein Elend und deine Barmherzigkeit, meine Sünde und deine Gnade, meine Armut und deinen Reichtum, meine Schwachheit und deine Stärke, meine Torheit und deine Weisheit, meine Finsternis und dein Licht. Ach erleuchte die Finsternis meines Herzens mit dem Glanz deines göttlichen Lichts. Erleuchte du meine Leuchte, Herr, mein Gott, mache meine Finsternis Licht. Ach schreibe dein Wort durch den Finger deines Heiligen Geistes in die Tafel meines Herzens, auch dein Erkenntnis, deine Liebe, deine Furcht, dass ichs nimmermehr vergesse, noch aus meinem Herzen verliere. Ach Herr Jesu, mein Präzeptor2Präzeptor bezeichnete im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit einen Lehrer, insbesondere einen Hauslehrer. Auch Klostervorsteher bestimmter Ordensgemeinschaften wurden als Präzeptoren bezeichnet., mein Doktor, mein Prophet, lass mich das beste Teil erwählen und mit Maria zu deinen Füßen sitzen, dein Wort lernen, den höchsten Schatz in den Schrein meines Herzens fassen, sammeln und einschließen, dass ichs ewiglich bewahre, und Frucht bringe in Geduld. Ach wohl den Menschen, die in deinem Haus wohnen, die loben dich immerdar: Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Höfen, der hat reichen Trost von deinem heiligen Tempel. Gib, dass ich deine teure Verheißung möge bedenken: Wer mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Meine Schafe hören meine Stimme. Forscht in der Schrift: denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin, und diese ists, die von mir zeugt. Wir haben ein festes prophetisches Wort, das da scheint als ein Licht in Finsternis. Mein Wort soll nicht leer wieder zu mir kommen. Es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen, die daran glauben. Wohl dem, der Lust hat am Gesetz des Herrn, und davon redet Tag und Nacht! Gib mir, Herr, dass ich mich deines Worts freue als über allerlei Reichtum. Eröffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. Gib mir Lust zu deinen Zeugnissen, und lass sie meine Ratsleute sein. Zeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, dass ich sie bewahre bis ans Ende. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz. Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, sondern erquicke mich auf deinen Wegen, und nimm ja nicht von mir das Wort der Wahrheit. Das ist mein Trost in meinem Elend, denn dein Wort erquicket mich. Lass das meinen Schatz sein, dass ich deinen Befehl halte. Lass das mein Erbe sein, dass ich deinen Weg halte. Lehre mich heilsame Sitten und Erkenntnis. Lass das Gesetz deines Mundes mir lieber sein, denn viel tausend Stück Goldes und Silbers. Wenn dein Gesetz nicht wäre mein Trost gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Ich habe alles Dinges ein Ende gesehen, aber dein Gebot währt ewiglich. Lass dein Wort meinem Mund süßer sein denn Honig und Honigseim. Lass deine Zeugnisse mein einiges Erbe sein, denn sie sind meines Herzens Trost. Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zu Schanden werden über meiner Hoffnung. Lass sich meine Augen sehnen nach deinem Heil und nach dem Wort deiner Gerechtigkeit. Handle mit deinem Knechte nach deiner Gnade und lehre mich deine Rechte. Ich bin dein Knecht, unterweise mich, dass ich erkenne deine Zeugnis. Lass mir dein Wort offenbar werden, dass es mich erfreue und klug mache. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie du pflegst zu tun denen, die deinen Namen lieben. Die Gerechtigkeit deiner Zeugnis ist ewig; unterweise mich, so lebe ich. Dein Heil ist ferne von den Gottlosen, denn sie achten deiner Rechte nicht. Großen Frieden haben die, so dein Gesetz lieben, und werden nicht straucheln. Herr, dein Gesetz ist ohne Wandel, und erquickt die Seele. O Herr, dein Zeugnis ist gewiss, und macht die Albernen weise. Herr, deine Befehle sind richtig, und erfreuen das Herz. Herr, deine Gebote sind lauter, und erleuchten die Augen. Herr, deine Furcht ist rein, und bleibt ewiglich. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht; sie sind köstlicher denn Gold und viel feines Goldes; sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wird dein Knecht durch sie erfreuet, und wer sie hält, der hat großen Lohn.

