Martin Luther – Buß- und Beichtgebete

Martin Luther – Buß- und Beichtgebete

Lieber Gott, regiere du mich, daß ich mit geistlichem Auge meine angeborene Seuche und Schwachheit erkenne und bekenne, und also zur rechten Erkenntniß geführt, und durch deinen heiligen Geist regiert, gereinigt und geheiligt werde. Amen.

All mein Vermögen ist nichts, all meine Klugheit ist Blindheit und die grüßte Thorheit, alle meine Frömmigkeit und Leben ist zur Hölle verdammt; darum befehle ich mich deiner Gnade; regiere mich nach deinem Geiste; laß nur nichts in mir, daß ich mich selbst regiere; halte mich in deinem Schosse.

Herr, rechne nicht mit mir; ich weiß doch je nicht mit meinen Werken zu bestehen; ich will wohl gern mich vor Sünden hüten und fromm seyn, aber damit ist mir nicht geholfen. Das allein hilft mir, daß wir sollen selig werden durch Vergebung der Sünden.

Luc. 15, 7. Ach Gott! das sind deine Worte, daß über einen Sünder, der sich bekehret, eine größere Freude ist im Himmel, denn über neun und neunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen, und daß alle Gerechten und Engel sollen deß Sünde vertreten und decken. Nun, ach Gott! ich bin da, der ich meine Sünde fühle; ich bin schon gerichtet, mir ist nur alleine eines Hirten vonnöthen, der mich suche, darum will ich mich frey auf dein Evangelium erwegen. – Ach Gott! Ich weiß, daß du das gesagt hast, Ich will mich an die Worte halten, ich sey das Schaf und der Groschen, du seyest der Hirte und das Weib.

Matth. 15, 26. Ach Vater! das laß dich. barmen, und versage uns nicht darum das liebe (Himmels-) Brod; sondern, daß wir nicht genug thun deinem heiligen Wort, ist uns leid, und bitten, wolltest Geduld mit uns armen Kindern haben, und uns erlassen solche unsere Schuld, und ja nicht mit uns ins Gericht gehen; denn Niemand vor dir gerechtfertigt ist. Siehe an dein Verheißen, daß wir unsern Schuldigern herzlich vergeben; denn du versprechen hast Vergebung, nicht daß wir durch solche Vergebung würdig sind deiner Vergebung, sondern daß du wahrhaftig bist, und gnädiglich Vergebung versprechen allen, die ihrem Nächsten vergeben; auf dein Versprechen verlassen wir uns.

Ich bin ein armer Sünder; o Gott, vergieb mir meine Sünde; ich will gern meines Verdienstes geschweigen, schweige du allein deines Gerichts. Also sagt David: Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir wird kein Lebendiger rechtfertig seyn. – O Gott, ich will mit meinen Werken nichts vor dir verdienen, sondern sie allein dahin richten, daß ich damit dem Nächsten diene, und will mich an deine bloße Barmherzigkeit halten.

O du gütiger Heiland! wie weislich hast du es angegriffen! Du bist ja mein Bruder, das weiß ich, wie im 22. Psalm V. 23 stehet: Ich will deinen Namen erzählen meinen Brüdern; wie es auch die Epistel an die Ebräer (K. 2, 12) einführet. Ob du nun gleich Gott bist, mein Herr Christe, und gleich ein König Himmels und der Erden, so kann ich mich nicht vor dir fürchten; denn du bist mein Freund, mein Bruder, mein Fleisch und Blut. Laß mich das nicht irren, daß ich ein Sünder bin und du heilig. Denn wäre ich nicht ein Sünder gewesen, so hättest du nicht für mich dürfen leiden; darum bin ich getrost! –

Psalm 5l, 1. Ach Gott! Kein Mensch noch Kreatur mag mir helfen noch mich trösten, also groß ist mein Elend; denn nicht leiblich noch zeitlich ist mein Schaden; darum du, der du Gott bist und ewig, allein mir helfen kannst: erbarme du dich mein; denn ohne dein Erbarmen alle Dinge mir schrecklich und bitter sind. Nun bitte ich aber dein Erbarmen; nicht das kleine, als du dich zeitlich über die leibliche Noth erbarmest; sondern nach deiner großen Barmherzigkeit, als so du dich über der Seelen Noth erbarmest. Tilge meine Uebertretung nach deiner großen Barmherzigkeit.

