Johann Friedrich Stark – Reisegebet

Johann Friedrich Stark – Reisegebet

Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir vorgenommen, auf eine Zeit mich von den meinigen und von meinem Hause zu entfernen; darum komme ich zu dir, und bitte dich, ach! segne meinen Ausgang und Eingang; in deinem Namen will ich diese Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten und unter deinem Schutz wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schutz umgeben, wie den Jakob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, daß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen, wie mit Joseph und Maria, und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück befreit bleibe. Ach du Hüter Israel! der du weder schläfst noch schlummerst, sey bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elisa, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels mit einer Wolken-Säule durch die Wüste geleitet hast. Gieb, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meine Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabest, als er von Haus reisen sollte: wandle vor mir und sey fromm. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus mich nicht lasse des Bösen gelüsten, behüte mich vor Völlerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, ausübung der Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause kehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen, wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Ich befehle dir all das Meine, das ich zu Hause hinterlasse, bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer- und Wassersnoth, und laß mich alles unversehrt wieder antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, Schaden, Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab. Sey ihr Schutzherr, erhalte sie, begleite sie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft. Ach Herr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wandersmanns mit den zweien Jüngern gereist bist, sey auch bei mir auf meiner Reise, erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gieb mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundern, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach mein Gott! in deinem Namen habe ich diese Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und preisen unser Lebenlang. Sende deinen Engel vor mir her, den Weg für mich zu bereiten, befiehl, daß er dem Satan wehr und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr! in deinen Schutz, daß ihre List, Gewalt und Trutz, mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den meinen, die mich wünschen bald zu sehen, laß auf sie als auf die Deinen, deine Gnadenaugen sehen; führe sie doch allermeist, großer Gott! durch deinen Geist, daß sie nimmermehr gerathen in Gefahr und Missethaten, Amen.

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