Johannes Embden – Allgemeines Morgengebet

Das walt Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Mein Herr und mein Gott, ich danke dir inniglich und von Herzen, dass du diese abgewichene 1 vergangene Nacht so gnädiglich und väterlich mich und alle die Meinigen vor Schaden und Gefahr behütet und bewahrt hast, und hast uns mit einander wiederum frisch und gesund diese Morgenstunde erleben lassen, und bitte dich nun demütig, du wollest aus lauter Gnaden uns unsere Sünde, die wir wachend oder schlafend begangen haben, väterlich verzeihen und vergeben, du wollest heute diesen Tag in deinen göttlichen Schutz dir lassen befohlen sein meinen Leib und meine Seele, mein liebes Weib und liebe Kinder, ihrer aller Leib und Seele, und alle das Unsrige. Ach erhebe heute diesen Tag dein göttlich Antlitz über uns, und segne uns. Breite du deine Hände über uns aus, und bedecke uns unter dem Schatten deiner Flügel, umgib uns mit deinen heiligen Engelein, wehre und steure dem Teufel und bösen Leuten, dass sie keine Macht noch Gewalt an uns finden. Und weil du bist das ewige selbstständige Licht, so bitte ich dich, du wollest in meinem Herzen wohnen, meinen Verstand und Gemüt erleuchten, dass ich in dem Erkenntnis deines göttlichen Willens und deiner Geheimnisse von Tag zu Tag möge wachsen und zunehmen, und immer völliger und williger werden; wollest auch Gnade verleihen, dass ich möge ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern dass ich möge anziehen Jesum Christum im rechten Glauben, und durch gottseliges Leben auch mein Licht lasse leuchten vor den Leuten, dass sie meine guten Werke sehen, und meinen Vater im Himmel preisen. Und wenn ich hier satt gelebt habe, so wollst du mich bringen an das Licht der ewigen Seligkeit, und solches alles um des teuren Verdienstes Jesu Christi meines Heilandes willen. Amen.

Wenn du nun in Gottes Namen aus dem Bett geschritten, so kannst du unter dem Anziehen und Gehen aus deiner Schlafkammer also seufzen:

Das walt Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Mein Herr und mein Gott, in deinem Namen gehe ich nun hin, heute diesen Tag die Werke meines Berufs zu verrichten, und befehle dir hiermit meinen Leib und meine Seele, mein Weib (Mann) und Kind, mein Haus und Hof, mein Gut und Ehre, und alles, was ich habe, nimm uns in deinen göttlichen Schutz, breite deine Gnaden-Flügel über uns aus, wehre und steure unsern sichtbaren und unsichtbaren Feinden, erfülle uns mit deinem göttlichen Segen und führe uns durch dieses Zeitliche ins Ewige durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Wenn du dich nun ganz angelegt und gewaschen, so gehe in dein Kämmerlein, schließ die Türe nach dir zu, und bete den Morgensegen, Vaterunser und Glauben, wie im Katechismo steht. Willst du nun, so magst du ferner hierauf deine und der ganzen Christenheit Not dem lieben Gott also vortragen:

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, du einiger, wahrer, lebendiger, herrschender und allenthalben gegenwärtiger Gott, ich elender armer Sünder erkenne und bekenne mit reuigem und bußfertigem Herzen, dass ich wider dich, meinen Gott, vielfältig, innerlich und äußerlich, gehandelt und gesündigt habe, und bitte dich demütig, du wollest aus lauter Gnaden nach deiner getanen Zusage mir meine Sünde, Missetat und Übertretung, wie sie mögen Namen haben, väterlich verzeihen und vergeben, um des teuren Verdienstes Jesu Christi meines Heilandes willen. Amen.

