Johann Arnd. – Danksagung für die Verleihung des göttlichen Wortes.

Ach du getreuer, gnädiger und barmherziger Gott! ich danke dir für die große Gnade, Liebe und Treue, die du uns armen elenden Menschen erzeiget hast durch die Offenbarung deines heiligen göttlichen Worts, und die Einsetzung deiner hochwürdigen Sacramente. Der Geist des Herrn hat durch die Propheten geredet, und seine Rede ist durch ihren Mund geschehen. Dadurch hast du dich uns zu erkennen gegeben, in welchem deinem Erkenntnis stehet das ewige Leben. Dadurch hast du uns berufen zur Gemeinschaft deiner heiligen Kirche. Dein heiliges Evangelium ist auch eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Dadurch erweckest du in uns den Glauben, gibst uns den heiligen Geist, lässest uns Vergebung der Sünden versündigen. Dadurch empfangen wir wahrhaftigen, lebendigen Trost in allem Kreuz, in Todesnoth. Dadurch stillest du unser unruhiges Gewissen. Dadurch erfreuest du unser trauriges Herz. Dadurch speisest du unsre Seelen, als mit dem rechten Himmelsbrot. Dadurch machest du uns zu neuen Creaturen. Dadurch kommst du zu uns und machst Wohnung bei uns. Dadurch linderst du unsre Todesnoth, daß wir den Tod nicht schmecken ewiglich. Dadurch erleuchtest du unsre Seele. Dadurch regierest du und leitest uns in unserm Beruf und in dem Lauf unsers ganzen Lebens, als mit einer Leuchte auf unsern Wegen, und als mit einem Licht auf unsern Fußsteigen, daß unsre Tritte nicht gleiten. Ach Herr, wenn dein Wort nicht wäre mein Trost gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elende, denn es ist unsers Herzens Freude und Trost. Durch Gottes Wort werden wir geheiliget und an Leib und Seele gesegnet. Darum, o Herr, wer dein Wort verwirft, der hat dich selbst verworfen und allen seinen zeitlichen und ewigen Segen, und kann mit nichten den Segen haben, sondern den ewigen Fluch. So verhält auch der Himmel seinen Thau und das Erdreich sein Gewächs. So wird der Himmel Eisen und die Erde Erz, und ist alle Mühe und Arbeit verloren. O Herr, ich danke dir für diesen edlen und theuren Schatz, denn das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel und erquicket die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiß, und machet die Albernen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, und erfreuen das Herz. Die Gebote des Herrn sind lauter, und erleuchten die Augen. Die Furcht des Herrn ist rein, und bleibet ewiglich. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht. Sie sind köstlicher denn Gold und viel feines Goldes. Sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wird dein Knecht dadurch erfreuet, und wer sie hält, hat großen lohn. Dein Wort, du Allerhöchster, ist ein Brunnen der Weisheit, und das ewige Gebot ist ihre Quelle. Wer dasselbe ehret, der thut den rechten Gottesdienst; und wer es lieb hat, den hat Gott wieder lieb. Gottes Wort spricht: Ich bin wie die Cedern auf dem Libanon, und wie die Cypressen auf dem Gebirge Hermon. Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum am Wasser, wie ein Rosenstock zu Jericho, wie ein schöner Oelbaum. Ich gebe einen lieblichen Geruch von mir, wie Zimmet, Myrrhen und Weihrauch. Kommet her, alle, die ihr mein begehret, und sättiget euch von meinen Früchten. Meine Predigt ist süßer denn Honig, und meine Gabe süßer denn Honigseim. Wer von mir isset, den hungert immer nach mir, und wer von mir trinket, den dürstet immer nach mir. Das ist das Buch des Bundes, mit dem höchsten Gott gemacht, nämlich das Gesetz Mose. Daraus ist geflossen die Weisheit wie der Euphrat, wenn er groß ist, wie der Jordan in der Ernte, wie der Nil im Herbst. Es ist nie gewesen, der es ausgelernet hat, und wird nimmermehr werden, der es ausgründen mag. Denn sein Sinn ist reicher, denn kein Meer, und sein Wort ist tiefer, denn kein Abgrund. Es fließen von ihm viel Bächlein in die Gärten; da werden die Bächlein zu großen Strömen, und die Ströme zu großen Wassern. Denn seine Lehre leuchtet so weit als der lichte Tag, und scheinet frühe. Auch schüttet sie Lehre und Weissagung aus, die ewig bleibet. Für diesen hohen, theuren Schatz danke ich dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, hochgelobet in Ewigkeit. Amen.

