Herr Gott, dreieiniger Gott, du hast in deinem heiligen Worte uns geboten, dass wir für einander beten sollen. Darum unterwinden wir uns, mit dir zu reden und dir unseres Herzens Anliegen vorzutragen. Du wollest unser Flehen nicht verwerfen, sondern gnädig annehmen und erhören. Wir bitten dich, du treuer Gott und Heiland, für deine liebe Kirche; erhalte, schütze, regiere und führe sie; schenke ihr allezeit treue Hirten und Lehrer, salbe dieselben mit deinem Geiste und segne ihre Arbeit; wehre allen Feinden, dämpfe alle Irrlehren, bewahre deine Gemeinde vor Ärgernis und Spaltung und lass die Ehre deines heiligen Namens in der Welt immer mehr ausgebreitet werden. Erleuchte die Irrenden, bekehre die Gottlosen, habe Langmut mit uns armen Sündern, vergib den Bußfertigen und züchtige die losen Verächter. Erbarme dich aller armen Heiden und segne die Boten des Friedens, welche du zu ihnen sendest, dass sie dir ein groß Volk gewinnen und dein Name also hier und an den Enden der Erde geheiligt werde. Segne auch die christlichen Schulen, alle Lehrer und die liebe Jugend, damit dieselbe aufwachse in wahrhaftiger Gottesfurcht und rechtschaffenem Glauben. Nimm in deine gnädige Obhut alle Anstalten, die zur Förderung deines Reiches und zur Ausbreitung deines lieben Evangeliums dienen, und erfülle mit deinem Geiste Alle, die daran arbeiten. Beschütze auch, du starker allmächtiger Gott, unser Regiment und gemeines Wesen und gib allen Fürsten und Obrigkeiten Davids Gottseligkeit und Salomos Weisheit. Hilf, dass sie deiner Kirche, des ganzen Vaterlandes und aller ihrer Untertanen sich treulich annehmen und segne ihr Tun reichlich. Insbesondere befehlen wir in deine Gnadenhand unsern lieben Landesherrn. Pflanze in die Herzen aller Gewaltigen Gedanken des Friedens; hilf, dass die Edlen auch nach Gott fragen; gib allen Räten heilsame Anschläge; verleihe allen Richtern die Gerechtigkeit, allen Beamten die Barmherzigkeit, auf dass bei uns und überall das Böse gestraft, das Gute belohnt, dem Übel gesteuert und was löblich ist, erhalten und gefördert werde. Sei mit allem Volke, dass sie die Obrigkeit lieben, ihre Herrschaft ehren und den Gesetzen folgen; segne einen Jeden in seinem Stande und Berufe; walte gnädig über unsrem ganzen Vaterlande und über dieser Gemeinde. Benedeie auch den Hausstand und verleihe allen Hausvätern und Hausmüttern Friede in ihrer Ehe, Glück in ihrer Nahrung und Freude an ihren Kindern. Den Kindern gib guten Gehorsam, kindliche Furcht, rechtschaffene Demut und Ehrerbietung, und lass allen Segen ihrer Eltern reichlich an ihnen erfüllt werden. Beschere allen Herren und Frauen gute Dienstboten; allem Gesinde aber verleihe Herzliche Liebe und Gehorsam, Treue und Redlichkeit. Lass dir, o Herr, alle Menschen befohlen sein und gib einem Jeden, was er bedarf. Insbesondere erbarme dich aller Armen und Elenden; tröste alle Traurigen und Betrübten; erbarme dich aller Kranken; bekehre alle um Verbrechen willen und erlöse alle unschuldig Gefangenen; trage die Alten, hilf den Kindlein, versorge die Witwen und Waisen, stärke und tröste die Sterbenden. Sei gnädig allen denen, so uns feind sind, und mache sie uns freundlich gesinnt. Halte in deiner Gnade Alle, die sich unserem Gebete befohlen haben und die du gar wohl kennest. Zuletzt aber lass dir, lieber Gott, noch besonders befohlen sein alle unsere Angehörigen in der Nähe und in der Ferne; behüte sie vor allem Übel, gib ihnen alles Gute und regiere sie mit deinem heiligen Geiste. Sei mit ihnen, mit uns Allen heute und alle Tage, und hilf uns endlich, wenn unser Stündlein kommt, aus zum ewigen Leben. Amen.