Im Namen desselben danke ich dir inniglich und von Herzen, für alle Wohltaten, die du mir, deinem unwürdigen Knecht und Diener, (Magd und Dienerin) an Leib und Seel, an Gut und Ehre, so reichlich und überflüssig erzeigt und bewiesen hast, und bitte ferner, erhöre in Gnaden mein Gebet. So befehle ich nun, Herr Gott Vater, Herr Gott Sohn, Herr Gott Heiliger Geist, mein Herr und Gott, heute diesen Tag in deine Hände und väterliche Fürsorge abermal mein Leib und Seele, mein Weib, (Mann) und Kind, ihren Leib und Seele, und alle das Unsrige. Ach erhebe heute diesen Tag dein göttlich Antlitz über uns, und segne uns, breite du deine Hände über uns aus, und bedecke uns unter dem Schatten deiner Flügel, umgib uns mit deinen heiligen Engeln, wehre und steure dem Teufel und bösen Leuten, dass sie keine Macht noch Gewalt an uns finden.

Ferner bitte ich auch, du wollest deine Gnade zu meiner Kinderzucht verleihen, dass meine liebe Kinder, die du mir gegeben hast, mögen wachsen und zunehmen an Alter, Gnade, Weisheit und Verstand, bei dir, o Gott, im Himmel, und bei den Menschen auf Erden. Gib meinen Kindern ein gehorsames und gottesfürchtiges Herz, dass sie dich, meinen und ihren Gott, stets vor Augen haben, und nach deinem Willen leben. Wohne du selber in ihren kindlichen Herzen, und regiere sie von Jugend auf im Heiligen Geist zum Guten.

Darauf bitte ich dich ferner, du wollest deine Gnade bei mir, deinem unwürdigen Knecht, (Magd) lassen reichlich wohnen, dass durch derselben Beistand ich möge denken und tun, was recht ist. Sei du bei mir in dem (Amt) Beruf, den du mir befohlen hast, und hilf, dass ich solchen durch deiner Gnade Beistand nützlich und wohl verrichte, deinem Namen zu Ehren, deiner Kirchen zum Wohlstand, und mir und den Meinigen zur Wohlfahrt. Ich bitte auch, du wollest nach deiner großen Barmherzigkeit mir mitteilen ein kleines Fünklein deiner himmlischen Weisheit, dass ich hierdurch erleuchtet von allen Sachen, die mir in meinem Amt und Beruf zustehen,` weislich und verständig möge reden und handeln können; wollest auch mit deiner Gnaden-Hand mich leiten und führen auf dem Weg deiner Gebote, dass ich dieselben möge halten aus willigem Herzen, bis an mein Ende, denn ich habe Lust dazu; wollest auch deine Gnadenhand nimmermehr von mir abziehen, sondern mich erhalten in deiner ewigen Barmherzigkeit. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn, lehre du mich tun nach deinem Wohlgefallen. Schaffe in mir ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist, verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, mein Herr und mein Gott, komm du allergnädigst, und mache Wohnung in meinem Herzen, gieß dich in meine Seele, senke dich tief in dieselbige, verbinde dich mit ihr in Gnade und Barmherzigkeit im Glauben und in Ewigkeit, entzeuch mich von der Welt dir, meinem Gott, alleine nach, und entzünde in meinem Herzen die Flamme deiner Liebe, brünstige Andacht zum Guten, sonderlich aber zum Gebet, und wende von mir alles, was mich kehrt von dir, hingegen aber gib mir alles, was mich bringt zu dir, und bereite du mich selber hier in dieser Zeit, wie du mich haben willst dort in der ewigen Seligkeit.

Weiter befehle ich dir meine gnädige Herren und Landes-Obrigkeit, samt allen ihren Verwandten und Angehörigen, nimm sie in deinen göttlichen Schutz, erfülle ihre Herzen mit deinem Erkenntnis, mit wahrer Gottesfurcht, mit väterlicher Liebe gegen ihre Untertanen, mit Weisheit und Verstand, dass ihre Regierung dir zur Ehre, und dem ganzen Lande zum Frommen gereiche, erfülle alle ihre Anschläge, und gib ihnen zeitliche und ewige Wohlfahrt.