Aus Cubach – Danksagung für das Wort Gottes am Sonntage um die Vesperzeit.

Wir loben und preisen dich, Herr Gott, Vater Himmels und der Erden, daß du uns an diesem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich versorget hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brot, sondern auch an unsrer Seele mit der himmlischen Speise deines heiligen Wortes; verleihe, o treuer Gott, daß es in unsern Herzen verbleibe und großen Nutzen schaffe zu deiner Ehr und unsrer Seligkeit. Wir bitten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein rein Wort und Kirchendienst nicht entziehen, wollest uns auch unsre Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten verunheiliget haben, nicht entgelten lassen, sondern dieselbigen uns nach deiner großen Güte und durch das bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi verzeihen. Wollest endlich heute und die ganze übrige Zeit unsers elenden Lebens in diesem Jammerthal uns dir in deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen befohlen sein lassen und deine heiligen Engel um uns her lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde.

Weil aber nunmehr der Abend dieser Welt herbei nahet und sich der Tag geneiget hat, so verleihe uns die Gnade deines Geistes, damit wir stets wachen und in lebendigem Glauben, in brünstiger Liebe, fester Hoffnung und heiligem Wandel erwarten der seligen Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, unsers Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, auf daß wir ihn alsdann würdig und mit Freuden empfahen, ins ewige Leben mit ihm eingehen, und den ewigen Feier- und Freudentag mit allen Auserwählten erreichen und ohne Ende halten mögen. Erbarme dich, o Herr! der ganzen Christenheit, und entlade deine arme verfolgte Gemeine aller Bedrängnis, Spottes und Tyrannei, tröste alle geängstete, betrübte Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler. Amen.

Nikolaus Selnecker

Herr Jesus Christus, du treuer Heiland, du siehst täglich, wie über deinem heilsamen, wahren Wort die Menschen allerlei Gezänk anrichten und dich selbst in deinem Wort meistern wollen und sich und ihre Vernunft höher und größer halten denn dich und dein Wort. Darüber werden wir, die wir uns an dein Wort halten, greulich gelästert und in der Welt verlacht und verachtet. Darum bitten wir dich von Herzen, weil das Wort nicht unser, sondern dein ist, die Sache und die Ehre dein ist, du wollest uns mit dem großen Haufen von deinem Wort nicht kommen lassen, sondern im Schifflein Noahs erhalten, obgleich sonst die ganze Welt in der Sintflut vergehen soll.

Johann Dencer – Dank für Gottes Wort

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, für die große Gnade, daß du mir armen Sünder zu Trost dein heiliges Wort so reichlich hast lassen verkündigen. Drücke ein und versiegle du, o Gott, dasselbe in unseren Herzen, daß wir danach thun, leben und sterben mögen. Gieb, daß wir allezeit in deiner Erkenntniß wachsen und zunehmen. Laß dein Wort nicht allein bei uns, sondern auch bei andern Völkern bekannt und ausgebreitet werden, damit es unser und aller Menschen Herzen rühren und befeuchten möge, gleichwie der Regen und Schnee die Erde befeuchtet und fruchtbar macht, auf daß wir dich, ewiger Gott, lernen recht erkennen, anrufen, loben, ehren und preisen, und Alles, was wir thun, und lassen, nach deinen heiligen Geboten anstellen, damit wir, allezeit wie gehorsame Kinder erfunden, endlich des ewigen Lebens und Erbtheils, das uns durch Jesum Christum erworben ist, theilhaftig werden mögen. Amen.

Gebet, daß die Obrigkeit das Wort Gottes ehre.

Lieber Gott, hilf, daß die Obrigkeit erkenne deinen Willen mit Furcht und Demuth, und ehre deinen Sohn, das ist sein Wort, daß er sie durch sein Blut ertheuret und erbarmet hat, und seine Diener, die armen Pfarrherren, die sonst geplaget sind und billig von weltlichen Regenten Schutz und Trost haben sollten, damit ihr Amt ein Gottesdienst würde. Amen.

Allmächtiger Herr Gott, erleuchte und bewege doch einmal die Herzen der Potentaten, dein Wort zu fürchten und demüthiglich gegen dasselbe zu handeln. Amen.

Luther, Martin – Gottes Wort

O Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir danken dir höchlich und allezeit, daß du uns, nach dem überschwänglichen Reichthum deiner Gnaden, hast gebracht zu dem Schatz deines Wortes, darinnen wir haben Erkenntniß deines lieben Sohnes, das ist, ein sicher Pfand unsers Lebens und Seligkeit, die im Himmmel zukünftig ist, und bereitet allen, die in reinem Glauben und brünstiger Liebe beständig bis ans Ende beharren; wie wir denn hoffen und bitten, du werdest uns, barmherziger Vater, erhalten und vollkommen machen mit allen Auserwählten, in einem Sinne, zu gleichem Bild deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Amen.