Gottfried Arnold – Am Anfang der Woche
Bei diesem Anfang der Woche rufe ich zu dir, o heiliger Gott und Vater, im Namen Jesu Christi, du wollest mein Herz, Mut und Sinn mit deinem heiligen Geist erfüllen, damit ich allein das denke, rede und tue, was du selber in mir willst und wirkst. Ach vereinige meine Gedanken und Begierden mit dir durch die Liebe Christi, und reinige mein Gewissen durch sein Blut, damit ich in deinem heiligen Gehorsam einhergehe. Siehe, ich übergebe mich dir auf diese ganze Woche, ja auf mein Lebenlang, stärke mich mit deiner Kraft, mache mich aufrichtig, dir und meinem Nächsten in Liebe zu dienen. Lehre mich wider alle Verführungen meines verderbten Herzens und böser Menschen streiten. Mache mir die Eitelkeit recht bitter, dass du mir desto süßer werdest. Hilf mir die Last dieser Woche tragen, leite mich wie ein lieber Vater, und mache mich kindlich gehorsam. Sprich selbst deinen Segen über meine Arbeit, und gehe mir mit deiner Weisheit vor, damit ich fröhlich und getrost darin, aber auch gewissenhaft und treu sei. Ja werde du selbst in mir und allen meinen Dingen Anfang, Mittel und Ende, zu deinem Preis und meinem Heil. Amen.
Carl Gerok – Zu uns komme Dein Reich
Zu uns komme dein Reich! dieser Bitte, o himmlischer Vater, die dein lieber Sohn auf unsere Lippen gelegt hat, greifen wir heute die Arbeit der Woche, das Tagwerk unserer Hände wieder an. Lass uns in den Sorgen dieser Welt nicht vergessen dein Gebot: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das Übrige alles zufallen! Lass uns über den zeitlichen Marthageschäften nicht versäumen das ewige Mariateil, die köstliche Perle deines Himmelreichs. Lenke all unser Tun und Arbeiten, all unsere Schicksale und Führungen, den ganzen verworrenen Lauf dieser Welt, ja selbst die boshaften Anschläge deiner Feinde mit deiner allmächtigen Königshand zu dem herrlichen Ziele hin, dass dein Reich komme! Lass dein Reich, das Gnadenreich deines lieben Sohnes Jesu Christi, kommen in die Welt auch durch die Gerichte dieser Zeit! Lass es kommen zu den armen Heiden, dass sie, errettet von der Obrigkeit der Finsternis, ihre Kniee beugen vor dir, dem lebendigen Gott. Lass es kommen in deine Christenheit, damit du dir reinigst aus ihr ein Volk des Eigentums, das da fleißig sei zu guten Werken. Lass es kommen in unser Vaterland, damit es ein Garten Gottes werde, darin Güte und Treue sich begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Lass es kommen in unsere Häuser, auf dass Zucht und Gottesfurcht wohne bei Hohen und Niederen, bei Alt und Jung, bei Herrschaft und Gesinde, und man über unsere Türe könne schreiben: siehe da eine Hütte Gottes bei den Menschen! Lass es kommen in unsere Herzen; reute je mehr und mehr aus das giftige Unkraut der Selbstsucht, des Hochmuts, des Zornes, der Lüge und aller fleischlichen Lüste, und pflanze und pflege in uns die Früchte des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Getreuer Gott und Vater, du hast uns in deiner Christenheit mit den Gütern deines Reiches begnadigt vor vielen Millionen, hast uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich deines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. O lass uns solche Gnade nicht vergeblich empfahen, lass dein Reich täglich mehr inwendig kommen in uns, damit wir rechte Kinder deines Reiches werden.
Siehe, aus dem Jammer dieser Welt und aus der Not unserer Sünden heben wir flehend unsere Hände empor zu dir, dem Vater des Lichts, von dem alle gute und vollkommene Gabe kommt; höre uns, erhöre uns: Zu uns komme dein Reich! Amen.
