Urban Pierus – Bewahrung

O HERR GOtt / der du bist ein beschützer unnd tröster aller bedrängten / Du weißt das unsere Feinde so hefftig an uns setzen / und durch ihre zusamenschwörung und blutdürstiges beginnen deine Kirche zuvertilgen / unnd dein wort außzurotten ihnen fürgenommen.

Wir bitten dich durch deine grundlose barmherzigkeit / du wollest uns und unsern bedrängten Schwestern und Brüdern / an denen orten / da die verfolgung bereit angegangen / mit gnaden beystehen / unnd dein Wort bey uns erhalten / und uns von unsern feinden / und der hand aller die uns hassen / mit deinem starcken Arm erretten. Den bund aber unser Wiedersacher wollestu zureissen und alle ihre anschlege hinderen / und deinen gefasten zorn gegen denen wenden / die dich lestern / unnd die ehre deines lieben Sones schenden. Auff das sie erfaren mügen / das du seyest allein der Herr / den alle Creaturen fürchten und ehren sollen / durch JEsum Christusm deinen allerliebsten Shon unsern Herrn / Amen.

Urban Pierus – Bewahrung vor Verfolgung

Almechtiger / Ewiger und barmherziger Got / und Vater / du einiger Nothelffer unnd rechter tröster aller armen bedrängten Christen / der du bist unser zuflucht für und für / und bund und gnade heltest denen die dich lieben und deine Gebot halten: Sihe doch an / wie deine und unsere Wiedersacher so hart drewen und pochen. Die Völcker toben / und die Könige im lande lehnen sich auff / und die Herrn rahtschlagen mit einander wieder dich und deinen gesalbeten. Sie machen listige anschläge wider dein Volck: Wolher sprechen sie / last sie uns außrotten / dz sie kein Volck seyen / das des namens Israels nit mehr gedacht werde. Denn sie haben sich mit einander vereiniget / und einen bund wieder dich gemacht / Sie streiten mit den ubrigen von des Weibes samen / die da Gottesgebot halten / und haben dz zeugnus Jesu Christi. Sie zuschlagen dein Volck / und plagen dein ERbe und unterstehen sich deinen heiligen Tempel zu verunreinigen / und deine Kirche durch iren trotz zuvertilgen / und an stadt deines worts unnd Sacraments ire Päbstische satzungen und lästerliche Opffermeß einzuführen. Darumb höre du Hirte Israel / und erhebe dich du Richter der Welt / vergilt den hoffertigen was sie verdienen. Beweise deine wunderliche güte / du Heiland derer die dir vertrawen / wider die / so sich wieder deine rechte hand setzen. Gib nicht zu / das sie die ware Christliche Religion ganz und gar mit gewalt außrotten / und die Päbstische irthumb und grewel wider eindringen und auffrichten: Sondern erhalt uns Herr bei deinem wort und bey dem gebrauch der hochwirdigen Sacramenten / und laß diselbige unverfelscht auch an unsere Kinder und nachkommen gelangen. Denn ob wir wol gesündiget haben / und sind leider Gottloß gewesen / und haben deine straffe wol verdienet / So sey doch gnedig deinen Knechten / und handele nicht mit uns nach unsern sünden / und vergilt uns nicht nach unser missethat / Sondern in deinem gerechten zorn gedenck an deine barmherzigkeit / und erbarm dich unser bald / denn wir sind fast dünne worden. Hilff du uns unser helffer umb deines Namens ehre willen / Errette uns und vergib uns unsere sünde umb Jesu Christi deines lieben Sohns willen. Ach HERR HERR / hindere die listige anschlege und zerstöre die gifftige Parcktiken des Antichrists / trenne und zureiß nach dem raht deiner güte ire koppel und stricke / und laß iren bund loß und zur narheit werden / und iren verstand / den sie mit einander haben / nicht bestehen. Mache sie veracht und zu schanden / und erschrecke sie durch deine gewalt / auff das sie nicht sagen mügen / wo ist nu ihr Gott? Sondern das sie erkennen / dz du allein der HErr seyest / unnd der höhest in aller Welt. Gib unsern mitbrüdern und Schwestern in der Pfaltz / Hessen / Wirtembergk / Franckreich / Niderland / und an andern orten da sie bedrengt werden / gedult / trost und errettung. Laß für dich kommen dz seuffzen der gefangenen / und für unsern augen kund werden die rache des bluts deiner Knechte / das vergossen ist / die umb dz geeugnus Jesu und umb deines worts willen getötet werden den ganzen tag / und sind geachtet für Schlachtschaffe. HERR du sihests / schweige nicht / Herr sey doch nit so stille / und halt doch nicht so inne. HErr sey nicht fern von uns und thu nicht als gehe es dich nichts an. HErr wie lange wiltu zusehen / Wie lange sollen die Gottlosen / wie lange sollen die Gottlosen pralen? Wir verlassen uns ja nicht auff unsern bogen / und unser schwerd kan uns nicht helffen / sondern du hilffst uns von unsern feinden / und maches zu schanden die uns hassen. Du bist Gott im Himmel / und herscher in allen Königreichen / in deiner hand ist krafft unnd macht / und ist niemand der wieder dich stehen müge. Durch dich wöllen wir unsere feinde zustossen / in deinem Namen wollen wir untertretten die sich wieder uns setzen. Darumb erwecke dich O HERR / unnd wache auff zu unserm rechte und zu unser sache. Bekere unsere feinde die da zubekeren sind / wo nicht / so stewre unnd wehre doch ihrem wüten unnd toben. Laß sie nicht sagen in ihrem herzen / da / da / das wolten wir : Laß sie nicht sagen / wir haben sie verschlungen. Wehre ihrer boßheit / und verfolge sie mit deinem wetter / unnd erschrecke sie mit deinem ungewitter. Mache ihre Angesicht vol schande / das sie nach deinem Namen fragen müssen / unnd stürze sie in die gruben hinein / die sie machen den Christen dein. Du wollest auch in deinem heiligen gleid / schutz unnd schirm / unsere liebe Christliche Obrigkeit erhalten / und alle GOTtselige Evangelische Chur / Fürsten unnd Stende / die pfleger deiner Gemein sind / gnediglich behüten / unnd dir durch krafft unnd wirckunge deines Geistes zu deinem lob unnd preiß einen heiligen Samen unter uns samlen / unnd alles unglück von diesen Landen abwenden / unnd uns mit deinem starcken Arm und mechtiger Hand Veterlich schützen / unnd deine ehre in unsern Landen wohnen lassen / Damit güte unnd trewe einander begegnen / gerechtigkeit unnd friede sich küssen / unnd wir unser zeitlich leben / nach deinem wolgefallen / in stiller ruhe unnd gutem friede zubringen / und für solche deine wolthat dich hie zeitlich unnd dort ewiglich loben unnd preisen mügen / durch JEsum Christum deinen lieben Shon / unsern HERRN unnd Mitler / der mit dir unnd dem heiligen Geist lebet und regieret warer GOTT immer unnd ewiglich / Amen.

