Martin Luther – Im Tode, und um ein seliges Sterbstündlein.

Martin Luther – Im Tode, und um ein seliges Sterbstündlein.

Ich bin ein armer Sünder, das weißt du, mein lieber Herr! aber du hast dich mir lassen vorbilden durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, daß du wolltest mir gnädig seyn, die Sünde vergeben, und von keinem Zorn und Verdammniß wissen, und heißest mich solches glauben und nicht zweifeln; darauf verlasse ich mich, und will fröhlich darauf hinfahren rc.

Christus, unser lieber Gott, Herr und Heiland, sey uns gnädig, daß wir nicht in Anfechtung fallen, sondern erhalte uns rein, unsträflich, einfältig, in seinem reinen Glauben, und erlose uns von allem Uebel durch einen seeligen Abschied von diesem Jammerthal, das ist, aus dem Reich des leidigen Teufels und seiner Welt, dem sey Lob und Dank mit dem Vater und heiligen Geist in Ewigkeit. Amen.

Ob ich gleich das Gesetz nicht erfülle, ob noch wohl Sünde vorhanden ist, und mich vor dem Tod und vor der Hölle fürchte, so weiß ich doch dieß aus dem Evangelio, daß mir Christus alle seine Werke geschenket und gegeben hat. Deß bin ich gewiß, er leuget nicht, seine Zusage wird er wahrhaftig halten, und deß zu einem Zeichen habe ich die Taufe empfangen. Denn also spricht er (Marc. 16, 15. 16) zu seinen Aposteln und Jüngern: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium allen Kreaturen. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Darauf verlasse ich mich. Denn das weiß ich, daß mein Herr Christus den Tod, die Sünde, Hölle und Teufel, Alles überwunden hat, mir zu gut. Denn er war unschuldig, wie Petrus (1 Br. K. 2, 22) sagt: Welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Darum hat ihn die Sünde und der Tod nicht können würgen, die Hölle hat ihn nicht können behalten, und ist also ihr Herr worden, und solches geschenket Allen denen, die es annehmen und glauben. Welches Alles geschieht nicht aus meinen Werken oder Verdienst, sondern aus lauter Gnade, Güte und Barmherzigkeit.

Allmächtiger, ewiger, barmherziger Herr und Gott, der du bist ein Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi! Ich weiß gewiß, daß Alles, was du gesagt hast, du auch haben willst und kannst. Denn du kannst nicht lügen, dein Wort ist wahrhaftig. Du hast mir im Anfang deinen lieben Sohn, Jesum Christum, zugesagt; derselbige ist kommen, und hat mich vom Teufel, Tod, Hölle und Sünden erlöset. Darnach zu mehrerer Sicherheit aus gnädigem Willen mir die Sakrament der Taufe und des Altars geschenkt, darinnen mir angeboten Vergebung der Sünden, ewiges Leben und alle himmlischen Güter. Auf solches sein Anbieten hab ich derselbigen gebraucht, und im Glauben auf sein Wort mich fest verlassen, und sie empfangen. Derhalben ich gar nicht zweifle, daß ich wohl sicher und zufrieden bin vor dem Teufel, Tod, Höll‘ und Sünde. ist dieß meine Stunde, und dein göttlicher Wille, so will ich friedlich, mit Freuden auf dein Wort gerne von hinnen scheiden. Amen.

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