Caspar Kantz – Abendmahlsgebete

Almechtiger Gott mein her Jesu Christe / ich glaub das in dem Brot gegenwertig sey / dein heiliger fronleichnam / unnd in dem wein dein kostbarlichs Blut. Ich glaub auch / das du den leib unnd das blut an dich genommen habest / Adam unnd alle seine nachkomen zu erlösen von dem ewigen tod. Unnd hasts uns verlassen in dem hochwirdigen Sacrament / zu bestätigen deine warhafftige zusagung die sünden zu vergeben / das Bezeugen deine wort / die yetzt in der meß gesprochen werden. Nempt hyn und essent / das ist mein leib der für euch geben wirdt. Nement hyn unnd trincket / das ist mein Blut das für euch vergossen wirdt / zu vergebung der sünden. Uff sollichs trostlichs zusagen beger ich von gantzem meinem hertzenn / in rechter zuversycht unnd gutem vertrawen / das du mich nit lassest heym geen lär unnd hungerig / sonder mich geistlich speisest und trenckest / mit deinem heiligem fronleichnam und rosenfarben Blut / zu vergebung aller meiner sünden uff das ich in warer lieb gegen dir / und Brüderlicher treuw gegen meinen nechsten bestätiget werde. Amen.

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O ewiger barmhertziger gott / ich armer ellender sünder / bin berufft und geladen von dir / zu deinem hohen kostreichen abentmal / da du dein eigen leib unnd blut mir zu einer heilsamen speys und volkomnen tranck gnädigklich hast zubereit. Nun erkenn ich mich warlich ein armen unwirdigen sünder / auch der wenigisten gnad bey dir gantz ungemäß. Ich glaub aber on allen zweifel / das du mir dein heiliges sacrament unnd rheylich testament / treulich werdest geben zu einem starcken zeychen / unnd sichern pfand deiner warhafftigen zusagung / die du uns gethon hast mit sollichen worten. Wer mein fleisch ysset / unnd mein Blut trinckt / der bleibt in mir / und ich in jm / und hat das ewig leben / und ich werd in erwecken an dem jüngsten tag. Uff solich dein tröstlich zusagen / beger und wil ich yetzt entpfahen dein heiligen fronleichnam / der für mich dargeben ist in tod. Und dein unschuldigs blut / das für mich vergossen ist zu vergebung aller meiner sünden. Wie wol ich darzu gantz unbereit und des nit wirdig bin. vermag auch durch mein eigne reuw / beicht / Buß / noch andere werck nit rein ( würdig und bereit werden. Darum beger ich von dir meinem einigen gott und heyland / das du mich barmhertzigklich wollest bereiten und würdig machen. Denn darumb das ich ein armer unwürdiger sünder bin / wil ich zu dir / aller sünder trost / fliehen und dich entpfahen in warem glauben. Uff das ich allein bey dir unnd von dir meinem engstlichen gewissen mög ruw und trost finden / und das du in mir bleibend mich dir bereitest nach deinem göttlichen wolgefallen. Ich zweifel auch gar nichtszs / deine krefftige wort werden an mir gentzlich unnd warlich erfüllet / durch welche ich gantz wol getröst / frölich will hin geen zu dir meinem gütigen gott. Unnd glaub vestigklich / das du den leib und das blut an dich genommen habest mich zu erlösen von dem ewigen tod. Darum geschech mir nach deinem wort. Amen. Der rid sey mit mir. Amen.

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Martin Luther – Abendmahlsgebete

Marc. 9, 24. Mein Herr Jesu Christe, siehe an meine Unseligkeit, Elend und Dürftigkeit; ich bin dürftig und arm, und dennoch so verdrossen zu dieser deiner Arzney, daß ich mich auch nach den Reichthümern deiner Gnade nicht sehne. Derhalben, o mein Herr, entzünde in mir die Begierde deiner Gnade, und den Glauben deiner Zusage, damit ich dich, meinen allerfrömmsten und allergütigsten Gott, nicht beleidige durch meinen verkehrten Unglauben und Faulheit.

Matth. 26, 26-28. Herr! Wahr ists, daß ich nicht würdig bin, daß du gehest unter mein Dach, so bin ich doch dürftig und begierig deiner Hülfe und Gnade, daß ich auch möge fromm werden. So komme ich auf kein anderes Verlassen, denn daß ich jetzt süße Worte gehört habe, da du mich mit zu deinem Tisch ladest, und sagest mir Unwürdigen zu, ich soll Vergebung aller Sünde haben durch dein Leib und Blut, so ich’s esse und trinke in diesem Sacrament. Amen. Lieber Herr, dein Wort ist wahr, da zweifle ich nicht an, und darauf esse und trinke ich mit dir, mir geschehe nach deinem Willen und Worten. Amen.