Carl Philipp Wilhelm Teichmann – Montag
Anbetungswürdiger Gott, reich an Gnade und Erbarmen gegen alle deine Kinder! auch uns hast du heute wieder große Treue und Barmherzigkeit erwiesen. Unter deiner beschützenden Aufsicht waren wir frei von Gefahren und Leiden, die so viele unserer Nebenmenschen getroffen haben. Väterlich hast du sowohl für die Erhaltung unseres irdischen Lebens, als auch für die Bedürfnisse unseres unsterblichen Geistes gesorgt, und uns aus deinem Worte Warnung, Rat und Trost erteilt. Für alle diese großen und unverdienten Wohltaten bringen wir dir nun mit gerührter Seele den demütigsten Dank, und bitten dich, Vater aller Barmherzigkeit, vergib uns um Jesu willen, was wir gefehlt oder versäumt haben am heutigen Tage! Gedenke nicht unserer Sünden und Übertretungen, sondern gedenke unser nach deiner Gnade, die du allen reumütigen und auf Jesum vertrauenden Sündern verheißen hast. Lass die heilsamen Eindrücke, die dein Wort auch heute wieder auf unsere Seele gemacht hat, nie durch die Sorgen und Zerstreuungen dieses Lebens wieder vernichtet oder geschwächt werden. Herr, beweise dich ferner durch deinen Geist wirksam an unserer Seele. Ziehe uns zurück von allen Wegen des Verderbens; erleuchte unsern ganzen Wandel. Lass uns stärker im Glauben, völliger in der Liebe, treuer und fleißiger in Ausübung guter Werke werden. Erbarme dich über uns und über alle Menschen, und gib jedem, was er zur wahren Wohlfahrt seines Leibes und Geistes bedarf. Wie viele Gebete und Lobgesänge von Gesunden und Glücklichen, aber auch wie viele Seufzer und Tränen von Armen und Elenden werden an diesem Abend wieder zu deinem Throne emporsteigen! Allgütiger Vater, allmächtiger Erretter, sei gnädig Allen, die zu dir rufen! Lass uns auch in dieser Nacht deiner Vatertreue empfohlen sein; beschütze, erquicke, segne und hilf uns! Dir sei Lob, Preis und Dank gesagt durch Jesum Christum! Amen.
Carl Grüneisen – Montag
Der helle, heitere Schein des Sonntags ist erloschen und das Dunkel herbeigekommen. O dass gleichwohl dieser Tag die Sonne bliebe, welche die lichten, lieblichen und warmen Strahlen deiner Gnade, o Gott, über diese Nacht und über die ganze fernere Woche ausgösse; dass auf diesen Tag des Herrn eine Woche des Herrn nachfolgte, darinnen Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe, Frieden und Eintracht unter uns wohnten, und da ich mit allen meinen Kräften mich bestrebte, dein Wohlgefallen zu erlangen und um mich her zu verbreiten. Ich habe dir heute am Morgen zugelobt und von dir erbeten, dass dein großer Name, der Name, der all meinen Trost und jede meiner Pflichten in sich fasst, geheiligt werde. Wie habe ich diese Zusage gehalten, und hast du mir meine Bitte gewähren können? Habe ich in den stillen Stunden dieses Tages gesorgt, reich zu werden an dem inwendigen Menschen? Habe ich dein Wort mit demütiger Begierde vernommen und mit unparteiischem Ernste auf mich angewendet? Habe ich auch außer dem Hause, wo deine Ehre wohnt, in deinem seligen Umgange mich erhalten und mich gehütet zu reden oder zu tun, ja zu denken und zu wünschen, was deiner Ehre und deinem Namen zuwider wäre? O vergib mir, was ich versäumt; vergib, wo ich übertreten habe; gib mir ein neues Herz und einen neuen, gewissen Geist, der in deiner Furcht wandle und deinen Willen unsträflich vollbringe. Lass mich im Vertrauen auf deine Gnade, die größer ist als unser Herz, und im Aufsehen auf den teuren Anfänger und Vollender des Glaubens, jetzt zur Ruhe gehen und unter den Flügeln deiner Treue einschlafen, und segne meinen Schlummer, dass ich hinfort träumend oder wachend, deinen Namen heilige und deinen Frieden behalte! Amen.
Evangelische Handagende – Montag
Herr Gott, Dreieiniger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, Schöpfer Himmels und der Erden, wir loben und preisen dich, dass du uns an dem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit wiederum reichlich versorgt hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brot, sondern auch an unserer Seele mit der himmlischen Speise deines heiligen Wortes. Verleihe, o getreuer Gott, dass es in unsrem Herzen bleibe und Frucht schaffe zu deiner Ehre und unserer Seligkeit. Wir bitten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein reines Wort und Sakrament nicht entziehen, und unsere Schuld und Sünden, mit welchen wir den heutigen Tag möchten entheiligt haben, uns nicht entgelten lassen, sondern dieselben uns zu Gnaden wenden und um des bitteren Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesu Christi willen barmherziglich verzeihen. Wollest auch auf die noch übrige Zeit unsers kurzen Lebens uns dir in deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen befohlen sein lassen. Lass deine heiligen Engel sich um uns her lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde. Erbarme dich, o Herr, der ganzen Christenheit und entlade deine Gemeine aller Bedrängnis, Spottes und Tyrannei. Begnadige sie mit heiliger Einigkeit, tröste alle geängsteten und betrübten Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns Allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler, der in Einigkeit des heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht, wahrer Gott immer und ewiglich. Amen.
