Gottfried Arnold

Mach mir, o Herr Jesu, klar und lebendig deine ewige Erlösung, die du auch für mich erfunden hast, da du als mein Hoherpriester in das Heilige eingezogen bist, um mir die Stätte zu bereiten, da ich sein soll, wo du bist, wenn ich nur dein wahrer Jünger sein will. Du willst mich gerne aus der Hölle erlösen und vom Tode erretten, du willst auch meinem Tode den Stachel nehmen, daß er mir nicht schade. Warum sollte ich mich denn fürchten? Wird doch nur das Sterbliche an mir von dem Leben verschlungen und der arme Geist frei von den irdischen Banden, die ihn drücken? Ist doch der Tod nur dem natürlichen Menschen bitter und schrecklich, der Christum und dein Heil nicht kennt! Laß mir des Todes Bitterkeit vertreiben werden, ja versüße du mir sie selbst durch die Gemeinschaft deines Leidens und Sterbens. Du hast deinen Gläubigen den Tod in einen friedlichen Übergang aus der Zeit in die Ewigkeit und in eine selige Heimfahrt verwandelt, und sie werden nicht ins Gericht kommen, wenn sie sich hier richten und züchtigen lassen, sondern werden dem Gerichte entnommen, durch den Tod ins Leben zu dir hinüberdringen; so laß dein Leben allezeit, o Herr Jesu, in mir den Sieg behalten und den Tod verschlingen, nimm ihm seinen Stachel und laß mich meine Seele als eine Beute davon bringen, so will ich Gott Dank sagen, der uns den Sieg gegeben hat in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen.

Jean Calvin – Gemeindegebet

Allmächtiger Gott! Du rufst uns so freundlich und gütig zu dir und verheißt deiner Gemeinde dein väterliches Erbarmen, das du uns in Jesus Christus, deinem Sohn, offenbart hast. Wir danken dir dafür und bitten dich: Hilf, daß wir uns dir auch ganz zu eigen geben, weil du uns in deiner Güte erwählt hast. Leite uns durch deinen Heiligen Geist und bewahre uns, daß wir nicht taub bleiben gegen dein Ermahnen und vom rechten Wege weichen. Erwecke uns, wenn du uns mahnst, und führe uns wieder auf deinen Weg. Mach uns deiner Liebe wert und versöhne uns mit dir durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Beda Venerabilis – Bitte um Verstand und Glauben

O Gott und König, durch den das Gefüge der unermeßlich großen Welt besteht.
Gib, Gütiger und Milder, um was ich Armer dich durch Christum bitte:
Gib, ich bitte dich, Verstand. Gib helles Licht des Geistes.
Gib mir den rechten Glauben, der falschen Lehren widersteht.
Laß die Vervollkommnung meines Wesens meine beständige Sorge sein.
Laß mich liebreich, demütig, wahrhaftig sein und weise mit meiner Zeit,
verschwiegen beim Geheimnis und vorsichtig mit dem Strahl der Zunge.
Gib einen treuen Gefährten, gib einen beständigen Freund. Amen.

Claus Harms – Kommen Gottes

Da du wohnest, kann ich nicht hin, aber deine Leutseligkeit ist es, daß du zu mir kommst. Herr, mein Gott, bringst du Leerheit oder Erfüllung? Siehe, mir ist nicht anders, als wenn alles gewichen wäre vor deinem Nahen, daß ich selber auch nicht mehr bei mir bin. Alles treibst du vor dir weg, bis auf den Staub in den Winkeln meiner Seele, Sorgen, Sünden, die sind weit entflohen. Eines bleibt: diese betende Seele, und daran allein erkenne ich, daß ich noch bin, mein aber nicht mehr bin in dieser deiner Gegenwart. Ich habe gewonnen und habe nicht verloren. O Gott, wie freue ich mich, daß ich nicht mein bin, sondern daß ich dein bin. Du hast den Fremdling in die Heimat gebracht, ich war ausgetreten, du hast mich in dein Reich wieder aufgenommen. Der Sturm bricht den Eichbaum, und die Sonne schmelzt das Eis, so macht die Esse das Eisen weich, aber ein Menschenherz kann lange Gott widerstehen. Bis du nicht wolltest, o Gott, unerforschlich in deinen Wegen, länger auf meine Zukehr warten, da deine Barmherzigkeit dich hinriß, mich zu retten und ich war gerettet. Denn dein ist die Kraft. Amen.

