Thomas von Kempen – Gott allein die Ehre.

Was ist der Mensch, dass Du sein gedenkst, o Gott, oder das Menschenkind, dass Du Dich seiner annimmst! Wie hätte ich es je verdienen können, dass Du mir deine Gnade gewährst und wie dürfte ich klagen, wenn Du mich verlässt; oder was könnte ich Dir vorhalten, wenn Du nicht erhörst, was ich bitte?

Ach, ich bin nichts und vermag nichts; ich habe nichts Gutes aus mir selbst; ich bin ohnmächtig und strebe nach dem Nichts und wenn Du mich nicht unterstützt und innerlich stärkst; so würde ich durchaus lau und zuchtlos werden.

Du aber, o Herr, bist immer derselbe und bleibst es in Ewigkeit, allezeit gut, gerecht und heilig; Du machst Alles wohl und ordnest Alles mit Weisheit. Ich aber beharre nicht, sondern bin veränderlich wie die Zeit, und es wird nur besser, wenn es Dir gefällt, mir deine helfende Hand zu reichen. Du allein kannst helfen ohne menschlichen Beistand und mich so sehr befestigen, dass meine Augen sich nicht mehr wenden, sondern allein zu Dir blicken und in Dir ruhen.

O hätte ich doch gelernt auf menschlichen Trost verzichten und Dich allein zu suchen, dann könnte ich zuversichtlicher deine Gnade erwarten, dann würde ich bald deine Tröstungen in neuem Maß und mit heiliger Entzückung genießen!

Dank sei Dir, von dem alles kommt, so oft mir etwas Gutes zu Teil wird. Dein will ich mich rühmen und in deinem Namen mich freuen. Denn was könnte ich von mir rühmen, da ich so leer, unstet und schwach bin! Dein Name werde gelobt und nicht der meine; dein Werk werde gepriesen und nicht was ich vollbringe. Sei Du mein Ruhm und die Freude meines Herzens. Denn aller menschliche Ruhm, alle zeitliche Ehre, alle weltliche Hoheit, was sind sie gegen deine ewige Herrlichkeit anders als Eitelkeit und Torheit.

O ewige Wahrheit, unendliche Liebe, Herr Du mein Gott, Dir allein sei Ehre, Lob und Ruhm. Amen!