Martin Luther – Gebete eines Regenten und obrigkeitlichen Person überhaupt.

Martin Luther – Gebete eines Regenten und obrigkeitlichen Person überhaupt.

Herr Gott! Ich wollte lieber ohne Amt etwan in der Stille verborgen seyn, ohne Scepter, ohne Krone, Gold, Silber, und ohne alle solche große Herrlichkeit und Ehre. Aber du hast mich ja zu diesem Stande berufen, hast haben wollen, daß ich über Andere regieren soll: darum will ich nun deinem Willen gehorchen, und will dem gemeinen Nutzen, und nicht meiner eigenen Begierde oder Wohllust dienen.

Siehe, mein Gott und Vater, das ist dein Werk und Ordnung, daß ich in diesem Stande zu regieren bin geboren und geschaffen; das kann je Niemand leugnen, und du selbst erkennest es auch. Ich sey würdig öder unwürdig, so bin, ich je, wie du und Jedermann siehet; darum gieb mir, Herr und Vater, daß ich deinem Volke möge verwesen zu deinem Lob und ihrem Nutz. Laß mich nicht folgen meiner Vernunft, sondern sey du meine Vernunft.

Ps. 7, 7. 8. Stehe auf, Herr, und erzeige deinen Grimm, leide solches nicht länger, steure dem Zorn meiner Verfolger, und strecke deine Hand aus über ihre wüthende Grausamkeit, auf daß du ihr Gebiete und Herrschaft über mich austilgest. Erwache doch dermaleins und gedenke meiner! Und solches bitte ich, nicht um meinetwillen, sondern um des Gerichts und Amts willen, daß nicht Alles in Frevel einherwandle und untereinander gemenget gehe, weil Niemand ist, der die Sache recht ordnet und regieret, sonderlich weil alle Dinge durch dich geordnet und befohlen sollen regiert werden. – Ich bitte dich, Herr! verschaffe, daß mich die Menge des Volks wiederum umgebe, hange an mir, und sey mir unterworfen; denn es gedeihet ihnen zu Heil und Trost, wo sie dir gehorchen, welchen du mich zu einem Könige gegeben hast; auf daß sie nicht irre gehen, wie die Schafe ohne Hirten (4 Mos. 27, 17.) oder, nicht wie ein Volk, das ohne Fürsten und König ist, einem jeglichen Räuber herhalten müssen. Bin ich deß unwürdig, mein Herr, so bist du doch würdig, dem ich gehorche; so sind sie es auch würdig, daß sie nicht meinethalben gefangen und zerstreuet werden, sondern, mein Herr, setze mich ihnen wiederum zu einem Haupt, und versammle die, so zerstreut sind, bringe also die Glieder wiederum zu dem Körper.

Herr, erhalte dein Volk, die Rechte, Gerichte, Billigkeit, und das ganze weltliche Regiment, daß Alles ordentlich geschehe, damit der Friede durch Empörung und innerliche Feindschaft nicht zerrüttet, noch die äußerliche Zucht durch Ehebruch und ander Aergernisse unruhig gemacht und verunreinigt werde.

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