Gerhard Tersteegen – Das Leben der Gnade.

Gott, unser Vater, Du hast uns gemacht, dass wir sein sollten dein Volk und Schafe deiner Weide. Dank sei deiner freien Erbarmung; deiner ewigen Liebe, womit Du uns so sehr geliebt hast.

Deiner Gute verdanken wir es, dass wir noch sind in der Zeit der Gnade, und bei dem Licht deiner Gnade mögen wir erkennen wie Du unendlich bereit bist, die Sonne der Gnade in unsere finsteren Herzen scheinen zu lassen, um dein Leben in uns zu erwecken, in uns zu stärken, und immer mehr zum Leben der Herrlichkeit auszuführen.

Herr Jesu, Du einiges Leben und Licht der Menschen, wie groß ist deine Barmherzigkeit, womit Du Dich über uns Sünder erbarmt hast, dass Du aus dem Schoße des Vaters zu uns gekommen, um uns ein neues Gnadenleben einzuflößen. Dir danken wir, dass Du uns die Freudenbotschaft von dieser Gnade hast verkündigen, dass Du uns hast unterweisen lassen, die Werke deiner Gnade an unserm Herzen zu erkennen. O lass doch bei allen Seelen, in denen es noch Winter ist, den Frost des Todes schmelzen; lass ihnen ihre elende Gestalt offenbar werden, lass sie beschämt werden und anfangen zu hungern und sich auszustrecken nach Gnade zur Vergebung der Sünden, nach Gnade zum neuen Leben; rufe aus dem strengen Winter ihrer Herzen einen lieblichen Frühling hervor, zu ihrer Freude und zu deiner Verherrlichung!

Lass es uns beschämen, wenn wir sehen, wie alles in der Natur mit Frohlocken da steht, dass wir noch so wenig mit Freuden vor Dir stehen. O wie ist noch so viel kümmerliches und schläfriges in unseren Herzen. Gib dass wir suchen mögen in unserm Inwendigen ganz von Dir abzuhängen; dass wir als solche die kein Leben, keine Kraft in sich selber haben, in Dir zu bleiben suchen, und wie die Reben am Weinstock, wie Zweige an dem Stamm, von Dir des Lebens Kraft und Mark zu empfangen, damit in uns recht muntere, recht fortwachsende Herzen geschaffen werden.

Herr, unser Gott, wir glauben, wir wissen es, dass wir für Dich allein geschaffen sind; zu Dir müssen wir wiederkehren, in Dir müssen wir ruhen, in Dir allein können wir selig sein. O so bewahre uns doch, dass wir unsere Herzen nicht suchen für uns zu behalten, noch sie von der Welt und ihrer Eitelkeit einnehmen zu lassen. Gib uns aber Gnade, Dir, unserm Gott, zu dienen mit Freuden; alle unsere Kräfte in deinem Dienst zu verzehren, damit wir einst mit Frohlocken vor deinem Angesichte stehen können, mit allen deinen vollendeten Heiligen, Dir Dank und Preis zu bringen, dass Du uns gemacht hast zu deinem Volk, und zu Schafen deiner Weide; dass Du uns zu Königen und Priestern bereitet hast, aus freier Erbarmung nach dem Reichtum deiner Gnade. Amen.