(Ich befehle dir einen ehrenvesten2 Ehrenvêst, adj. et adv. ein veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Gegenden in den Titeln angesehener weltlicher Personen üblich ist, das Lat. Amplissimus auszudrucken. Zu Anfange des sechzehenten Jahrhunderts ward dieses Wort ein Titel des niedern Adels. In verschiedenen Kanzelleyen gibt man noch Doctoren diesen Titel. Der alte Name Areovistus soll so viel als ehrenvest bedeuten. Rat dieser Stadt, und bitte dich demütig, leite sie auf deinen Wegen, gib ihnen weise und nützliche Ratschläge, schütze sie wider allen Unfall, erhalte sie bei guter Gesundheit, gib ihnen in ihr Herz, dass sie dich fürchten, die Gerechtigkeit treulich handhaben, der Stadt Bestes mit Ernst suchen, das Gute schützen und das Böse strafen.) Ich befehle dir meine Beförderer und guten Freunde, namentlich N. N. N. und alle, die mir Gutes gönnen und wollen, und bitte: Ach Herr, du getreuer Gott, vergilt ihnen allen tausendfältig an Leib und Seele, au Gut und Ehre, hier zeitlich und dort ewiglich, was sie mir Gutes erzeigt haben, und behalte sie, nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen, beständig in der Gunst, damit sie mir bisher zugetan gewesen sind.

Ich befehle dir die ganze (Stadt und) Gemeinde, und bitte demütig, ach Herr, sei uns doch an diesem Ort sonderlich gnädig, vergib uns unsere Sünde, erhalte uns dein heiliges Wort, weil wirs empfangen haben; hilf, dass wir demselben gehorsam sein, auch dadurch selig werden. Gib auch dein Gedeihen zu eines jeglichen seiner Hantierung3Kaufhandel, Gewerbe, Handwerk und Nahrung, die er in deinem Namen anfähet4anfängt.

Ich befehle dir die ganze bedrängte Christenheit, insonderheit was jetzt unter großem Druck steckt, und bitte, steure allen denen, welche selbe öffentlich und heimlich verstören, schütze und bewahre deine Auserwählten, und gedenke ihrer heut und allezeit im besten.

Ich befehle, dir alle diejenigen, so noch im Irrtum verfinstert stecken; sind sie zu bekehren, so erleuchte ihren Verstand, dass sie das helle Licht deines göttlichen Worts nebst uns erkennen, und ewig gerecht und selig hierdurch werden; sind sie aber nicht zu bekehren, so wehre ihren blutdürftigen Anschlägen, mache allen ihren Rat, der wider deine Verborgenen geht, zur Torheit und Narrheit. O großer Fürst Michael, (Dan. 12,1.) Jesu Christi, mache du dich doch selber auf in dieser wahrhaftig letzten, so sehr argen und betrübten Zeit, und errette uns, dein Volk, aus der Tyrannei unserer Feinde, so wollen wir errettet dich loben und preisen, hier zeitlich und dort ewiglich.

Ich befehle dir alle annoch jetzo verstockte und unbußfertige Sünder, und bitte dich, ach Herr, du getreuer Gott, rühre doch ihrer aller Herzen und Gewissen, nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen, mit deinem Finger, dergestalt, dass sie vor deinem Zorn erschrecken, ihre Sünde bereuen, deine Barmherzigkeit ersuchen, Gnade begehren, und durch Besserung des Lebens sich zu dir, unserm Gott, bekehren und wenden.

Ich befehle dir auch alle getreue Lehrer und Prediger in Kirchen und Schulen, die du hin und wieder gegeben hast, und bitte dich demütig, du wollest sie alle in deinen göttlichen Schutz dir lassen befohlen sein, den heiligen Geist in ihre Herzen geben, die Gaben, so du ihnen mitgeteilt hast, in ihnen gnädiglich erhalten, auch ferner Arbeiter in deine Ernte aussenden, und solche Leute unter uns lassen erzogen werden, die durch deiner göttlichen Gnaden Beistand im Lehr-Amt sich nützlich befinden können, auf dass dein heiliger Name in der Welt geehrt, deine christliche Kirche erbaut, die göttliche Wahrheit in deinem heiligen Wort geoffenbart, ausgebreitet, geschützt und gehandhabt, alle Falschheit, Ketzerei und irrige Lehre aber kräftig hintertrieben und widerlegt werde.

