Johann Habermann – In Krankheit

Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen: „Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erhören und du sollst mich preisen,“ deswegen schreie ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen sündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genese, um deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nützlicher ist zeitlich zu sterben, denn allhier in diesem Jammerthal und elenden Leben zu bleiben, so geschehe, Herr, dein göttlicher Wille, wie im Himmel also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Altväterbuch – Abendmahl

Dein heiliger Leib, o Herr Jesu Christe, mein Herr und Gott, gedeihe mir zum ewigen Leben, und dein theures Blut zur Vergebung aller meiner Sünden. Laß mir dein heiliges Sacrament nicht zum Gerichte, sondern zur Seligkeit und wahren Freude gereichen, und mache mich armen Sünder würdig, daß ich in deiner letzten Zukunft, am Tage des letzten Gerichts, zur Rechten der ewigen Herrlichkeit fröhlich stehen möge. Amen.

Sebastian Göbel – Nach der Beichte

Ich danke dir von ganzem Herzen, o du väterliches Herz meines Gottes, daß du dich über mich armen Sünder so treulich erbarmet hast. Ich danke dir mit demüthigem Herzen, o du brüderliches Herz meines Herrn Jesu Christi, daß du mich deinem lieben Vater durch dein eigen Blut versöhnet hast. Ich danke dir mit fröhlichem Herzen, o du trostreiches Herz des himmlischen Trösters, des heiligen Geistes, daß du in mir Erkenntniß meiner Sünden, Reu und Leid und einen starken Glauben gewirket hast.

Was soll ich dir dafür geben, o großer Vater? Was soll ich dir dafür schenken, o starker Heiland? Was soll ich dir dafür darbieten, o mächtiger Tröster? Ich habe nichts, ich weiß nichts, ich besitze nichts, ich kann nichts von mir selbst. Was du gegeben hast und noch geben wirst, das soll dir von mir wieder gegeben werden.

O wie freudig ist mir jetzt mein Herz, o wie fröhlich ist nun mein Gewissen! Du hast mich wieder neu geschaffen. Du hast mich von aller Befleckung lauter und rein gewaschen, also daß nun, weil ich in meinem Herrn Christo bin, nichts Verdammliches an mir ist. Darum will ich nun mit Freuden wieder heimgehen und die Zeit erwarten, bis du mich vollends zum Pfand und Versicherung meiner Seligkeit mit deinem Fleische und Blute speisen und tränken wirst. Unterdessen thu meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Rum verkündigt. Amen.

Albrecht – Zum Jahresende

Wir danken dir, Herr Zebaoth, du Gott Israels, wir danken dir für alle deine Güte und deine Wunder, die du dieß verflossene Jahr, wie auch die ganze Zeit unseres Lebens hindurch an uns gethan hast. Denn ob wir zwar bekennen müssen, daß wir alle vielfältig gesündigt haben und deinen Geboten ungehorsam gewesen sind, und du daher nicht unrecht gethan hättest, wenn du wärest mit uns umgegangen wie wir gelebet, und uns gerichtet hättest wie wirs verdienet haben, so ist dennoch deine Barmherzigkeit zu brünstig, daß du nicht gethan nach deinem Zorn, noch dich gekehret, uns gar zu verderben; denn du bist Gott und nicht ein Mensch, und bist der Heilige unter uns. Es ist deine Güte, daß wir nicht gar aus sind, deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Du hast alle unsere Sünde hinter dich geworfen, und uns dieselbe geschenkt und vergeben. Du hast alle unsere Gebrechen geheilet, unser Leben vom Verderben erlöset, und uns gekrönet mit Gnade und Barmherzigkeit: Kirche und Schule und Haus hast du gesegnet und vor allem Uebel behütet. Du hast uns Lehrer gegeben zur Gerechtigkeit, und uns sagen lassen, daß sich ein jeglicher von seinem bösen Wesen bekehre, und sein Leben bessere. Du hast unserer christlichen Obrigkeit Gnade und Weisheit verliehen, daß wir unter ihrem Regiment in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebühret, haben unser Leben vollführen mögen. Du hast uns viel Gutes gethan an Leib und Seele, an Weib und Kind, an Hab und Gut, in der Stadt und auf dem Felde, daß wirs nicht Alles erzählen können. Gelobet sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christ, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, der uns so viel Gutes gethan, vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, und unsere Herzen erfüllet mit mit Speise und Freuden. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Saget, die ihr erlöset seid durch den Herrn, die er aus der Noth erlöset hat, die er errettet aus ihren Aengsten: Gelobet sei der Herr, der Gott Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk sage Amen und lobe den Herrn. Gelobet sei der Herr ewiglich. Amen, Amen.

Lassenius – Dankgebet

Ich hoffe darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gern hilfst. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut.

