Johann Dencer – Dank für Gottes Wort

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, für die große Gnade, daß du mir armen Sünder zu Trost dein heiliges Wort so reichlich hast lassen verkündigen. Drücke ein und versiegle du, o Gott, dasselbe in unseren Herzen, daß wir danach thun, leben und sterben mögen. Gieb, daß wir allezeit in deiner Erkenntniß wachsen und zunehmen. Laß dein Wort nicht allein bei uns, sondern auch bei andern Völkern bekannt und ausgebreitet werden, damit es unser und aller Menschen Herzen rühren und befeuchten möge, gleichwie der Regen und Schnee die Erde befeuchtet und fruchtbar macht, auf daß wir dich, ewiger Gott, lernen recht erkennen, anrufen, loben, ehren und preisen, und Alles, was wir thun, und lassen, nach deinen heiligen Geboten anstellen, damit wir, allezeit wie gehorsame Kinder erfunden, endlich des ewigen Lebens und Erbtheils, das uns durch Jesum Christum erworben ist, theilhaftig werden mögen. Amen.

Gebet, daß die Obrigkeit das Wort Gottes ehre.

Lieber Gott, hilf, daß die Obrigkeit erkenne deinen Willen mit Furcht und Demuth, und ehre deinen Sohn, das ist sein Wort, daß er sie durch sein Blut ertheuret und erbarmet hat, und seine Diener, die armen Pfarrherren, die sonst geplaget sind und billig von weltlichen Regenten Schutz und Trost haben sollten, damit ihr Amt ein Gottesdienst würde. Amen.

Allmächtiger Herr Gott, erleuchte und bewege doch einmal die Herzen der Potentaten, dein Wort zu fürchten und demüthiglich gegen dasselbe zu handeln. Amen.

Luther, Martin – Gottes Wort

O Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir danken dir höchlich und allezeit, daß du uns, nach dem überschwänglichen Reichthum deiner Gnaden, hast gebracht zu dem Schatz deines Wortes, darinnen wir haben Erkenntniß deines lieben Sohnes, das ist, ein sicher Pfand unsers Lebens und Seligkeit, die im Himmmel zukünftig ist, und bereitet allen, die in reinem Glauben und brünstiger Liebe beständig bis ans Ende beharren; wie wir denn hoffen und bitten, du werdest uns, barmherziger Vater, erhalten und vollkommen machen mit allen Auserwählten, in einem Sinne, zu gleichem Bild deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Amen.

Johannes Bugenhagen – Speise aus Gottes Wort

O allmächtiger Gott und barmherziger Vater, dessen Wort alle Gottseligen in rechter Straße deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, erhält, wir bitten dich um die rechte wahre Speise unserer Seelen, damit wir nicht geistlichen Hunger empfinden, wie du uns denn jetzund aus lauter Gunst mit diesen Creaturen am Leibe speisest. O Vater, wir bitten dich, du wollest schaffen, daß wir sie mögen genießen mit Danksagung und recht brauchen ohne Befleckung aller fleischlichen Lüste. Vater unser u. s. w.

Johannes Bugenhagen – Wort Gottes

Allmächtiger ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater, deß Wort eine Kerz ist unsern Füßen und ein Licht unsern Wegen, thu auf und erleuchte unser Gemüth, daß wir dein Wort rein, lauter und heiliglich verstehen und dann nach dem, das wir recht verstanden haben, unser LEben gestalten, auf daß wir deiner Majestät nimmer mißfallen durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern lieben Herrn, der mit dir in Einigkeit des Heiligen Geistes lebt und regiert, Gott in Ewigkeit, sprechend Vater Unser u. s. w.

Gebetbuch,
enthaltend
die sämmtlichen Gebete und Seufzer
Dr. Martin Luther’S,
wie auch Gebete
von
Melanchthon, Bugenhaben, Matthesius, Habermann, Arnd
und anderen Gott-erleuchteten Männern.
Herausgegeben
vom
evangelischen Bücherverein
Berlin, 1849.
Im Magazin des Vereins, Klosterstraße No. 71

Leonhard Kaiser – Gebet

Allmächtiger Gott, gieb Gnade, laß dein heiliges göttliches Wort nicht untergehen. Das Wort ist dein, handhabe dein Wort: du mußt es thun, ich bin ihm viel zu einfältig und zu schwach. Befinde auch bei mir nicht, noch in aller meiner Macht, etwas zu enden, dein Wort, Ehre und Lob zu erhalten, es sei denn, daß du mir’s zuvor gebest und verleihest: ich bin nichts anders, denn ein armes Werkzeug.

Huldrych Zwingli – Gebet um geistliche Speise

Gott, der Du nicht allein den Menschen von Jugend auf ernährest, sondern auch alle lebenden Wesen, wir bitten Dich, daß Du unsere hungernden Seelen mit himmlischer Speise sättigen wollest,, dieweil Du es bist, der die Hungrigen mit Gütern füllet. Unsre Seele ist ein Geist, durch Deine Hand, nach Deinem Bilde geschaffen, und kann daher nur durch geistige Speise erquickt werden. Diese wird aber allein durch das Wort Deines Mundes dargereicht. Denn Dein Wort ist wahrhaftig, dieweil Du die Wahrheit selber bist, von dem nur Wahres, Heiliges, Zuverlässiges und Reines entstammen kann. Wir bitten Dich daher, o Herr, Du wollest uns niemals die Speise Deines Wortes mangeln lassen, sondern uns immerdar mit Deiner Güte erquicken! Denn Dein Wort ist das Brod, welches der Welt das Leben verleiht. Vergebens essen wir das Fleisch Deines Sohnes und trinken sein Blut, wenn wir nicht vorher durch den Glauben an Dein Wort fest versichert werden, daß dieser Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, für uns ans Kreuz geschlagen, die Sünden der ganzen Welt gesühnet habe. Denn er selbst hat gesagt, das Fleisch ist nichts nütze, der Geist ist es, der da lebendig macht. Daher flehen wir Dich an, daß Du uns niemals Dein Wort entziehen wollest, damit wir durch Deinen Geist lebendig gemacht werden; denn auf den Flügeln Deines Wortes wird uns Dein Geist zu Theil, dieweil dasselbe niemals leer zurück kehret. Durch dieses Dein Wort erlangen wir allein die Freiheit des Geistes, denn es ist allein wahrhaftig und Du hast uns durch Deinen Sohn versichert, daß, wenn die Wahrheit uns frei mache, wir alsdann wahrhaftig frei seien. Verleihe daher, daß uns niemals die Speise Deines Wortes, durch welches wir frei und des Heils versichert werden, fehlen möge. Wir bitten Dich darum durch Deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir lebet und herrschet in Einigkeit des hl. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.