Johannes Bugenhagen – Speise aus Gottes Wort

O allmächtiger Gott und barmherziger Vater, dessen Wort alle Gottseligen in rechter Straße deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, erhält, wir bitten dich um die rechte wahre Speise unserer Seelen, damit wir nicht geistlichen Hunger empfinden, wie du uns denn jetzund aus lauter Gunst mit diesen Creaturen am Leibe speisest. O Vater, wir bitten dich, du wollest schaffen, daß wir sie mögen genießen mit Danksagung und recht brauchen ohne Befleckung aller fleischlichen Lüste. Vater unser u. s. w.

Johannes Bugenhagen – Wort Gottes

Allmächtiger ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater, deß Wort eine Kerz ist unsern Füßen und ein Licht unsern Wegen, thu auf und erleuchte unser Gemüth, daß wir dein Wort rein, lauter und heiliglich verstehen und dann nach dem, das wir recht verstanden haben, unser LEben gestalten, auf daß wir deiner Majestät nimmer mißfallen durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern lieben Herrn, der mit dir in Einigkeit des Heiligen Geistes lebt und regiert, Gott in Ewigkeit, sprechend Vater Unser u. s. w.

Gebetbuch,
enthaltend
die sämmtlichen Gebete und Seufzer
Dr. Martin Luther’S,
wie auch Gebete
von
Melanchthon, Bugenhaben, Matthesius, Habermann, Arnd
und anderen Gott-erleuchteten Männern.
Herausgegeben
vom
evangelischen Bücherverein
Berlin, 1849.
Im Magazin des Vereins, Klosterstraße No. 71

Leonhard Kaiser – Gebet

Allmächtiger Gott, gieb Gnade, laß dein heiliges göttliches Wort nicht untergehen. Das Wort ist dein, handhabe dein Wort: du mußt es thun, ich bin ihm viel zu einfältig und zu schwach. Befinde auch bei mir nicht, noch in aller meiner Macht, etwas zu enden, dein Wort, Ehre und Lob zu erhalten, es sei denn, daß du mir’s zuvor gebest und verleihest: ich bin nichts anders, denn ein armes Werkzeug.

Huldrych Zwingli – Gebet um geistliche Speise

Gott, der Du nicht allein den Menschen von Jugend auf ernährest, sondern auch alle lebenden Wesen, wir bitten Dich, daß Du unsere hungernden Seelen mit himmlischer Speise sättigen wollest,, dieweil Du es bist, der die Hungrigen mit Gütern füllet. Unsre Seele ist ein Geist, durch Deine Hand, nach Deinem Bilde geschaffen, und kann daher nur durch geistige Speise erquickt werden. Diese wird aber allein durch das Wort Deines Mundes dargereicht. Denn Dein Wort ist wahrhaftig, dieweil Du die Wahrheit selber bist, von dem nur Wahres, Heiliges, Zuverlässiges und Reines entstammen kann. Wir bitten Dich daher, o Herr, Du wollest uns niemals die Speise Deines Wortes mangeln lassen, sondern uns immerdar mit Deiner Güte erquicken! Denn Dein Wort ist das Brod, welches der Welt das Leben verleiht. Vergebens essen wir das Fleisch Deines Sohnes und trinken sein Blut, wenn wir nicht vorher durch den Glauben an Dein Wort fest versichert werden, daß dieser Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, für uns ans Kreuz geschlagen, die Sünden der ganzen Welt gesühnet habe. Denn er selbst hat gesagt, das Fleisch ist nichts nütze, der Geist ist es, der da lebendig macht. Daher flehen wir Dich an, daß Du uns niemals Dein Wort entziehen wollest, damit wir durch Deinen Geist lebendig gemacht werden; denn auf den Flügeln Deines Wortes wird uns Dein Geist zu Theil, dieweil dasselbe niemals leer zurück kehret. Durch dieses Dein Wort erlangen wir allein die Freiheit des Geistes, denn es ist allein wahrhaftig und Du hast uns durch Deinen Sohn versichert, daß, wenn die Wahrheit uns frei mache, wir alsdann wahrhaftig frei seien. Verleihe daher, daß uns niemals die Speise Deines Wortes, durch welches wir frei und des Heils versichert werden, fehlen möge. Wir bitten Dich darum durch Deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir lebet und herrschet in Einigkeit des hl. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.