Georg Spalatin – Bitte um Beistand in der Anfechtung

Meyn lieber gott ich bekenn es/ ich clage dirß/ das ich ein armer sundiger unfletiger unnd unrainer drecksack bin/ ich weyß aber das du mein got/ mein herr/ mein erlöster/ mein seligmacher bist/ Ich wey und glaub das dein sun Christus Jhesus mein seligmacher ist/ und das er die sind/ die welit/ den teuffel/ unnd die hell uberwunden hat/ des allein vertröst ich mich/ darauff baw ich/ do steet mein hoffnung/ da will ich mich lassen finden/ allein sey mir genedig/ wie ich deiner warhaftiger zusag nach nicht zweiffel/ dann du bist die warhayt selbst/ du felest nicht amen.

O herr gib mir ein vesten glauben gib mir ein bestendige hoffnung/ und gib mir ein rein lieb gegen dir unnd meinem nechsten amen.

Wir haben anfechtung am leib/ am gut/ an der eren/ am gewissen/ oder an der seel/ von den leutten/ von unserm aygen fleisch/ von der welt/ von den sunden/ od vom teuffel/ so sollen wir alweg zuflucht zu gott haben unnd jn umb seyn götlich gnad bitten unnd gedencken unnd glawben das solche anfechtung weil got unser erlößer ist nichts kunnen schaden. Solcher glawb machet unns selig/ dann nichts macht unns selig dann der glawb unnd das vertrauen zu got/ widerumb machet unns nichts unselig/ dann der unglawb unnd die mißtrew.

