Johann Arnd – Um den Heiligen Geist und seine Gaben

Ach heiliger/ himmlischer/ lieber Vater/ ich klage und bekenne dir/ daß ich von Natur ungeistlich/ unheilig/ ungöttlich bin/ und mich mehr mein Fleisch und Blut und deß bösen Geistes Getrieb hab führen lassen/ dann deinen Heiligen Geist. Ach vergib mir diese Sünde/ und erbarm dich mein! Wende von mir die schwere Straffe/ die du dräuest allen denen/ so deinem Heiligen Geist widerstreben: Dann die den Geist Christi nicht haben/ die sind nicht sein/ und die sind Gottes Kinder/ die der Geist Gottes treibet. Darumb gib mir deinen Heiligen Geist/ nach der Verheissung deines lieben Sohns/ da er spricht: Weil ihr/ die ihr böse seyd/ euren Kindern könnet gute Gaben geben/ wie viel mehr wird mein himmlischer Vater den Heiligen Geist geben allen/ die ihn darum bitten: Laß denselben deinen werthen Heiligen Geist meinen Leib/ Geist und Seel heiligen zum Gebet/ und den Tempel meines Herzens reinigen von aller Unsauberkeit/ und darinn anzünden das Feuer der Göttlichen Liebe und brünstigen Andacht: das Licht deines Göttlichen Erkantnusses/ das Böse zu meiden: die Gnade des Verstandes/ meines Beruffs treulich zu warten: die himmlische Göttliche Weißheit/ das höchste Gut zu lieben: die Heiligkeit der Furcht Gottes/ dir wohl zu gefallen: die Herzhafftigkeit der Krafft Gottes/ mein Creutz gedultig zu tragen: die Dapfferkeit der Göttlichen Stärcke/ zu überwinden den Teuffel/ die Welt und alle Menschen-Furcht. Gib mir den Geist der Warheit/ der mich lehre: den Geist des Trostet/ der mich erquicke: den Geist der Freudigkeit/ der mich erfreue: den Geist der Wiedergeburt/ der mich erneuere: das Sigel Gottes/ durch welches ich bekräfftigt werde im Glauben: das Pfand des ewigen Erbes/ welches meine Hoffnung stärcke. Schreibe durch deinen Göttlichen Finger dein Gesetz in die Tafeln meines Herzens/ deinen Willen in Lieb und Leyd zu vollbringen. Gib mir den Geist der Kindschafft Gottes/ der in meinem Herzen zeuge/ daß ich Gottes Kind bin. Geuß auß deine Liebe in mein Herz durch deinen Heiligen Geist: Zünde durch denselben in mir an eine heilige Begierde und Verlangen nach himmlischen Dingen. Du bist/ der da fleucht die Ruchlosen/ gibst dich aber für und für in die heilige Seelen/ und machst Propheten und Gottesfreunde/ mach mein Herz zu einem lebendigen Opffer/ das im Feuer deiner Liebe brenne/ und auffgeopffert werde/ daß alle meine fleischliche Begierde durch diß H. Feuer verzehret werde. Komm in mein Herz/ du Gottes-Licht/ du göttliches Feuer/ du göttliche Liebe/ du himmlischer Trost/ du süsser Gast meiner Seelen/ du Göttliche Zierde/ du Göttliche Krafft/ treib von mir alles/ was fleischlich ist/ und gib mir dargegen/ was Göttlich ist/ mach mich zur Wohnung und Heiligthum Gottes. Du himmlisches Täublein/ der du über meinen HErrn Christum in seiner Tauffe geruhet hast/ gib mir heilige/ kindliche Einfalt des Herzens/ daß mich Schlecht und Recht behüte. Du Göttliche Salbung und Freuden-öl/ lehre und tröste mich. O eine selige Seele/ die dich hat zum Einwohner/ denn du erleuchtest der Seelen Finsternuß: Du heylest die verwundte Seele: Du erhältest die strauchlende Seele: Du lehrest die demütige Seele: Du erquickest die müde Seele: Du gibst Krafft den Sterbenden/ wann Leib und Seele sich scheiden: Du bleibest ewiglich bey der gläubigen Seelen.