Psalm 130, 1. O lieber Herr, wir können nicht mit dir rechten, noch vor Gericht handeln, wir wollen auch nicht von unserer Gerechtigkeit oder Sünde vor dir handeln; denn wenn du, Herr, die Sünde willst zurechnen und uns vor Gericht fragen, ob wir fromm und gerecht sind, so ist es mit uns verloren. Darum so wollen wir vor solchem Gerichte zu dem Stuhl deiner Barmherzigkeit appelliren und unsre Zuflucht zu deiner Güte haben. Haben wir nun was Gutes gethan, so ist es aus deiner Gnade geschehen. Wende derohalben die Augen deiner Barmherzigkeit, nicht der Gerechtigkeit deines strengen Gerichts zu uns. Denn wenn du die Sünde uns wirst zurechnen, oder dieselbigen sehen, so wird unser keiner selig.

Lieber Herr! Vor der Welt bin ich wohl unschuldig und sicher, daß sie mich nicht strafen, noch vor den Richter führen kann. Denn ob ich nicht alles gethan habe, so begehre ich doch von einem Jeglichen, daß er mir vergebe um Gottes willen, wie ich auch Jedermann Vergebe. Damit habe ich sie gestillet, daß sie kein Recht mehr wider mich hat. Aber vor dir muß ich wahrlich die Federn niederschlagen, und mich selbst allerdinge zur Schuld bekennen, und sprechen wie David selbst Psalm 143, 2: Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Mensch gerecht! Darum kann ich mit dir nicht handeln, wenn es soll Rechtens gelten; sondern will stracks appelliren und mich berufen von deinem Richterstuhl zu deinem Gnadenstuhl. Vor der Welt Richterstuhl laß ich wohl geschehen, daß man mit mir vom Recht handelt; da will ich antworten und thun, was ich soll. Aber vor dir will ich kein Recht wissen, sondern zum Kreuz kriechen, und Gnade bitten und nehmen, wo ich kann.

Psalm 90, 14. O Herr, thue überflüssige Barmherzigkeit; nicht eine sondere, dadurch das Königreich oder die Gesundheit erhalten wird. Wir bitten die Fülle und den Ueberschwall deiner Barmherzigkeit. Denn in diesem Jammer, so das ganze menschliche Geschlechte drückt, ist nicht genug die getheilte oder sondere Barmherzigkeit, und die gleichsam, also zu reden, tröpfleinsweise Barmherzigkeit ist; sondern wir bedürfen einer ganzen Sündfluth, und ein Meer, das uns genugsam sey. Alsdann wollen wir rühmen und fröhlich seyn. Denn allein die Barmherzigkeit, so uns von der Sünde erlöset, und der ewigen Seligkeit versichert, gebiert ewige und wahrhaftige Freude, Dankbarkeit und Danksagung.

Ich bin deine Sünde, und du bist meine Gerechtigkeit. Um deßwillen bin ich sicher. Denn meine Sünde wird deine Gerechtigkeit nicht unterdrücken, und deine Gerechtigkeit wird mich keinen Sünder bleiben lassen! Gelobet sey Gott, mein Erbarmer und Erlöser. Auf dich will ich vertrauen, so werde ich nimmer zu Schanden werden.

Herr Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tod, lassest sie auch nicht gerne verderben, sondern willst, daß sie bekehret werden, und leben. Wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdiente Strafe unsrer Sünde gnädiglich abwenden, und uns hinfort zu bessern deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen, um Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen.

O allmächtiger Gott! wer ist, wie du bist? der du die Sünde vergiebst, und erlassest die Missethat den Uebrigen deines Erbtheils; der du deinen Zorn nicht ewiglich behältst, sondern willst barmherzig seyn. Du hast dich wieder zu uns gewendet, und dich unserer erbarmet, du hast unsre Missethat gedämpfet, und alle unsere Sunde in die Tiefe des Meeres geworfen. Diese Barmherzigkeit behält uns für und für, auf daß wir im Lichte deines Wortes wandeln, und aller Gefahr des Teufels und der Welt mögen entfliehen, durch Jesum Christum, deinen Sohn und unsern Erlöser. Amen, Amen, Amen.

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