Dieffenbach, Georg Christian – Montag
Herr Gott, Dreieiniger Gott! wir bringen vor deinen ewigen Thron heute die Opfer unseres Lobes und Dankes für alle Wohltaten, die du in himmlischen und irdischen Gütern über uns ausgeschüttet hast. Wir danken dir für dein heilig Wort und Sakrament, für deine liebe Kirche, für Hirten und Lehrer, so du uns gesetzt und verordnet hast, und für alle geistlichen Segnungen, die aus deiner Gnadenfülle uns zuströmen. Wir danken dir, dass du uns gnädig bewahrt hast vor allerlei Übel und Schaden und hast durch deine starke Hand kräftig beschützt unser Haus, unsre Gemeinde, unser ganzes Vaterland. Wir bitten dich, o Gott! du wollest auch fernerhin sein unsere feste Burg, unser Schild und Hort, unser Schutz und Schirm wider alle Anläufe des bösen Feindes und wider allerlei Übel des Leibes und der Seele. Stelle du allezeit deiner heiligen Engel Wacht und Hut vor dieses Hauses Schwelle, dass uns kein Übel treffe, und halte deine Hand über uns und alle unsre Brüder. Schütte deinen Segen aus über uns allesamt, über unsern Landesherrn und seine Gewaltigen, über deine liebe Kirche und ihre Diener, über unsere Gemeinde und alle ihre Glieder. Lass deine reiche Gnade insonderheit schmecken alle unsre Freunde und Anverwandte, die nach deinem heiligen Willen mit uns verbunden sind durch heilige Bande des Blutes und der Freundschaft. Segne unser Haus und Alle, die darin wohnen und ein und ausgehen. Verleih uns Frieden und gib uns Allen gläubige, demütige, gottselige und friedsame Herzen, dass unser Haus ein Gotteshaus werde, darin wir allesamt dir dienen als unserm liebsten Herrn und Heiland. In aller Trübsal verleihe uns Trost, in aller Krankheit gnädige Hilfe, in Armut deinen treuen Beistand und im Tode festen Glauben. Erbarme dich unser und all der Deinen und sei und bleibe unser gnädiger und treuer Gott von nun an bis in Ewigkeit. Amen.
Carl Gerok – Montag
Geheiligt werde dein Name; Hochheilig, o Herr der Herrlichkeit! ist dein Name an ihm selber und du bedarfst nicht das Lob unsrer sündigen Lippen. Die reinen Himmelsgeister beten dich an mit verhülltem Angesicht, und die Seraphim vor deinem Thron rufen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Aber auch auf Erden willst du deinem Namen ein Haus bauen, auch aus dem Munde deiner Menschenkinder willst du dir ein Lob zubereiten. Wir preisen dich, dass du durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, deinen Namen hast geoffenbart und verklärt in der Welt, und hast auch uns berufen, dass wir etwas werden sollen zum Lobe deines herrlichen Namens. Wir danken dir, dass du auch heute wieder deinen heiligen Namen deiner Christenheit hast predigen lassen aller Orten, und dass auch wir in deinem Haus und im Kämmerlein mit Singen und Beten haben einstimmen dürfen in die Chöre deiner Gemeinde, die im Himmel und auf Erden dir lobsingt. So sei denn dein Name von uns geheiligt auch am stillen Abend dieses Ruhetages, und nicht anders wollen wir heut‘ einschlafen, als mit deinem Namen in unserm Herzen, mit deinem Lob auf unsern Lippen! Aber gib, o Herr! dass dein Name nicht nur heut‘, sondern immerdar, nicht allein von uns, sondern allenthalben je mehr und mehr geheiligt werde durch Wort und Tat. Lass uns deinen Namen preisen nicht allein durch ein frommes Gebet, sondern auch durch ein mutiges Bekenntnis, durch ein heiliges Leben, durch ein christliches Dulden, durch ein seliges Sterben. Steure allem Ärgernis, wodurch dein Name unter uns entheiligt wird. Mache die Spötter stumm und lehre die Flucher beten. Die anders von dir lehren, denn uns das Wort Gottes lehrt, die führe zur Erkenntnis deiner Wahrheit; die dich nur mit den Lippen ehren, aus denen mache solche Leute, die in deinen Geboten wandeln und deine Rechte halten; die noch in Finsternis und Todesschatten sitzen, denen tue deinen heiligen Namen bald kund durch das Evangelium deines lieben Sohnes, bis alle Lande deiner Ehre voll sind und der ewige Sonntag anbricht, wo eine große Schaar aus allen Heiden und Völkern und Sprachen dir lobsingen wird in himmlischen Chören: Geheiligt werde dein Name! Amen.