Ich befehle dir alle um Unschuld willen Gefangene, und bitte dich demütig: Ach Herr, du getreuer Gott, nimm dich ihrer aller herzlich an, und lass sie doch Gnade finden vor den Augen aller derer, für die sie gestellt werden, und die über sie gesetzt sind. Verleihe ihnen Geduld in ihrem Elend, Beständigkeit bei rechtem Glauben, Großmütigkeit, die Wahrheit dennoch zu reden, und zu verteidigen bis in den Tod. Gib ihnen Geist, Mund und Weisheit, zu begegnen allen denjenigen, die wider sie aufgestellt werden, und mache es mit ihrem Elende also, dass es gereiche deinem heiligen Namen, in aller Welt, zu Lob, Ehr und Preis, den Notleidenden aber zu zeitlicher Leibes- und ewiger Seelen-Wohlfahrt.

Ich befehle dir auch alle kranke, angefochtene, betrübte, schwermütige, arme und notleidende Herzen, und bitte dich demütig, gib ihnen allen den freudigen Geist, dass derselbe in ihren Herzen kräftigen Trost wirke, auf dass sie alles, was ihnen begegnet und zu handen stößt, mögen erkennen und halten für deinen göttlichen Willen und väterliche Regierung, und deswegen mit kindlichem Gehorsam und christlicher Geduld sich gegen dich erfinden lassen.

Ich befehle dir auch alle gläubigen Christen, die heute diesen Tag werden in den letzten Zügen liegen, und bitte demütig, stehe ihnen bei, und hilf ihnen selbst ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Vergib ihnen allen ihre Sünde, erhalte sie bei rechtem Glauben, bei beständiger Hoffnung und christlicher Geduld, verkürze ihnen ihre Qual, nimm ihre Seele in die ewige Freude und Seligkeit.

Endlich befehle ich auch in deine Hände die Stunde meines Todes, und bitte: O Herr, gib mir in Todespein ein säuberlich Gebärde, und hilf, dass mir das Herz mein, fein sanft gebrochen werde, und wenn ich nicht mehr reden kann, so nimm mein letztes Seufzen an, und meine Seele in deine Hände. Amen.

Du lieber himmlischer Vater, erhöre in allen Gnaden dieses mein Gebet, und gewähre mich meiner Bitte, nach deiner väterlichen Barmherzigkeit, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, meines Heilandes und Erlösers willen. Amen.

Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, du einiger Erlöser des menschlichen Geschlechts, verbitte mich5bitte für mich. insonderheit bei deinem himmlischen Vater, erhöre in allen Gnaden dieses mein Gebet, und gewähre mich meiner Bitte um deiner heiligen fünf Wunden willen. Amen.

Du werter Heiliger Geist, komme und wohne in meinem Herzen, regiere die ganze Christenheit auf Erden, in einem rechten Glauben, verbinde alle Gliedmaßen der heiligen christlichen Kirche durch das Band des Friedens und der Einigkeit, erhöre mein Gebet und gewähre mich meiner Bitte um deiner göttlichen Allmacht und wesentlichen Güte willen. Amen.

Rigaisches Gebetsbuch – Alltäglicher Abendsegen.

Der Segen des Vaters überschatte mich,
Das Licht des Sohnes scheine mir,
Der Trost des Heiligen Geistes umgebe mich.

Der dreieinige Schöpfer der Welt schaffe in mir einen gläubigen Geist, eine gesunde Seele, ein befriedigtes Gewissen zu meiner Seligkeit. Amen.