Herr, du hast das Sacrament deines Leibes und Blutes darum eingesetzt und uns gelassen, daß man da Vergebung der Sünde finden soll; so fühle ich, daß ich sein nothdürftig bin. Ich bin in Sünde gefallen, und stehe in Furcht und Verzagen, bin nicht kühne, dein Wort zu bekennen, habe so viel und so viel Gebrechen: darum komm ich nun, daß du mich heilest, tröstest und stärkest rc.

Ach du lieber Herr Gott, der du uns bei diesem wunderbarlichen Sacrament deines Leidens zu gedenken und predigen befohlen hast, verleihe uns, daß wir solch deines Leibes und Blutes Sacrament also mögen brauchen, daß wir deine Erlösung in uns täglich fruchtbarlich empfinden. Amen.

Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott, daß du uns durch deine heilsame Gabe hast erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lassest zu starkem Glauben gegen dich, und zu brünstiger, Liebe unter uns allen, durch Jesum Christ, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Philipp Melanchthon – Abendmahl

Almechtiger Gott / ewiger vater unsers Herren Jhesu Christi / schöpffer aller ding / und der du alles erheltest / mit deinem gleichewigen Son unsern HErren Jhesu Christo und deinem heiligen Geist. Erbarme dich mein / umb deines Sons Jesu Christi willen / welchen du aus wunderbarlichem und unaußsprechlichem rath / vor uns ein schlachtopffer hast lassen werden / und zugleich deinen zorn wider die sünde / und unmeßliche deine grosse barmherzigkeit gegen dem menschlichen geschlechte angezeiget hast / heilige und erhalte deine kirche / und weltliche regiment / welche herbergen sein deiner kirchen.

Ich dancke dir auch allmechtiger Gott / ewiger Vater unsers HErren Jhesu Christi / Schöpffer aller ding / und der du sampt deinem gleichewigen Sohn unserm HErren Jhesu Christo / und deinem heiligen Geiste / alles erheltest / das zu dich aus unermeßlicher gütigkeit / deiner kirchen geoffenbaret / und deinen Sohn unseren HErrn Jhesum Christum gesendet hast / auff das er vor uns ein schlachtopffer würde / und uns durch jn vergebung der sünden und ewiges leben geschencket würde / und das du deine unermeßliche wolthaten / durch das Euangelium und deine sacramenta uns mitteilest / und das heilige ampt des euangeliiund die kirche erheltest / und nit verleschen lessest. Ach das wir mit danckbaren und brünstigen herzen / solche deine grosse gütigkeit und hohe wolthaten / erkennen betrachten und preisen möchten. Ich bitte dich aber / du wolst uns durch deinen heiligen Geist erleuchten / auff das unsere herzen dir danckbar sein / und in all unserem leben danckbarkeit leuchten möchte.

Dir dancke ich auch HErr Jesu Christe Gottes sohn / der du für uns gecreuziget und wider von den toden aufferwecket bist dz du aus trefflicher grosser lieb gegen uns / bey deinem ewigen vater / für das ganze menschliche geschlecht gebetet / und auff dich selbst den zorn Gottes / welcher war wider unsere sünde / geleget hast. Entzünde unsere herzen / auff das wir solche höchste wolthat immer für und für verstehen / und dich mit warer danckbarkeit preisen mögen. Amen.

Philipp Melanchthon – Abendmahl

O Jhesu Christe / deß lebendigen Gottes son der du vor uns gecreuziget und wieder aufferwecket bist / erleuchte unsere herzen / auff das wir zu Gott bekeret werden / und seinen zorn / unddeinen todt / nicht möchten gering halten / Sondern das wir zu der erkenntniß aller deiner wolthaten / und des wunderbarlichen raths von deinem tode warhafftiglich möchten gebracht werden. Dieser rath ubertrifft weit / aller weißhet der gantzen und aller Creaturn. Darumb O Jesu Christe Gottes sohn / wolstu uns lehren und unterweisen / der du gesprochen hast. Niemand kennet den Vater / denn nur der Son / und wem es der sohn wil offenbaren / Amen.

Georg Spalatin – Abendmahl

Ewiger barmhertziger gott ich armer sunder kum zu dir von dir zu hollen gnad/ heyl/ gesundthait und seligkayt/ dann ich weyß mich der bey kainer creatur weder jn himel noch auf erden zu erhollen. Darumb bit ich dich durch dein göttlich zusage/ du wellest mich dz werck deiner hende gnediglich an nemen amen.

O got verleich uns was du heyst/ und gib uns das du gebeutest.

O herr fure uns auß den wercken in den glawben/ auß unserm vermügen in dein vermügen/ und auß dem freien willen in dein götlich gnade.

