unbekannt – Gnade

Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, der du bist von Herzen gütig, langmüthig und von vieler Güte, und läßt dich des Uebels reuen, wir bitten dich ganz demüthiglich, du wollest dein väterliches Angesicht nimmermehr von uns wenden in aller unserer Widerwärtigkeit, sondern deine gnädige und väterliche Hand bieten und reichen, und uns endlich von allerlei Jammer und Noth des Leibes und der Seelen ewiglich erlösen, durch Christum Jesum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen.

Andreas Musculus – Vergebung

Ach du frommer und gnädiger Herr Christe, du Sohn David, nimm dich meiner in großen Gnaden an und verstoß mich nicht von deinem Angesicht: du hast mich ja geschaffen da ich nichts war; ja, da ich zum Tode verurtheilt war, hast du dich meinethalben in den Tod gegeben, und hast mich mehr als dich selber geliebet, indem du dein Blut für mich vergossen und mich dadurch theuer erkauft hast. So behalte mich nun, du frommer Herr Christe, in deiner Gunst, Liebe und Gnade; laß diese deine Gnade größer sein als meine Sünde, und vollende so mit Gnaden, was du mit Gnaden angefangen hast. Amen.

Andreas Musculus

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses

Andreas Musculus – Vergebung

Ob ich gleich ein armer Sünder bin, und mich meine großen Missethaten quälen und zaghaft machen, bin ich doch zufrieden und fröhlich, wenn ich deine Wunden anschaue, die voller Gnade und Barmherzigkeit sind: in ihnen sehe ich, wie gar freundlich und lieblich du bist gegen alle dürftige und betrübte Herzen, welche du allesamt labest und erquickest, und lässest deine Gnade kein Ende nehmen. Wer viel begehrt, der findet viel, noch mehr als er bittet und hoffet. In der Hoffnung und Zuversicht komme ich, Herr Christe, zu dir und bitte um große Gnade, denn meine Sünden sind groß: heile mich, Herr Christe, und entstündige mich von meinen großen Missethaten durch dein heiliges Blut.

Laß deine Gnade größer sein als meine Uebertretung, nimm mich als ein armes verlornes Schaf in Gnaden an, bringe mich wieder zurecht und trage mich auf deinen Schultern, leite und führe mich im Verdienst deines Leidens und Sterbens zum ewigen Leben. Amen.

Allgemeines evangelisches
Gesang- und Gebetbuch
Hamburg 1846
Agentur des Rauhen Hauses

Alkuin – Vergebung

Herr Jesu Christe, eingeborner Sohn Gottes, gleiches Wesens mit dem Vater und heiligen Geiste, durch den allein Vergebung der Sünden, durch den allein Leben und Seligkeit kommt: Du hast einst den reuigen Zöllner gerechtfertigt, die Bitte des demüthigen Kananäischen Weibes erhört, mitleidig auf Petrus hingeblickt, da er Dich verleugnet, und als er bitterlich weinte, ihn wiederum angenommen, Du hast den Schacher am Kreuz, als er um Gnade flehte, mit Paradiesesherrlichkeit beschenkt. O so laß auch mir, dem elendesten und unglücklichsten Sünder, der mit Furcht und Zittern seine Missethat bekennt, Vergebung werden, aus daß ich das heilige Sacrament Deines Leibes und Blutes nicht zum Gericht der Verdammniß, sondern als Speise zur ewigen Seligkeit genieße. Dazu hilf Du mir, der Du mit dem Vater und heiligen Geiste regierest in Ewigkeit. Amen!

Alkuin – Größe Gottes

Groß bist Du, o Herr, und sehr zu preisen, groß ist Deine Kraft, und Deine Weisheit ohne Maaß. Zu Deinem Lobe hast Du uns geschaffen, und unser Herz ruhet nicht, bis es in Dir ruhet. Aber wer giebt, daß Du in mein Herz kommst, daß Du es mit heiligem Rausche erfüllest, daß ich allen Jammer vergesse und Dich allein umfasse. Was bist Du mir? Verzeihe, daß ich mich unterwinde, mit Dir zu reden! Sage mir um Deiner Barmherzigkeit willen, Herr mein Gott, was Du mir bist. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hülfe! Ich will Deiner Stimme nachgehen, und Dich umfassen. Verbirg Dein Antlitz nicht vor mir, daß ich nicht sterbe. Eng ist die Wohnung meiner Seele, komm und mache sie weit, zerrüttet ist sie, stelle sie wieder her. Viel Sündenschmutz hat sich darin fest gesetzt, der Deinen Augen mißfällt; ich bekenne und weiß es. Ich will nicht mit Dir rechten, denn Du bist die Wahrheit, ich will mich selber nicht täuschen.
Ich habe gesündigt, daß ich nicht in Dir, sondern in Deinen Kreaturen meine Lust suchte: so bin ich in Schmerzen, Verwirrung und Irrthum gefallen. Ach vergieb die Ungerechtigkeit meines Herzens, und sprich zu mir, barmherziger Gott, sprich zu mir Armen: Ich bin deine Hülfe! Entreiß mich dem Abgrunde eitler Freuden, laß mich empfinden, was es heißt, Dich lieben, und tröste meine Seele, daß sie wiederum fröhlich werde. Herr, der Du immerdar bist ohne Veränderung, der Du lebest und Nichts stirbt an Dir, sprich zu Deinem Knechte: Ich bin deine Hülfe!