Girolamo Savonarola

Du allgewaltiger Gott, du weißt, was meinem Tun allein gebricht, was meines Sehnens Not. Nicht Gold erbitt ich und kein Zepter, wie der vor Habgier Blinde, noch Stadt, noch Burg, noch schimmerndes Gestade, nur dies: wo ich dich finde, schlag in mein Herz die Wunde deiner Gnade. Amen.

Elisabeth Fry – Gebet um Bewahrung

O Herr, hilf uns, unsern Stand in Gerechtigkeit zu führen, und vergib die Sünde auch in unsern heiligen Dingen, unsere Unterlassungssünde und unsere Begehungssünde. Hilf deinem armen, unwürdigen Kind und deiner Magd, sich im Geist ganz fest an dich zu klammern. Wenn du sie wieder hervortreten lässest, um vor den Leuten wie ein Schauspiel zu sein, so behüte sie davor, deine ewig gesegnete Sache jemals zu verletzen oder unglaubwürdig zu machen. Laß sie im Lichte und Leben Christi, ihres Heilandes und Erlösers, bleiben, auf daß viele dazu geführt werden, dir, ihrem Vater, der im Himmel ist, die Ehre zu geben. Du Herr, der du allein das Herz kennst, weißt um die Sehnsucht meines Herzens nach dir und nach der Rettung, die von dir her kommt. Verglichen damit ist alles andere klein in meinen Augen. Amen.

Adolf Schlatter – Gabe Gottes

Was ich, Vater, als dein Geschöpf habe, zeigt deine Herrlichkeit, und was du mir durch dein Wort schenkst, verklärt deinen Namen mit neuem Glanz. Es ist das Geschenk deines Worts und deines Geistes, daß wir dich Vater nennen, und weil du mir Kindesrecht und Kindespflicht gegeben hast, bitt ich dich: erhalte mich Tag um Tag auf deinen Wegen und in deinem Gebot. Amen.

Valerius Herberger

Herr Christe, mein Tod ist nur ein Schlaf. Es wird darauf folgen der ersehnte Tag des Lichtes. Da wirst du alles in allem sein. Ach wie freue ich mich auf die ewige Seligkeit. Da wird ewiger Sonntag sein. Die Sonne der Gerechtigkeit wird uns im Himmel aufgehen und nimmermehr untergehen. Du wirst unseres Herzens Leuchte sein. Da werden wir feiern, ja heilige Wege gehen. Da werden wir zur Kirche gehen, die nicht mit Menschenhänden gemacht ist. Das laß mich, Herr Jesu, mit Freuden sehen! Amen.

Johannes Kuhlo – Gebet am offenen Grab seiner Frau

Herr Jesus Christus, du Todesüberwinder und Lebensfürst, hier steht dein armer, schwer geschlagener Knecht mit einer Herzenswunde, die so tief ist, daß sie auf dieser armen Erde nicht mehr heilen kann. Dennoch bekenne ich, daß du, Sohn des Vaters, Gott von Art, die einzige Trostquelle bist, mein Tröster, der mir hilft, daß ich nicht zusammenbreche. Ach ja, Herr, du hast mir meiner Augen Trost genommen – wes soll ich mich nun trösten? Ich hoffe auf dich, Herr Jesus!
Danken will ich dir mehr als einmal, danken an diesem dunklen Grabe, daß du das Gebet der Entschlafenen erhört und ihr einen schnellen und weiten Eingang gegeben hast in dein himmlisches Reich durch dein kostbares Blut. Danken muß ich dir, daß du mir fast 24 Jahre lang diesen Schatz anvertraut hast, eine weise, betende Gehilfin, die um mich war. Ich weiß, ich war’s nicht wert. Du hast es unverdient gut mit mir gemeint.
Und endlich gib, daß von uns allen, die wir hier in einer Liebe und in einem Schmerz vereint stehen, keiner dahinten bleibe, sondern wir alle mit der selig Vorausgegangenen dereinst wieder vereint werden dürfen bei dir, dem großen Hirten deiner Schafe in der ewige Freude und Seligkeit. Amen.

Johann Arnd – Buße

Laß mich nicht die Hülsen und den Schein eines gottseligen Lebens erwählen, sondern hilf mir, daß ich durch tägliche Buße den alten Menschen kreuzige, am inwendigen Menschen aber erneuert werde zu deinem Bilde, daß Christus in mir wohne durch den Glauben und ich durch die Liebe in ihm eingewurzelt und gegründet sei. Laß all mein Tun aus dem Glauben gehen und in der Liebe geschehen zu deiner Ehre und meines nächsten Heil durch Jesum Christum, unsern Herrn! Amen.