O almechtiger got mach uns selig durch dein grundloße barmhertzigkayt und gib uns unnd allen Christglawbigen lebendigen und todten dein gnad und lieb deiner gebot und endtlich die ewig seligkayt amen.

Johann Friedrich Stark – Abendmahlsgebet

Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünden dich in den Tod hast gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seelen speise in dem heiligen Abendmahl eingesetzt hast. O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleib ich in dir und du in mir, du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann mich meine Sünden nicht schrecken, und Satan nicht verdammen; dann in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünden. Hie empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hie empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungs-Blut, dadurch meine und aller Menschen sünden sind getilgt worden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, so ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegebn, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament, giebst du mir das Pfand deines Lebens und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Jesu, wahres Brod des Lebens, hilf, daß ich ja nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden, komm zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Gnadenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie hie auf Erden, mög ein Gast im Himmel werden, Amen.

Thomas von Kempen – Abendmahl

Du befiehlst, o Herr, daß ich mich zuversichtlich Dir nahen soll, wenn ich an Dir Theil haben, wenn ich die Speise der Unsterblichkeit empfangen will. Kommet her zu mir, sprichst Du, Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. O süßes und liebliches Wort, mit dem Du die armen und bedürftigen Sünder zum Genusse Deines Leibes und Blutes einladest! Aber wer bin ich doch, o Herr, daß ich mich unterstehen darf, Dir zu nahen? Siehe, der Himmel Himmel fassen Dich nicht; wie kann ich Dich unter mein Dach treten lassen? Ach, und wie oft habe ich Dein heiliges Antlitz verletzt, wie selten bin ich gesammelt, wie oft zerstreut gewesen! Aber dennoch sprichst Du so freundlich: Kommet her zu mir Alle! und ich glaube Deiner Verheißung, weil Du es sprichst. Hier in Deinem heiligen Sacramente bist Du gegenwärtig, wahrer Gott und wahrer Mensch; hier empfängt man eine reiche Frucht des ewigen Lebens, so oft man in Andacht und Glauben hinzutritt. O Herr, wie wunderbar handelst Du mit Deinen Auserwählten, daß Du Dich selber ihnen zu genießen giebst! In diesem Sacramente wird geistliche Gnade gespendet und die Seele zur Tugend gestärkt; ja selbst der schwache Leib fühlt sich darnach erfrischt und erquickt. Darum sage ich Dir Dank, lieber Heiland, ewiger Hirt, daß Du uns Arme einer so großen Gabe gewürdigt und mit Deinem eignen Munde uns so freundlich zu Dir geladen hast, da Du sprichst: Kommet her zu mir, Alle, die ihr müh. selig und beladen seid, ich will euch erquicken.

Huldrych Zwingli – Abendmahlsgebet

Durch Deinen Mund, o Herr, belehrt, daß Himmel und Erde eher vergehen, als Dein Wort, glauben wir festiglich, daß auch nicht der kleinste Buchstabe desselben dahinfalle. Daher glauben wir zuversichtlich, daß Dein Sohn, sowie wir versichert sind, daß Er durch das Einmal am Kreuze für uns dargebrachte Opfer uns Dir ewig versöhnt, uns unter den Zeichen des Brodes und Weines, sich selbst zur Speise unserer Seelen dargegeben habe, damit das Gedächtniß dieser seiner Liebesthat niemals unter uns erlösche. Wenn aber dennoch unser Glaube irgend wanken sollte, so vermehre Du nach Deiner Güte unsern Glauben und verleihe, daß, sowie Dein Sohn durch die Schmach und Bitterkeit des Kreuzes uns zu Deiner Gnade zurückgeführt, und uns die ewigen Freuden erworben hat, auch wir, indem wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, nach seinem Vorbilde und von ihm geleitet und getragen, die Leiden und Anfechtungen dieser Welt überwinden. Zu dem Ende hat er sich ja uns zur Speise dargegeben, damit auch wir, sowie er selbst die Welt überwunden, durch ihn genährt und gestärkt die Welt zu überwinden vermögen. Vergebens rühmen wir uns sein Gedächtniß zu begehen, wenn unser Ruhm nur im Wort besteht. Verleihe Du denn, liebreichster Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch den Du alles belebest, erneuerst und regierest, daß wir durch die That ihn verkündigen und darstellen, damit in uns Dein Bild, das vormals in Adam verdunkelt worden, wieder zu seinem ersten Glanze erneuert werde. Daß solches in uns um so lebendiger und kräftiger geschehe, so verleihe, o Gott, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, daß Alle, welche jetzt der Speise seines Leibes und Blutes theilhaftig werden, auch von nun an ihm allein sich weihen und leben, und in ihm, der eins mit Dir ist, auch Eins werden.