Herr Zebaoth, du Gott der Heerscharen, du hast heut abermal das Heer deiner himmlischen Frohngeisterlein und die heilige Schar der guten Engel, deine liebe Christenheit, so hin und her in dieser kümmerlichen Welt zerstreut ist, beschirmen und auch mich elenden Sünder behüten lassen, da ich doch gewiss zum öfteren werde geirrt und gesündigt haben,

Ach Gott, was kann ich mehr sagen, denn dass du ein überaus gütiger Gott seiest, der viel mehr Lust habe, mich mit unverdienten Wohltaten zu erfreuen, als mit verdienten Strafen zu betrüben.

Dir, o Gott, sei Dank; dir, o Gott, sei Ehr; dir, o Gott, sei Lob; dir, o Gott, sei Preis jetzt und allezeit.

Mein Gott, sei doch ferner mein Gott, und wie ich heute durch deine Gnad und Hilfe von dem Schlaf bin aufgestanden und diesen Tag durch deine Gnade vollbracht habe: also wollest du mich auch heunt1heute nacht durch deine Gnade ruhen, schlafen und nach deinem väterlichen Wohlgefallen morgen wieder gesund und gesegnet erwachen und aufstehen lassen.

Dein heiliger Geist erleuchte mich, dass ich deiner Wohltaten nimmermehr vergesse. Deine allmächtige Hand erhalte mich, deine väterliche Güte erquicke mich, damit ich dir allezeit freudig dienen möge. Wann ich auch in dem zeitlichen Tod einmal werde entschlafen sein, so verleihe durch die Auferstehung Jesu Christi, dass ich an jenem Tage getrost aus dem Tode hervorgehen und zu der ewigen Herrlichkeit gelangen möge. Amen. O mein Gott und Herr. Amen. Amen.

Beecher, Henry Ward – Gebete nach der Predigt (2)

Himmlischer Vater, wir bitten Dich, dass Du uns wollest schenken die Erkenntnis, die da kommt aus der wahrhaftigen Liebe. Du bist die Weisheit, weil Du die Liebe bist. Sende uns einen Strahl der göttlichen Liebe, auf dass wir empfangen die irrtumslose Weisheit, die uns erkennen lässt, was zum Frieden dient, was unsern Brudersinn, unsere Geduld, unsere Nachsicht und unsere Versöhnlichkeit gegen die, welche sich an uns versündigt haben, stärken kann. Gib, dass das Wissen von den Außendingen uns nicht aufblähe. Mehre in uns die Erkenntnis Deiner Gnadengaben, dass unsere Freude vollkommen werde, und die Frucht des Geistes in uns reife.

Segne uns, wenn wir nun noch einmal unsere Stimme erheben, um Dein Lob zu singen; begleite uns heim; segne uns zu jeder Tagesstunde in unsern Familien, mit unseren Kindern und Freunden; lass uns von Sabbat zu Sabbat, von Sonntag zu Sonntag, von einer Höhe zur anderen auf unserm Pilgerweg fortschreiten, bis wir endlich nach Zion gelangen und vor Deinem Angesicht stehen. So wollen wir Deinen Namen preisen, den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen!

Beecher, Henry Ward – Gebete nach der Predigt (3)

Himmlischer Vater, wir bitten Dich, gib, dass Dein heiliges Evangelium eine Botschaft der Freude und des Glückes ist für Alle, immer weiter und weiter sich verbreite. Führe zu Dir zurück die Ausgestoßenen, die Elenden und Bedürftigen! Mache uns mehr und mehr zu Verbreitern Deiner Lehre und zu Verkündigern Deines Wortes. Und gib, dass in allen Landen und in aller Welt die Wahrheit durch unsern Herrn Jesum Christ, Frieden und Reinheit, Freude und Hoffnung, und endlich die Erlösung bringen möge! Gelobt seist Du, o Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen!