Andreas Althamer – Vergebung

Barmhertziger Gott und hymlischer vater / des barmhertzigkeit keyn ende ist / der du langmütig / genedig / und von grosser genad und trew bist / und vergibst missethat / ubertrettung / und sünd. Wir haben layder gesündigt mit unsern vettern / wir haben mißhandelt / und sind gottloß gewesen / und dich offt erzürnet / dir allain haben wir gesündigt / und ubel vor dir gethan / Aber herr gedenck nicht an unsere vorige missethat / laß bald dein barmhertzigkeit uber uns grösser sein / dann wir sind fast ellend worden / hilff uns Gott unsers hayls / umb deines namens ehre willen / Errette uns / und vergib uns unser sünd umb deynes namens willen / und von wegen deynes lieben sons Jesu Christi unsers haylandts / Amen.

Ambrosius von Mailand – Bitte eines Bischofs um Vergebung

Mein Jesus, laß auch mich dir
die heiligen Füße waschen.
Seit du in meiner Seele wandelst,
hast du sie beschmutzt.
Laß mich den Schmutz entfernen,
den mein Tun auf deinen Weg warf.
Doch wo finde ich das lebendige Wasser,
mit dem ich dir die Füße waschen könnte?
Habe ich kein Wasser, so habe ich doch Tränen.
Benetzen sie deine Füße, dann werde ich selber rein.
Warum sprichst du zu mir:
»Ihr werden viele Sünden vergeben,
weil sie viel geliebt hat«?
Ich schulde mehr als andere und mehr vergabst du mir,
wurde ich doch aus dem Lärm der Gerichtshändel
und der Verantwortlichkeit
öffentlicher Verwaltungsarbeiten
zum Bischofsamt berufen.
Ich fürchte undankbar zu sein:
Du hast mir so viel vergeben,
und ich habe so wenig geliebt.
Bewahre dein Geschenk, schütze die Gabe,
die du dem Widerstrebenden verliehen hast.
Ich war mir der Unwürdigkeit für das Bischofsamt
bewußt,
hatte ich mich doch dem weltlichen Treiben ergeben.
Aber »durch deine Gnade bin ich, was ich bin«
Zwar bin ich der letzte aller Bischöfe
und der Geringste an Verdienst.
Weil ich aber für deine heilige Kirche arbeite,
schütze du diese Frucht.
Du hast den Verlorenen zur Bischofswürde berufen.
Laß nun den Bischof nicht verlorengehen.
Vor allem, gib mir die Gnade,
aus tiefstem Herzensgrund mit den Sündern Mitleid
zu haben.
Das ist wahre Tugend, steht doch geschrieben:
»Du hättest nicht frohlocken sollen
über Judas Söhne am Tage ihres Untergangs,
nicht harte Worte sprechen sollen
am Tage der Bedrängnis«.
Gib mir, daß ich Mitleid habe,
wenn die Sünde eines Gefallenen offenbar wird.
Laß mich dann nicht überheblich tadeln,
sondern trauern und weinen.
Laß mich mit den Tränen über andere
auch mich selbst beweinen und sprechen:
»Thamar ist gerechter als ich«.

Magnus Friedrich Roos – Freitag. Morgengebet.

