Friedrich Christoph von Oetinger – Fürbitte im Glaubenskampf

Friedrich Christoph von Oetinger – Fürbitte im Glaubenskampf

O Jesu, es ist Zeit, jetzt ist es Zeit, mich mit Wahrheit zu umgürten und die Gerechtigkeit als einen Panzer anzulegen, den Helm des Heils, das Schwert des Geistes und den Schild des Glaubens zu gebrauchen. Wie aber? Herr, ich bete zu dir, ich rufe dich an. Lehre mich segnen meine Feinde. Doch du willst ja, daß diese Bösen in sich gehen und ihre Bosheit fühlen. Behalte ihnen ihre Sünden, bis sie Buße tun. O Herr, hilf mir, mach mich los von allem Zweifel. Ich muß werden wie ein Tier vor dir. Du allein hilfst heraus aus diesem Schlamm, da man nicht gewiss treten kann, da man glaubt und zweifelt, da man vergibt und zürnt, da man dein Recht und deine Erbarmung anfleht. O Gott, o Jesu, heute früh nahte ich mich vor deinem Gnadenthron, aber ich hatte keine Kraft zu beten. Die satanischen Anfälle der vielen Gedanken halten mich ab und schwächen das Gebet. Ich vergesse auch, dass ich in einem solchen Kampf mit dem Satan bin. Ich übe mich nicht genug, die Wahrheit umgürtet zu haben, die zu diesen Versuchungen gehört. Ich sehe, dass ich mich viel zu stark auf Wahrheit verlasse, die ich noch nicht bereitet habe als einen Gurt wider die Zerstreuung. O lehre du mich, mein Jesu, wider Satan streiten. Ach Jesu, soll ich denn nicht festen Grund bekommen in dieser zweifelhaften Sache? Offenbare es doch, dass ich Ruhe habe, weil es aber nicht schnell geht, lass mich dein harren und nichts tun, bis du deinen Willen zu erkennen gibst. Amen.

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