O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund, mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen: darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ich weiß, du kannst helfen, und hilfst auch gern. Darum hoffe ich auf dich: ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach, Gott, laß es jetzt Zeit sein. Hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Amen.

Lassenius – In Trauer

Ich will ihr Trauern in Freude verkehren und sie trösten und sie erfreuen in ihrer Betrübniß.

Ach, mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last; verzeuch doch nicht länger mit deiner Hülfe. Verkehre mein Trauern in Freude und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß. Denn bei dir ist mein Heil und meine Ehre. Meine Zuversicht ist auf Gott. Amen.

Augustinus – Vor dem Abendmahl

Ich danke dir, lieber Herr Jesu Christe, für deine unaussprechliche Liebe, daß du das menschliche Geschlecht durch deinen heiligen Tod erlöset hast, und bitte dich demüthig, du wollest dein Blut nicht vergebens für mich armen Sünder lassen vergossen sein, sondern wollest meine Seele immer mit deinem Leibe speisen und meinen Geist mit deinem Blute erquicken, auf daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Furcht, auch in einem christlichem Wandel zunehmen und ein reiches Lied deines Leibes und deiner heiligen Kirche sein und bleiben möge. Amen.

Johann Quirsfeld – Nach der Beichte

Ach liebster Herr Jesu, ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mir armen Sünder durch den Diener deines Wortes abermal die gnädige Vergebung meiner sünden hast ankündigen lassen. Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber hast dich meiner Seelen herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfest alle meine Sünden hinter dich zurück.

Ach verleihe mir nun auch ferner deine Gnade, daß ich auf meine Zusage möge anfangen frömmer zu werden. Schaffe doch du, o Gott, in mir ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Ach, laß mich doch ablegen nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Und laß mich hingegen erneuert werden im Geist meines Gemüths und anziehen den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Laß mich ablegen von mir den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung und schandbare Worte. Laß mich tödten Alles was der Erde angehört, alle Unreinigkeit, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei. Hingegen was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem laß mich nachdenken. Gieb daß ich verleugne das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig lebe in dieser Welt, und warte auf die selige Hoffnung und Erscheinung deiner Herrlichkeit, um deines allerheiligsten Namens willen. Amen.

Thomas von Kempen – Bußgebet

Herr, ich will gegen mich selbst bekennen meine Ungerechtigkeit: dir, o Herr, will ich bekennen meine Schwachheit. Oft wirft mich eine kleine Veranlassung darnieder und betrübet mich. Ich nehme mir vor tapfer zu streiten, aber wenn auch nur eine erträgliche Versuchung über mich kommt, so bin ich alsbald in großer Noth. Aus dem Geringfügigsten erwächst mir oft schwere Anfechtung. Und wenn ich mich nur einigermaßen sicher glaube, während ich die Anfechtung nicht fühle, so finde ich mich bald darauf gänzlich selbst von schwachen Angriffen überwunden.

Blicke, o Herr, auf meine Niedrigkeit, und auf die Gebrechlichkeit, die dir bekannt ist. Erbarme dich mein und reiße mich aus dem Sündenschlamm, damit ich nicht gar darin untergehe und ewiglich darin verharre. Das ist es was mich oft peinigt und bestürzt macht, wenn ich vor dein Angesicht trete, daß ich so leicht wanke und so schwach bin, meinen Leidenschaften zu widerstehn. Denn ob ich wohl nicht immer in dieselben willige, so ists mir doch eine schwere Last, daß ich so von ihnen angesteckt bin, und es verdrießt mich immer so im Streite zu leben. Siehe, so groß ist meine Schwäche, daß die bösen und eiteln Gedanken wohl leichlich in mich eingehn, aber schwer sich vertreiben lassen.

O schaue doch, du starker Gott Israel, du eifriger Liebhaber der gläubigen Seele, schaue doch an die Mühe und den Schmerz deines Kindes, und stehe mir bei in allem meinen Vornehmen. Stärke mich mit Kraft aus der Höhe, damit nicht der alte Mensch, das elende Fleisch, das dem Geiste noch nicht völlig unterworfen ist, die Oberhand gewinne und behalte. Stehe mir bei im Kampfe dagegen, der mir, so lange ich in diesem elenden Leben athme, beständig obliegt, daß ich dereinst ans Ziel gelange und die Krone erringe, die du den treuen Streitern aufbehalten hast.

Augustinus – Auf Ostern

Du gütiger, frommer und getreuer Herr Jesu Christe, der du unserer Sünden halben gestorben bist und unserer Gerechtigkeit wegen bist wieder auferstanden: ich bitte dich durch deine heilige Auferstehung, daß du mich auch wollest erwecken aus dem Grabe der Sünden und Missethat, und mir deine Gnade verleihen, daß ich in der Auferstehung der Todten auch deiner Auferstehung möge theilhaftig werden. Amen.