Christian Wilhelm Spieker – Bewahrung

Darum laß mich, o Herr, die Sünde, die Ursache alles Uebels, scheuen und meiden, alle Trübsal, die um ihretwillen über mich kommt, zu meinem Heil anwenden, und mich, so lange ich hier noch walle, auf einen seligen Heimgang bereiten, damit ich, wenn das letzte Stündlein erscheint, getrost abscheiden könne in dem seligen Bewußtsein, einen guten Kampf gekämpfet, den Lauf vollendet und Glauben gehalten zu haben.

Mein Gott und Herr, weich‘ nicht von mir; Nimm mich in deine Hände. O wahrer Gott, aus aller Noth Hilf mir am letzten. Ende!

Christian Wilhelm Spieker – Bewahrung

a, ich sage dir Lob und Dank, du lieber Vater im Himmel, durch meinen Herrn und Heiland Jesum Christum, daß du mich und die Meinen in dieser vergangenen Nacht so väterlich behütet und vor allen Gefahren getreulich bewahret hast. Du hast Leben und Wohlthaten mir gethan und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Nun aber weiß ich, daß des Menschen Thun nicht stehet in seiner Gewalt, wie er wandle und seinen Gang richte: darum komme ich zu dir, mein Herr, und mein Gott, und übergebe mich ganz deiner weisen und väterlichen Leitung. Erleuchte du meinen Verstand, regiere mein Herz, stärke meinen Willen, daß ich alle meine Sachen weislich führe und nichts Anderes suche, gedenke und begehre, als was dir wohlgefällig und mir und meinem Nächsten nützlich und heilsam ist. Dir will ich meinen Sinn, Verstand und Willen zum alleinigen Dienste ergeben. Mit kindlicher Freudigkeit ergreife ich deine Hand, auf daß sie mich sicher führe durch das unsichere Leben. Du aber, mein treuer Hirt und Heiland, der du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, leite meinen Fuß auf den Weg des Friedens und des Heils und behüte meinen Eingang und Ausgang. Bewahre mich, daß ich nicht in Irrthum und Sünde verfalle, sondern dir diene im wahren Glauben und mit reinem Herzen. Laß dein heiliges Wort mir ein Zeichen sein in meiner Hand und ein Denkmal vor meinen Augen. Erleuchte mich mit deinem himmlischen Lichte; erquicke mich mit deinem göttlichen Troste, stärke mich mit deiner ewigen Kraft. In deinem Namen gehe ich jetzt an meine Arbeit. Ohne dich und deinen Segen vermag ich ja doch nichts. Verleihe dem Herzen Frieden, dem Arme Kraft, dem Leibe Gesundheit; bewahre mich vor Unglück und Schaden und gieb Geduld bei den Sorgen und Mühen des Lebens. Ich will Alles thun in deinem heiligen Namen; so werde ich mein Tagewerk thun zu deiner Ehre und zu meinem Segen. Wie du mich, führe auch die Meinen. Amen!

Johann Friedrich Stark – Bewahrung

Herr mein Gott! wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest. Du giebst uns Leben und Gesundheit, und läsest es uns wohlergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gesunden Leib, und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverletzt Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verletze. Das Gewissen ist wie das Auge, wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränet, es wird roth, und man kann es nicht recht aufthun; so geht’s auch mit dem Gewissen; hat man wider dasselbe etwas vollbracht, so wird es unruhig, es verklagt, verdammt, und wenn er recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott! ich möchte gern eine unverletzte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gut Gewissen so ein edles Kleinod und sanftes Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott, durch unsern Herrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreuet, wer kann mich ängsten und kränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O mein Gott! laß mich diesen Schatz wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, welches mir eine Gewissensangst verursachen könnte; hilf mir, daß ich nie in eine Sünde einwillige, dadurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todtbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könne, ach! bewahre mich vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten christlich und behutsam aufführe. Gieb, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, und vor dir Böses zu thun mich scheue, und bedenke, du seyest ein Herzenskündiger, vor welchem nichts verborgen ist. Gieb, daß ich meinem Heilande und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gieb, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Ach Herr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blut, verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke die stille und wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverletzt, und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott! du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib, ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib.