Altväterbuch – Abendmahl

Dein heiliger Leib, o Herr Jesu Christe, mein Herr und Gott, gedeihe mir zum ewigen Leben, und dein theures Blut zur Vergebung aller meiner Sünden. Laß mir dein heiliges Sacrament nicht zum Gerichte, sondern zur Seligkeit und wahren Freude gereichen, und mache mich armen Sünder würdig, daß ich in deiner letzten Zukunft, am Tage des letzten Gerichts, zur Rechten der ewigen Herrlichkeit fröhlich stehen möge. Amen.

Augustinus – Vor dem Abendmahl

Ich danke dir, lieber Herr Jesu Christe, für deine unaussprechliche Liebe, daß du das menschliche Geschlecht durch deinen heiligen Tod erlöset hast, und bitte dich demüthig, du wollest dein Blut nicht vergebens für mich armen Sünder lassen vergossen sein, sondern wollest meine Seele immer mit deinem Leibe speisen und meinen Geist mit deinem Blute erquicken, auf daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Furcht, auch in einem christlichem Wandel zunehmen und ein reiches Lied deines Leibes und deiner heiligen Kirche sein und bleiben möge. Amen.

Böhme – Abendmahl

O du große Gnade Gottes! ich unwürdiger, sündiger Mensch komme zu dir auf deinen Ruf und Befehl, da du uns Sündern verheißest, du wollest uns erquicken. Mir geschehe nach deiner Zusage, wie du willst; dir ergebe ich mich hiemit ganz und gar. Thue mit mir Armen, Unwürdigen nach deiner Gnade; ich will ewig dein sein. Brich nur meinen Willen und regiere ihn mit dem deinigen; ich kann und vermag nichts, sondern versinke nur ganz und gar in deine Gnade.

Luther – Abendmahl

O Herr Jesu Christe, ob es wohl wahr ist, daß ich nicht würdig bin, daß du unter mein Dach gehest; so bin ich doch bedürftig deiner Hülfe und begierig deiner Gnaden, daß ich möchte selig und fromm werden. Nun komme ich in keiner andern Zuversicht, denn daß ich deine süßen Worte gehöret habe, damit du mich zu deinem Tische ladest, und sagest mir Unwürdigen zu, ich soll Vergebung der Sünden haben durch deinen Leib und Blut, so ich esse und trinke in diesem Sacrament. O lieber Herr, ich weiß, daß deine göttliche Zusage und Wort wahrhaftig sind, daran zweifle ich nicht, und darauf esse und trinke ich mit dir. Mir geschehe nach deinen Worten. Amen

Augustinus – Abendmahl

Du Sohn des lebendigen Gottes, der du, als das wahre Brod des Lebens, alle betrübte Seelen, geängstete Gewissen, hungrige und durstige Herzen mit deinem Leib und Blut sättigest, speisest und tränkst, auch zu dieser himmlischen Mahlzeit jedermann aufforderst und ladest: nimm mich auch in Gnaden an, erquicke und speise mit deinem wahren Leib und Blut meine arme Seele zum ewigen Leben. Amen.

Martin Luther – Abendmahlsgebet

O Herr Jesu Christe, ob es wohl wahr ist, daß ich nicht würdig bin, daß du unter mein Dach gehest; so bin ich doch bedürftig deiner Hülfe und begierig deiner Gnaden, daß ich möge selig und fromm werden. Nun komme ich in keiner anderen Zuversicht, denn daß ich diene süßen Worte gehöret habe, damit du mich zu deinem Tische ladest, und sagest mir Unwürdigen zu, ich soll Vergebung der Sünden haben durch deinen Leib und Blut, so ich esse und trinke in diesem Sacrament. O lieber Herr, ich weiß, daß deine göttliche Zusage und Wort wahrhaftig sind, daran zweifle ich nicht, und darauf esse und trinke ich mit dir. Mir geschehe nach deinen Worten. Amen.

Matthias Zell – Abendmahlsgebet

HErr JEsu Christe, du Sohn des lebendigen GOttes, der du aus väterlichem Willen, und Mitwürkung des heiligen Geists, durch deinen Tod die Welt zum Leben gebracht hast, darzu dein Leib und Blut, zu einer wahrlichen Speiß und Trank der Seelen gegen hast. Verleihe gnädiglich uns allen, so durch einen wahren Glauben, dein Leib und Blut, es sey ja geistlich allein, oder auch Sacramentlich, in aufgesetztem deinem Brod und Trank genossen haben, hinfürter auch in solchem Glauben zu verharren.

Magnus Friedrich Roos – Nach dem Genuß des heiligen Abendmahls.

HErr Jesu, Du hast gesagt: wer Mein Fleisch isset und trinket Mein Blut, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag; und wiederum: wer Mein Fleisch isset und trinket Mein Blut, der bleibet in Mir, und Ich in ihm. Lasse diese Worte auch an mir erfüllt werden, der ich nun im heiligen Abendmahl Deinen Leib gegessen und Dein Blut getrunken habe. Weil ich aber täglich durch die vielen Versuchungen, die mi begegnen, von Dir abgezogen werden könnte, so halte mich fest mit Deiner starken Hand, treibe mich selber an zum Wachen und Beten, gib mir Kraft nach dem Reichthum Deiner Herrlichkeit, stark zu werden durch Deinen Geist am inwendigen Menschen, und verhilf mir nach Deiner Treue dazu, daß die Versuchungen mich noch tiefer in die Gemeinschaft mit Dir hineintreiben. Zerstöre in mir den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet, immer völliger, damit Du in mir wohnen und bleiben könnest, und ich sagen könne: ich lebe nun, doch nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Du hast mir und Allen, die Du berufen hast, die Auferweckung am jüngsten Tag als das Ziel unserer Hoffnung vorgestellt, willst aber noch vorher unsere Seelen zu Dir nehmen, damit sie bei Dir in einer sichern Verwahrung seien, und auf diese Auferweckung mit einer fröhlichen Gewißheit und bei dem Genuß himmlischer Erquickungen warten können. Hilf mir nun dazu, daß ich dieses Ziel mit allen Auserwählten erreiche, und des ganzen Segens Deiner vollbrachten Erlösung theilhaftig werde. Du hast selber einen Lauf durch die Welt gemacht, Du bist allenthalben wie wir versucht worden, doch ohne Sünde. Habe also Mitleiden mit meiner Schwachheit, laß mich nie über Vermögen versucht werden, halte mich in einer genauen Zucht, und stärke mich zum Sieg über die Welt, die im Argen liegt, und über den Fürsten de Welt, der noch immer Anfälle auf diejenigen macht, die selig werden wollen. Weil auch Dein Wort das Mittel ist, durch welches Du aufmerksame und folgsame Seelen täglich unterweisen, züchtigen und trösten willst, so thue diese Barmherzigkeit auch an mir, und laß Dein Wort auch mir ein solches kräftiges und heilsames Gnadenmittel sein. Bewahre mich vor Eigendünkel und falschen Lehren, und lehre mich Wahrheit und Irrthum immer unterscheiden. Dein guter Geist bewahre mich, daß ich im Glück nie trotzig und im Unglück nie verzagt werde, und verhelfe mir dazu, daß ich auch im Tode getrost sein, und mit guter Hoffnung der Seligkeit aus dieser Welt scheiden könne. Verlaß mich nicht, HErr mein Gott, ziehe Deine Hand nicht von mir ab, und wirf mich nicht als ein verderbtes Geschöpf weg, sondern mache etwas aus mir zum Lob Deiner Herrlichkeit. Hast Du, o himmlischer Vater, ein gutes werk in mir angefangen, so vollführe es auch bis an den Tag Deines Sohnes Jesu Christi. Dir, o Dreieiniger Gott, sei alle Ehre gegeben. Alles, was Athem hat, lobe Deinen herrlichen Namen ewiglich. Amen.

