Johann Friedrich Stark – Bei aufziehendem Unwetter

Johann Friedrich Stark – Bei aufziehendem Unwetter

O du starker und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken; wie deine Blitze leuchten, und wie dein Donner brüllt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wann du wolltest, so könntest du mich alle Menschen in einem Augenblick sammt allen Kreaturen zu Boden schlagen. Aber ach Herr, Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Übertretung, gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdienet hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmettertest. Aber ach, du langmüthiger Gott! verschone meiner bei diesem Ungewitter. Gott! sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Übertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen und Ängsten hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich zu dir, o mein Vater! und bitte dich, sey deinem Kinde gnädig, schütze mich, bewahre mich, stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre, und kein Strahl verletze. Ach, Herr Jesu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland! sey nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir, sey mir ein starker Schutz, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab. Gott, mein Heil! siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen, aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu! ich schreie mit den Jüngern: Herr! hilf uns, wir verderben. O du werther heiliger Geist! erwecke mein Herz zum Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter möge erweckt und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße thun, mich bekehren, und von Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und über alle fromme Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand mein Leib und Leben, Haus und Hof, bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Blitz nicht mein Haus anzünden, oder mich verletzen, sey du mein Beistand in der Noth, denn Menschen-Hülfe ist kein Nütze. Ach du mächtiger Schutz-Herr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Ach Herr! wer ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckest, ach! verschone meiner, und laß mich auch diesesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! sey uns gnädig, verschone uns, lieber Herre Gott! sey uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! vor Feuer- und Wassernoth, behüt uns, lieber Herre Gott! vor einem bösen schnellen Tod, behüt uns, lieber Herre Gott! schlag nicht bei uns ein, frommer Gott, sieh an des Herren Jesu Tod. Du heilige Dreieinigkeit! nimm Leib und Seel in deine Hut, bewahr auch Häuser, Haab und Gut. Verschon uns, lieber Herre Gott! und wende von uns diese Noth, so wollen wir zu aller Zeit, stets rühmen deine Gütigkeit, Amen.

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