Gerhard Tersteegen – Gott ist gegenwärtig.

Gott! Du bist gegenwärtig. Du erfüllst mit deiner heiligen Gegenwart Himmel und Erden. Wo sollen wir hingehen vor deinem Geist? Auf Dich sehen unsere Augen, der Du in unser Innerstes siehst! Lehre uns doch zu Dir beten in wahrem Glauben an deine heilige und gnädige Gegenwart.

O dass wir doch aus dem Schlaf der Sicherheit erweckt würden, dass die unsterbliche Seele zum Leben erwachte, weil die Gnadenzeit noch da ist! Erbarme Dich über uns, die wir durch deine Gnade berufen sind auf den Weg zur seligen Ewigkeit. Ach, wir bekennen vor deinen heiligen Augen, dass wir nicht würdig gewandelt haben dem hohen Beruf, und den großen Absichten, die Du mit uns hast. Herr, wie haben wir so zerstreut, so unachtsam, so abgewichen von Dir, so manche Stunde zugebracht! Du hast Dich über uns erbarmt, und uns aus vielen Banden gerissen, und deine Gnade in Christo erfahren lassen. O dass wir uns deiner Gunst hinfort durch nichts weiter verlustig machten! Erneuere in uns den Glauben an deine gnädige Gegenwart. Lass diese deine Gegenwart ein beständiger Grund sein zum Frieden, zum Vertrauen, zum Mut auf unserm Pilgerwege. Hast Du Dich zu uns geneigt in Gnaden: o so neige uns doch auch zu Dir, dass wir Dich im Glauben mögen gegenwärtig sehen, und gegenwärtig behalten in einem andächtigen und liebenden Herzen. O Herr, lass die Welt je länger je mehr aus unsern Sinnen und Gedanken verschwinden; dass wir von allen nichtigen Dingen mögen absehen. Deine gnädige Gegenwart nehme unser ganzes Herz ein, dass wir mit Dir uns beschäftigen, und Dich niemals vermissen mögen. Wir gewöhnen uns nicht genug an Dich; o, mache uns doch andächtiger; lass unser Herz unverwandter bei Dir bleiben, dass die Gedanken an deine Gegenwart, und das Gespräch unseres Herzens mit Dir, uns immerdar so begleite, dass wir Deiner weder lebend noch sterbend vergessen können.

Bringe uns zum wahren Herzensgebet. Lehre uns auf deine Stimme lauschen und deines Geistes Wirkungen Raum geben; lass uns vor Dir als ein recht priesterliches Geschlecht wandeln. Gib Gnade, dass wir unser Liebstes nirgend schonen, sondern alles Unsrige Dir gern zum Opfer bringen. O lass alles verzehrt und vernichtet werden in unsern Herzen, was nicht von Dir und deiner Gnade herrührt; dass endlich nichts in uns lebe, als Du allein. Ist doch unser Herz von Dir erkauft, berufen und erwählt, dass es Dir sollte zum Tempel und Heiligtum werden. Nun komm, wir bringen Dir unser armes Herz zum Opfer dar. Komm und erfülle dein Heiligtum, und lass ewiglich nichts unreines hinein kommen.

Führe und regiere uns, befiehl wie Du willst; dein Wink allein sei die Regel unsers ganzen Wandels. O süße Liebe, dein göttlich Wesen ergieße sich wie ein Strom in unsere Seele; dein guter Geist leite uns auf eb’ner Bahn, bis wir durch einen seligen Tod in das Land der Verheißung übergehen.

O Jesu! eile, eile uns dazu zu bereiten. Bei Dir allein steht der Grund unserer Hoffnung; Du hast uns berufen, führe und leite uns auch nach deinem Rat, bis Du uns endlich wirst in Gnaden aufnehmen. Amen.