Magnus Friedrich Roos – Selbstprüfung vor dem Genuß des heiligen Abendmahls.

Heiliger und barmherziger Gott, der Du in Deinem Wort befohlen hast, daß ich vor dem Genuß des heiligen Abendmahls mich selber prüfen soll, und weißest, daß ich selber dazu nicht tüchtig bin: laß Dein Licht in meiner Seele aufgehen und leuchten, damit ich in demselben mich selber recht erkennen möge. Du hast in Deinem Worte gesagt, die Hoffnung der Gottlosen werde verloren sein. Bewahre mich vor diesem schrecklichen Unglück, und zeige mir in der Gnadenzeit, wo es mir fehle, damit ich durch Deine Gnade noch werden könne, was ich nicht bin, und erlangen könne, was ich noch nicht habe. Du hast gesagt, HErr Jesu: welche Ich lieb habe, die strafe und züchtige Ich. Diese Barmherzigkeit und Liebe erweise auch an mir, und verhilf mir durch Deine Bestrafung und Züchtigung, welche immer gerecht und mit Tröstungen gemildert ist, zur heilsamen Erkenntniß meiner Sünden, zur Reue über dieselben, und zur göttlichen Traurigkeit, wodurch ich zu einem wahren Gnadenstand und ewigen Heil zubereitet werde. Ich weiß, daß ich in meiner Lebenszeit oft und gröblich gesündiget habe, und daß noch viele böse Lüste und sündliche Neigungen in mir sind: stelle mir aber alles dieses sündliche Wesen als abscheulich, schädlich und verdammlich vor die Augen, damit ich mich tief vor Dir demüthigen, und das Böse, das ich geliebt habe, hinfort hassen könne. Du bist, HErr Jesu, ein Fluch geworden, um mich von dem Fluch des Gesetzes zu erlösen, und mir zu einem ewigen Segen zu verhelfen. Lehre mich also erkennen, wie ich für mich selbst ein fluchwürdiger Sünder sei, segne mich aber auch mit dem Segen, den Du mir erworben hast, durch Vergebung meiner Sünden, durch die Gabe des Heiligen Geistes und durch Mittheilung des himmlischen Erbes. Lasse meine Andacht, mein Verlangen nach Deiner Gnade, meinen Vorsatz, mich zu bessern, nicht wieder vergehen, sondern etwas Bleibendes und Festes werden; ja laß mich bis an mein Ende unter der Leitung und Bearbeitung Deines guten Geistes stehen, damit ich auf diese Weise das Ziel der himmlischen Herrlichkeit erreiche. In der Beichte bekenne ich Dir, o himmlischer Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig gesündiget habe, weiß aber, daß Du mehr Sünden, die ich begangen habe, weißest als ich selber, und daß Dir mein verdorbener Seelenzustand besser bekannt sei als mir selber. Erzeige mir aber Deine Gnade, welche die größte Sündenschuld überwiegt, und den tiefsten Seelenschaden ausheilt. Vergib mir auch die mir verborgenen Sünden. Decke mir auch diese in der künftigen Zeit nach und nach auf, und erneuere meine Seele zu Deinem Bilde, ohne welche sie ein Scheusal vor Deinen Augen bliebe. Versetze mich von der Finsterniß in’s Licht, und mache mich tüchtig, im Licht, in der Liebe und in der Wahrheit zu wandeln, damit ich tüchtig werde, dereinst in das helle Licht der himmlischen Herrlichkeit versetzt zu werden, und da Dich wahrhaftig und ohne Sünde und Ende zu liebe, aber auch Deine Liebe ohne Aufhören zu genießen. Bereite mich nun auch zu dem würdigen Genuß Deines heiligen Abendmahls, damit ich dabei keine Sündenschuld auf mich lade, sondern von Deinem heiligen Leib und Blut eine heilsame Kraft in meiner Seele erfahre. Amen.