unbekannt – Sonntag
Gesegnet sei uns der Tag, den du, Vater der Gnade und Barmherzigkeit, uns heut begrüßen lässt, gesegnet der Tag des Herrn, an welchem wir von den irdischen Geschäften ruhen und unser Geist sich in die Gedanken und Taten deiner rettenden Liebe versenken soll. Lehre uns, Vater! über das Heil unsrer durch Christum teuer erkauften Seele ernstlich nachdenken. Dein untrügliches Wort, das unsre Seele selig macht, zeigt uns den Weg zum Leben: drum lass es durch deinen Geist recht lebendig und kräftig in uns werden, dass es unsern Verstand erleuchte, unser Gewissen stille, unser Herz und Leben heilige und verkläre; lass es uns heute recht tief und innig empfinden, welch ein Glück es ist, ein Christ zu sein und den Segen in himmlischen Gütern durch Christum zu beerben. Herr! rede du selber heute an unser Herz: denn du hast Worte der Wahrheit; rede zu unsrer Seele: du hast Worte der Liebe; rede zu uns: du hast Worte des Trostes und der seligsten Hoffnung. Öffne uns das Auge des Geistes, dass wir schauen deine Geheimnisse und erkennen das neue Gebot deiner Liebe. Lass den unvergänglichen Samen deines Wortes in uns keimen und gedeihen, dass er Früchte bringe, die zum ewigen Leben reifen. Segne unsre Andacht, dass sie eine Anbetung deines Namens im Geist und in der Wahrheit sei. Bewahre uns vor Gedankenlosigkeit, vor Leichtsinn und allen sündlichen Zerstreuungen und lege deinen reichen Segen auf die Feier dieses Tages für uns und alle Christen. Heilige uns in deiner Wahrheit; heilige unser ganzes inneres und äußeres Leben und hilf uns Allen zum Leben und zum Frieden in dir. Amen.
Karl Gerok – Sonntag
Vater unser, der du bist im Himmel! Nimm an diesem dir geweihten Tage in Gnaden an das arme Lob unsrer Lippen und neige huldreich dein Ohr zum Flehen deiner Kinder. Ach! was sind wir Menschen, dass wir uns unterwinden, zu reden mit dir! Du bist der Selige und Alleingewaltige, wir aber sind Erde und Asche. Die Morgensterne loben dich alle zusammen, und die Seraphim singen dir ein herrliches Halleluja, unsere Lieder aber sind vor dir wie das Beben des Laubes im Wind, wie das Wehen des Lüftleins im Gras. Und doch, du großer, starker Gott, dürfen wir unsre Hände zu dir erheben, und dich anrufen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Wir danken Dir, dass du unser Elend in Gnaden angesehen, dass du in Jesu Christo, unserm lieben Heiland, uns dein Vaterantlitz zugewandt, dein Vaterherz aufgeschlossen, deinen Vaternamen uns geschenkt hast. Auf sein Geheiß kommen wir, in seinem Namen sprechen wir: Vater unser, der du bist im Himmel!
Wohl uns Kindern, des Staubes, dass wir haben einen Vater im Himmel; einen allmächtigen Vater, der im Himmel ist und kann schaffen was er will; einen allwissenden Vater, der da weiß, was wir bedürfen, ehe denn wir bitten; einen allgütigen Vater, dessen Güte reicht, so weit der Himmel ist, und seine Wahrheit, so weit die Wolken gehen; einen ewigen Vater; bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. So lass denn, du lieber himmlischer Vater! deinen teuren Vaternamen in Jesu Christo uns auch heute wieder recht lieb und groß und lebendig werden. Versammle uns heut‘ aus der Zerstreuung der Welt in deinem Haus als deine Kinder zu deinen Füßen, und lass uns gerne sein in dem, das unsers Vaters ist. Schreib‘ es uns aufs Neue in die Herzen: Seht, welch‘ eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heißen sollen, und schenke uns den Geist der Kindschaft, der da ruft: Abba, lieber Vater! Lass uns alle Tage froher und reicher werden im Besitze deines Namens. Lass es uns in Freuden jauchzen und in Tränen rufen, lehr es die Kindlein stammeln und die Alten nicht vergessen, lass es der Witwen Trost und der Waisen Zuflucht, der Sünder Bußgebet und der Frommen Lobgesang, unser Bekenntnis im Leben und unsern Notruf im Leiden, unsern letzten Seufzer im Sterben und unser Jubellied sein, mit dem wir drüben erwachen: „Vater unser, der du bist im Himmel.“ Amen.