Beecher, Henry Ward – Gebete nach der Predigt (1)

Himmlischer Vater, wir bitten Dich, dass Du Deinen Segen wollest ruhen lassen auf den Wahrheiten, von denen wir gezeugt haben. Lass sie uns nicht allein trösten und stärken, sondern schaffe, dass durch sie unser Glaube neu werde. Gib, dass sie uns treiben zu neuer Arbeit, neuer Ausdauer, neuem Trachten nach einem höheren Leben in Jesu Christo. Segne die, die Trostes bedürftig sind. Stärke, was schwach ist und umkommen will. Rufe zurück die Irrenden, welche vom rechten Glauben abgewichen sind. Verkläre Deinen Namen unter Deinem Volk und streue aus den Samen der Wahrheit Deines Evangeliums, bis der Name Jesu Christi allmächtig sei über der ganzen Erde, bis er der Name sei, der über alle Namen ist. Dir aber, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist sei Lob und Preis in Ewigkeit! Amen!

François de Salignac de La Mothe-Fénelon – Allgemeines Gebet: Für unser Seelenheil.

Mein Gott, ich glaube an Dich, aber gib mir einen starken Glauben; ich hoffe auf Dich. aber gib mir eine sichere Hoffnung; ich liebe Dich, aber gib mir verdoppelte Liebe; meine Sünden sind mir leid, aber gib mir noch gründlichere Buße. — Dir, der Du mein A und mein O, mein Anfang und mein Ende bist, nahe ich in Anbetung und mit Sehnsucht; dir danke ich, dass Du ohne Unterlass mir wohltust, Dich rufe ich an als meinen höchsten Fürsprecher.

Mein Gott, lenke und richte mich nach Deiner Weisheit, erfülle mich mit (mache mich zum Gefäß) Deiner Gerechtigkeit, tröste mich nach Deiner Barmherzigkeit und beschütze mich mit Deiner gewaltigen Hand.

Dir, mein Gott, weihe ich meine Gedanken, meine Worte, meine Werke, meine Leiden, damit ich von nun an nur an Dich denke, nur von dir rede, nur nach Deinem Willen handle und nur für Dich leide.

Herr, ich will Deinen Willen, weil Du ihn willst, ich will ihn so wie Du ihn willst, und so viel Du ihn willst.

Ich bitte Dich, erleuchte meinen Verstand, entzünde meinen Willen, reinige meinen Leib und heilige meine Seele.

Mein Gott, hilf mir, dass ich meine vergangenen Sünden büße (bereue), dass ich die Anfechtungen der Zukunft siegreich überwinde, die mich beherrschenden Leidenschaften in Zucht halte, und die Tugenden übe, die mir ziemen.

Erfülle mein Herz mit inniger Liebe zu Deiner Güte, mit Abscheu vor meinen Fehlern, mit Eifer für meinen Nächsten und mit Verachtung für die Welt. O Herr, präge mir tief ein, dass ich meinen Vorgesetzten untertan, liebreich gegen meine Untergebenen, treu gegen meine Freunde und nachsichtig gegen meine Feinde sei.

Hilf mir, dass ich die Wollust in mir ertöte, den Geiz durch Almosengeben überwinde, den Zorn durch Sanftmut, die Lauheit durch innige Frömmigkeit.

Mein Gott, gib mir Klugheit (Weisheit) in meinen Unternehmungen, Mut in Gefahren, Geduld in Trübsal und Demut im Glück.

Lass mich niemals vergessen, bei meinen Gebeten auch innerlich gefasst zu sein, für meines Leibes Nahrung Maß zu halten, in meinem Berufe gewissenhaft und in meinen Entschlüssen ausdauernd zu sein.

Herr lass mich eifrig darauf bedacht sein, immer ein gutes Gewissen zu haben, ein bescheidenes Äußeres, eine erbauliche Unterhaltung und ein maßvolles Betragen.

Lass mich ohne Unterlass bemüht sein, meine Natur zu zähmen, die Wirkung der Gnade zu fördern, das Gesetz zu halten und die Seligkeit zu erlangen.

Herr, decke mir auf, wie klein diese Welt und wie groß der Himmel, wie kurz die Zeit und wie lang die Ewigkeit ist. Gib, dass ich mich auf meinen Tod vorbereite, dass ich dein Gericht fürchte, der Hölle entgehe und endlich das Paradies erlange durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen!