Alkuin – Vergebung

Herr Jesu Christe, eingeborner Sohn Gottes, gleiches Wesens mit dem Vater und heiligen Geiste, durch den allein Vergebung der Sünden, durch den allein Leben und Seligkeit kommt: Du hast einst den reuigen Zöllner gerechtfertigt, die Bitte des demüthigen Kananäischen Weibes erhört, mitleidig auf Petrus hingeblickt, da er Dich verleugnet, und als er bitterlich weinte, ihn wiederum angenommen, Du hast den Schacher am Kreuz, als er um Gnade flehte, mit Paradiesesherrlichkeit beschenkt. O so laß auch mir, dem elendesten und unglücklichsten Sünder, der mit Furcht und Zittern seine Missethat bekennt, Vergebung werden, aus daß ich das heilige Sacrament Deines Leibes und Blutes nicht zum Gericht der Verdammniß, sondern als Speise zur ewigen Seligkeit genieße. Dazu hilf Du mir, der Du mit dem Vater und heiligen Geiste regierest in Ewigkeit. Amen!

Alkuin – Größe Gottes

Groß bist Du, o Herr, und sehr zu preisen, groß ist Deine Kraft, und Deine Weisheit ohne Maaß. Zu Deinem Lobe hast Du uns geschaffen, und unser Herz ruhet nicht, bis es in Dir ruhet. Aber wer giebt, daß Du in mein Herz kommst, daß Du es mit heiligem Rausche erfüllest, daß ich allen Jammer vergesse und Dich allein umfasse. Was bist Du mir? Verzeihe, daß ich mich unterwinde, mit Dir zu reden! Sage mir um Deiner Barmherzigkeit willen, Herr mein Gott, was Du mir bist. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hülfe! Ich will Deiner Stimme nachgehen, und Dich umfassen. Verbirg Dein Antlitz nicht vor mir, daß ich nicht sterbe. Eng ist die Wohnung meiner Seele, komm und mache sie weit, zerrüttet ist sie, stelle sie wieder her. Viel Sündenschmutz hat sich darin fest gesetzt, der Deinen Augen mißfällt; ich bekenne und weiß es. Ich will nicht mit Dir rechten, denn Du bist die Wahrheit, ich will mich selber nicht täuschen.
Ich habe gesündigt, daß ich nicht in Dir, sondern in Deinen Kreaturen meine Lust suchte: so bin ich in Schmerzen, Verwirrung und Irrthum gefallen. Ach vergieb die Ungerechtigkeit meines Herzens, und sprich zu mir, barmherziger Gott, sprich zu mir Armen: Ich bin deine Hülfe! Entreiß mich dem Abgrunde eitler Freuden, laß mich empfinden, was es heißt, Dich lieben, und tröste meine Seele, daß sie wiederum fröhlich werde. Herr, der Du immerdar bist ohne Veränderung, der Du lebest und Nichts stirbt an Dir, sprich zu Deinem Knechte: Ich bin deine Hülfe!

Andreas Althamer – Vergebung

Barmhertziger Gott und hymlischer vater / des barmhertzigkeit keyn ende ist / der du langmütig / genedig / und von grosser genad und trew bist / und vergibst missethat / ubertrettung / und sünd. Wir haben layder gesündigt mit unsern vettern / wir haben mißhandelt / und sind gottloß gewesen / und dich offt erzürnet / dir allain haben wir gesündigt / und ubel vor dir gethan / Aber herr gedenck nicht an unsere vorige missethat / laß bald dein barmhertzigkeit uber uns grösser sein / dann wir sind fast ellend worden / hilff uns Gott unsers hayls / umb deines namens ehre willen / Errette uns / und vergib uns unser sünd umb deynes namens willen / und von wegen deynes lieben sons Jesu Christi unsers haylandts / Amen.

Ambrosius von Mailand – Bitte eines Bischofs um Vergebung

Mein Jesus, laß auch mich dir
die heiligen Füße waschen.
Seit du in meiner Seele wandelst,
hast du sie beschmutzt.
Laß mich den Schmutz entfernen,
den mein Tun auf deinen Weg warf.
Doch wo finde ich das lebendige Wasser,
mit dem ich dir die Füße waschen könnte?
Habe ich kein Wasser, so habe ich doch Tränen.
Benetzen sie deine Füße, dann werde ich selber rein.
Warum sprichst du zu mir:
»Ihr werden viele Sünden vergeben,
weil sie viel geliebt hat«?
Ich schulde mehr als andere und mehr vergabst du mir,
wurde ich doch aus dem Lärm der Gerichtshändel
und der Verantwortlichkeit
öffentlicher Verwaltungsarbeiten
zum Bischofsamt berufen.
Ich fürchte undankbar zu sein:
Du hast mir so viel vergeben,
und ich habe so wenig geliebt.
Bewahre dein Geschenk, schütze die Gabe,
die du dem Widerstrebenden verliehen hast.
Ich war mir der Unwürdigkeit für das Bischofsamt
bewußt,
hatte ich mich doch dem weltlichen Treiben ergeben.
Aber »durch deine Gnade bin ich, was ich bin«
Zwar bin ich der letzte aller Bischöfe
und der Geringste an Verdienst.
Weil ich aber für deine heilige Kirche arbeite,
schütze du diese Frucht.
Du hast den Verlorenen zur Bischofswürde berufen.
Laß nun den Bischof nicht verlorengehen.
Vor allem, gib mir die Gnade,
aus tiefstem Herzensgrund mit den Sündern Mitleid
zu haben.
Das ist wahre Tugend, steht doch geschrieben:
»Du hättest nicht frohlocken sollen
über Judas Söhne am Tage ihres Untergangs,
nicht harte Worte sprechen sollen
am Tage der Bedrängnis«.
Gib mir, daß ich Mitleid habe,
wenn die Sünde eines Gefallenen offenbar wird.
Laß mich dann nicht überheblich tadeln,
sondern trauern und weinen.
Laß mich mit den Tränen über andere
auch mich selbst beweinen und sprechen:
»Thamar ist gerechter als ich«.

Magnus Friedrich Roos – Freitag. Morgengebet.

HErr Jesu, Du hast ein unvergängliches Priesterthum, und kannst immerdar selig machen, die durch Dich zu Gott kommen, und lebst immerdar, und bittest für sie. Dessen trösten wir uns an dem Morgen dieses Tages, welcher der Wochentag ist, an welchem Du als ein Priester Dich selbst am Kreuz für unsere Sünde geopfert hat. Gelobt seist Du, und Dank sei Dir gesagt für die große Liebe und Treue, die Du dadurch uns Sündern erwiesen hast. Gelobt seist du, und Dank sei Dir gesagt für die große Liebe und Treue, die Du dadurch uns Sündern erwiesen hast. Siehe, o himmlischer Vater, dieses Opfer Deines Sohnes an, und vergib uns um desselben willen alle unsere Sünden. Segne uns aber auch um desselben willen durch die Mittheilung des Geistes der Gnaden und des Gebets, damit wir tüchtig werden, Dich recht anzubeten, und ohne ängstliche Furcht, aber auch ohne Leichtsinn und Frechheit vor Dir zu wandeln. Und weil Du, HErr Jesu, ein unvergängliches Priesterthum hast, so lasse uns durch dasselbe eine ewige Gnade, ein ewiges Leben, ein unvergängliches Erbe erlangen. Mache auch uns und viele Andere selig, die wir durch Dich, als den einigen Mittler, zu Gott nahen. Wende Deine Lebenskraft an, uns gegen alle Versuchungen zu stärken, und aus allem Uebel zu erretten. Laß Deine Fürbitte bei dem Vater uns zu Statten kommen, und uns zu Deiner Ehre dereinst gerechtfertiget und geheiligt vor Dein und Deines Vaters Angesicht gestellt werden. Dein Opfer hat eine ewige Gültigkeit, Deine Fürbitte ist mächtig, Deine Liebe ist unermeßlich und übertrifft alle Erkenntniß; unser Glaube aber ist schwach, unsere Erkenntniß sehr dunkel. Darum bitten wir Dich: gib uns mehr Licht, Dich zu erkennen, und mache unsern Glauben stärker und völliger. Laß uns auch heute unter der Arbeit durch Deinen Heiligen Geist an allerlei evangelische Sprüche gemahnt, und unsere Seelen dadurch aufgeheitert und im Anhangen an Dich erhalten werden. Amen.

Du bleibst ein Priester ewiglich,
Wir Alle sind versühnt durch Dich.
Es komme uns Dein Tod und Blut
Im Leben und im Tod zu gut.
Amen.

Gerson – Vergebung

O Herr Jesu Christe, Quell aller Liebe und Gnade; wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so verlange ich nach Deiner Hülfe. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, tief aus des Herzens Grunde, denn Lippen und Zunge vermögen meinen Schmerz nicht zu sagen. Siehe, tiefe Fluchen rauschen über mich dahin; Schaaren von Missethaten stehen vor meinen Augen. O schrecklicher Abgrund, o gefährliche Tiefe! Herr, wenn Du Sünden zurechnen willst, wer wird vor Dir bestehen? Aber ich fliehe zu Dir, weil ich weiß, daß bei Dir viel Erlösung ist. Am Kreuze hast Du für mich gelitten und Dein heiliges Blut vergossen, das da hinreicht, die ganze Welt zu versöhnen. Um deßwillen bitte ich Dich, vergieb mir meine Sünde, rette mich vom Verderben und laß mich Ruhe finden unter dem Schatten Deiner Flügel.

Philipp Melanchthon – Vergebung

Almechtiger/ ewiger/ lebendiger/ und warhafftiger Gott/ ewiger und einiger Vatter unsers Herrn Jesu Christi Schepffer Himels und der Erden und menschen/ mit deinem gleichewigen Son unserm Herrn Jhesu Christo und dem heiligen Geist/ der du allein weiss/ guth/ barmhertzig/ keusch/ ein rechter richter/ warhafftig/ und am aller freihesten bist/ der du gesaget hast/ So war als ich lebe/ Ich wil nicht des sünders todt/ sondern das er sich bekere und lebe/ Ich beicht und bekenne dir/ das ich ein armer Sünder bin/ und ist mir leidt das ich dich erzürnet habe/ Ich bitte aber/ erbarme dich meiner/ und vergib mir alle meine sünde/ und mache mich gerecht durch und umb deines eingebornen Sones willen unsers lieben Herrn Jesu Christe/ der fur uns gecreutziget/ und aufferwecket ist von den todten/ den du fur uns gegeben hast zu einem Sönopffer/ und zu einem mittler/ Heilige mich mit deinem heiligen/ lebendigen/ keusc hen und warhafftigen Geiste/ regiere/ und beschütze mich/ regier und erhalt deine Kirchen und Policeyen/ welche da seien herberge deiner Kirchen.

Regier unsern Fürsten und jre Redt/ gibe Gottselige und heilsame Regiment/ und gottseligen und heilsamen frieden/ Ernehre deine Kirch/ und mache mich zu einem heilsamen werckzeug/ unnd einem gefesse der barmhertzickeit/ und das ich jeniche seye ein geuass (Gefäß) deines Göttlichen zorns. Ich bitte dich du allmechtiger und warhafftiger Gott/ erhöre mich umb unsers Herren Jesu Christi willen/ der da gesagt hat/ Was ir den Vatter bitten werdet in meinem Namen/ das wirdt er euch geben. Item/ Bittet/ so solt ir entpfangen etc.

Nerses IV. Schnorhali – Vergebung

Himmlischer Vater, wahrer Gott, der du deinen geliebten Sohn sandtest, zu suchen das verirrte Schaaf; ich habe gesündiget gegen den Himmel und vor dir; nimm mich auf, wie du den verlornen Sohn aufnahmst, und bekleide mich mit meinem ersten Schmucke, von dem ich entkleidet worden bin meiner Sünden wegen.
Und erbarme dich über deine Werke und über mich armen Sünder.

Hans Schlaffer – Vergebung

O Gott! ich bitte um deine Gnade! Du wollest mir meine Sünden nicht zurechnen, indem Christus für dieselben genug getan hat, ehe ich geboren war. Ich war dein Feind und du hast mich geliebt, mich in Gnaden aufgenommen und für mich, zu meiner Erlösung, das unschuldige Blut deines geliebten Sohnes dahin gegeben, obgleich ich noch an mir viele Spuren der anklebenden Sünden wahrnehme, welche sich in meinem Fleische hervortun. Denn wenn ich das Gute tun will, hanget mir das Böse an. Um deswillen bin ich betrübt und mag wohl mit dem Apostel Paulus seufzen und rufen: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Und ich muß mir selbst antworten und sagen: Ich danke meinem Gott, der mir durch Christum den Sieg gegeben hat. Du bist mein Trost, denn weil ich von Herzen glaube, so kann ich nicht verdammt werden. Der Geist ist zwar willig und bereit, aber das Fleisch ist schwach, so daß es nicht dem Gesetze Genüge tun kann, bis Christus mit seinem Geiste stärkt. Wo menschliche Gesetze auf Erden regieren, da werden die elenden Gemüter verführt; ja, wo Jesus Christus nicht allein der Beherrscher ist, bauet und die Aufsicht hat, da bestehet kein Gebäude, sondern bleibt alles zerrissen und zerbrochen. Obschon die Welt andere Dinge hochhält, so sind sie doch vor Gott verschmähet; darum bitten wir dich alle gemeinschaftlich, jung und alt, groß und klein, daß du, o Gott, dich unserer erbarmen und uns armen Kindern getreue Hirten senden wollest, die deine Gabe austeilen, damit jede Menschenlehre ausgerottet werden möge; denn es it Zeit, daß man rechte Buße tue und von dem Bösen ablasse, indem das strenge Urteil Gottes vor der Türe ist. Darum lasset uns zu der Züchtigung unseres Vaters unsere Zuflucht nehmen und ihm in Gehorsam uns unterwerfen, damit er uns, als seine Kinder, züchtige. Die Welt ist verblendet, sie kennt der Christen Leben nicht, sie hat davor einen Abscheu, flieht vor dem Kreuze und meint, es sei genug, wenn sie nur von dem christlichen Leben fein mit Worten reden könne, mit der Tat aber wenig vollbringt.

Huldrych Zwingli – Bitte um Vergebung

Gott, der Du uns durch den Größten derer, die vom Weibe geboren sind, hast kund thun lassen, daß Dein Sohn das Lamm sei, welches unsere Sünden hinwegnehme, gewähre, daß wir jetzt durch dieses Lamm beten und rufen: O Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Verzeihe, o Gütiger, all unsere Schuld! Dazu hat Dein Sohn am Stamme des Kreuzes gelitten, daß wir durch ihn einen ewigen Zugang haben zu Dir! Dazu hat er sich mit unsrer Schwachheit umkleidet, damit wir in ihm gekräftiget werden! Dazu hat er sich uns zur Speise dargegeben, damit wir durch ihn genährt zur vollkommenen Mannheit seines Alters heranwachsen! Ziehe unsere Herzen zu Dir durch Dein Gnadenlicht! und mache selbst uns würdig, im wahren Glauben zu diesem heiligen Nachtmahle Deines Sohnes hinzutreten, bei dem er selbst Gast und Speise ist. Amen.