HErr Jesu, Du hast ein unvergängliches Priesterthum, und kannst immerdar selig machen, die durch Dich zu Gott kommen, und lebst immerdar, und bittest für sie. Dessen trösten wir uns an dem Morgen dieses Tages, welcher der Wochentag ist, an welchem Du als ein Priester Dich selbst am Kreuz für unsere Sünde geopfert hat. Gelobt seist Du, und Dank sei Dir gesagt für die große Liebe und Treue, die Du dadurch uns Sündern erwiesen hast. Gelobt seist du, und Dank sei Dir gesagt für die große Liebe und Treue, die Du dadurch uns Sündern erwiesen hast. Siehe, o himmlischer Vater, dieses Opfer Deines Sohnes an, und vergib uns um desselben willen alle unsere Sünden. Segne uns aber auch um desselben willen durch die Mittheilung des Geistes der Gnaden und des Gebets, damit wir tüchtig werden, Dich recht anzubeten, und ohne ängstliche Furcht, aber auch ohne Leichtsinn und Frechheit vor Dir zu wandeln. Und weil Du, HErr Jesu, ein unvergängliches Priesterthum hast, so lasse uns durch dasselbe eine ewige Gnade, ein ewiges Leben, ein unvergängliches Erbe erlangen. Mache auch uns und viele Andere selig, die wir durch Dich, als den einigen Mittler, zu Gott nahen. Wende Deine Lebenskraft an, uns gegen alle Versuchungen zu stärken, und aus allem Uebel zu erretten. Laß Deine Fürbitte bei dem Vater uns zu Statten kommen, und uns zu Deiner Ehre dereinst gerechtfertiget und geheiligt vor Dein und Deines Vaters Angesicht gestellt werden. Dein Opfer hat eine ewige Gültigkeit, Deine Fürbitte ist mächtig, Deine Liebe ist unermeßlich und übertrifft alle Erkenntniß; unser Glaube aber ist schwach, unsere Erkenntniß sehr dunkel. Darum bitten wir Dich: gib uns mehr Licht, Dich zu erkennen, und mache unsern Glauben stärker und völliger. Laß uns auch heute unter der Arbeit durch Deinen Heiligen Geist an allerlei evangelische Sprüche gemahnt, und unsere Seelen dadurch aufgeheitert und im Anhangen an Dich erhalten werden. Amen.

Du bleibst ein Priester ewiglich,
Wir Alle sind versühnt durch Dich.
Es komme uns Dein Tod und Blut
Im Leben und im Tod zu gut.
Amen.

Gerson – Vergebung

O Herr Jesu Christe, Quell aller Liebe und Gnade; wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so verlange ich nach Deiner Hülfe. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, tief aus des Herzens Grunde, denn Lippen und Zunge vermögen meinen Schmerz nicht zu sagen. Siehe, tiefe Fluchen rauschen über mich dahin; Schaaren von Missethaten stehen vor meinen Augen. O schrecklicher Abgrund, o gefährliche Tiefe! Herr, wenn Du Sünden zurechnen willst, wer wird vor Dir bestehen? Aber ich fliehe zu Dir, weil ich weiß, daß bei Dir viel Erlösung ist. Am Kreuze hast Du für mich gelitten und Dein heiliges Blut vergossen, das da hinreicht, die ganze Welt zu versöhnen. Um deßwillen bitte ich Dich, vergieb mir meine Sünde, rette mich vom Verderben und laß mich Ruhe finden unter dem Schatten Deiner Flügel.

Philipp Melanchthon – Vergebung

Almechtiger/ ewiger/ lebendiger/ und warhafftiger Gott/ ewiger und einiger Vatter unsers Herrn Jesu Christi Schepffer Himels und der Erden und menschen/ mit deinem gleichewigen Son unserm Herrn Jhesu Christo und dem heiligen Geist/ der du allein weiss/ guth/ barmhertzig/ keusch/ ein rechter richter/ warhafftig/ und am aller freihesten bist/ der du gesaget hast/ So war als ich lebe/ Ich wil nicht des sünders todt/ sondern das er sich bekere und lebe/ Ich beicht und bekenne dir/ das ich ein armer Sünder bin/ und ist mir leidt das ich dich erzürnet habe/ Ich bitte aber/ erbarme dich meiner/ und vergib mir alle meine sünde/ und mache mich gerecht durch und umb deines eingebornen Sones willen unsers lieben Herrn Jesu Christe/ der fur uns gecreutziget/ und aufferwecket ist von den todten/ den du fur uns gegeben hast zu einem Sönopffer/ und zu einem mittler/ Heilige mich mit deinem heiligen/ lebendigen/ keusc hen und warhafftigen Geiste/ regiere/ und beschütze mich/ regier und erhalt deine Kirchen und Policeyen/ welche da seien herberge deiner Kirchen.

Regier unsern Fürsten und jre Redt/ gibe Gottselige und heilsame Regiment/ und gottseligen und heilsamen frieden/ Ernehre deine Kirch/ und mache mich zu einem heilsamen werckzeug/ unnd einem gefesse der barmhertzickeit/ und das ich jeniche seye ein geuass (Gefäß) deines Göttlichen zorns. Ich bitte dich du allmechtiger und warhafftiger Gott/ erhöre mich umb unsers Herren Jesu Christi willen/ der da gesagt hat/ Was ir den Vatter bitten werdet in meinem Namen/ das wirdt er euch geben. Item/ Bittet/ so solt ir entpfangen etc.